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Der Jahreskreis

Martina Kaiser

Der
Jahreskreis

Den Rhythmus der Natur
als unsere Kraftquelle nutzen

AURUM

Martina Kaiser:

Der Jahreskreis

© Aurum Verlag in:

J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld

info@j-kamphausen.de

Lektorat:Heinz Lindeman

Typografie, Satz und

Illustrationen: Aleksandar Nanusevic

Umschlag: Wilfried Klei

E-Book Gesamtherstellung: Bookwire GmbH, Frankfurt a. M.

www.weltinnenraum.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detailierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar

ISBN Print 978-3-89901-049-7

ISBN E-Book 978-3-95883-169-8

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.weltinnenraum.de.

Alle Rechte der Verarbeitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige

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sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Vorwort

Und ist nicht die Zeit wie die Liebe,

ungeteilt und ungezügelt?

Doch wenn ihr in eurem Denken die

Zeit in Jahreszeiten messen müsst,

lasst jede Jahreszeit all die anderen

umfassen.

Und lasst das Heute die Vergangenheit

mit Erinnerung umschlingen

und die Zukunft mit Sehnsucht.

Aus: Khalil Gibran, „Der Prophet“

Auf- und Abstieg, Annehmen und Hergeben, Gewinnen und Verlieren, Leben und Sterben: Zwischen diesen Polen vollzieht sich unser tägliches Leben in immer wiederkehrenden Kreisläufen. Geht es einmal bergauf, wir sind guten Mutes und alles gelingt uns mühelos, dann folgen sicher darauf Zeiten des Rückschlags, der Einschränkung oder gar des Verlustes, in denen Traurigkeit oder Mutlosigkeit das Leben bestimmen. Doch nicht nur unsere eigene Existenz wird von diesen Zyklen bestimmt, sondern das Leben auf unserem Planeten überhaupt.

Viele Menschen erleben sich im Zeitalter des Hightech und der globalen Vernetzung als fern von der Natur. Unser alltägliches Leben richtet sich selten nach natürlichen Rhythmen, sondern meist nach Vorgaben, die von außen an uns herangetragen werden: Frei- und Arbeitszeiten, Öffnungszeiten, Abfahrtspläne und Termine bestimmen die Gestaltung unserer Tage und Jahre, und oft beschleicht uns das Gefühl, als verstriche die Zeit fast unbemerkt und als fehle etwas Wesentliches in der pausenlosen Geschäftigkeit. Viele Menschen fühlen eine große Sehnsucht danach, wieder mit der Natur in Kontakt zu treten und sich rückzubinden an ihre Kreisläufe von Wachstum, Sterben und Erneuerung, um im alltäglichen Auf und Ab wieder einen Sinn und ein Ziel zu erkennen.

Wollen wir den ständigen Veränderungen in unserem Leben auf positive Weise begegnen, können wir von der Natur einiges lernen. Dieses Buch wurde geschrieben, um Anregungen zu vermitteln, wie Sie sich wieder bewusst einbinden können in das, was wir „Natur“ nennen. Der Grundgedanke des Buches ist geprägt von der Anschauung, dass „Natur“ nichts ist, was außerhalb von uns stattfindet. Wir selbst sind die Natur. Im Auf- und Abstieg der Sonne im Verlauf eines Jahres und den daraus entstehenden Jahreszeiten erleben wir ein kosmisches Spiegelbild unseres persönlichen Daseins mit all seinen Chancen, Herausforderungen und Notwendigkeiten. Wenn im Frühjahr das Leben erwacht und in freudiger Erwartung Neues keimt und wurzelt, dann erkennen wir darin die Aufbruchszeiten, wenn wir uns auf neue Projekte, Ideen und Beziehungen einlassen. Die Energie des Ausprobierens und Entdeckens entspricht der stürmischen und unbedarften Zeit von Kindheit und Jugend, die noch viele gute – und auch schwierige – Erfahrungen vor sich hat. Im Sommer erblüht und entfaltet sich das Leben in all seiner Schaffenskraft. Die Energie von Wachstum und Geschäftigkeit entspricht dem Lebensgefühl des Erwachsenen, der das Erlernte erprobt und umsetzt. Alle Aktivitäten münden in den Herbst, in jene Lebensphase, in der wir die Früchte unserer Mühen ernten können und dafür die Verantwortung übernehmen. Den Rückzug der Kräfte und die Fähigkeit zur Reflexion entwickeln wir später, wenn das Alter herannaht. In den Winterzeiten unseres Lebens wenden sich alle Energien nach innen, es herrscht Ruhe, die uns nicht nur auf die Zeit des Abschieds vom eigenen Leben vorbereitet. Sie erinnert uns auch daran, dass jedem Auf- ein Abstieg folgen muss, jeder Fülle eine Leere und jedem Leben eine Zeit danach. Nur aus der Leere heraus kann im Frühling wieder Neues entstehen.

Vollziehen wir die Rhythmen der Natur gezielt nach, dann wird uns bewusst, dass lichte und dunkle Seiten einander immer abwechseln, weil sie die zwei Seiten der einen Sache sind, die wir Leben nennen. Im Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit machen wir alle Erfahrungen, die wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen. Denn in der Natur ist das Ziel Wachstum, die Entfaltung all dessen, was als Keim in jedem einzelnen Wesen angelegt ist.

