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DHYANI YWAHOO

Am Feuer
der
Weisheit

Lehren der Cherokee Indianer

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Die amerikanische Originalausgabe

Copyright der deutschen Ausgabe © 1988, 2017

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Peter Hübner

E-Book Gesamtherstellung: Bookwire GmbH, Frankfurt a. M.

ISBN Printausgabe: 978-3-95883-123-0

www.weltinnenraum.de

1. Auflage der Neuausgabe 2017

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige

INHALT

Dank

Widmung

Vorwort der deutschen Ausgabe

Vorwort

Einleitung

1. Das Volk des Feuers

2. Stimmen unserer Ahnen

3. Die Erneuerung des »Heiligen Reifs«

4. Die Familie der Menschheit

5. Friedesgeist schaffen

6. Eine lebende Vision des Friedens

7. Das diamantene Licht

Nachwort

Anmerkungen

Anhänge

A. Die Lebensfamilie

B. Die Richtungen und ihre Eigenschaften

C. Dhyani Ywahoo und die Sunray Meditation Society

Literaturhinweise

DANK

Mein besonderer Dank gilt Tama Weisman für die Erfassung des Manuskripts; Lynn E. Aiden für die Vorbereitung der Illustrationen; Emily Hilburn Seil von Shambhala Publications für den Weitblick, mit dem sie die Entstehung dieses Buches auslöste; all meinen Freunden von Sunray, die meine Vorträge der letzten sieben Jahre aufzeichneten und übertrugen, sowie den großzügigen Menschen, die dieses Projekt durch Spenden in Form von Computern, Schreibmaschinen, Kopierern und weiterem Gerät förderten. Und ich danke dir, Barbara, daß du dabei bist.

WIDMUNG

Für alle, die vorausgegangen sind und den klaren Weg des Schönen schufen.

Für meine Großeltern, meine Urgroßeltern und meine Eltern. Für die Weisheit, die sie kultivierten und an mich weitergaben, so daß ich sie an diejenigen weitergeben kann, die bereit sind, sie anzunehmen.

Für Golden: Möge das Mysterium in Deinem Herzen flüstern.

Für meine Kinder und Enkelkinder: Danke, daß Ihr mich zur Mutter haben wolltet, und mögen eure Visionen Wirklichkeit werden.

Für den Oberhäuptling der Etowah-Nation, Hugh Gibbs, und seine Familie. Für die gütigen Werke, die sie vollbringen, damit Frieden auf der Welt leuchten möge.

Für die verirrten Cherokee: Mögen diese Worte Wegweiser sein, die euch die Rückkehr nach Hause ermöglichen.

Für die Sunray-Teilnehmer, die den Traum meiner Ahnen verwirklichen, daß Menschen aller Länder gemeinsam Gutes vollbringen können.

Und für alle weisen Stimmen, die mich auf meinem Weg begleiteten. Ich danke für den Rat von Phillip Deere und Mad Bear sowie dem Medizinmann der Diné, Tommy, der mich nach Hause zurückrief und mir sagte: »Ja, du kannst das vollbringen, was deine Großeltern von dir erwarteten.« Mein Dank auch an Marie, die Traumfreundin, die Wirklichkeit wurde.

Ga li e li ga, ich bin dankbar.

VORWORT DER DEUTSCHEN AUSGABE

Seit dem ersten Erscheinen meines Buches Am Feuer der Weisheit hat die Wissenschaft bestätigt, dass alle Wesen in einem lebendigen, weisen Feld miteinander verknüpft sind. Auch die Erzählungen aus den Wäldern, in denen die Bäume mit uns und untereinander reden, sind mittlerweile von Biologen anerkannt. Sprechen wir von „all unseren Beziehungen“ können wir das besser begreifen, wenn wir die durch Schwingungen übertragenen Informationen beachten.

„In immer stärkerem Maße“, sagte Sayer Ji, der Gründer von GreenMedInfo.com, „stimmt die Wissenschaft mit der Poesie der unmittelbaren menschlichen Erfahrung überein: Wir sind eben mehr als bloß die Summe der Atome und Moleküle, die unseren Körper ausmachen, wir sind zudem Lichtwesen. Der menschliche Körper strahlt Biophotonen aus, die aber auch bewusst durch geistiges Wollen ausgesandt werden können. Möglicherweise regeln sie auch die grundlegenden Prozesse der Kommunikation von Zelle zu Zelle oder mit der DNA.“

Die Verschränkung, von der die moderne Quantenphysik ausgeht – Einsteins „spukhafte Fernwirkung“ oder Nicht-Lokalität –, deutet darauf hin, dass alle Wesen miteinander vernetzt sind.

Selbst die Vorstellung von der Welt als Traum wird derzeit durch das Konzept des „holographischen Universums“ erforscht, der Idee, dass wir in einer Art Computersimulation leben, aus der sich die wahren Entdecker befreien wollen. Der Widerhall unseres Erwachens findet sich in dem Bestreben, Wasser, Erde und Luft zu schützen. Es ist an uns, die gegenseitige Abhängigkeit all unserer Beziehungen zu erkennen. Verändern wir unsere Sicht-, Denk- und Handlungsweise, klingt das im Feld unserer Gespräche nach. Es erzeugt Gesundheit in unserem gesamten Traum. Die Erde erneuert und füllt sich entsprechend der Wertschätzung unserer Herzen.

Die Menschheit wird sich allmählich der Kraft ihrer Gedanken bewusst, sie legt die Illusion der eigenen Begrenztheit nach und nach ab. Dr. Emoto hat in Japan den Einfluss der Gedanken auf Wasser bereits bewiesen, als ihm gelang, Wasser durch spielerisches Denken zu reinigen. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, haben sich indigene Völker aus aller Welt am Standing Rock in South Dakota versammelt, um deutlich zu machen, wie wichtig der Schutz des Wassers ist, das uns alle nährt und erhält.

Was einen von uns betrifft, wirkt sich durch das Feld des Lebens auf uns alle aus. Herzen aus Stein haben die Fähigkeit verloren, sich unserer Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Puls der Erde und der Luft bewusst zu sein. Sie täuschen viele mit ihrer beschränkten Weltsicht. Wir können in unserem Traum erwachen und das Gleichgewicht und den Einklang wiederherstellen. Gemeinsam stimmen wir das Lied des kosmischen Jubels an, brechen aus der Matrix unserer Beschränkungen aus und erinnern uns daran, dass unser Geist im Tanz mit unserer potenziellen Kraft dazu beiträgt, diesen Aufstieg zu erreichen.

Gemeinscham erschaffen wir eine neue Welt voller Schönheit und Erfahrungen. Die Quantenphysik zeigt uns, dass die Welt nicht das starre und unwandelbare Universum ist, für das wir sie halten. Sie ist sogar äußerst flexibel und erneuert sich beständig durch unser individuelles und kollektives Denken.

