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SAMARPAN

GLÜCKLICH SEIN
IN JEDEM
MOMENT

Gespräche über das Erwachen

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Golden, Samarpan: Glücklich Sein in jedem Moment – Gespräche über das Erwachen

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

ISBN Print 978-3-933496-67-5

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Geliebter Freund, Geliebtes Selbst

Vorwort

1. Der hohle Bambus

2. Die perfekte Hölle

3. Wer ist der Herr in deinem Haus?

4. Misfits

5. Die Versuchung

6. Unschuld – der Weg zum heiligen Gral

7. Gott, Du musst für mich sorgen!

8. Sünder und andere spirituelle Sucher

9. Das Salz in der Suppe

10. Das Anhalten des Pendels

11. Monster

12. Das Guru-Dilemma

13. Wahre Liebe

14. All-Ein-Sein

15. Der Sprung ins Unbekannte

16. Die Macht der Illusion

17. Hurra, ich bin erleuchtet!

Glossar

Danksagung

Vita

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Geliebter Freund, Geliebtes Selbst

In diesem Buch findet eine Begegnung zwischen dir und deinem wahren Selbst statt. Die Absicht ist nicht, deinen Verstand mit mehr Informationen zu füttern, sondern dich in Kontakt mit dir selbst zu bringen.

Jeder Fragende repräsentiert dich, die Fragen sind deine Fragen, die Situationen und Erfahrungen, über die gesprochen wird, sind deine eigenen.

Dieses Buch handelt von dir, von der menschlichen Natur, vom Menschsein.

Die wahre Botschaft dieses Buches ist Frieden. Kein Friede, der von äußeren Umständen abhängt, jedoch wahrer ewiger Frieden, der immer hier ist, unabhängig von dem, was das Leben dir in diesem Augenblick gibt.

Wenn du anfängst, dieses Buch zu lesen, dann stelle alle Beurteilungen und Ideen, Philosophien und Theologien beiseite. Jede Seite ist eine Einladung, tiefer in diesen Moment zu kommen, und du kannst das nur, wenn du deine Ideen draußen lässt. Lege alle Urteile irgendwo ins Regal. Du kannst sie wieder holen, wenn du sie gebrauchen willst.

Aber komme gerade jetzt ganz offen mit überhaupt keiner Vorstellung. Es ist, wie ein Kind zu sein, vollkommen unschuldig. Das ist die richtige Vorbereitung, um die Mysterien des Universums zu entdecken, die dich erwarten.

Samarpan

Vorwort

Als ich gefragt wurde, ob ich das Vorwort für dieses Buch schreiben wolle, war meine Antwort ein spontanes JA.

Nun ist ein halbes Jahr vergangen und das Schreiben beginnt.

Ja, was gibt es zu einem Satsang Buch wohl zu sagen bzw. zu schreiben? In einem Buch, in dem es um „Nichts“ und „Alles“ gleichzeitig geht? In einem Buch, in dem es nicht ums Werden, sondern ums Sterben oder Ent-Werden geht?

Es geht nicht darum, irgendetwas zu erlangen oder zu bekommen, Wissen anzusammeln, Erfahrungen anzuhäufen, nein – es geht einfach um das PURE SEIN.

Sein ist nur hier, in diesem Moment, in dem Du gerade diese Zeilen liest. Da, wo das Suchen aufhört, sich die Suche auflöst, und du als Suchende/r verschwindest.

Samarpan spricht das Un(aus)sprechbare und beantwortet die Fragen in Einfachheit und Vielfalt.

Er wirkt als Instrument und Kanal für das Göttliche, und manchmal tritt das Schwert in den Vordergrund, welches alle Anhaftungen an das Leiden (Illusionen) durchschneidet, und dann wieder spricht die sanfteste Liebe, in deren Feuer alles verbrennt.

Samarpan zeigt keine Abkürzungen, aber den direkten, einfachen Weg.

Wer auch immer in diesem Buch liest, wird die Wahrheit schmecken und riechen.

Und jede Kostprobe ist so wunderschön, so einzigartig. Es wird jeden, der mit offenem Herzen lauschen und lesen kann, tief berühren. Es wird den, der leer sein kann, füllen.

Wann immer Bücher über die Wahrheit geschrieben werden, sind sie Geschenke. Geschenke des Wachrüttelns aus dem Traum, der Illusion. Geschenke des Sich Erinnerns. Das, was war und immer sein wird, Frieden – unsere Natur kann nicht anders als sich erinnern.

Wie soll ein Tropfen, der auf den Ozean trifft, nicht darin verschwinden?

Was mir nun noch bleibt, ist, meiner tiefen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen.

Samarpan, der mich an der Hand hielt und mich durch die dunkelsten Höllen und die höchsten Höhen begleitete.

Der einfach da war – im Sterben der Geschichte, im Sterben der Ideen und Konzepte über uns und das Leben.

Der meine Ozeane von Tränen teilte und mir immer wieder Mut gab, alles hinweg schwemmen zu lassen.

Der Schleier verschwand, und die Ewigkeit enthüllte sich. Und ich möchte keine dieser schmerzlichen und wunderschönen Erfahrungen missen.

Was bleibt, ist Hingabe.

Hingabe an die Liebe, die sich jeden Moment frisch und neu zeigt und entfaltet.

Die Liebe, die entdeckt werden will.

Jetzt, in diesem Moment.

Danke

Sarah Ingrid Münker,
Köln im Juli 2002

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1

Der hohle Bambus

Samarpan: Willkommen zum Satsang!

Diese Tage gemeinsamer Stille sind eine Gelegenheit, nichts zu tun. Den größten Teil unserer Zeit verbringen wir mit Sprechen. Wenn du dir selbst gestattest still zu sein, kannst du dich wirklich entspannen. Dann kannst du wirklich eine Pause von deiner normalen Routine machen.