Jedes Kapitel dieses Buches beginnt mit einer Beschreibung der Vorgänge in der Natur, um ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche Energie gerade die äußere Natur bewegt. In Anlehnung daran werden Themen erörtert, die Anregungen liefern, wie wir die Qualität der Monate für uns selbst nutzbar machen können. Natürlich hält sich die Natur nicht an die Aufteilung der Monate, die ja relativ willkürlich ist. Die zwölf Sonnenmonate könnten ebenso durch 13 Mondmonate ersetzt werden, doch der besseren Lesbarkeit und Abgrenzbarkeit wegen wurde Ersteres gewählt. Unsere zwölfmonatige Jahresaufteilung geht auf eine römische Kalendereinteilung unter Julius Cäsar zurück, die schon vor Christi Geburt erfolgte. Manche ursprünglichen Daten verschoben sich allerdings, als 1582 unter Papst Gregor XIII. der Kalender reformiert wurde. Doch dies ist nur am Rande von Bedeutung. Das Leben in der Natur bewegt sich jedes Jahr nach seinen eigenen Rhythmen, so dass auch die Naturbeschreibungen des Buches gelegentlich von der Wirklichkeit abweichen. Man sollte sich daher nicht an die Worte klammern, sondern einen Blick aus dem Fenster werfen und selbst feststellen, welche Kräfte in der Natur gerade wirksam sind.

Um die Qualität der Monate noch zu vertiefen, wird in jedem Kapitel einiges über frühere Bräuche erzählt, in denen häufig die Nähe der Menschen zur Natur in alter Zeit einen sehr anschaulichen Ausdruck findet. Da sich die christlichen Bräuche nur sehr eingeschränkt auf das Leben in der Natur beziehen, wurde verstärkt auf vorchristlich-heidnische Vorstellungen und Anschauungen zurückgegriffen. Die vorchristlichen Völker Europas, die Kelten, Germanen, Slawen und anderen Kulturen, lebten nicht nur in engem Kontakt zur Natur (das war auch später noch der Fall). Darüber hinaus begegneten sie ihrer Umwelt mit dem Respekt und der Ehrfurcht, die das Göttliche in allem verkörpert sah, was sie umgab. Wenn die Germanen die Frühlingsgöttin als liebevolle, strahlend weiße junge Frau feierten, dann ehrten sie in ihr nicht nur die erwachende Lebenskraft in den Pflanzen und Tieren, sondern auch die Freude aneinander und die Liebe zueinander. Und wenn im Winter die dunkle keltische Göttin Cerridwen ihren Kessel der Verwandlung rührte, dann verlor der Tod an Schrecken, weil der Kessel des Todes auch zugleich Erneuerung und Wiedergeburt versprach. Da die christlichen Feste im Jahreskreis mehr am Leben und Wirken von Jesus Christus und den Heiligen ausgerichtet sind und weniger an den Energien in der Natur, fanden sie nur Berücksichtigung als Fortsetzung vorchristlicher Bräuche. Dies soll jedoch in keiner Weise den christlichen Glauben herabsetzen. Jeder Mensch sucht sich eigene Bilder dessen, was er oder sie als göttlich erlebt, und auch die christlichen Bilder sind willkommen. Mit den Gottesvorstellungen aus den Naturreligionen möchte das Buch lediglich die Möglichkeit anbieten, die individuellen Bilder zu erweitern. Die riesige Vielfalt Hunderter von Göttinnen und Göttern, die vor der Christianisierung die Herzen der Menschen bewegten, kann hier jedoch ebenfalls nur zu einem kleinen Teil Berücksichtigung finden.

Im Praxisteil jeden Monats finden sich Anleitungen, mithilfe von Meditationen, Ritualen und Festen die besondere Energie eines Monats spürbar zu erleben und mit den eigenen Anliegen zu verbinden. Rituale sind eine sehr alte Methode, um Übergänge zu gestalten und Veränderungen zu bewirken. Auch sie haben ihre Wurzeln in Kulturen, die in enger Nähe zur Natur lebten, und gehen bis in die Steinzeit zurück. Rituale sind ein Weg, um innere und äußere Welt, Körper und Geist, Alltag und göttliche Kräfte miteinander in Verbindung zu bringen. In einer symbolischen Handlung wird eine Veränderung vollzogen – eine schädliche Gewohnheit wird symbolisch verbrannt, zwei Menschen mit Bändern aneinander geknüpft oder ein neues Projekt als Blumenzwiebel symbolisch gepflanzt. Im rituellen Rahmen gewinnt die symbolische Handlung eine besondere Dynamik und bewirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig eine Wandlung, körperlich, seelisch und geistig. In Ritualen sprechen wir unser inneres Kind an, dessen Kreativität und Kraft sich mit unserem denkenden, erwachsenen Ich verbindet. Ein Sammelbecken für Energien entsteht, wenn wir bereit sind, auch unsere verspielte, irrationale Seite stärker zum Ausdruck zu bringen. Da in unserer Kultur lebendige und kreative Rituale weitgehend verloren gegangen sind, haben wir die Chance, Rituale als Mittel zur Rückbindung an die Natur und als Methode der Lebensgestaltung wieder neu zu entdecken. Wie die Pioniere in früheren Zeiten erobern wir uns damit ein vergessenes, unbekanntes Land. Die vorgeschlagenen Ritualideen sollen Ihnen eine Vorstellung davon vermitteln, wie Rituale ablaufen und wirken können. Sind Sie ein Neuling im Ritualleben, dann halten Sie sich anfangs auf jeden Fall an die vorgegebenen Anleitungen. Mit etwas Übung werden Sie Ihre eigenen Ideen und Vorstellungen in kreative Rituale umsetzen und können so diese äußerst wirksame Methode für Ihre konkreten Bedürfnisse anwenden.