Beschäftige dich doch einmal mit:

dem holographischen Universum

der spukhaften Fernwirkung

(Einsteins spooky action at a distance)

der Geschichte der indigenen Völker Nord- und

Süd-Carolinas

Dhyani Ywahoo

November 2016

VORWORT

Dieses Buch wurde in der Hoffnung geschrieben, daß es dem Frieden und Einklang aller Lebewesen untereinander zum Erblühen verhelfen möge.

Die hier wiedergegebenen Lehren und Meditationen basieren auf den traditionellen Lehren, Lehrgeschichten und Spielen der Tsalagi*, die ich von meinen Großeltern, Urgroßeltern und Großtanten lernte.

Nach Generationen der Geheimhaltung wurde im Jahre 1969 beschlossen, die Lehren der Tsalagi-Tradition mit Nichtindianern zu teilen, damit unsere Kinder Wasser zum Trinken und Platz zum Gehen haben würden. Dahinter steht die Absicht, die Verbindung des einzelnen Menschen zur Familie, der Gemeinde, seinem Heimatland und sogar der Erde zu verstärken. Wir laden niemanden ein, Indianer zu werden. Wir laden Menschen ein, ein freundschaftliches Verhältnis zueinander zu bewahren und die Lehren ihrer Herkunftsfamilien zu achten. In dieser Weise können wir alle bei der Verwirklichung einer Friedensvision zusammenzuarbeiten.

Diese Lehren sind grundsätzlicher Art. Sie sind für Menschen jeder Religionszugehörigkeit oder Nationalität annehmbar, die sich dem Frieden und dem harmonischen Zusammenleben verpflichtet fühlen. So halten wir an der Heiligkeit der Klangesetze fest, die bestimmen, welche Lehren Nichtindianern mitgeteilt werden dürfen.

Es ist meine Hoffnung, daß diese Worte viele Menschen zu positivem Handeln anregen werden und dies allen Lebewesen heute und in der Zukunft zugute kommen wird.

Der Inhalt dieses Buches basiert auf Vorträgen und Lehrunterlagen aus den Jahren 1978–1985, die vor allgemeinem Publikum präsentiert wurden, insbesondere aber vor Mitgliedern und Studenten der Sunray Meditation Society, einer gadugi (Gesellschaft), die mit der Igidotsoiyi Tsalagi Gadugi (Drei Schwestern Gesellschaft) der Etowah-Gruppe der Östlichen Tsalagi Nation verbunden ist.

Obwohl diese Lehren in europäischen Sprachen verbreitet werden, haben sie ihre Wurzeln im Zyklus der Verbindungen des Tsalagi-Denkens. Daher sind in diesem Werk erkennbare Muster von Wiederholungen festzustellen, die sich in subtiler Weise voneinander unterscheiden. Als Bestandteile der traditionellen Lehrmethode führen diese formellen Muster und Verbindungen dazu, daß die Lehren auf vielen verschiedenen Ebenen aufgenommen und verstanden werden können.

Als wir noch Kinder waren und diese Dinge lernten – besonders in meinem Fall, da ich eine designierte Stammhalterin war –, wurde uns viel davon mit auf der Erde gezeichneten Diagrammen vermittelt. Ferner dadurch, daß gewisse Formen mit natürlichen Gegenständen gebildet wurden. Beispielsweise ein Dreieck, welches zehn Steine enthielt. Sprechgesang und Trommeln waren auch wichtige Bestandteile der lernenden, ausbalancierenden Aktivitäten der rechten und linken Hirnhälften, so daß man die Gedanken unmittelbar begriff, die mit einem geteilt wurden.

Die hier wiedergegebenen traditionellen Lehrmethoden sind in einer Weise dargestellt, die sich stark von den linearen, konzeptionellen, analytischen Denkmustern Europas unterscheiden. Die Lehre der Tsalagi, wie auch die Tsalagi-Vorstellung der Realität, beschreibt einen Kreis, und ich spreche zu euch, meine Leserinnen und Leser, wie zu meinen Verwandten. Ich teile mit euch die Weisheit unserer Ahnen.

Es sind dies Lehren einer traditionellen mündlichen Überlieferung. Sie sind Hunderttausende von Jahren lang geflüstert, gesprochen, gesungen, getrommelt und getanzt worden. Sie sind behaftet mit den Mysterien des Sternenleuchtens, des Feuerscheins, der Morgenröte. Hier werden nun diese heiligen Lehren erstmals schriftlich weitergegeben. Mögen sie in deinem Herzen große Freude über das Geschenk des Lebens entfachen, darüber, daß es Familie, Freunde, Kollegen und eine menschliche Gemeinschaft gibt, in der gelebt und gelernt werden kann. Auch darüber, daß es uns gegeben ist, in dieser Zeit den »Heiligen Reif« des Lebens auf unserem Planeten zu erneuern.

Der Kern der Lehre ist, jedem einzelnen Moment die drei fundamentalen Prinzipien von Absicht, Mitgefühl und Güte einzugeben. Diese drei Prinzipien selbst und ihre Beziehung zu Einzelpersonen, Familien, Nationen und dem Universum bilden die konzeptionelle Essenz der Weltanschauung der Tsalagi, und sie bestimmen jeden Aspekt der Lehre. Man nennt sie oft die »Alten-Feuer im Himmel« oder die »Drei Heiligen Feuer« des Willens, der Liebe und des aktiven Intellekts. Jede Teillehre enthält mindestens sieben Hinweise darauf, wie sich diese Grundprinzipien in unserem Leben manifestieren. Daher enthält jede Hauptunterteilung der hier dargestellten Lehren sieben solcher Beispiele, von denen drei die Prinzipien unmittelbar betreffen und die weiteren vier die Zyklen von Beziehungen ansprechen. Dieses formelle Muster der Wiederholung wirkt wie ein Webkamm, der den Stoff festigt.

Jedes Kapitel kann als eine in sich geschlossene Einheit gelesen werden, doch bilden die Kapitel auch eine Reihenfolge. Beim Lesen des gesamten Buches werden sich die Zusammenhänge gewisser Gemeinsamkeiten feststellen lassen. Die verwendeten Wörter spielen nur eine untergeordnete Rolle bei dem, was die Lehren im Menschen auslösen, der sie aufnimmt. Sie sind ein Medium, um das reine Licht der Weisheit zu übertragen.

In der Weltanschauung der Tsalagi befinden sich Leben und Tod, Manifestation und Formlosigkeit allesamt innerhalb des Kreises, der sich spiralartig, sämtliche Dimensionen umfassend, ausdehnt. Die Lehren bringen diese Ausdehnung zum Ausdruck. Die gleiche Schilderung kann auf verschiedenen Wegen begriffen werden, wenn sich weitere Dimensionen des Geistes öffnen.