Das erinnert mich an ein paar Geschichten, die Osho erzählt hat. Eine Geschichte handelt von einem Meister, der jeden Morgen einen Spaziergang machte. Einer seiner Schüler pflegte ihn zu begleiten. Als sein Freund darum bat, auch mitkommen zu dürfen, war der Meister unter der Bedingung einverstanden, dass nicht gesprochen werde. So gingen sie schweigend und kamen auf eine Anhöhe, als gerade die Sonne aufging. Es war überaus schön. Der Begleiter sagte: „Seht, wie wunderschön!“ Der Meister drehte sich zu ihm und sagte: „Glaubst du, ich könnte das nicht selbst sehen?“

Das war alles, was auf dem ganzen Ausflug gesprochen wurde. Als sie wieder zu Hause waren, wandte sich der Meister an seinen Schüler: „Du kannst morgen wieder mit mir kommen. Bring aber deinen Freund nicht mit, er redet zuviel!“

Wenn du in tiefer Stille bist, ist selbst ein einziges Wort zu viel. Es kann so heftig wirken wie ein Messerstich. Wenn dein Partner oder dein Freund in Stille ist und du sprichst, kann ihn das wirklich stören.

Ich erinnere mich an eine weitere Geschichte. Die Geschichte von einem Maler, der ein Meister war. Er war der größte Künstler im Reich. Der König bat ihn, ihm einen Bambus zu malen. Der Maler sagte: „Einverstanden, aber ich werde ein Jahr dafür brauchen.“ Der König wunderte sich, doch er willigte ein. Kurz darauf verschwand der große Meister und niemand wusste, wo er war. Er wurde im ganzen Königreich gesucht. Schließlich fand man ihn, als er mitten in einem Bambushain stand.

Er bewegte sich nicht, stand einfach nur da.

Des Königs Minister kam, um nachzuschauen. Er näherte sich ihm und sagte: „Sir, ist bei Ihnen alles in Ordnung?“, doch er erhielt keine Antwort.

Ein paar Monate später kam der Meister endlich zurück und malte in ganz kurzer Zeit das Bild des Bambus. Es war wunderschön. Er präsentierte das Bild dem König. Der König fragte: „Mich macht eine Sache neugierig: Wieso hast du um soviel Zeit gebeten? Für das Malen des Bildes hast du doch nur ein paar Stunden gebraucht. Warum hat es dann ein Jahr gedauert?“ Der Meister antwortete: „Eigentlich hätte es nicht so lange gedauert. Aber dein dummer Minister hat mich gestört, als ich dort im Hain stand und zum Bambus wurde. Dieser Idiot kam und fragte: ,Sir?’ Spricht man so mit einem Bambus?“

In diesen Tagen habt ihr die Möglichkeit, vollständig zu vergessen, wer ihr seid. Wir haben nicht genug Zeit ein Bambus zu werden, aber genug Zeit, um niemand zu werden. Sprich also mit niemandem. Du könntest etwas sehr Schönes zerstören. Hier im Satsang können wir uns in Stille mitteilen. Ich helfe euch in die Stille zu kommen.

In der Stille kommen sehr viele Dinge an die Oberfläche. Wenn da alte, verdrängte Gefühle sind, werden sie an die Oberfläche kommen. Auch alte Programme, die noch da sind, werden hochkommen. Das ist gut so, erlaube es.

Wenn wir zusammen kommen, können wir uns darüber austauschen. Dies ist die Zeit, darüber zu sprechen, was bei euch vor sich geht. Langweile deine Freunde nicht mit deinem Prozess, tu es hier! Hier langweilt es niemanden, weil wir hier in der Wahrheit bleiben.

Hier im Satsang ist die meiste Energie verfügbar. Seid nicht schüchtern euch mitzuteilen. Jeder schätzt es, weil wir alle durch die gleichen Prozesse gehen. Es gibt nur leichte Variationen. Oft kann ich beobachten, dass bei einem halben Dutzend Leuten alle Lichter angehen wie bei einem Weihnachtsbaum, weil sich bei ihnen das Gleiche abspielt. Wenn jemand sich mitteilen möchte, ist er willkommen!

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Fragende: Ich möchte gerne etwas erzählen. Vor ungefähr einem dreiviertel Jahr hatte ich eine ziemlich heftige Konfrontation mit dem Tod. Ein Verrückter hatte auf mich eingestochen und mich dabei schwer verletzt. Das hat in meinem Leben ziemlich viel ausgelöst und verändert. Mir ist bewusst geworden, dass ich nicht ewig leben werde, jedenfalls nicht in diesem Körper.

Samarpan: Es ist erstaunlich, wie solch eine kleine Sache uns aufwecken kann.

F.: Ja, aufgerüttelt hat es mich. Du nennst das eine kleine Sache?

S.: Es ist wirklich eine kleine Sache. Sie erscheint nur groß, weil wir so sehr mit unserem Körper verhaftet sind. Wir glauben, dass es wichtig ist, ob dieser Körper stirbt oder nicht.

Es ist, als würde man einen richtig guten Roman genießen. Wir tun so, als würde es etwas ausmachen, ob der Held oder die Heldin getötet wird oder nicht. In Wirklichkeit stirbt niemand. Es spielt sich alles nur in der Phantasie des Schriftstellers ab.

So ist das auch in der Wirklichkeit. Diese Körper sind auch nur fiktiv, sie sind Requisiten in diesem Bühnenstück. (lacht)

F.: Ich habe das Gefühl, durch diese Erfahrung ist etwas wach geworden, was dies glauben kann. Mein Verstand ist aber auch noch da und hat jetzt Angst vor der Stille.

S.: Gut, lass uns hier einen Augenblick hinsehen. Schließe deine Augen und heiße die Angst willkommen. Das ist ein guter Punkt. Lasse die Angst kommen, lass sie dich umgeben. Entspanne dich in der Mitte dieser Angst. Was siehst du hier?

F.: Weite.

S.: Hat diese Weite irgendwo ein Ende? Besteht eine Trennung zwischen dir und der Weite?

F.: Da ist jetzt ein Druck im Kopf.

S.: Im Kopf, in unseren Gedanken, ist immer Trennung. Kannst du aber in dieser Weite jemanden finden?

F.: Nein.

S.: Ist da jemand, der sterben kann?

F.: Jetzt fühlt es sich nicht so an.

S.: Das ist großartig! Denn das ist genau das, was passiert.