Am Ende jeden Monats finden sich noch Hinweise auf besondere Pflanzen und deren Wirkungsweise. Das Sammeln und Zubereiten von Kräutern für Gesundheit und Schönheit ermöglicht es, jeden Monat mit allen Sinnen zu erleben. Denn das ist es schließlich auch, was wir in der Natur suchen und finden: Sinnlichkeit und Lebensfreude.

Ich wünsche mir, dass Ihnen die Vorschläge dieses Buches einen ganz individuellen Zugang zur Natur ermöglichen, der Ihnen die Weisheit und Schönheit in der äußeren Welt ebenso vor Augen führt wie die Ihrer eigenen, inneren Natur. Wer den Kreis des Jahres mehrmals bewusst durchlaufen hat, knüpft eine Verbindung, die nicht mehr so schnell aufzulösen ist. Denn es bleibt das Gefühl von Dankbarkeit, dass man tatsächlich dazugehört zu diesem großen Netzwerk, das uns alle trägt und hält.

Lassen Sie sich von den Beschreibungen des Buches dazu anregen, Ihren eigenen Weg zurück zu den Rhythmen des Lebens zu beschreiten. Ich wünsche Ihnen alles Liebe dafür.

Dank

Meinen Freundinnen Monika und Kristina danke ich von ganzem Herzen für die Überarbeitung des Manuskriptes und die vielen Anregungen, die sie mir vermittelt haben. Ich danke meiner Freundin Ivana. Ich danke meinem Mann Andreas und meinen Kindern Marah und Jonathan ebenso wie dem Aurum-Verlag für ihre unerschütterliche Geduld. Außerdem danke ich den wunderbaren Menschen, die seit Jahren mit mir den Kreislauf der Natur in Ritualen feiern, nicht nur für ihre liebevollen Anregungen, sondern vor allem dafür, dass sie diesen Weg mit mir gemeinsam gehen.

Januar:

Zeit des Vertrauens und des Kräftesammelns

In der Winternacht

...

Und deucht die Welt dir öd und leer.

Und sind die Tage rau und schwer.

Sei still und habe des Wandels acht:

Es wächst viel Brot in der Winternacht.

Friedrich Wilhelm Weber

Die Kräfte der Natur im Januar

Schon die alten Namen des Januar verraten uns einiges über seine Qualität. „Hartung“, „Hartmond“, „Schnee-“ oder „Eismond“ wurde früher der Januar genannt, weil er den warmblütigen Lebewesen mit seiner Härte viel abverlangt. Als kältester Monat des Jahres bringt er Eis, Frost und Schnee im Überfluss. Obwohl im Dezember die dunkelste Zeit überwunden wurde, dauert es trotzdem noch eine ganze Weile, bis die zunehmende Helligkeit und Wärme für alle spürbar wird. „Wächst der Tag, wächst die Kälte“, lautet ein altes Sprichwort.

Der Januar zehrt gewaltig an den Nerven. Bewundern anfangs noch alle die weiße Schneepracht, so wird im Alltag der Schnee schnell grau. Aufstehen in der Dunkelheit, Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel, Hindernisse beim Autofahren, Warten bei eisiger Kälte, eingehüllt in zahllose Schichten Kleider, all das ist nicht gerade förderlich für eine strahlende Laune, außer man ist eine ausgesprochene Frohnatur. Die Aussicht auf Besserung liegt zudem noch in weiter Ferne. Die meisten von uns haben im Januar eher das Bedürfnis, in der warmen Stube zu sitzen, als sich draußen der Kälte auszusetzen.

Aus Sicht der Vegetation ist Eis, Schnee und Kälte jedoch genau das Richtige im Januar. Der Schnee schützt die Samenkörner, denn die Wärmeleitfähigkeit von Schnee ist viel geringer als die des nassen Bodens. Darum sinkt die Temperatur an der Bodenoberfläche unter einer schützenden lockeren Schneedecke nur wenige Grad unter Null, selbst wenn darüber klirrender Frost herrscht. Ein schneearmer Januar und Februar bringen meist einen schleppenden Frühling mit viel Regen und Frost, der einfach nicht aufhören will. Besser der Winter findet dort statt, wo er hingehört, im Januar.

Die Bauernregeln im Januar sprechen hier ebenfalls eine deutliche Sprache:

Ist der Januar hell und weiß, kommt der Frühling ohne Eis, wird der Sommer sicher heiß.

Januar ganz ohne Schnee, tut Bäumen, Bergen und Tälern weh.

Benannt ist der Januar, der im Österreichischen „Jänner“ genannt wird, nach dem römischen Gott Janus, dem Hüter und Schützer der Türen, der Tore und der Übergänge aller Art. Der Gott Janus hat zwei Gesichter, eines blickt nach innen, das andere sieht, was draußen geschieht. Das junge Gesicht sieht in die Zukunft, das alte in die Vergangenheit. Daher stammt übrigens auch der Begriff „janusköpfig“ für etwas, das zwei Seiten hat. Janus war bei den Römern der Gott allen Anfangs und Eingangs. Weitere Namen des Januar waren Wolfsmond oder Thormonat, weil er dem germanischen Thor bzw. Donar geweiht war.

Die energetische Qualität des Januar ist die Erneuerung der Natur im Inneren. Ebenso wie wir selbst uns täglich zum Schlafen niederlegen, um anderen Morgens ausgeruht und erfrischt zu erwachen, erneuern sich auf ähnliche Weise die Kräfte des Lebens im Januar. Die Wandlung vollzieht sich im Innern der Erde. Das äußere Leben ist nun zu einem scheinbaren Stillstand gekommen. Dem sehenden Auge verborgen, finden Prozesse der Heilung und Erneuerung statt, die wir nur in Ansätzen verstehen können, weil sie auf der energetischen Ebene stattfinden. Alles Leben auf der Erde sucht, wie wir selbst, die regelmäßige Rückbindung zu jenem Ort, an dem die Materie ihren Ursprung hat, um in der Verbindung zur geistigen Welt Heilung und Wandlung zu finden. Erst wenn die Erneuerung im Inneren stattgefunden hat, kann sie auch langsam nach außen treten und sich sichtbar manifestieren.

