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Yvette Pichlkostner

Therapier dich selbst!

Copyright © 2017 Lüchow

ISBN print 978-3-95883-161-2

Layout:Kerstin Fiebig [ad-department.de]

www.weltinnenraum.de

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige
Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie
des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Haftungsausschluss

Inhaltsverzeichnis

Einführung ins Thema

Wer ist schon perfekt?

Bevor Sie beginnen

Entdecken, benennen, verhandeln und löschen: Die Übungen

Teil 1: Der Selbstdialog

Wer sind Sie?

Übung 1: Wer bin ich?

Wer ist Ihr Gesprächspartner?

Übung 2: Floatback-Methode

Übung 3: Die Ebenen des Bewusstseins

Übung 4: Der O-Ring-Test

Das Setting

Übung 5: Stühle wechseln

Der Selbstdialog als Entdeckungsreise

Übung 6: Gedächtniskarten

Das erste Gespräch

Übung 7: Gesprächsbeginn

Übung 8: Gesprächsabschluss

Übung 9: Abschied

Übung 10: Der Pakt

Praxisfall: Stefan (41), Key-Account-Manager

Übung 11: Gesprächspartner visualisieren

Praxisfall: Pauline (35), Personalreferentin

Übung 12: Der Partner in Ihrem Körper

Praxisfall: Sofia (24), arbeitslos

Übung 13: Einen Brief schreiben

Praxisfall: Manfred (60), angehender Rentner

Übung 14: Verbindende Gegenstände

Praxisfall: Ana (52), Künstlerin

Übung 15: Prioritäten

Übung 16: Karten ziehen

Praxisfall: Denis (46), Selbständiger

Übung 17: Mehrere Gesprächspartner

Übung 18: To-Do-Liste

Zwischenbilanz

Teil 2: Löschtechniken

Verstand und Intuition: Die beiden ungleichen Schwestern

Übung 19: Bilder emporholen

Übung 20: Der Indianer

Dem negativen Mantra auf der Spur

Übung 21: Methode des Sicheren Ortes

Übung 22: Seufzerliste

Übersicht Glaubenssätze

Wo ist die Löschtaste?

Übung 23: Die Zimmerecken

Übung 24: Klopfen und Rasseln

Im Inneren aufräumen

Übung 25: Lichtstrahlmethode

Übung 26: Das Erinnerungsprotokoll

Schlussbilanz

Einführung ins Thema

Wer ist schon perfekt?

Sind Sie ein Arbeitspferd? Eine Helikopter-Mama? Oder einer, der, wenn er seine Schwächen beschreiben soll, sich immer für „Ungeduld“ und „Perfektionismus“ entscheidet? Vielleicht gehören Sie zur Turbo-Generation mit halbwüchsigen Kindern, pflegebedürftigen Eltern, einem Haus und zwei Jobs – oder Sie legen einfach nur großen Wert auf Ihr Ansehen und Aussehen. Egal, wer Sie sind, eines sind Sie sicher nicht: perfekt. Und wenn Sie sich noch so anstrengen.

Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht, denn die Welt ist ja auch nicht perfekt. Die Menschheit ist vielleicht sogar der am wenigsten perfekte Teil dieser Welt. Und alle Leute in Ihrer Umgebung – ja: alle! – schlagen sich mit wiederkehrenden Problemen herum. „Ich bin so ein Loser!“, stöhnen die einen; „Warum passiert das immer nur mir?“, hadern die anderen. Das wenigste davon bekommen Sie mit, denn wer trägt sein Herz schon so auf der Zunge, dass er andere mit seinen Schwächen behelligt?

Im Gegenteil: Es war noch nie so einfach, seinen Mitmenschen vorzugaukeln, wie toll das eigene Leben ist – sehen Sie sich nur einmal die vielen Facebook-Profile an. Da scheint ja fast jeder ständig gut drauf zu sein und täglich seine Träume zu verwirklichen. Natürlich liegt das daran, dass soziale Netzwerke nur ein unzureichendes Abbild der Realität sind. Aber das ist ein Abbild, das uns manchmal intensiver begleitet als die Wirklichkeit.

Hinter der Fassade des Gut-drauf-seins sind Menschen mit ihren seelischen Problemen und Belastungen häufig allein. Auch die Zeiten, in denen man auf Zuspruch hoffen kann, weil das Umfeld dieselben Probleme hat, sind heute meist früh im Leben vorbei. Selbst die beste Freundin oder der erprobte Lieblingskumpel können manchmal nicht mehr ihre Rolle erfüllen, weil Lebensentwürfe immer weiter auseinandergehen, zeitversetzt stattfinden, vielfältigsten Optionen, Erwartungen und Zwängen unterworfen sind – und es dann manchmal an Verständnis und Mitgefühl mangelt. Ich sehe es ja schon daran, dass meine eigene Tochter längst aus dem Haus ist und manche meiner Schulfreunde gerade erst die schwere Zeit des Windelwechselns durchmachen.