Sogar Zeit und Geschichte tanzen in der Spiralbewegung mit. Muster der Vergangenheit finden ein Echo in der Gegenwart und hallen durch die Zukunft. Unser Zeitmeßsystem – im Kern identisch mit dem Kalender der Maya oder Azteken – spiegelt die Spirale als miteinander verzahnte Räder aus Energie und Bewußtsein wider, die sich zeitlos und majestätisch bewegen. In der mündlichen Überlieferung wie auch der geschriebenen Geschichte der Tsalagi gibt es gewisse Lehrer, die sich auf dem amerikanischen Kontinent in regelmäßig wiederkehrenden Zyklen manifestieren. Sie verkünden essentiell die gleiche Botschaft, die gleiche Weisheit und treten zu den geeigneten Zeiten auf, um die Menschen an den Einklang zu erinnern. Diese regelmäßige Wiederkehr reinen Geistes setzt sich weiterhin fort. So wie einst »Der Fahle«, »Der Friedensstifter« und Quetzalcoatl dieses Land beschritten, so wird in unserer Zeit wieder ein Lehrer von großer Güte erscheinen, um das Feuer der Weisheit im Zusammenleben aller Menschen erneut zu entfachen.1

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen der Tsalagi-Weltanschauung und der des Buddhismus, des Christentums und des Judentums. Die Wurzeln sämtlicher Völker und Religionen führen zurück zu dem einen Großen Baum des Friedens. Doch kennen viele Menschen nur wenig von den Inhalten der Philosophie und Religion der amerikanischen Ureinwohner. Und das, was bekannt ist, stimmt oftmals nicht. Dieses Buch sollte mit offenem Herzen gelesen werden, ohne Anhaftung an irgendwelche bisherigen Ideen oder Vorstellungen darüber, was und wie die Ureinwohner Amerikas sind.

Es wäre jedoch ein Irrtum, wenn du die Erwartung hegtest, durch das Lesen dieses Buches über die Philosophie der Tsalagi das gesamte Denken der indianischen Völker erfassen zu können. Ich hoffe vielmehr, daß das Buch dadurch ein Spiegel deines eigenen Geistes und deiner Vorfahren sein wird, indem du ähnlich verlaufende Muster feststellst: Gemeinsamkeiten des menschlichen Denkens und Seins.

Die Philosophie der amerikanischen Urvölker – ob Tsalagi oder andere – kann auf vielen verschiedenen Ebenen verstanden werden. Die Übungen, die in diesem Buch geschildert werden, sind für alle Menschen geeignet; sie werden keine negativen Auswirkungen haben, wenn ihre Durchführung wie beschrieben erfolgt. Die tiefergreifenden Rituale, Zeremonien und Handlungen der Urvölker, wie die, die mit der Pfeife und der Reinigungshütte (Schwitzhütte) zu tun haben, sind den Urvölkern vorbehalten. Sie nachahmen zu wollen, wäre gefährlich und respektlos. Es sind dies die Hohen Mysterien unserer Völker, so heilig für uns wie eine Messe für den Katholiken. Mögest du das Große Mysterium durch die Fenster betrachten, die dir dafür offen stehen, und im Kontinuum deines eigenen Lebens die Wegweiser wahrnehmen, die den Pfad der Schönheit kennzeichnen.

In der jetzigen Zeit werden die Ureinwohner Amerikas täglich mit kulturellem wie physischem Völkermord konfrontiert. In dieser Minute sind die Ureinwohner der westlichen Halbkugel nur Spielsteine in den Fortschritts- und Gewinnkonzepten multinationaler Gesellschaften. Denke an die Zwangsumsiedlungen von unzähligen Ureinwohnern in Nordamerika, den entsetzlichen Völkermord an Eingeborenen in Mittel- und Südamerika. Und erkenne, solche Grausamkeiten könnten sich in deiner eigenen Nachbarschaft ereignen, wenn wir es zulassen, daß sich unsere Herzen derartig verhärten, uns die Leiden anderer Menschen gleichgültig sind.

Daher hoffe ich, daß jede Leserin, jeder Leser dieses Buches die Muster, die durch unsere Gedanken und Handlungen gewebt werden, eingehend betrachten wird, um so Gewissenhaftigkeit und Großzügigkeit zum Wohle künftiger Generationen aufkommen zu lassen. Möge Mitgefühl in deinem Herzen wachsen, und mögest du alle Lebewesen als Verwandte in diesem Traum von Leben erkennen.

Das Geschenk Leben ist äußerst kostbar und geht sehr rasch dahin. Mögen die Worte dieses Buches dich dazu anregen, die richtigen Taten vorzunehmen, um das Elend der Völker der Welt zu lindern. Mögen alle Lebewesen von Leiden befreit werden und alle gegensätzlichen Auffassungen in Übereinstimmung enden, so daß das große Feuer der Weisheit in unseren Herzen brennen und aus unseren Handlungen leuchten kann.

*Tsalagi wird in diesem Buch durchgehend anstelle der Bezeichnung „Cherokee“ verwendet. Der Stamm, zu dem Dhyani Ywahoos Familie gehört, wird auch Aniyunwiwa genannt.

AM FEUER
DER
WEISHEIT

EINLEITUNG

Wir Cherokee oder Tsalagi nennen uns traditionell das Hauptvolk, Ani Yun Wiwa, da unsere Schöpfungsgeschichte und Philosophie von der heiligen Pflicht sprechen, Licht zu verbreiten und das Gute zum Nutzen aller Wesen zu verwirklichen.

Unseren Ursprung führen wir auf Sterne zurück, die als Siebengestirn (Plejaden) bekannt sind: Die Sieben Tänzer. Ein integraler Teil unserer Zeremonien und Beziehungsmuster ist das Feuer der Weisheit. Daher sind wir, die Feuerhüter des heiligen Lichts, verantwortlich dafür, das Feuer des klaren Denkens und der richtigen Beziehungen in diesen veränderlichen Zeiten zu neuem Leben zu erwecken.

Die Lehren, die in diesem Buch enthalten sind, werden von einer Person dargebracht, die zur fünften Generation der Nachkommen gehört, die den Sturz der natürlichen Lebensweise der Tsalagi in die Finsternis überlebten.1 Auf Kinder der fünften Generation übertrugen die Alten die besondere Aufgabe, das heilige Feuer der Weisheit erneut zu entfachen, indem sie Menschen dazu aufforderten, die Auswirkungen unserer Gedanken und Handlungen auf die Natur, auf andere Menschen, auf uns selbst und auf künftige Generationen wahrzunehmen. Unsere Alten, von denen einige harte Entbehrungen und Strafen ertragen mußten, weil sie sich um die Erhaltung unserer Kultur bemühten, gaben uns durch Zeremonien, Gesänge und Vorbilder die Methoden mit auf den Weg, die eine gesunde Welt Wirklichkeit werden lassen können.