Die Themen des Januar

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Der Januar-Auftrag der Natur lautet, Geduld aufzubringen. Bevor im Frühling das Leben wieder saft- und kraftvoll sprießen kann, braucht es den Winterschlaf in der Stille und Dunkelheit der Erde, wo der Keim in Ruhe und Geborgenheit den richtigen Zeitpunkt abwartet. Generell geht einer Phase der Veränderung immer eine Zeit des äußeren Stillstands voran, eine Zeit der erzwungenen Ruhe, in der einfach nichts geschieht, so dass man manchmal verzweifeln möchte. Das Alte ist zu Ende gegangen, doch das Neue liegt noch in unbekannter Ferne. Stillstand ist jedoch ein zentraler Bestandteil des Wandlungsprozesses, auf den die Natur nicht verzichten kann. Echte Veränderung beginnt immer innen, im Wesen der Dinge, bevor sie eine materielle Form findet. Es gilt also, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, bevor man aktiv und handelnd in sein Leben eingreift. Der Impuls, gleich zur Tat zu schreiten, wenn etwas nicht unseren Vorstellungen entspricht, und sofortige Veränderungen in die Wege zu leiten, schadet oft mehr als er nützt, besonders, wenn es um grundlegende Veränderungen geht. Gewiss fällt es schwer, die Ungewissheit einer Umbruchsituation auszuhalten, vor allem, wenn der Zeitraum zwischen dem Ende des Alten und dem Beginn des Neuen weit auseinander liegt. Doch wenn wir von der Natur lernen wollen, dann gönnen wir uns die Zeit des Rückzugs, in der wir wieder zu uns selbst finden und spüren, was wir brauchen, um die künftige Richtung unseres Weges zu ermitteln. Vielleicht gilt es einfach abzuwarten und die Natur „machen zu lassen“ oder träumend in den tieferen Schichten unseres Bewusstseins mit der großen Quelle in Kontakt zu treten, die sich in allem Leben zum Ausdruck bringt. Verbunden mit den inneren Bildern unserer Seele spüren wir dann ganz genau, wann der richtige Zeitpunkt für Aktivität gekommen ist.

Die Gesetze des Wandels annehmen

Blicken wir im kalten Januar zum Fenster hinaus in die von Eis und Schnee bedeckte Welt, dann erscheint es wie ein Wunder, dass an genau der selben Stelle ein halbes Jahr später das Leben wieder üppig blühen und wachsen wird. Die Prozesse, in denen das Leben in der Natur entsteht und vergeht, um erneut zurückzukehren, sind unendlich komplex. Und doch sind sie nicht nur allumfassend – den großen Kreisläufen von Werden und Vergehen ist alles unterworfen, von der kleinsten Zelle bis hin zu den Sonnensystemen –, sie sind auch zuverlässig. Der Januar ist ein guter Zeitpunkt, um sich wieder bewusst einzubinden in die uralten Zyklen, die verlässlich Heilung, Verwandlung und Erneuerung bringen. Da wir ihnen nicht entrinnen können, scheint es sinnvoll, sie zu akzeptieren und mit ihnen statt gegen sie zu arbeiten. Dazu müssen wir jedoch den Mut aufbringen, ein Stück Kontrolle aufzugeben und uns von der Vorstellung verabschieden, alles im Leben im Griff behalten zu müssen. Liefern wir uns stattdessen den Rhythmen des Wandels aus und vertrauen wir uns an. Begrüßen wir jeden Tag in dem Wissen, dass wir gehalten und getragen werden, weil wir dazugehören zu diesem gewaltigen Netzwerk, in dem alles, was geschieht, eine Bedeutung hat, für den Einzelnen ebenso wie für das große Ganze. Die Übungen im Praxisteil unterstützen Sie dabei.

Mythen, Bräuche und göttliche Wesen

Der Januar als der erste Monat des Jahres hat wie der Dezember im Brauchtum eine mystische Qualität. Das wichtigste Datum ist der 6. Januar. Die Raunächte, die Zeit zwischen den Zeiten, der wir uns im Dezember widmeten, erreichen in der Nacht vor dem 6. ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende. Die Göttin Berchta, die „Frau Percht“, schreitet noch einmal über das Land und breitet ihren Segen darüber aus. In manchen Gegenden aß man früher am 6. Januar Mohnnudeln oder legte sie aufs Dach als Gabe für die vorüberziehenden Kinderseelen, die „Perchtln“ aus dem Gefolge der alten Göttin. In Italien kommt noch heute in manchen Gegenden am 6. Januar die Befana, eine gute Hexe, durch den Kamin hereingeschwebt und bringt den Kindern Geschenke. Auch sie ist eine weitere Gestalt der segenspendenden Berchta, der großen Göttin von Licht und Dunkelheit.