Wenn wir in der Weite sind, gibt es kein Problem, da fehlt nichts. Dort gibt es keine Trennung, kein Ende, keinen Anfang. Gehen wir zurück in den Verstand, sind sofort Trennung, Probleme, Angst und Leiden wieder da. Das ist gut. Das ist, wie es ist. Jedes Mal, wenn du im Verstand bist, sind alle diese Dinge da. Sie erscheinen real. Sie wären keine gute Illusion, wenn sie nicht so wirklich erscheinen würden. Es scheint eine Rolle zu spielen, ob dieser Körper lebendig oder tot ist. Aber in dieser Weite, in diesem Raum ist keiner, der sterben könnte. Da ist niemand, der jemals geboren wurde. Je mehr Zeit wir in dieser Weite verbringen, umso mehr verliert die Illusion ihre Macht. Jedes Mal, wenn du im Verstand bist und Angst aufkommt, dann ruhe einfach in der Angst. Dann bist du im Frieden. Das ist deine wahre Natur. Ruhe einfach darin.

F.: Das hört sich verlockend an.

S.: Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, immer in diesem Frieden zu leben. Wenn du in dieser Weite bist, passiert dann überhaupt etwas? Was gibt es da, worüber man reden könnte?

Wenn du zurück in deinem Verstand bist, erscheint dir das wieder normal. So wie es immer war. Der einzige Unterschied ist, jetzt kannst du wählen. Jetzt bist du nicht mehr im Verstand gefangen.

Du kannst entspannen und in dieser Schönheit sein. Es wird immer tiefer und natürlicher für dich werden. Das ist es, was passiert. Wir finden unseren wirklichen Urgrund. Wir finden das, worauf wir uns vollkommen verlassen können.

Du hast herausgefunden, dass du dich auf deinen Körper nicht verlassen kannst. Wäre das Messer nur etwas mehr in die eine oder andere Richtung gegangen, dann wäre alles vorbei gewesen – der Körper ist nicht verlässlich! Aber Das, diese Weite ist verlässlich, darauf kannst du dich immer verlassen!

F.: Es ist schön, wenn du davon erzählst.

S.: Weil ich aus der Weite darüber spreche.

F.: Ich fühle es auch in meinem Körper. Etwas weitet sich…

S.: Ja, es entspannt.

F.: Ich komme jetzt wohl öfters.

S.: Ja. (Stille)

F.: Ich glaube, ich kann nicht aufstehen und gehen. Meine Beine fühlen sich so wackelig an.

S.: Ich kenne dieses Problem. (lacht)

F.: Danke.

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2

Die perfekte Hölle

Samarpan: Willkommen an diesem schönen Tag. Worüber möchtet ihr heute morgen sprechen?

Zuruf: Über das Anhalten.

S.: Ja, Anhalten ist interessant, weil niemand weiß, wie man anhält. Niemand weiß, wie man sich verliebt, niemand wie man einschläft. Kein Mensch weiß, wie man anhält, weil Anhalten nur von selbst geschehen kann, nur dann, wenn kein Handelnder da ist.

Es ist wie mit Meditation. Du kannst Meditation einladen. Du kannst sie geschehen lassen, aber du kannst sie nicht selber hervorrufen. Wenn da jemand ist, der etwas tut, dann ist das keine Meditation. Sie geschieht nur, wenn da niemand ist, der aktiv ist.

Anhalten ist die Abwesenheit von jemandem, der etwas tut. Da ist niemand, der anhalten könnte. Es ist keiner da. Das ist Anhalten. Die Natur des Verstandes ist es, sich zu bewegen. Er bewegt sich immer. Er geht von der Vergangenheit zur Zukunft; er erfindet neue und wiederholt alte Geschichten. Ständig ist er in Bewegung.

Du kannst den Verstand nicht anhalten, denn dann entsteht ein Kampf mit ihm. Das Einzige, was du mit dem Verstand zustande bringen kannst, ist eine Vorstellung von Anhalten. Das machen wir manchmal, wir sagen: „Ich verstehe nicht, da ist Stille, aber es macht keinen Spaß.“ Das kommt daher, weil es keine echte, sondern nur eine künstliche Stille ist, nur eine Vorstellung von Stille.

Es geht also nicht darum, den Verstand anzuhalten und irgendeine Stille zu erzeugen. Schau einfach und sieh, was bereits angehalten ist. Schau hin und sieh, was sich niemals bewegt. Du musst es nicht tun, es ist schon gegenwärtig. Es ist deine wahre Natur still zu sein. Schau und sieh, was still ist.

Du kannst den aktiven Verstand sehen. Das ist in Ordnung und kein Problem. Die Betriebsamkeit des Verstandes beeinflusst und stört die Stille nicht. Die Stille kümmert sich nicht um diese Rastlosigkeit.

Es ist also sehr einfach. Du schaust hin und siehst, was still ist. Dem gibst du deine Aufmerksamkeit. Ruhe in Dem. Nichts muss getan werden, nichts muss verändert werden.

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Samarpan: Möchtest du nach vorne kommen? Was passiert gerade?

Fragender: Es ist so, als ob alles innen drin zusammenbrechen würde.

S.: Was bricht zusammen?

F.: Die Vorstellungen von dem, was wichtig ist.

S.: Gut. Alle Strukturen der Vorstellungen von: wer du bist, was die Welt ist und was die Bedeutung von allem ist?

F.: Ja.

S.: Das sind gute Neuigkeiten. Alles muss auseinanderfallen. Es ist so, als würde ein neues Haus gebaut werden. Erst muss Platz geschaffen werden, indem das alte Gebäude eingerissen wird. Das ist schön, oder stört es dich? Nein? Das ist gut so!

F.: Etwas taucht auf, dem ich niemals zuvor so intensiv begegnet bin.

S.: Das ist die Gnade. Man kann es sich nicht verdienen. Es ist einfach göttliche Gnade.

F.: Ja, es ist ein Geschenk.

S.: Wir leben in einer Welt voller Gnade, und Gnade geschieht mehr und mehr. Da ist soviel Schönheit. (Stille)

F.: Ich fühle, dass ich alles geben möchte.

S.: Wenn du das Göttliche bittest dein Leben ganz zu übernehmen, ist es das Ende deiner Sorgen.