Bis 1979 war es den Urvölkern Amerikas gesetzlich untersagt, ihre traditionellen Religionen auszuüben. 1978 erwog der Kongreß der Vereinigten Staaten, ein Gesetz zu verabschieden, das einseitig sämtliche Verträge mit den Indianern aufheben sollte, womit ihnen auch noch ihr geringer Rest an eigenem Land genommen worden wäre. Dies hätte zwangsläufig den Tod der Indianerkulturen herbeigeführt, denn die Basis der indianischen Religionen, ihrer Sprachen und ihres gemeinschaftlichen Lebens ist die geheiligte Beziehung zu ihrem Land. 1979 wurde der American Indian Religious Freedom Act (Gesetz zur Religionsfreiheit amerikanischer Indianer) verabschiedet, der den Ureinwohnern Amerikas ihre Zeremonien und Rituale wieder gestattete. Viele Indianer der fünften Generation hielten die Verabschiedung dieses Gesetzes für einen Versuch, ihnen die Landenteignung schmackhaft zu machen. Obwohl der Gesetzentwurf von 1978 nicht verabschiedet wurde, versetzte er die fünfte Generation – wie es die Alten gehofft hatten – in Bewegung.2 Für viele Indianer war der Versuch, alle restlichen Verträge mit ihnen zu brechen und ihre übriggebliebenen Ländereien zu rauhen, ein Wachrütteln ihres »Indianertums«. Mit der Erkenntnis, daß wir nahe am Rande der Auslöschung und völligen Eingliederung gewesen waren, kam neues Interesse auf, indianische Sprachen, Philosophie, Medizin und Religion zu studieren. Die Tsalagi sind nur eine von vielen Indianernationen, die heute wachsen und gedeihen.

Dieses Buch ist jenen weisen Alten gewidmet, die den Glauben und die Voraussicht hatten, das Feuer der Weisheit am Leben zu halten.

Ich selbst bin eine Tsalagi der Etowah-Gruppe; ein Gefäß, gefüllt mit den Träumen derer, die vor mir gingen; von den Alten gesegnet und ermächtigt, ein Speicher der Lehren des Geschlechts der Ywahoo zu sein.

Das Geschlecht der Ywahoo wurde vor 2860 Jahren von dem »Hüter der Mysterien« gegründet, dem »Fahlen«, ein großer Lehrer, dessen Name nur bei Zeremonien ausgesprochen wird. Wenn das Volk die ursprünglichen Gebote vergessen hatte, seine spirituellen Pflichten vernachlässigte und kriegerisch wurde, kam »Der Fahle«, um das heilige Feuer der Weisheit neu zu entfachen. Er war auf wundersame Weise geboren worden, und sein Körper strahlte helles Licht aus. Er erschien an vielen Orten gleichzeitig und beherrschte die Sprachen aller Lebewesen. Die Lehren des »Fahlen« verbreiteten sich über die amerikanischen Kontinente. Er führte den Bau von Tempeln und Schulen erneut ein, reformierte die Priesterausbildung und verbreitete Methoden zur Kultivierung und Erhaltung des Friedens im Individuum, der Familie, im Klan, in der Nation und auf dem ganzen Planeten. Dieser große Lehrer war ein lebendiger Hinweis auf das nicht-verwirklichte Potential in allen Menschen. Er erneuerte das heilige Feuer und die ursprünglichen Anweisungen, die im »Kristall-Schrein« enthalten sind. Diesem höchstheiligen Kristall, der ewig den wunderschönen Ton des Einklangs singt, die Menschen inspiriert, in Einigkeit mit den heiligen Gesetzen zu handeln, und alle Gedanken und Handlungen harmonisch zusammenfließen läßt.3

Es ist die Pflicht eines jeden Ywahoo, den »Kristall-Schrein« zu hüten und Zeremonien für die universelle Ausgewogenheit durchzuführen. Somit sind die Ywahoo die Hüter des Kristalls und der kristallaktivierenden Ton-Formeln und Riten.

Bislang war siebenundzwanzig Ywahoos die Erhaltung der Lehren zur Stabilisierung der Gedanken in wechselvollen Zeiten anvertraut. Also wurden die Lehren, die in diesem Buch umrissen sind, vom Geschlecht der Ywahoo über siebenundzwanzig Generationen bewahrt und weitergegeben. Ich, Dhyani Ywahoo, übernahm sie von meinem Großvater, Eonah Fisher (Bear Fishing) – der die Lehren von seinem Schwiegervater, Eli Ywahoo, meinem Urgroßvater (auch als Rain Cloud bekannt) erhielt -, wie auch von meiner Großmutter, Nellie Ywahoo, Tochter von Rain Cloud.

Bereits in jungen Jahren werden die Begabungen von Tsalagikindern erkannt. Sie werden aufgefordert, spirituellen Vereinigungen beizutreten, die sich ihnen aufgrund ihrer Klanzugehörigkeit und der Familientraditionen innerhalb der Klans anbieten. Die Familie der Ywahoo gehört dem Klan Ani Gadoahwi (Wildkartoffel) der Tsalagi-Nation an. Meine Vorfahren, meine Verwandten, die mich unterrichteten, stammen aus den Carolinas und aus Tennessee. Während des »Weges der Tränen« in den 1830er Jahren, versteckten sie sich in Höhlen. Statt ihr verehrtes Heimatland zu verlassen, erfüllten sie ihre spirituellen Pflichten gegenüber den Blue Mountains, den Flüssen und dem Land der Region.

So befinden sich die Dinge, von denen ich spreche, in einem Kontinuum. Ich selbst bin die erstgeborene Tochter einer erstgeborenen Tochter. Die Medizintradition4, die meine Familie pflegte, ist die Tradition des Volkes der Tsalagi. Sie läßt sich bis in die Zeiten der Sonnentempel zurückverfolgen. Daher betrachten wir uns als ein uraltes Volk. Unsere Geschichte spricht von mehr als hunderttausend Jahren der Beziehung zum Planeten Erde.

In der Betrachtungsweise der Tsalagi sind Kinder geschätzte Mitglieder der Gesellschaft. Und von dem Moment an, wo sie zum ersten Mal lachen, sind sie eingeladen, an spirituellen Zeremonien und verantwortungsbewußtem Handeln zum Wohle des gesamten Volkes teilzunehmen. Das erste Lachen ist ein Zeichen dafür, daß das Kind gewillt ist, aus sich herauszugehen und mit anderen zu kommunizieren. Es läßt auch erkennen, welche Gabe das Kind besitzt.

Bei den Tsalagi und anderen Urvölkern Amerikas ist es üblich, daß die Großeltern eines Kindes vor dessen Geburt Träume und Visionen über das kommende Kind erhalten. Auch meine Großeltern erlebten solche Visionen. Sie besagten, daß ein roter Mann den Ozean mit einer Botschaft der Einheit und der Wiederherstellung des »Heiligen Reifs« überquerte. Er sprach von mir und sagte, daß ich die ganze Welt bereisen würde und sämtliche Lehren erhalten sollte. Die Alten folgten diesen Anweisungen. Als ich noch ein Kind war, saßen sie oft um das Feuer herum und verkündeten viele Prophezeiungen. Sie erzählten, daß die Zeit kommen würde, zu der ich vor Menschen aus aller Welt sprechen würde, und unsere Herzen vereint sein würden. Die Prophezeiungen haben sich als wahr erwiesen. Mögen nun die Prophezeiungen vereinigten Handelns und gemeinsamer Bemühung um das Leben, wie sie es voraussagten, den »Heiligen Reif« erneuern.