Der Kult der Drei

Der 6. Januar ist allgemein als Dreikönigstag bekannt, in Erinnerung an die „drei Könige aus dem Morgenland“, die dem Christuskind symbolische Geschenke in die Wiege legten, die auf dessen irdische Bestimmung verwiesen: Gold für das Königreich, das es errichten, Weihrauch für die spirituelle Meisterschaft, die es erlangen und die bittere Myrrhe für das Opfer, das es erbringen würde. Bereits im Mittelalter wurde ein regelrechter Kult um die drei Könige veranstaltet, der viel Zuspruch in der Bevölkerung fand, denn die Zahl Drei war schon in vorchristlicher Zeit eine heilige Zahl gewesen. In der älteren keltischen und auch in der germanischen Mythologie finden sich zahlreiche Beispiele von „dreifaltigen“ Göttern und Göttinnen. Die Zahl Drei stellte schon in der antiken Mystik das Symbol der Entstehung des Lebens und des Schicksals dar. Drei ist die Entstehung des Neuen, das aus der Verbindung der zwei Gegensätze (Männlich-Weiblich, Yin-Yang) entspringt. In der Drei manifestiert sich der Prozess der Veränderung und Verwandlung, jenes Mysterium, das im Januar besonders in den Vordergrund tritt. In der germanischen Mythologie wurde die Welt von drei Göttern erschaffen, von Odin, Hönur und Lödur, wobei letzterer wahrscheinlich ursprünglich weiblichen Geschlechtes war. Auch der Sturmgott Odin/Wotan hat zwei Aspekte, Wili und We, die ihn als dreifaltigen Gott ausweisen mit der Macht, Neues zu erschaffen. Die alten nordischen Heiligtümer waren oft den drei Göttern Odin, Freyr und Donar gemeinsam geweiht.

Die drei Schicksalsmütter

Im gesamten deutschsprachigen Raum, in Deutschland ebenso wie in Teilen Österreichs und der Schweiz lässt sich die Verehrung einer Dreifaltigkeit von Göttinnen nachweisen, die entweder als drei zusammengehörende Segensbringerinnen oder als eine einzige Verkörperung der Drei Verehrung fanden.i Das Bild einer dreifaltigen Göttin, bestehend aus einer jungfräulichen Kriegerin, einer mütterlichen Königin und einer weisen, alten Todesbotin, kehrt in vielen europäischen und nahöstlichen Mythen wieder.

Am deutlichsten wird die Verehrung der Drei bei uns in der Rheingegend sichtbar, wo die „drei heiligen Frauen“ in den verschiedensten Gestalten Anbetung fanden. Aus der Zeit der römischen Besatzung sind zahlreiche Opfer- und Weihesteine für die „drei Matronen“ gefunden worden, drei Göttinnen (Matrona bedeutet „Hohe Mutter“), deren Insignien der Macht sie als lebensspendende und lebenserhaltende Schutzfrauen ausweisen. Bereits vor den Römern waren sie im Glauben der keltischen und germanischen Menschen lebendig gewesen. Im Keltischen ist die weibliche Göttinnentrias weit verbreitet, in der germanischen Mythologie sind es die drei „Nornen“, die Spinnerinnen des Schicksals, Urd, Verandi und Skuld, die gemeinsam jedem Menschen seinen Platz im großen Netz der Zeit zuwiesen. Am Ursprungsort aller Existenz, am Fuße des großen Weltenbaumes, so erzählen die Mythen, spinnen die großen Drei die Muster, die allem Leben seinen Ort und seine Bedeutung geben. Im Glauben der Bevölkerung waren die Schicksalsfrauen auch bekannt als die Disen oder Idisen, denen regelmäßig Opfer gebracht wurden. Ursprünglich waren sie wahrscheinlich Ahninnen der verschiedenen Sippen oder Familien, die mit dem Wohlergehen ihrer Nachfahren betraut waren. Sie besuchten ein Kind nach der Geburt und verkündeten seine Gaben, sein Schicksal und damit seine Lebensaufgabe. Meist erschienen sie als drei, neun oder dreizehn Frauen. In den „guten und bösen Feen“ kennen wir sie noch heute aus vielen Märchen. In „Dornröschen“ oder „Vasilissa die Weise“ bestimmen sie das Schicksal der Heldinnen. Die Macht der Schicksalsfrauen wurde geehrt und gefürchtet. Stolperte jemand, so wurde dies noch im Mittelalter als Zeichen dafür gewertet, dass ihm die Disen ihre Gunst entzogen und sein Glück zu Ende ging. Auch die Römer und Griechen kannten die Schicksalsspinnerinnen unter dem Namen Parzen oder Moiren. Um 650 warnte der Heilige Eligius von Noyon die frisch christianisierten germanischen Franken davor, „zu Nacht Tische zu rüsten und für die Drei Speisen bereitzustellen.“ii Und noch zu Beginn des 11. Jahrhunderts stellte es Bischof Burchard von Worms in seinem Beichtspiegel unter Strafe, wenn die Frauen am 25. Dezember, in der „Mütternacht“, den Tisch für die „drei Schwestern“ deckten, dass „diese sich daran erquicken können“.iii

Jahrhunderte später, im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, entwickelte sich in vielen Teilen Deutschlands erneut eine Verehrung der großen Drei. Als heilige „drei Bethen“ mit den archaisch anmutenden Namen Ambeth, Wilbeth und Borbeth lebten die drei Schutzund Schicksalsfrauen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol weiter. In christlicher Zeit wurden sie um Schutz, Fruchtbarkeit der Felder, um Weisheit und Hilfe in der Not angerufen. Die drei Bethen waren die Nachfolgerinnen jener mächtigen Göttinnen der Vorzeit, die das Leben der Menschen von der Wiege bis zur Bahre hineinwoben in das große Ganze, sie verkörperten das „ewig sich erneuernde Leben. Sie anzurufen nannte man ‚bethen, beten’“iv. In den drei Marien, den drei Nothelferinnen Katharina, Margarete und Barbara und den wilden Saligen Frauen lebt ihre Verehrung bis in die Gegenwart fort.v