Als ich erkannt habe, dass dieses Leben nicht irgend jemandem gehört und niemals gehört hat, denn dieser Jemand ist nur eine Fiktion, und fiktiven Personen steht es nicht zu, Dinge zu besitzen, da stand für mich fest: Dieses Leben gehört uneingeschränkt dem Göttlichen. Darum ist es so einfach. Es ist nicht meine Angelegenheit, was mit diesem Körper geschieht oder wie das Leben verläuft. Das macht es wirklich einfach.

F.: (lacht) Es ist nicht einmal ernst zu nehmen.

S.: Das ist das Ende der Ernsthaftigkeit.

Ich war noch ein kleines Kind, als meine älteren Brüder ins Priesterseminar gingen um ihr Leben Gott zu weihen. Auch meine Schwester ging ins Kloster und ich besuchte später ebenfalls diese Priesterschule. Es hat sich für mich immer so angehört, als sei es ein Tun, ein Aufopfern. Jemand hat etwas gegeben oder gibt etwas. In Wirklichkeit gibt es da keine Person, sondern nur das Erkennen, wem dieses Leben gehört.

Es geschieht nicht in der Weise, dass ich etwas aufgebe, weil da kein „Ich“ ist, das etwas aufgeben könnte. Es ist kein Opfer wertlose Schätze wegzugeben. Es ist kein Opfer das Leiden aufzugeben. Es ist ein Ruhen am richtigen Platz, ein sich Ausrichten auf die Wahrheit.

Das macht die Leichtigkeit des Lebens aus. Es ist so schön im Einklang zu leben. Wir brauchen uns über nichts Gedanken zu machen. Die meisten Leute auf dieser Welt verbringen ihr Leben in ständiger Sorge. Sie sind in Sorge wegen der politischen Verhältnisse, der Religionen, der Kinderrechte, der Frauenrechte, wegen Krebs und all den Dingen, über die wir keine Kontrolle haben. Es ist wirklich dumm damit seine Zeit zu verschwenden. Du könntest dein Leben einfach genießen. Du könntest dieses wertvolle Geschenk genießen, so kurz wie es ist. Tanze und singe das Leben. Du kannst mehr und mehr mit dem Göttlichen im Einklang und in Frieden sein. Dann wird dieser Friede ganz natürlich mit anderen geteilt.

Vor kurzem habe ich bei Osho über Alexander den Großen gelesen. Alexander lag auf seinem Sterbebett. Er hatte fast die ganze Welt erobert und war sein ganzes Leben lang sehr rastlos gewesen. Kurz vor seinem Tod sagte er: „Seht, ich habe mein ganzes Leben vergeudet, was für eine dumme Art, das Leben zu verbringen!“

Wenn dein Leben dich zum Frieden bringt, dann ist es ein gutes Leben und hat seinen Zweck erfüllt. Wenn du dein Leben mit Machtspielen, mit Geld- und Sexspielen, mit jeder Art von Unsinn vertust, als wäre es das, was dich erfüllen könnte, dann ist das eine Vergeudung, weil dir das keine Erfüllung bringen kann.

Nichts ist wirklich erfüllend, außer zurück nach Hause zu finden.

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Fragende: Dein letzter Satz hat mich hier nach vorne gebracht. Genau das fühle ich. Es fühlt sich so dringlich für mich an, mich zu beeilen, schneller zu machen.

Samarpan: Dich zu beeilen und anzuhalten.

F.: Ja, genau. (lacht)

S.: (lacht) Das ist das Paradox. Zuerst ist der Verstand damit beschäftigt all die weltlichen Dinge zu bekommen, wie Macht, Geld, Sicherheit, Liebhaber, Freunde… und dann fangen wir an nach Erleuchtung zu streben. Wir wollen Frieden, aber man kann es nicht bekommen. Es ist schon hier. Es ist immer hier gewesen. Der Verstand kann uns dabei nicht helfen. Der Verstand ist gut im Bekommen, aber nicht gut im Sein. Nur im Nicht-Verstand können wir sein.

Wenn der Verstand sich in die Vorstellung verrennt: „Oh, wir müssen uns beeilen, um zum Hier zu kommen“, dann ist das ein Witz! Halte einfach an!

Das Erkennen des Hier entfaltet sich in dem ihm eigenen Tempo und genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Erkennen vertieft sich gemäß seiner eigenen besonderen Dynamik. Du kannst nichts dazu tun. Es passiert nur hier. Es passiert nur im Nicht-Verstand, im Nicht-Tun. Entspanne dich einfach!

Ich kenne dieses Drängen. Ich weiß, wie listig der Verstand ist, aber mache dir keine Sorgen darüber.

F.: Und die Gefühle? Wie ich vorher gesagt habe, manchmal fühle ich ein Sehnen. Ist dies das Gleiche?

S.: Sehne dich einfach. Lade die Sehnsucht ein, erlebe sie.

Wir können zwar intellektuell verstehen, dass wir uns nach etwas sehnen, was bereits da ist, aber dieses Verstehen hilft uns nicht wirklich. Wenn du Sehnsucht erlebst, bringt sie dich in den Augenblick. Spiele damit, heiße sie willkommen. Entspanne dich in diesem intensiven Gefühl. Lass die Sehnsucht die Arbeit machen, überlasse dich ihr.

Schließe die Augen für einen Augenblick. Entspanne in der Mitte.

Hier ist kein Tun. Das Sehnen wird es bewirken. (Schweigen)

Wie ist es hier?

F.: Wenn ich mich da sein lasse, dann ist es sehr friedlich.

S.: „Wenn ich mich da sein lasse“, lass uns darüber sprechen.

Wohin lenken wir unsere Aufmerksamkeit? Wenn wir unsere Aufmerksamkeit in diesen Moment lenken, ist es schön und friedlich. Aber es gibt auch, was man im Osten „Vasanas“ nennt, die Neigungen des Verstandes. Da ist noch eine Vorstellung, dass es hier etwas zu tun gibt. Etwas zerrt noch an mir. Es ist wie eine Idee, dass ich etwas vergessen habe oder verpassen könnte, oder dass ich noch etwas herausfinden müsste. Oder der Gedanke, dass es noch etwas anderes gibt, was mich glücklich machen könnte.