Vor 1969 waren die Lehren des Geschlechts der Ywahoo verborgen und wurden nur Tsalagi und anderen Gleichgesinnten mitgeteilt.

Nach den alten Lehren und Kalendarien sollte am Ende des Weltenzyklus, der die Dreizehn Himmel genannt wird, eine tiefe Finsternis über die Völker kommen.5 Vor mehr als fünfhundert Jahren wurde ein Ältestenrat der Roten Nationen Nord-, Mittel- und Südamerikas einberufen, um sicherzustellen, daß die heiligen Lehren das nahende Zeitalter der Finsternis überdauern. Zu dieser Zeit waren die Lehren, die das Volk in Zeiten der Not stärken sollten, an den Herdfeuern verborgen, gehütet von Geheimgesellschaften innerhalb der Familien. Der Zyklus der Dreizehn Himmel endete am 21. April 1519, dem Tag, an dem Cortés in Mexiko landete. So »kehrte ein bleicher Bruder aus dem Osten zurück«6, seine Erinnerung an die Einheit der Menschenfamilie war jedoch gestört, und seine Ankunft brachte dem Land und dem Volk große Zerstörung. Die Kultur und Wissenschaft, die den genauesten Kalender und die wirksamste Pharmakologie der Welt hervorgebracht und vor mehr als siebentausend Jahren den mathematischen Begriff Null entdeckt hatte, wurde in den Staub gestampft. Doch überdauerte die Weisheit an den Herdfeuern und wartete auf eine Zeit, in der Einigkeit unter den Menschen herrschte, wartete auf fähige Gefäße, die das Feuer hinaustragen würden.

Die großen Smoky Mountains, Arkansas, Georgia und Tennessee waren Jahrtausende lang die Heimat der Tsalagi-Nation. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts, als Siedler begannen, in die geheiligten Gebiete einzurücken und das Volk auf den »Weg der Tränen« zwangen, setzte die finsterste Nacht ein. Die Siebente Hölle begann 1831; der Indian Removal Act (Gesetz zur Entfernung von Indianern) wurde im Mai 1830 ratifiziert.

Bereits als ich sehr jung war, wurde mir von dem »Weg der Tränen« erzählt. Meine Großmutter beschrieb ihn mir so wirklichkeitsgetreu, daß ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Sie erzählte, daß Leute, Siedler und Soldaten, in die Hütten der Indianer kamen und sie hinauswarfen, deren Eigentum nach Belieben an sich nahmen und einfach sagten: »Geht mit dem, was ihr am Leibe habt.« Sie durften nicht einmal die eigenen Nahrungsvorräte anrühren. Als ich, ein Kind, der Weisheit der Alten lauschte, war ich erstaunt, daß sie all das ohne Bitterkeit erzählten. Sie beschrieben den »Weg der Tränen« als ein Zeichen von finsteren Zuständen in den Gedanken aller Menschen, den Beginn eines letzten Zyklus’ der Reinigung. Illusionen der Herrschaft über die natürliche Welt sowie Materialismus anstelle von Ethik haben in dieser Zeit die Lebensadern aller abgewürgt.

Als sich die Dunkelheit über das Volk der Tsalagi senkte, beschlossen einige Priester und Priesterinnen, ihr körperliches Selbst im heiligen Feuer zu verbrennen. Mir erzählten die Alten, wie zwei Mitglieder meiner Familie ins Feuer hineinschritten und verschwanden, ohne daß Spuren ihrer Körper übrigblieben. Ihr Selbstopfer diente der Verbreitung der Essenz ursprünglicher Gebote, die wieder keimen sollten, wenn die fünfte Generation erschienen war, um die richtigen Beziehungen zum Land, zur Nation, zu Mutter Erde, zu Vater Himmel und allen Wesen wieder herzustellen. Meinem Denkvermögen sowie dem anderer der fünften Generation wurden behutsam gewisse Grundgedanken gegeben, womit wir das heilige Feuer in allen Menschen wieder entzünden könnten, um so den »Heiligen Reif« des Lebens zu erneuern.

So wurden die heiligen Lehren Jahrhunderte lang geheim gehalten. Im Jahre 1969 tagten die Ältesten des Etowah-Verbundes und der Ywahoo-Familie und beschlossen, daß es an der Zeit sei, die allgemeinen Gesichtspunkte der Lehren mit all jenen zu teilen, die guten Herzens sind und der Verwirklichung des Friedens dienen. Der Ältestenrat erklärte, daß die astronomischen Lehren der Welt wiedergegeben werden sollten. Sie bilden die Grundlage, die Bewegungen der Sterne zu verstehen, denn diese bestimmen die Ordnung des zeremoniellen Kalenders, den die meisten Urvölker der westlichen Halbkugel verwenden. Die Ältesten entschieden ferner, daß die »Medizin der Zwillinge« von allen verstanden werden sollte, so daß sogar Wut oder Angst als Gelegenheiten erkannt werden könnten, das klare Feuer der Weisheit im Innern zu erkennen. Auch sagten sie, daß die allgemeinen Lehren des »Fahlen« mit anderen geteilt werden sollten, um einen neuen Tag hell werden zu lassen.

All diese Dinge geschehen im Einklang mit den Anweisungen. 1969 wurde die Sunray Meditation Society mit der Absicht gegründet, die passenden Lehren des Geschlechts der Ywahoo mit Gleichgesinnten zu teilen. Heute blühen die Sunray-Lehren, durch Studenten und Praktizierende hinausgetragen, wie Saatkörner des Lichts und richtiger Beziehungen in Gemeinschaften auf der gesamten Schildkröteninsel (Nordamerika und die Welt) auf. Und ich hoffe, daß dieses Buch durch Funken vom Feuer der Weisheit Erinnerungen in vielen Herzen entzünden wird.

Die Tsalagi-Lehren des Geschlechts der Ywahoo vermitteln spezifische Studien- und Praxisbereiche. Es gibt allgemeine Lehren mit körperlichen, geistigen und gesellschaftlichen Wertmaßstäben, die von allen Menschen angewendet werden können. Dann gibt es auch Lehren für einzelne Klans, die ausschließlich für deren Mitglieder bestimmte Verhaltensregeln, Verwandtschaftspflichten, Rituale, traditionelle Geschichten sowie Selbstschutz- und Überlebensunterricht enthalten. Ferner gibt es besondere Lehren für Staaten, Regierungsgesetze, die auf der Gesetzgebung des Klans basieren und der Erhaltung des Friedens sowie dem Einklang auf der ganzen Erde dienen. Dann gibt es noch eine besondere Trainingsmethode, die im Priestertum Anwendung findet und zehn Stufen der Entwicklung und des Beispiels enthält.