Der Januar-Segen

Im Januar war traditionell die Verbindung der Menschen zu den „Mächten des Schicksals“, die gerade jetzt dabei waren, die Muster der Wirklichkeit neu zu spinnen, enger als sonst. In vielen lokalen Bräuchen zeigt sich bis heute, dass dieser Umstand genutzt wurde, um Glück und Segen für das neue Jahr zu erbitten. In der christlichen Tradition sind es noch heute die Sternsinger, als „Drei Könige“ verkleidete Kinder, die Lieder singend und um Gaben bittend als Segenszeichen an der Tür die Buchstaben C+M+B anbringen für die Namen der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Manche erbitten auch den Segen der Heiligen Frauen Catharina, Margarete und Barbara. Dem „Bohnenkönig“ oder der „Bohnenkönigin“ fällt dabei nach einem alten Brauch die Aufgabe zu, die Zeichen für Schutz und Segen an der Haustüre anzubringen. Ermittelt wurde die betreffende Person, indem in einen Kuchen, den am 6. Januar alle gemeinsam verspeisten, eine Bohne hineingebacken wurde. Die Person, in deren Kuchenstück sich die Bohne befand, wurde Bohnenkönig oder -königin genannt. So teilte das „Schicksal“ selbst die ehrenvolle Aufgabe zu, das Haus zu segnen.

Nach dem Segen wurden früher Häuser und Ställe mit Kräutern geräuchert, die an der Kräuterweihe im August geschnitten wurden und deshalb als besonders heilkräftig galten. An Dreikönig wurden auch die Ruten für die Wünschelrutengänger geschnitten.

Meditationen, Rituale und Feste

Es ist Januar, das neue Jahr hat begonnen, und Sie wollen nun mit vollem Elan die guten Neujahrs-Vorsätze in die Wirklichkeit umsetzen. Vorsicht, denn eigentlich ist die Zeit noch nicht reif dafür. Die Energie in der Natur unterstützt äußere Aktivität, die über das Notwendige hinausgeht, nicht unbedingt. Ein Zuviel kann schnell überfordern und krank machen in dieser erkältungsanfälligen Jahreszeit. Träumen Sie einmal richtig vor sich hin, völlig unproduktiv und leistungsschwach. Das ist ein echter Jungbrunnen. Wenn Sie schon etwas „tun“ wollen, dann richten Sie Ihre Energie nach innen, achten auf Ihre Träume und nehmen sich die Zeit, jeden Tag eine kleine Meditation zu machen.

Meditation für einen langen Atem

Sind sie ein nervöser Mensch, dem Konzentration und Stillsitzen schwerfällt? Dann versuchen Sie es mit der „Langer-Atem-Übung“. Der Volksmund sagt nicht umsonst, dass man für längere Projekte einen buchstäblichen „langen Atem“ braucht, um etwas durchzuhalten. Schon aus der fernöstlichen Meditationslehre ist bekannt, dass der Atem ein mächtiges Instrument ist, um sich mit den Rhythmen des Lebens zu verbinden. Wenn Sie in Sachen Meditation und Stille noch Anfänger sind, dann ist diese Atem-Übung genau das Richtige für Sie. Meditieren Sie die ersten Male zu Hause, bis Sie etwas Übung haben. Dann können Sie diese kleine Meditation überall und zu jeder Zeit durchführen, wenn Sie nervös sind oder einfach Ruhe und Konzentration brauchen.

Setzen Sie sich bequem auf einen Stuhl oder auf den Boden, wobei Sie darauf achten, dass Ihr Rücken gerade ist und Ihre Fußsohlen oder Ihr Becken fest mit dem Boden verbunden sind. Nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem und beobachten, wie es sich anfühlt, wenn die Luft in Sie ein- und wieder ausströmt. Legen Sie dazu die Hände auf den Bauch und atmen Sie ein paar Mal tief ein, so dass sich Ihre Hände mit dem einströmenden Atem nach außen bewegen und wieder zurücksinken mit dem Ausatmen. Dann atmen Sie weiter wie gewöhnlich. Schauen Sie Ihrem Atem jetzt nur konzentriert zu, ohne sich von anderen Gedanken ablenken zu lassen. Ein – aus, ein – aus. Langsam kommt Ihr Atem zur Ruhe, wird tiefer und länger. Alle Anspannung löst sich mit jedem weiteren Atemzug. Erzwingen Sie nichts, bringen Sie sich nicht in Atemnot. Es geht alles von allein.

Wenn Sie sich innerlich ruhiger fühlen, dann machen Sie sich jetzt bewusst, WER es eigentlich ist, der da atmet. Nehmen Sie Kontakt auf zu sich selbst. Was fühlen Sie gerade, während Sie atmen? Sind Sie traurig, froh, aufgeregt, wütend? Nehmen Sie sich wahr in diesem Moment und erlauben Sie sich selbst liebevoll, so zu sein, wie Sie sind. Nach etwa fünf bis zehn Minuten des Wahrnehmens sagen Sie sich dann: „Ich akzeptiere mich, wie ich bin und nehme alle Gefühle und Gedanken an, denn jeder Teil von mir hat seine Berechtigung.“

Sie können die Übung hier abbrechen. Wenn Sie sich aber noch 5-10 Minuten gönnen, dann können Sie nun im nächsten Schritt in Ihren Atem bestimmte Kraftsätze einweben, die Ihnen auf einer sehr tiefen Ebene helfen können. Beobachten Sie wieder Ihren Atem und sagen sich bei jedem Einatmen: „Ich bringe meinen Körper zur Ruhe.“ Und beim Ausatmen: „Ich lächle dem Tag entgegen.“ (Lächeln Sie, während Sie das denken.vi) Wiederholen Sie diese Sätze zehn Minuten lang und Sie spüren, wie Sie eine positivere Haltung zum Leben einnehmen.