Tatsächlich weiß ich, hier ist es vollkommen friedlich und es gibt nichts zu tun; die Stille ist schön; es gibt kein Problem, aber ich werde immer noch zurück in den Verstand gezogen. Es ist ganz natürlich und passiert jedem.

Es geht darum, in den Verstand zurückzugehen und dabei still zu sein, dies aus dem Frieden heraus geschehen zu lassen, sich all diese unterhaltsamen und anziehenden Phänomene aus der Stille heraus anzusehen.

Wir werden desillusioniert, indem wir ohne Urteil in das hineingehen, was uns anzieht. Sobald wir urteilen, entsteht Kampf. Das verstärkt die Vorstellung, dass ich etwas falsch mache: „Ich sollte in Frieden sein, aber ich bin nicht in Frieden, sondern in irgendeiner Geschichte.“ Gehe in die Geschichte, ohne zu urteilen. Es spielt keine Rolle, wovon du angezogen wirst. Finde es selbst heraus!

F.: (lacht)

S.: Du bist Gott, der diese Innenwelt erforscht. Sie muss erforscht werden, wir müssen uns mit allem aussöhnen. Wir müssen ganz existenziell herausfinden, was wirklich hier ist. Du kannst intellektuell verstehen, dass nichts hier ist, doch was nützt das? Es bewirkt nichts, und es ändert nichts. Wenn du aber genau hinschaust, ohne Urteil und ohne jede Vorstellung, dann beginnst du die Wahrheit zu erfahren. Wenn du beginnst mit dieser Offenheit zu schauen, dann siehst du: es ist nichts. Vorher kannst du es nicht sehen.

Es ist ein Spiel. Das ganze Erwachen ist nur ein Spiel. Werde nicht ernst dabei! Sobald du eine ernste Angelegenheit daraus machst, wird es zur Last. Es ist einfach nur Spaß.

Gehe, wo immer es dich hinzieht! Gehe in Frieden und Leichtigkeit. Lass alle Urteile, alle Vorstellungen fallen, sie sind keine Hilfe.

F.: Ja!

S.: Gut. (lacht)

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Fragende: Noch einmal zurück zum Thema Anhalten. Du hast gesagt: „Bleib einfach bei dem, was bereits still ist.“ Es gibt aber Zeiten, in denen ich überhaupt keine Stille fühlen kann.

Samarpan: In Ordnung, was fühlst du?

F.: La, la, la, la,…

S.: Du erlebst den Verstand, wie er aktiv ist? Wie fühlt sich das an?

F.: Wenn ich anhalten will, werde ich ärgerlich.

S.: Das ist fein.

F.: Nein!

S.: Ja, das ist fein. Wenn du nein sagst, schließt du die Tür zum Hier. Ärger ist großartig. Er bringt dich zum Hier. Wenn du dich mit dem Ärger anfreundest, wirst du herausfinden: In der Mitte des Ärgers ist Hiersein! (lacht)

F.: Gestern erlebte ich, wie da eine dunkle Macht, eine Art Wahnsinn, in mir ist.

S.: In Ordnung.

F.: Diese Macht will alles kontrollieren.

S.: Sicherlich.

F.: Ich habe mich sehr angestrengt, um zu diesem Stille-Retreat kommen zu können.

S.: Es war eigentlich einfach, oder?

F.: Davor habe ich zwei perfekte Wochen hier auf der Insel erlebt. Ich war sehr oft im Augenblick, wanderte viel. Ich hatte ein paar Romane mitgebracht, las ein wenig. An einem Stille-Retreat teilzunehmen bedeutet aber, nicht zu sprechen und auch nicht zu lesen.

Letzte Woche las ich ungefähr fünfzig Seiten in einem Roman, der mir eigentlich zu niveaulos erschien. Ich packte alle anderen Bücher in den Koffer meines Mannes, als er abreiste. Den Roman behielt ich, weil ich dachte, er stelle nun wirklich keine Versuchung dar.

Gestern kam ich nach Hause, griff mir dieses Buch,…

S.: (lacht)

F.: Das ist nicht witzig. Niemand nimmt mich ernst. Ich habe bis zwei Uhr nachts dieses dumme Buch gelesen, das ein Niveau wie ein Boulevardblatt hat. Ich konnte nicht aufhören! Auch habe ich mir vorgenommen, die kommende Woche eine Art Diät zu halten und nur wenig und leicht zu essen. Gestern habe ich Obst eingekauft, Tomaten und auch etwas Käse.

Nachdem ich dieses Buch ausgelesen hatte, stürzte ich zum Kühlschrank und aß den ganzen Käse, der für drei Tage gedacht war. Ich habe mich mies gefühlt. Warum mache ich so etwas Dummes? (Lachen)

S.: Da ist viel Lachen im Raum.

F.: Ja, jetzt kann ich auch lachen. Bis zu diesem Augenblick war ich frustriert, aber nun…

S.: Alle lachen über sich selber. Denn das liegt in der Natur der Dinge: In dem Augenblick, wo ich sage, ich beginne eine Diät, werde ich alles in mich hineinstopfen.

F.: Aber dieses dumme Buch!

S.: Sobald wir mit dem Verstand zu kämpfen beginnen, geschieht so etwas. Wärest du in Frieden mit dir selbst gewesen, dann hättest du das Buch wahrscheinlich nach fünf Minuten weggelegt. Weil da aber ein Kampf stattfand, war das dumme Buch für die ganze Nacht interessant. So ist es. Das ist sehr gut. Genau so machen wir das, um diese Vorgänge durchschauen zu lernen. Genau darum geht es in diesem Retreat: zu lernen, wie es ist. Es geht nicht darum, es richtig zu machen.

F.: Ich spüre sehr stark den Wunsch es richtig zu machen.

S.: Aber das ist ein Witz: Du kannst es nicht richtig machen. Es ist nicht möglich.

F.: Du hast Recht, das ist die Lektion.