Dieses Buch enthält Lehren, die sich für jeden eignen, fundamentale Elo (Philosophie) und Übungen, um Ignoranz und Unklarheit zu bereinigen, um den Verstand klar werden zu lassen, um schmerzende Gefühle, Illusionen und Leiden zu stillen, um das Gute zu verstärken und um die Vision von Frieden und Harmonie, die im Herzen jedes Menschen schlummert, zu verwirklichen. Die Religion der Uramerikaner missioniert nicht und will niemanden bekehren. Die heiligen Lehren rufen dich auf, nicht Indianer zu werden, sondern der beste Mensch, der du sein kannst, und um dein unverwirklichtes Potential zum Wohle aller Lebewesen zu realisieren.

Ich bete, daß die Lehren deutlich vermittelt sind, zum Nutzen aller Wesen, die mit mir verwandt sind, ob sie fliegen, laufen, schwimmen oder kriechen. Ich möchte klarstellen, daß jedwede Ungenauigkeiten oder Unklarheiten hinsichtlich der historischen Chronologie auf meine eigenen Beschränkungen oder die Zerstörung beziehungsweise Unvollständigkeit der überlieferten Aufzeichnungen zurückzuführen sind. Die Lehren selbst sind wahr und bieten Mittel, um Frieden auf allen Ebenen zu erlangen.

Wir haben uns in der neunten und letzten Phase der Reinigung befunden, der neunten Höllenwelt, die den Dreizehn Himmeln folgte. In dieser Zeit hütet die fünfte Generation, die auf natürliche Weise lebt, die heiligen Gebote und träumt von Schönheit. Das Feuer ist an den heiligen Orten der Erde neu entzündet, der Gesang der friedvollen Erinnerung verbreitet sich, ein neuer Tag bricht an. Der neue Zyklus der Dreizehn Himmel begann am 30. August 1987, dreizehn Tage nach dem Ende der Fünften Welt. Nun bete ich, daß jede und jeder von euch die Botschaft des Friedens erkennen kann und genügend Willen, Mut und Mitgefühl haben wird, um sie zu verwirklichen. Mögen die Gedanken, die die innere Schönheit trüben, umgewandelt werden und den Weg zu den richtigen Beziehungen sichtbar werden lassen. Mögest auch du zum Friedenshüter berufen werden, der Zorn, Scham und Schuld abwehrt, um Harmonie und Freude in allen Beziehungen aufkommen zu lassen.

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DAS VOLK DES FEUERS

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TSALAGI ELO – unsere Philosophie, unsere mündliche Überlieferung – erzählt, wie das Hauptvolk, das Ani Yun Wiwa, im Sternbild des Siebengestirns entstand, wo zuallererst der Funke des individuellen Denkens erglühte.

Aus dem geheimnisvollen Nichts erging ein Ton, und der Ton wurde Licht, und das Licht war Wille, die Absicht zu sein, geboren aus der Leere: »Schöpferwesen«, der Urton des universellen Gesangs, der allen Manifestationen vorangeht. Mitfühlende Weisheit entstand, als der Wille das unverwirklichte Potential von hervorströmendem Geist erkannte. Wille und Mitgefühl gebaren gemeinsam das Feuer der erschaffenden Intelligenz. So entstand das heilige Dreieck, aus dem alle Materie stammt: das Drei in Einem. Wir nennen es ein Mysterium.

Die ersten »Gedankenwesen«, tla-Wesen, Träger des reinen Lichts des Geistes, existierten wie Zellen in einem Körper, von gleichem Willen und Streben beseelt, die Geheimnisse des Geistes zu erforschen. Bei der Verschmelzung an den zwölf Wirbeln des Schaffens, elementaren Energie- oder Kraftlinien, nahm der Geist Form an. Der Eine wurde die Vielen. Die Sternfrau fiel zur Erde und öffnete den Weg für Sternwesen, auf der Erde das Licht des reinen Geistes Wirklichkeit werden zu lassen. Die »Drei Alten-Feuer« gingen den Planeten und den Tieren voran, während die Menschen Traumkinder der Engel waren, deren Träume mit dem Urton aufstiegen.

Jeder der zwölf ursprünglichen Stämme der Tsalagi-Nation verkörperte einen speziellen Wirbel des Schaffens, eine besondere, kreative Energie. Ihr Tun war harmonisch.

Stamm Aktivität/Energie

1Qualität des Willens. Kristallhüter, die Gedanken und Rituale rein halten, um die Ordnung der Form zu bewahren. Zeitmesser, Trommler.

2Die Heiler, Pfleger, hohen Lehrer; der Friedenshäuptling, der nie Blut vergießt.

3Diejenigen, die geheiligte Geometrie und Astronomie verstehen, die Beobachter des Himmels, die den richtigen Bau von Häusern überwachen.

4Maurer, Erbauer der Form, die von den Drei vorgegeben wird. Verwalter auf lokaler Ebene, die für das gute Zusammenleben der Klans und Gemeinden sorgen. Kunsthandwerker, die Gegenstände von Schönheit für das Gebet, die Meditation und den Gebrauch schaffen.

5Die Wissenschaftler, Meister und Lehrer der Weisheit der Einzelheiten, die Musterbildung und mögliche zukünftige Entwicklungen studieren.

6Große Pfleger der Tempel und heiligen Gärten, wo die geheiligte Nahrung für die Gemeinden wächst. Hüter und Bewahrer der rituellen Formen.

7Heilige Krieger, die Ignoranz bekämpfen. Die Aufrüttler, Umwandler, Erschaffer von Lebenskraft, Hüter des richtigen Handelns.

8Botschafter zu anderen Ebenen, die Zugang zum Bewußtsein haben. (Hierfür sind die Ani Gadoah besonders bekannt. Sie haben in großem Ausmaß Zugang zu anderen Ebenen). Weltumfassendes Verständnis, Unterstützung des Weltwettersystems, die Verteilung von Energie zum Wohle aller Lebewesen.

9Kommunikation mit den Sternen, das Schaffen von Erfindungen zur klaren Verständigung. Sie können neue Pflanzen hervorbringen, um das Volk zu ernähren. Sie bringen eher ätherische Manifestationen des bewußten Schaffensvorgangs zum Ausdruck, der in der dritten Energielinie zu sehen ist. Sie magnetisieren, formen die Welt.

Über die zehnte, elfte und zwölfte Energielinie sprechen wir nicht, denn ihre Funktionen liegen jenseits sprachlicher Erfassung; sie können nicht begriffen werden.

Diese Sternwesen kamen zur Erde auf Elohi Mona, fünf Inseln im Atlantischen Ozean, die später Atlantis genannt wurden.