Wo das Umfeld nicht helfen kann, wendet man sich immer häufiger an Berufene: Psychologen, Heilpraktiker, Coaches, Seminaranbieter, Trainer aller Art. Ich selbst bin Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie – und könnte über diese Entwicklung froh und dankbar sein. Aber ich habe oft erlebt, dass der Besuch beim Coach wie ein Arztbesuch aufgefasst wird: je öfter man hingeht, desto näher sei man der Heilung. Dabei sind die meisten Ursachen für seelische Belastungen gar keine Krankheitsbilder. Entsprechend ist der Coach auch kein Arzt und kann nicht heilen. Von seelischen Belastungen muss sich letztlich jeder selbst zu befreien lernen, egal ob er zu Therapeuten geht oder nicht. Ein Coach begleitet den Prozess nur.

Meine langjährige Arbeit in der Psychotherapie hat mir vor Augen geführt, dass es nicht zwingend die intensive Begleitung ist, die zur Lösung seelischer Probleme führt, im Gegenteil: Manchmal begeben sich Menschen dadurch nur in neue Abhängigkeiten. Entscheidend ist vor allem der Zugang, den man zu sich selbst und zu seinem Inneren findet. Ich habe, um diesen Zugang zu erleichtern, über etwa zehn Jahre ein Set von Karten entwickelt, das Bilder und Begriffe zufällig kombiniert und so Assoziationen bilden hilft, auf die man sonst womöglich nie gekommen wäre. Dies war vor allem zur praktischen Unterstützung meiner täglichen Arbeit gedacht. Unter dem Titel „HILF DIR SELBST!“ habe ich sie dann vor einiger Zeit mitsamt einer Anleitung zum Selbstcoaching veröffentlicht. Denn ich dachte mir, wenn die Arbeit ohnehin am Einzelnen hängenbleibt, kann er sich durchaus auch selbst therapieren, wenn er es wünscht. Das spart vielen Menschen Geld, das sie sonst nicht übrig hätten – oder Zeit, die sie nicht aufbringen können. Und es erspart das unangenehme, beschämende Gefühl der Selbstentblößung vor anderen, das für viele der Grund ist, sich vor seinen Problemen gleich ganz zu verschließen.

„THERAPIER DICH SELBST!“ ist als praktisches Übungsbuch angelegt und führt die Idee weiter. Hier geht es darum, wie Sie Faktoren seelischer Belastung oder psychischen Stresses entdecken, benennen und abstellen. Im Zentrum stehen dabei Stuhltechniken für den inneren Dialog und Löschtechniken, die auf der Dualität der Gehirnhälften aufbauen. Sie brauchen nicht mein erstes Buch zu kaufen, um zu verstehen, wie es geht. Diejenigen, die das Toolkit „HILF DIR SELBST!“ parat haben, werden sich sicherlich gleichwohl freuen, dass sie die Karten auch für diese Übungen einsetzen können.

Wenn Sie schon nicht perfekt sind, dann sollten Sie wenigstens Ihre Zeit nicht damit verbringen müssen, Ihre Fehler und Schwächen immer wieder durchzukauen. Ich möchte helfen, dass Sie loswerden, was Sie bedrückt. Ich selbst bin ja kein bisschen besser als Sie: Jahrelang litt ich unter psychischen Belastungen und bog mir die Realität danach zurecht. Noch heute übrigens können mich Kränkungen völlig aus der Bahn werfen, kann ich in ein tiefes Loch fallen, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Dann nutze ich die Methoden, die ich Ihnen in diesem Buch vorstelle, für mich selbst – und komme viel schneller wieder aus dem Tief heraus als früher. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier auf der Erde Spaß haben, einander Gutes tun und glücklich sein sollten – das Leben ist doch viel zu kurz, um es in Gedankenkarussellen zu verbringen. Wir können uns nicht einmal darauf verlassen, dass wir das Verpasste in einem nächsten Leben nachholen können.

Dieses Buch ist ein Ratgeber, eine Anleitung, ein Begleiter. Es ist nicht weniger, aber auch nicht mehr. Wenn Sie die Übungen beginnen, behalten Sie einfach im Kopf, dass Sie nichts wirklich falsch machen können. Wenn Sie das Gefühl haben nicht vorwärtszukommen, schlagen Sie einfach noch einmal nach. Sollten Sie einen anderen Weg finden, sich Ihren Themen zu stellen: wunderbar! Das Wichtigste ist, dass Sie den Ursachen auf den Grund gehen, sich im Dialog mit sich selbst über sie klar werden und die ganzen Altlasten frohen Mutes aus Ihrem System löschen können.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit.

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Bevor Sie beginnen

Ich möchte, bevor wir in den Inhalt einsteigen, einige Sätze zur Handhabung dieses Buches anführen. Wie gesagt: Sie können keine wirklichen Fehler machen. Seien Sie trotzdem achtsam, denn Sie begeben sich auf eine Reise zu Ihnen selbst und in sich selbst. Hätten Sie nicht etwas, an dem Sie arbeiten wollen, dann würden Sie dieses Buch wahrscheinlich nicht in den Händen halten. Das heißt auch, dass in Ihrem Inneren durchaus dunkle Seiten und unerfreuliche Dinge auf ihre Entdeckung warten.