S.: Das Lesen von Romanen während des Retreats ist eine sonderbare Angelegenheit. Natürlich lese ich meinen Roman. Aber nur in Stille. Ich sprach über diesen Punkt mit den Leuten, die hier leben, weil jemand danach gefragt hatte. Es scheint mir, als wurde diese Empfehlung nun auf eine Liste mit Regeln gesetzt. Ich habe nicht darum gebeten. Ich habe zu keinem gesagt: „Bitte, stelle ein Papier mit Regeln zusammen.“ Einige Leute lieben es, Regeln aufzuschreiben. Sie können es nicht erwarten neue Zehn Gebote zu bekommen. (lacht) Verstricke dich nicht in irgendeinen Kampf. Du bist in Ordnung. Du hast zwei Wochen in Harmonie mit deinem Mann verbracht. Ihr habt es beide genossen, großartig. Sei mit dir selber genauso in Harmonie.

F.: Das ist schwieriger.

S.: Genauso, wie du beschlossen hast, mit deinem Mann in Harmonie zu sein, entscheidest du dich, mit dir selbst in Harmonie zu sein. Sei gut mit dir selber. Darum geht es. Es geht nicht darum, etwas zu tun oder nicht zu tun, sondern darum, gut mit dir selbst zu sein. Es geht darum, wirklich Ferien zu haben und dabei im Frieden zu sein.

F.: Und wenn ich den Wunsch habe, ein Eis zu essen, dann werde ich eins essen.

S.: Ja, dann haben wir eine Eiscreme-Meditation.

F.: Genießen und mich nicht schuldig fühlen!

S.: Wir können Eiscreme-Meditation, Roman-Meditation, Käse-Meditation haben, wir können alles hier genießen. Es gibt keine Regeln.

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Samarpan: Grüß dich.

Fragende: Für mich ist es so: Während ich ein Buch lese, bin ich nicht in meinem eigenen Erleben, ich gehe in eine Geschichte. Ich bin nicht mehr wachsam, sondern in der Geschichte. Es ist, als schliefe ich.

S.: Alles kann zum Erwachen genutzt werden, sogar das Lesen eines Buches. In jedem Buch geht es um eine Geschichte darüber, was wichtig ist und was nicht; wer stirbt und wer überlebt. Bekommt der Mann die Frau oder die Frau den Mann? Mit der Zeit kannst du die Wahrheit, die die Geschichte im Buch ausdrückt, empfinden. Wenn du beginnst, die Wahrheit zu sehen, wird dir klar, dass es nur eine Geschichte ist. Dann weckt dich sogar das Lesen eines Romans auf. Anstatt dich ins Nicht-Bewusstsein zu bringen, nützt dir die Geschichte, um aufzuwachen. Du kannst nachts während deiner Träume erwachen. Alles kannst du nutzen, wenn du beginnst, die Wahrheit in der Geschichte zu empfinden und dich in dein Sein zu entspannen.

Komm einfach ins Hier und sei im Augenblick. Wenn du wirklich im Augenblick bist und keinen Antrieb hast, ein Buch zu lesen, weil Im-Augenblick-Sein mehr Spaß macht, dann ist das kein Problem. Dann bist du im Moment und vergisst das Buch. Wenn du aber von einem Buch angezogen wirst, dann entspanne dich da hinein und nutze das, um im Moment zu sein. Wir können alles nutzen.

F.: Ich habe immer noch die Vorstellung: Wenn ich ein Buch lese, bin ich der Beobachter, aber ich lebe dann nicht mein Leben, sondern vermeide es und verpasse dadurch etwas, weil ich einfach nur beschäftigt bin.

S.: Das ist möglich, alles kann man als Ablenkung benutzen. Alles kann aber auch benutzt werden um hier zu sein.

F.: Vielleicht ist es so: Wenn ich beim Lesen wirklich hinschaue, erkenne ich die Gefühle, die von der Geschichte ausgelöst werden.

S.: Du kannst einfach diese Gefühle empfinden. Sie könnten sich etwas sicherer für dich anfühlen als die Gefühle im wirklichen Leben.

F.: Ja, weil ich weiß, dass das nicht die Wirklichkeit ist, es ist einfach nur eine Geschichte.

S.: Das sind nur Gefühle über erfundene Personen. Es ist sehr gut, sich so im Fühlen zu üben. Es bringt dich hierher. Darum lesen wir so gern Romane, weil wir alle diese Emotionen in Sicherheit durchleben können. Wenn wir gut geübt haben, können wir auch die Gefühle in unserem eigenen Leben ohne Unsicherheit fühlen, weil wir wissen, dass sie genauso nur eine Geschichte sind. Es ist tatsächlich dasselbe.

F.: Da ist eine andere Frage. Es geht darum, sich sicher zu fühlen, dem Leben einfach zu vertrauen. Ich fühle so viel Angst, so wenig Vertrauen. Wie kann ich dahin kommen, zu vertrauen? Muss ich erst das Schlimmste erleben, was ich mir vorstellen kann, und es überleben?

S.: Du musst nicht das Schlimmste erfahren. Erlebe einfach, was das Leben für dich gerade jetzt bringt. Schnell kommen wir an den Punkt, wo wir sagen: „So, jetzt stelle ich mich dem, jetzt will ich das Schlimmste erfahren.“ Dann stellen wir uns das Schrecklichste vor, was wir gerade noch so akzeptieren könnten, und fühlen uns dumm wie ein Esel, weil wir es nicht tun können.

Das Leben geht behutsam mit uns um und bringt uns nur, was wir auch verkraften können.

F.: Wenn ich Krieg und die totale Hölle erleben müsste, dann wäre ich mitten drin, aber ich bin’s nicht.

S.: Genau, das stimmt. Dann wäre das gerade richtig für dich. Jetzt ist aber genau das stimmig für dich, was ist.

F.: Das ist auch eine Art Hölle.

S.: Ja, natürlich.

F.: Aber nicht die schlimmste, die ich mir vorstellen kann.

S.: Genau, das ist gerade soviel Hölle, wie du verkraften kannst. Was immer das Leben uns heute auftischt, ist genau richtig.

F.: Wie kann ich aber sicher sein, dass du wirklich Recht hast? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir vertrauen kann, wenn du sagst, das Leben bringt uns nur, was wir auch annehmen können.