Weitere Kraftsätze lauten: Beim Einatmen: „Ich nehme die Kraft des Lebens in mich auf“, beim Ausatmen: „Ich lasse alle Anspannung los.“ Oder beim Einatmen: „Dieser Tag ist ein Geschenk“, beim Ausatmen: „Ich öffne mein Herz ganz.“

Suchen Sie sich jeweils nur ein Satz-Paar aus und atmen Sie so lange, bis Sie sich ruhig und gestärkt fühlen. Sie können sich auch eigene Sätze überlegen, die Ihnen für bestimmte Augenblicke Kraft geben. Beginnen Sie die Übung mit zehn Minuten täglich, dann können Sie die Dauer bei Bedarf kontinuierlich steigern. Sie werden sehen, dass Sie innerlich eine Quelle für Ruhe und Kraft entwickeln, die Sie am Arbeitsplatz ebenso stärkt wie im Bus oder zu Hause.

Ein Traumtagebuch führen

Beginnen Sie damit, sich morgens gleich nach dem Aufwachen Ihre Träume zu notieren. Legen Sie sich Schreibzeug neben das Bett. Selbst wenn es anfangs noch etwas mühsam erscheint, die Traumfetzen rechtzeitig vor ihrem Vergessen zu retten, mit etwas Übung können Sie sich immer besser an Ihre Träume erinnern. Sie lernen damit die Sprache Ihres Unterbewusstseins kennen und finden heraus, welche Themen Sie nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht beschäftigen. Denn Ihr Unterbewusstsein, Ihre unbewussten Träume, Wünsche und Sehnsüchte sind entscheidend daran beteiligt, was Sie in Ihrem Leben verwirklichen und was nicht. Notieren Sie sich Ihre Träume und deuten Sie zum Beispiel alle beteiligten Figuren des Traums als Teile von Ihnen selbst. Sie werden staunen, was Sie alles über sich selbst erfahren.

Eine Reise ins Erdinnere

Reisen Sie doch im Januar einmal geistig in die Erde, um dort zur inneren Ruhe zu gelangen. Dazu nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit, in der Sie nicht gestört werden. Schaffen Sie sich eine angenehme Umgebung, entzünden Sie ein paar Kerzen und legen Sie sich auf eine Decke auf den Boden. Ein kleines Kissen und eine Decke zum Zudecken machen Ihr Lager gemütlich. Sie liegen auf dem Rücken, die Arme rechts und links neben dem Körper, und schließen die Augen. Nun atmen Sie tief in den Bauch und kommen innerlich zur Ruhe. Sie entspannen jetzt nach und nach Ihren Körper, indem Sie die Muskeln der einzelnen Körperteile stark anspannen, um sie danach bewusst wieder zu entspannen und ganz locker zu lassen. Beginnen Sie mit den Füßen und Beinen, dann das Becken, den Rücken und den Bauch, die Brust, die Schultern, die Arme und Hände und dann den Kopf und das Gesicht. Nun sind Sie ganz entspannt. Nichts ist mehr wichtig für Sie, als völlig ruhig zu werden. Steigen Gedanken in Ihnen auf, dann richten Sie Ihre Aufmerksamkeit einfach wieder auf das Hier und Jetzt. Während Sie weiter tief in den Bauch atmen, stellen Sie sich nun beim Ausatmen vor, Ihr ganzer Körper würde schwer wie ein Stein und sinke hinunter in die Erde. Ganz einfach durchquert Ihr Körper den Fußboden und das Fundament, um dann weiter in die schwarze Erde zu sinken, die Sie liebevoll aufnimmt. Fühlen Sie, wie Ihr Körper mit jedem Ausatmen dem Ruf aus dem Unten folgt. Das Sinken endet irgendwann. Alles um Sie ist nun still und dunkel. Äonen verstreichen hier unbemerkt. Der Rhythmus der Erde ist sehr langsam. Entspannen Sie sich und kommen Sie völlig zur Ruhe. Werden Sie ein Teil der Erde. Lassen Sie alle Bewegung erstarren, wie eine Uhr, die immer langsamer tickt, um dann ganz still zu stehen. Nichts existiert mehr, außer Ihnen selbst. Das Haus über Ihnen ist verschwunden und von ferne hören Sie das leise Rascheln des Schnees, der eine schützende Decke über Sie und die Erde legt. Hier sind Sie vollkommen geborgen. Lassen Sie alle Ängste, die in Ihnen aufsteigen, alle Bilder von Enge und vom Grab mit dem Ausatmen los. Die Erde trägt Sie wie eine Mutter im Leib, beschützt Sie und versorgt Sie mit allem, was Sie brauchen. Verweilen Sie an diesem Ort und lassen Sie die Stille einfach zu. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, sich von der Stille und der Dunkelheit ganz erfassen zu lassen und bewusst hinüberzugleiten in das Land der inneren Bilder, die dann aufzusteigen beginnen. Kontrollieren Sie nichts, lassen Sie sich einfach treiben und nehmen Sie alle Bilder als Botschaften an, die Sie später deuten können. Vielleicht werden Sie müde und beginnen zu träumen. Auch das ist willkommen, denn hier, in der Stille der Erde, erträumt sich das Leben selbst.