Vor der Ankunft der Sternwesen war das Land von großen Wassern bedeckt, und das Männliche und Weibliche existierte gemeinsam im gleichen Körper. Es gab emotionale Natur, aber noch nicht den Geist, der die Absicht, die Erde einen Ort des Lernens und Erträumens vom Guten werden zu lassen, verwirklichen konnte. Zweck der Individualisierung des Geistes und des Herabstiegs von den Sternen war also, Leben auf der Erde zu beschleunigen. Die Sternenergie kam, um das Feuer des Geistes zu entfachen, so daß alles zum Mysterium zurückkehren möge. Der Mensch ist mit dem Lachs vergleichbar: Wir alle entspringen dem See des klaren Geistes. Wir schwimmen hinaus in das Meer der Erfahrungen, mit seinen vielen Lektionen, Gelegenheiten und Illusionen. Und so wie der Lachs wieder den Strom findet, der ihn zurück in sein Laichgebiet führt, so müssen auch die Menschen den Strom suchen und ihm folgen, damit er sie wieder in das unendliche, reine Licht bringt.

Die Sternkinder, die Heiligen Sieben, primäre Vermittler von Energie, wurden von den Kindern der Sonne begrüßt, die schon auf der Erde, den amerikanischen Kontinenten, lebten. Sie waren bereits durch Kristall und Klang darauf eingestellt, den einströmenden reinen Geist zu empfangen, den die Sternwesen brachten. Die Sonnenkinder waren das wirkliche Volk der Erde, da sie als erste auf dieser Welt, als Traumkinder der Sternwesen, individuellen Geist erfuhren. Die ersten, die aus dem Siebengestirn hervorkamen, waren die Adawees, große engelartige Wesen. In der Betrachtung der Form, im Träumen, schufen sie in Übereinstimmung mit dem großen Prinzip der Schöpfung die Vorstufe der Erde und ihr Leben. Auf diese Weise wird gelehrt, daß alles menschliche Leben auf den amerikanischen Kontinenten entstand, und daß die Heiligen Sieben als Saatkörner reinen Geistes aus einem anderen Sternsystem hervorkamen.

Damit die Saat des reinen Geistes fest auf der Erde wurzeln konnte, beschlossen die Adawees, die »Sieben Vor Dem Himmlischen Thron«, daß diejenigen, die von den Sternen kamen, sich mit den Sonnenkindern verbinden und Kinder hervorbringen sollten. Die Menschen der Erde würden zu gegebener Zeit ihre volle Blüte erreichen. Es war bekannt, daß im Verlauf dieses Vorgangs Zeiten großer Bedrängnis und Chaos kämen, bis der Geist, das heilige Feuer in allen Menschen, klar erkannt war.

Wie wir heute sehen, erfüllt sich diese Prophezeiung. Diejenigen, die an die Vorherrschaft des Materiellen glauben, sind bemüht, das Feuer des klaren Intellekts und Geistes zu manipulieren und zu drosseln. Trennendes Denken und beherrschendes Denken haben Völkermord auf der ganzen Welt ausgelöst: die Inquisition und den Nazi-Holocaust in Europa, die Vernichtung von Ländern, Kulturen und Völkern in Asien sowie die Entwicklung von Waffenarsenalen mit der Fähigkeit, alle Menschen auf der ganzen Welt zwanzigmal zu töten. Gemäß den Lehren der Tsalagi ist solch enormes Elend unnötig. Es ist die Konsequenz von Stolz, der Vorstellung, daß ein Mensch besser oder wichtiger als ein anderer sei. In Wirklichkeit, im Kreise richtiger menschlicher Beziehungen, gibt es keine Höheren oder Niederen, kein Innen oder Außen; alle Menschen gehören gemeinsam dem heiligen Kreis an.

Also vermählten sich die Heiligen Sieben mit den Sonnenkindern, dem Volk der Erde. Ihre Nachkommen in Nordamerika sind die Tsalagi, Creek, Choktaw, Yuchi und andere Rote Nationen der südöstlichen Vereinigten Staaten. Jede Nation hat eine besondere Funktion innerhalb des Reifs des Lebens.

Die Inseln und die Zivilisation von Elohi Mona wurden später durch die Arroganz und Ignoranz derjenigen zerstört, die die heilige Kraft mißbrauchten, danach trachteten, andere zu versklaven. Durch Triebhaftigkeit und Gier wurden einige Überbringer der Sternensaat in die materielle Welt verstrickt. Statt sich damit zu befassen, die Menschen zu lehren und zu erleuchten, suchten sie zu unterdrücken und zu manipulieren. Solche Denkmuster standen jedoch im Widerspruch zu dem fundamentalen Konzept, das die Menschen und die Inseln verband. Für das Konzept wurden sie unhaltbar, denn sie verstießen gegen das zusammenhaltende heilige Gesetz. Also brökkelten die Inseln über einen Zeitraum von zehntausend Jahren auseinander, und die Wanderungen der Menschen begannen. Auf diese Weise gingen fünf der ursprünglich zwölf Stämme verloren. Ihre Saat verstreute sich unter den übrigen sieben Stämmen (oder »Menschentypen«). Aus den sieben Stämmen heraus können heute viele Menschen in Nordamerika eine gewisse Verbindung mit der Nation der Tsalagi feststellen.

Die Menschen machten ihren Weg durch Süd- und Mittelamerika und stießen irgendwann auf Menschen, die in der Gegend wohnten, welche heute das Four Corners Gebiet genannt wird.1 Viele Völkerwanderungen folgten. Ähnlichkeiten der Ursprachen auf beiden Kontinenten Amerikas weisen auf gemeinsame Ursprünge und Kontakte unter den Völkern hin.2 Vor dem Eintreffen der Europäer gab es alleine in Nordamerika mehr als 587 verschiedene Indianernationen und -sprachen. Im 17. Jahrhundert lebten rund sechzig Millionen Ureinwohner auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten; gegenwärtig sind es um die zwei Millionen. Dies ist das Ergebnis der absichtlichen völkermörderischen Vernichtung von Leben, Land, Sprache, Wissenschaft und Religion; eine Folge davon, was geschieht, wenn Menschen das natürliche Licht der Weisheit ignorieren oder bekämpfen und vergessen, daß alle Menschen miteinander verwandt sind und wir alle füreinander zu sorgen haben. Auch für unsere Mutter, die Erde.

Im Verlauf vieler Wanderungen ließen sich Gruppen von Menschen an verschiedenen Orten nieder. Dennoch können die gemeinsamen Wurzeln erkannt und geachtet werden. Vor langer Zeit waren zum Beispiel die Tsalagi und die Irokesen ein Volk. In der Tsalagi-Sprache ist das ursprüngliche Algonkin noch erkennbar. Die Tsalagi und Maya hatten die gleichen religiösen Bräuche. Die Saat der Maya sowie ihr Edelmut entstammten auch den Sternwesen. Die beiden Völker trieben auseinander, als die Azteken Blutopferriten einführten und diese der friedfertigen Religion und Lebensart des Hauptvolkes aufzwingen wollten. Solche Praktiken gehörten nicht zu den ursprünglichen Lehren. Ein großer Teil der Gemeinschaft der spirituellen Verwandtschaft und des Austausches unter diesen Völkern endete, als die Azteken die Maya »eroberten«.