S.: Entweder habe ich Recht oder nicht. Damit ist jede Möglichkeit abgedeckt, oder?

F.: Das Leben ist einfacher, wenn ich dir glaube.

S.: Es geht nicht darum mir zu glauben. Du kannst mir glauben, aber direkt unter dem Glauben steckt der Zweifel. Dann kannst du einen Kampf darüber ausfechten und dir sagen: „Er ist ein Scharlatan“, oder du sagst dir: „Er weiß, worüber er spricht.“ Es gibt nur einen Weg, die Wahrheit herauszufinden: für dich selber, direkt! Es gibt keinen anderen Weg. Erst dann weißt du, vorher nicht.

F.: Aber wie kann ich es herausfinden?

S.: Indem du das Leben jeden Tag lebst. Wenn du das tust, hast du nur zwei Möglichkeiten: du akzeptierst es oder du kämpfst dagegen an. Mit Kämpfen kennst du dich ja aus, du weißt, wie sich das anfühlt.

F.: Ja.

S.: Und du weißt, wie es sich anfühlt, wenn du akzeptierst. Wir haben jeden Augenblick die Wahl. Der Verstand wird uns sagen: „Oh, das ist zu viel, ich kann das nicht akzeptieren“, oder: „Das ist nicht wahr“.

F.: Oder der Verstand hält mich beschäftigt, indem er immer wieder neue Geschichten darüber erfindet. Er macht es kompliziert.

S.: Ja, das passiert immer wieder. Das ist ganz natürlich. Wir erleben einen Augenblick von Akzeptanz, und es fühlt sich wunderbar an. Du denkst: „Oh, ich bin frei!“ Im nächsten Moment bist du zurück in der Geschichte mit Leiden und Kämpfen, und willst es anders haben. So ist es. Dies ist unser Klassenzimmer, unser Labor. Wir befinden uns in einem Forschungslabor und lernen über das Leben. Natürlich machen wir Fehler, daraus lernen wir. Man lernt nicht, indem man es richtig macht.

Jeden Augenblick kannst du das eine oder das andere tun: Du kannst akzeptieren oder kämpfen. Wenn du kämpfst, sagst du: „Gut, ich kämpfe, und es fühlt sich nicht so gut an. Es ist irgendwie albern, aber das ist es, was ich tue.“

Dir die Wahrheit darüber einzugestehen, ist alles, was du tun musst. Du kannst dir sagen: Zur Abwechslung akzeptiere ich diesen Kampf einmal und sehe, wie sich das anfühlt. Wir lernen durch den Wechsel von Kämpfen und Akzeptieren. Ich kenne keinen anderen Weg.

F.: Ist es nicht so, dass ich mich entscheide und sage: Jetzt versuche ich zu akzeptieren?

S.: Das verstehe ich nicht.

F.: Ich denke, es passiert einfach. Es geht nicht so, dass ich sage: In Ordnung, jetzt akzeptiere ich. Dann würde mein Verstand wieder dagegen revoltieren.

S.: Ja, Akzeptieren passiert, und Festhalten passiert. Nach und nach wird sich mehr und mehr Akzeptanz einstellen, weil es mehr Freude macht. Es ist nicht so, dass wir es tun.

F.: In Ordnung.

S.: Glaub‘ mir nicht! Ich suche keine Gläubigen. Das ist für nichts gut. Nur dumme Menschen glauben. Ich suche Abenteurer, Entdecker. Ich fordere euch heraus, nach euch selbst zu suchen und selber herauszufinden, was hier die Wahrheit ist.

F.: Ja, glauben hilft nicht. Dann kann ich auch an Jesus glauben.

S.: War es nicht Marx, der sagte: „Religion ist Opium des Volkes“? Es ist wie eine Geschichte für kleine Kinder: „Oh ja, ich kann an etwas glauben und dann fühle ich mich besser.“ Aber so etwas weckt dich nicht auf, du lernst dadurch nicht wirklich. Lernen geschieht nur, wenn du es selber herausfindest.

F.: Ja, das stimmt. Ich habe oft Zweifel. Muss ich dann einfach anzweifeln, was du sagst, damit ich weiß, dass es nicht nur ein Glaube ist?

S.: Wenn Zweifel kommen, schau direkt hin und sieh, was die Wahrheit ist und was nicht. Genau dafür sind Zweifel gut.

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Wer ist der Herr in deinem Haus?

Samarpan: Ich habe hier ein paar interessante Fragen von Leuten, die normalerweise nicht zum Satsang kommen. Ich lese die erste Frage vor.

Frage: Damit der Mensch in der Wirtschaft und in der Gesellschaft erfolgreich ist, orientiert er sich an Zielen. Er setzt seine Lebensenergie ein, um im Außen seine Ziele zu erreichen, und erwartet dafür Geld, Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, also Energie von der Gesellschaft. Im Innersten sehnen wir uns nach Frieden, Liebe, Geborgenheit und Miteinander. Im Äußeren herrschen Kampf und Krieg, jeder gegen jeden, und unser Verstand hält das für normal. Dabei fließen wir oft nicht mit dem Leben, sondern sind im Dauerstress, werden krank und fragen uns am Ende des Lebens oder wenn eine Partnerschaft zu Ende geht: Wofür das alles? Was machen wir in unserem Leben falsch?

Jetzt kommen wir zur eigentlichen Frage: Sind Geld, Arbeit, Partnerschaft, Spiritualität und ein gesundes, erfülltes Leben miteinander vereinbar?

S.: Ja und nein. Meistens versuchen die Menschen, Arbeit, Geld, Partnerschaft und Erfolg an die oberste Stelle in ihrem Leben zu setzen. Wenn dann noch Zeit übrig bleibt, und das ist normalerweise nicht der Fall, dann kümmern sie sich um Spiritualität – oft erst im Alter, wenn man sich um nichts anderes mehr kümmern kann.

(lacht)

Jesus sagte: „Setze Gott an die erste Stelle, dann wird sich alles andere ergeben.“ Gott an die erste Stelle zu setzen bedeutet, das Wahre an erste Stelle zu setzen. Wenn du das, was nicht wirklich existent ist, vorne ansetzt, dann macht nichts Sinn, dann funktioniert nichts, denn dann arbeitest du gegen dich selbst.