Nun wird es Zeit, zurück an die Oberfläche zu kommen. Danken Sie der Erde und der Stille zum Abschied. Zählen Sie dann im Geist auf zehn. Bei jedem Einatmen folgt die nächste Zahl und Sie steigen ein Stück weiter aus der Erde auf. Bei „zehn“ sind Sie wieder ganz in Ihrem Körper angekommen. Klopfen Sie sich von Kopf bis Fuß mit den Händen ab und sagen Sie dreimal laut Ihren Namen. Das bringt Sie wieder vollständig in die Wirklichkeit zurück. Schreiben Sie sich möglichst bald auf, was Sie auf Ihrem Ausflug in die Erde erlebt und welche Bilder und Botschaften Sie vernommen haben. Vielleicht enthalten sie Inspirationen, vielleicht auch die Lösung für ein Problem, das Sie beschäftigt. Die kleine Reise können Sie so oft wiederholen, wie Sie wollen.

Ritual des Vertrauens und der Anbindung an das Leben

Nutzen Sie die Energie des Januar, um sich bewusst rückzubinden an die großen Zyklen des Lebens. Mit diesem Ritual stellen Sie die Weichen neu für Ihr Leben. Sie hören auf, mit sich selbst und Ihrem Schicksal zu hadern und begeben sich ganz gezielt hinein in den großen Fluss der Energien. Sie vertrauen darauf, dass alle Schwierigkeiten des Lebens eigentlich als Aufgaben gedacht sind, Ihre ganz persönlichen Herausforderungen, für die Sie gerüstet und gewappnet sind und denen Sie mit Zuversicht begegnen können. In jedem Ritual vollziehen Sie eine Entscheidung, die Sie dann in eine symbolische Handlung umsetzen. Das Symbol setzt Energien frei, die in Ihrem Leben spürbar werden.

Fahren Sie an einem schönen Januartag in die Natur hinaus an ein fließendes Gewässer, an einen Bach oder einen Fluss. Wählen Sie möglichst die Zeit um den Neumond herum. Mit sich nehmen Sie eine dünne Schnur und ein Teelicht mit Feuerzeug.

Am Fluss angekommen bauen Sie sich als Erstes Ihr ganz persönliches „Schiff“, das Sie in die Zukunft trägt. Dazu benötigen Sie ein oder mehrere Stücke Holz oder Rinde, die auf dem Wasser schwimmen können und die Sie meist in der Umgebung finden. Diese binden Sie nun mit der mitgebrachten Schnur so zusammen, dass ein kleines Floß entsteht. Dann suchen Sie einen symbolischen Gegenstand, der Ihnen in Ihrer Umgebung auffällt, ein schönes braunes Blatt, einen flachen Stein oder einen Ast. Sie können den Gegenstand auch von zu Hause mitbringen, denn seine Aufgabe ist es, nun Ihre Energie zu übernehmen. Sie verbinden sich also mit dem Gegenstand, indem Sie ihn mit Ihren Genen versehen, die sich in Haut, Haaren, Nägeln oder im Speichel befinden. Binden Sie z. B.ein paar Haare mit etwas Spucke daran und befestigen alles danach auf dem „Floß“. Stellen Sie nun das Teelicht dazu, nachdem Sie die Metallhülle entfernt haben. Dann suchen Sie sich eine Stelle, an der der Fluss langsam fließt und Sie sich gut hinunterbeugen können.

Nehmen Sie sich zuvor noch ein wenig Zeit und versuchen Sie, die Natur um sich herum zu spüren, die von Ruhe und Stillstand geprägt ist. Alles schweigt und wartet. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang. Beginnen Sie nun die Zeremonie, deren Ziel es ist, Sie symbolisch mit dem Fluss des Lebens zu verbinden. Atmen Sie ein paar Mal tief in den Bauch und konzentrieren Sie sich ganz auf Ihr Vorhaben. Wenn Alltagsgedanken Sie ablenken, dann kehren Sie gedanklich einfach immer wieder zu Ihrem Vorhaben zurück.

Jetzt entzünden Sie das Teelicht und nehmen Ihr Gefährt in die rechte Hand. Wenn Sie sich bereit fühlen, sprechen Sie folgende Worte: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, meinem Leben eine andere Richtung zu geben. Wie ich dieses Gefährt, das mein Licht und meine Gene trägt, dem Wasser übergebe, so übergebe ich mich dem Fluss des Lebens. Ich lasse los: all meinen Groll darüber, dass nicht alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Ich lasse los:meine Trauer über all das, was ich falsch gemacht und verpasst habe. Ich lasse los: meine Angst vor der Zukunft. Ich übergebe mich jetzt ganz bewusst den großen Kräften des Lebens. Ich vertraue darauf, dass alles in meinem Leben einen Grund und eine Berechtigung hat, ich vertraue darauf, dass ich alle Aufgaben meistern kann, die das Leben mir stellt, und dass mir alles zufließt, was ich brauche. Ich liebe das Leben und das Leben liebt mich. Ich rufe all jene göttlichen Kräfte zu Zeugen, die mich begleiten und beschützen. So sei es und so ist es.“ Sie dürfen sich natürlich gern auch einen eigenen Text ausdenken. Sprechen Sie jedes Wort aus in dem Bewusstsein, dass es in diesem Moment, gesprochen im Ritual, eine besondere Bedeutung hat. Dann übergeben Sie Ihr Gefährt vorsichtig dem Wasser. Spüren Sie in Ihrem Inneren, dass Sie nun eine Entscheidung getroffen haben. Sie haben sich für das Leben entschieden. Der Fluss des Lebens hat Sie aufgenommen. Sollte Ihr Schiff gleich untergehen, dann ist dies kein Omen für Ihre Zukunft, sondern eher ein Hinweis, dass Sie im Bereich der Schiffskonstruktion noch dazulernen können.

Den Segen der Drei erbitten