Auch die Hügelbauer, die Tempelhüter des amerikanischen Kontinents, verfolgen ihre Wanderungen zurück zum Lande Elohi Mona. In Nordamerika schufen sie eine starke, kreative Kultur und Zivilisation, die von den südöstlichen und südwestlichen Teilen der heutigen Vereinigten Staaten bis nach Kanada hinein reichte. Die Gesellschaft der Hügelbauer, oder Tempelgesellschaft, bestand aus vier Schichten von Menschen. Die Sonnenmenschen waren die Herrscher, da sie deutlich das Licht des klaren Intellekts zum Wohle aller in sich trugen. Danach kam der Adel, das übliche Volk und die »Stinker«. Diese hatten wahrscheinlich die Klarheit des Denkens nicht geachtet oder es dem Feuer nicht erlaubt, hell zu brennen. Sie verrichteten wohl Arbeiten wie Schlachten, Gerben und ähnliches mehr.

Damit sämtliche zukünftigen Generationen an klarem Denken teilhaben konnten, waren alle Sonnenmenschen verpflichtet, Stinker zu heiraten, um so sicherzustellen, daß der Funke des Feuers der Weisheit alle Gesellschaftsschichten durchzog. Diesem heiligen Zweck wird noch heute in der Weise Genüge getan, in der die Tradition der Ywahoo fortgesetzt wird. Es gab einmal einen Familienstamm, der in sich erhebliche Macht ansammelte. Die Familie brachte große Zauberer hervor, die sich über die Rechte der Menschen hinwegsetzten. Doch das Volk erhob sich und vernichtete und zerstreute diese Familie. Danach wurde beschlossen, die Funktion des Stammhalters nicht mehr auf den erstgeborenen Sohn oder die Tochter übergehen zu lassen, sondern auf ein dafür geeignetes Familienmitglied, unabhängig davon, ob die Verwandtschaft durch Heirat oder auch Adoption zustande gekommen war. In dieser Weise wurde das Amt des Stammhalters von Eli Ywahoo auf seinen Schwiegersohn Eonah Fisher übertragen, meinen Großvater. So wird die heilige Pflicht, das Licht zu verbreiten, weiterhin erfüllt.

Die Tempelgesellschaft existierte bereits vor der Zeit Christi. Als De Soto im Mississippital eintraf und die sauberen, schönen Städte der Tsalagi wahrnahm, begehrte er ihren Reichtum und nahm ihre Anführerin gefangen.3 Eine durchschnittliche Stadt der Hügelbauer hatte nur 18.000 bis 25.000 Einwohner (außer zu Zeiten von Zeremonien, wenn sich alle Menschen dort aufhielten), weil man es für sehr wichtig hielt, kein Gebiet zu sehr zu belasten. Obwohl der Niedergang der Sonnentempel mit der Ankunft der Europäer begann, blieb die Theokratie bis zu den Zwangsumsiedlungen der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts in Kraft. Die bestehenden Tempel wurden bis zu dieser Zeit erhalten, obwohl es scheint, daß keine neuen gebaut wurden nach dem Ältestenrat, welcher vor der Ersten Hölle im Jahre 1531 tagte.4 Einige Tsalagi hielten an den alten Bräuchen fest, sogar bis zur heutigen Zeit. Sie bildeten die Kituwa-Gesellschaft und die Etowah-Gruppe und einige kleinere traditionelle Gemeinden in Oklahoma.5

Als ich ein kleines Kind war und den Erwachsenen zuhörte, wenn sie von der wahren Geschichte Nordamerikas erzählten, stand ich mit meinen Füßen fest auf dem Boden der Gegenwart und war mir bewußt, die Erwachsenen gaben große Wahrheiten wieder. Ich fand es merkwürdig, daß Leute diese Wahrheiten nicht kannten, nicht verstanden oder nicht glaubten. Heute finde ich das genauso merkwürdig. Diese wahre Geschichte wird wieder auftauchen und allen Menschen bekannt werden. Indianische Wissenschaftler studieren und rekonstruieren heute unsere Geschichte6. Uralte Dokumente und Bücher unserer Völker, die diesem Land gestohlen wurden, sind in den Archiven des Vatikans und spanischer Museen aufbewahrt. Sie wurden von denen dorthin gebracht, die die Enthüllung des Ausmaßes der Zerstörungen fürchteten, die sie vollbracht hatten. Wenn die Alten von diesen Dingen sprachen, geschah dies bei den Schilderungen von Gewalt und Ausrottung nie mit Bitterkeit oder Schuldzuweisungen. Sie erzählten lediglich, was geschehen war, um die Wahrheit bekannt zu machen.

Unsere Alten erzählten mir auch, daß lange bevor der Weiße Mann an den Ufern der Schildkröteninsel landete, andere Besucher dagewesen wären. In der großen, längst vergangenen Zeitspanne waren schwarze Menschen aus Afrika gekommen. Sie kamen, um zu erkunden, aber auch, um zu erobern. Doch fanden sie Völker vor, die eigenständig waren und keine Herrschaft brauchten. Sie konnten sie nicht erobern. Auch wurden sie abgewehrt von den Energien der Uk-kuk-a-duk oder Ukdena, den großen Drachen, die dieses Land früher beschützten und welche nun in andere Dimensionen übergesiedelt sind.

Die Verbindung zwischen diesen Drachen und dem menschlichen Verstand ist für unser Verständnis dieser wechselhaften Zeiten von Bedeutung. Die Drachen waren Energie, die sich in den Bahnen der Erdenergie bewegte. Sie folgten dem Willen der großen Medizinleute, die sie unter Anwendung gewisser Kristalle anriefen, um bedrohliche Vorgänge abzuwehren. Es gab jedoch zu wenige Medizinleute, um die Drachen richtig zu führen. Diese wurden immer schwächer. Viele von ihnen wurden in den Bergen festgehalten, und die Klugen unter ihnen nutzten ihre eigenen Schwingungen, um sich in eine andere Dimension zu versetzen. Der letzte Drache wurde in den Smoky Mountains im 18. Jahrhundert gesichtet.

Im Kern ist der Drache das Unterbewußtsein jeder Nation, die ungezähmten Energien von Zorn und Angst, die darauf warten, in das Licht des klaren Denkens geholt zu werden. Bis die Menschen ihren eigenen Verstand begreifen, wirkt der Drache gefährlich. Wenn die Emotionen gezähmt sind, wird der Drache zu einem beflügelten, engelhaften Wesen.

. Es wurde den Lehren des Friedenstifters entnommen, um der Verfassung der Vereinigten Staaten als Grundlage zu dienen. Wir wären gut beraten, erneut in unseren Herzen nach der wahren Bedeutung von Führerschaft und richtigen Beziehungen zu suchen. Ein Führer soll nicht beherrschen, vielmehr soll er, wie der Gehstock, führen. So können sich die Nationen und alle Menschen sicher auf dem Wege der guten Beziehungen bewegen.