Wir denken, der ganze Sinn des Lebens bestehe darin, Erfolg, Sicherheit, Geld und eine schöne Partnerschaft zu haben, und dann wundern wir uns, wenn es nicht funktioniert, wenn das Leben so sinnlos erscheint.

Denke darüber nach: Du gehst durch die Schmerzen der Kindheit, du machst schmerzvolle Erfahrungen, wenn du dieses Schulsystem durchläufst, du bist in einer Beziehung, hast eine Arbeit. Dein ganzes Leben arbeitest du und lebst diese Beziehung, und dann stirbst du. Das ergibt doch keinen Sinn, oder? Es ist wirklich dumm, denn wir verfehlen das Wichtigste!

In diesem Leben geht es darum, zu erkennen, wer du bist. Diesen Tanz des Lebens zu erlernen; denn wer du bist, ist das Göttliche, das in diesem menschlichen Körper tanzt. Wenn du aber das Göttliche ignorierst und dich auf das konzentrierst, was du als wirklich erachtest, dann verwirrt dich das, weil du von einer falschen Annahme ausgehst. Das, was wir für real halten, ist nicht wirklich, war nie wirklich und wird auch nie wirklich sein. Es erscheint nur als Wirklichkeit, die die Meister schon immer eine Illusion nannten.

Bei all diesen Auseinandersetzungen, all diesen Kriegen, all den Debatten in den Beziehungen, kämpfen wir um etwas, das nicht wirklich ist. Es wird sogar noch merkwürdiger, wenn wir anfangen, Religionskriege zu führen. „Du musst meiner Vorstellung von Gott zustimmen, denn meine Vorstellung von Gott ist richtig, und deine ist falsch!“ Das ist wirklich verrückt, denn keine Vorstellung ist richtig. Wenn du dir auch nur irgendeine Vorstellung von Gott oder dem Göttlichen, von Spiritualität machst, dann ist sie falsch. Der Verstand kann Gott niemals begreifen, das ist einfach nicht möglich.

Wenn du das Entdecken der Wahrheit zur ersten Priorität in deinem Leben machst, passiert etwas sehr Schönes: Das Leben sorgt für sich selber, du brauchst überhaupt nichts zu tun. Es spielt keine Rolle, wie dieses Lebensspiel sich entwickelt. Es geschieht wie es geschieht, und so ist es in Ordnung.

Wenn du es von der Wahrheit aus spielst, ist es ein wundervolles Spiel, das Freude macht, weil du es nicht ernst nimmst. Dein Partner verlässt dich? In Ordnung, kein Problem, denn du findest die Zufriedenheit in dir selbst. Du tanzt mit dem Göttlichen. Was auch immer kommt oder geht, ist in Ordnung: Jobs, Partner, Geld… Es spielt keine Rolle.

Geld macht dich nicht glücklich, und es gibt dir ganz bestimmt nicht das, was du Sicherheit nennst. Es gibt keine Sicherheit in diesem Leben. Wie sicher kann das Leben denn sein? Es ist ein Abenteuer.

Diese Körper werden alle sterben, aber wer du wirklich bist, das stirbt nicht. Dein wahres Selbst kann nicht sterben, das ist die Sicherheit, die einzige Gewissheit, die du je bekommst und die einzige, die du jemals brauchst.

F.: Wie sollen wir mit den immer brutaler werdenden Anforderungen unserer Jobs umgehen? Wird Stress durch mangelnde Freiheit unseres Denkens und durch unser mangelndes Vertrauen ins Leben verursacht? Oder wird der Stress durch die Ansprüche der anderen erzeugt, die wir nicht erfüllen können oder wollen?

S.: Es gibt keine „anderen“! Da ist niemand! Es ist nur eine Vorstellung, dass da jemand ist, der etwas von mir will, und dessen Ansprüche ich erfüllen muss. Ich kann die Erwartungen von niemandem erfüllen. Das ist nicht möglich. Wenn irgendjemand Erwartungen an mich stellt, hat das nichts mit mir zu tun.

Wir versuchen, den Erwartungen unseres Chefs gerecht zu werden, genauso wie wir versuchten, die Erwartungen unserer Eltern zu erfüllen. Wir waren bei unseren Eltern nicht erfolgreich, und wir werden es bei unseren Vorgesetzten auch nicht sein. Warum also sollten wir das wollen?

Es gibt da ein grundsätzliches Missverständnis, dessen Wurzel die Vorstellung ist, dass ich jemand bin und mein Chef wiederum jemand anderes ist. Dieser Chef ist tatsächlich mein eigenes Selbst. Wenn ich erkenne, der Vorgesetzte ist mein eigenes Selbst, dann kann ich nur wollen, dass der Chef gut dasteht, einfach weil ich in Liebe mit meinem eigenen Selbst bin. Das ist etwas völlig anderes als zu versuchen, die Zustimmung des Vorgesetzten zu erhalten. Sobald ich versuche, die Zustimmung von jemand anderem zu bekommen, bin ich nicht in meiner eigenen Kraft. Aber wenn ich es als meine Aufgabe ansehe und es meine Funktion ist, dem Chef zu helfen, was auch immer er oder sie tun möchte, dann macht diese Arbeit einfach Freude, weil ich dann in meiner eigenen Kraft bin. Dann gibt es keinen Konflikt, denn ich will nichts; schon gar nicht von meinem Boss.

Wenn ich euch zu Beginn des Satsangs begrüße, stehe ich euch zu Diensten. Ich will nichts von euch. Ich möchte, dass ihr alles habt, ich möchte euch alles geben. Ich möchte euch eure Freude zeigen, euren Frieden. Wenn ich meine Arbeit wirklich gut mache, dann werdet ihr mich bald nicht mehr brauchen. Wenn meine Arbeit erfolgreich ist, wird die Welt mich nicht mehr brauchen. So bewege ich mich in Richtung Arbeitslosigkeit, und bin am glücklichsten, wenn für mich nichts mehr zu tun bleibt. Seht ihr, wie anders das ist?