Psychologen und auch Coaches warnen bisweilen davor, sich unbeaufsichtigt und ganz auf sich selbst gestellt auf dieses Abenteuer zu begeben. Wenn die Persönlichkeit nicht stabil sei, könne dies womöglich zu extremen Seelenzuständen führen, die Gefahr für Leib und Leben mit sich bringen können. Damit haben die Kollegen absolut recht – so etwas kann passieren, wenn man mit schweren und schwersten psychischen Problemen belastet ist. Deshalb noch einmal ein deutlicher Hinweis: Benutzen Sie dieses Buch nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Psychologen, wenn Sie sich in psychiatrischer oder psychologischer Behandlung befinden sollten – ganz besonders dann, wenn Sie unter einer Depression leiden, eine schwere Suchterkrankung durchmachen oder gar an Selbstmord denken. Und auch wenn dies alles nicht zutrifft: Brechen Sie ab, sobald Sie überraschende und heftige psychische Reaktionen an sich feststellen. Ziehen Sie gegebenenfalls einen Experten zu Rate.

Andererseits kann ich Sie beruhigen: In der Regel wird nichts davon auf Sie zutreffen. Sicher, Sie möchten wie viele Millionen anderer Menschen ein Problem in Ihrem Inneren lösen, einem Mythos auf die Spur kommen, das Gedankenkarussell abstellen. Das versuchen diese vielen Millionen ja größtenteils auch, ohne dass sie deswegen einen Coach aufsuchen. Und weil sie es allein mit sich ausmachen, kommen sie zwar nicht immer weiter, aber andererseits führt es sie auch nicht in existenzbedrohende Seelenzustände. Nie kämen sie auf die Idee, es sei gefährlich, Dingen im eigenen Inneren auf den Grund zu gehen. Zu Recht.

Aber weiterkommen will man ja eigentlich. Und wenn es Sie dann nicht zu einem Coach zieht, ist es völlig in Ordnung, dass Sie sich den Weg in Ihr Inneres durch dieses Übungsbuch erschließen.

Sie können die Übungen alleine durchführen. Es ist Ihnen überlassen, ob Sie sie erst nach der Lektüre damit beginnen oder währenddessen. Alles ist so aufgebaut, dass Sie sich die Inhalte ohne Hilfe erschließen können. Wenn Sie doch jemanden zu Rate ziehen wollen, der Ihnen hilft, etwa indem er Sie beim Selbstdialog unterstützt und mit Fragen eingreift, dann seien Sie wählerisch bei der Auswahl dieser Person. Der Vorteil eines Coaches ist nämlich, dass er zwar empathisch und zugewandt ist, aber andererseits keine intime Vertrauensperson darstellt. Diese Mischung aus professioneller Distanz und menschlicher Nähe ist im eigenen Familien- und Freundeskreis in der Regel nicht zu finden. Und wenn schon Sie kein ausgebildeter Coach sind, kennen Sie sich immerhin mit sich selbst gut aus. Deshalb ist jemand, der weder das eine noch das andere hat, aus meiner Sicht nicht wirklich hilfreich bei diesem Prozess.

Trauen Sie sich einfach; es geht ja ohnehin ausschließlich um Sie.

Entdecken, benennen, verhandeln und löschen: Die Übungen

Was ist Ihr Ziel? Möchten Sie eine seelische Verletzung loswerden, die Sie erfahren haben – in Ihrer Jugend oder letzte Woche im Büro? Oder haben Sie ein mulmiges Gefühl, wenn Sie an die Zukunft denken – und wollen wissen warum? Es gibt tausend Gründe, sich mit seinem Seelenzustand analytisch zu beschäftigen – und es sind fast nie positive Gründe. Wer zufrieden, glücklich und voller Selbstvertrauen ist, der muss sich nicht befragen. Und wer trotzdem ein Fass aufmacht, tut sich nicht einmal einen wirklichen Gefallen damit. Also gehen wir in diesem Übungsbuch von einem gewissen Leidensdruck aus, der Sie dazu bewegt, ein Problem loszuwerden.

Ein Problem aus dem Leben zu löschen, ist keine Sache von einem Fingerschnippen – aber doch gut möglich. Die Übungen folgen einem Muster: Entdecken Sie, was in Ihnen das Problem bereitet, benennen Sie es klar und treten Sie in einen Dialog ein. Jedes Problem hat entweder mit einer Person zu tun oder einem Persönlichkeitsanteil Ihrer selbst. Und wenn es keine Person ist, so ist dieses Etwas fast immer personifizierbar. So funktionieren wir Menschen nun mal: Wir denken in Bildern. Und Bilder sind am wirkmächtigsten, wenn sie mit anderen Menschen zu tun haben.