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„Das hat mir geholfen!“

Peter Jennrich

Schwermetallentgiftung

als Basistherapie bei chronischen Erkrankungen

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Jegliche Haftung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist jedoch ausgeschlossen.

Peter Jennrich:
„Das hat mir geholfen!“ – Schwermetallentgiftung als
Basistherapie bei chronischen Erkrankungen

© Aurum in J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH, Bielefeld 2012
info@j-kamphausen.de
www.weltinnenraum.de

Lektorat: Anja Schemionek
Umschlaggestaltung: KleiDesign
Fotos: shutterstock, iStockphoto

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ISBN E-Book 978-3-89901-693-2
ISBN Print 978-3-89901-661-1

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Bildnachweis Umschlag:
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kleine Bilder: iStockphoto: © Mike Clarke, 2: © Gewoldi, 3: © mathieukor, 4: © garysludden;
5: © Eugene Bolyuh
Illustrationen Innenteil: panthermedia

Wir richten uns in diesem Ratgeber ausdrücklich an Frauen und Männer. Für eine bessere Lesbarkeit haben wir jedoch ausschließlich die männliche Form des „Patienten“ etc. genutzt. Wir bitten alle Frauen um Verständnis dafür und hoffen, dass sie sich dennoch gemeint und angesprochen fühlen. Danke.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Das sind in erster Linie die Patienten, die ihre Erlebnisse in einem Interview geschildert haben, und Frau Dagmar Heib, die die Interviews geführt hat sowie meine Praxismitarbeiter.

Vorwort von Jean Huss

Einleitung

Der menschliche Körper – ein Abbild seiner Umwelt

Chronische Schwermetallbelastung – der Regelfall

Die Zivilisationskrankheiten sind auf dem Vormarsch

Schwermetalle –
die schädlichsten Substanzen weltweit

Wie wirken giftige Metalle im menschlichen Körper?

Molekulare Mimikry –
Verdrängung von Mineralien durch toxische Metalle

Freie Radikale

Schwermetalle lösen chronische Entzündungen aus

Schwermetallentgiftung – Beispiele

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

INTERVIEW Herzinfarkt I

Die EDTA-Chelattherapie

INTERVIEW Herzinfarkt II

Chronische Müdigkeit, Erschöpfung und Depressionen

INTERVIEW Depressionen und Neurodermitis

INTERVIEW Chronische Müdigkeit und
Multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS)

Wenn die Batterie leer ist – Sekundäre Mitochondriopathie

INTERVIEW Sekundäre Mitochondriopathie, Schlaflosigkeit, Tremor, Berufsunfähigkeit

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Schwermetalle als Verstärker von psychischen Problemen

INTERVIEW Posttraumatische Belastungsstörung

Chronisches Müdigkeitssyndrom, Fatigue-Syndrom, CFS

INTERVIEW Chronisches Müdigkeitssyndrom
nach Brustkrebstherapie

Krebs

Autoimmunerkrankungen

INTERVIEW Myasthenia gravis

INTERVIEW Leberzirrhose, primär sklerosierende Cholangitis
und Autoimmunhepatitis

Metallhaltige Fremdmaterialien in
der medizinischen Versorgung

INTERVIEW Zahnbehandlungen und Trümmerbruch am Knie

Elektrosensibilität

Erkrankungen des Nervensystems

Morbus Alzheimer

Morbus Parkinson

Hirntumore

Pflegenotstand in naher Zukunft? – Die Vorbeugung fängt jetzt an!

Multiple Sklerose

INTERVIEW Multiple Sklerose I

INTERVIEW Multiple Sklerose II

INTERVIEW Konzentrationsstörungen und Borreliose

Schmerzen

INTERVIEW Migräne

INTERVIEW Gehirnhautentzündung

Die Giftigkeit der Schwermetalle

Kritik am Tierversuch

Nachtrag

Europarat ruft Mitgliedsländer auf, die Umweltbelastung
durch Schwermetalle zu reduzieren

Literatur- und Quellenangaben

Register

Vorwort von Jean Huss,

ehem. Berichterstatter der parlamentarischen
Versammlung des Europarats zu Fragen einer besseren
Prävention umweltbedingter Erkrankungen und zur
Frage der Gesundheitsbelastungen durch Schwermetalle
und Abgeordneter im Parlament Luxemburgs

Aus eigener Erfahrung weiß ich um die vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen, die von chronischen Schwermetallbelastungen ausgehen können. Vor rund zwanzig Jahren – ich war als Politiker gerade dabei, mich gegen die Umweltbelastung meiner Heimatregion durch die Schwermetallstäube der Stahlindustrie einzusetzen – verschlechterte sich mein Gesundheitszustand immer schneller: chronische Entzündungen in Mund-, Hals- und Darmbereich, Konzentrationsstörungen, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, zunehmende Energielosigkeit, Depressivität und Bluthochdruck traten auf. Außer zeitweiligen Symptom-Linderungen brachten Arztbesuche keine wesentliche Besserung. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich weiter, bis ich durch eigene intensive Nachforschungen über die chronische Toxizität von Schwermetallen auf die Problematik des Quecksilberamalgams in meinen zahlreichen Zahnfüllungen stieß. Die vielfältigen Krankheitssymptome, unter denen ich seit mehreren Jahren zunehmend zu leiden hatte, entsprachen sehr weitgehend dem Symptomkomplex, der in toxikologischen Fachbüchern in Bezug auf eine chronische Quecksilberbelastung beschrieben wurde. Laboranalysen bestätigten diesen Sachverhalt! Nach erfolgter, relativ vorsichtiger Amalgam-Sanierung und anschließender Entgiftung über Komplexbildner (Chelattherapie) verbesserte sich mein Gesundheitszustand so dramatisch, dass ich heute, 20 Jahre älter, mich eigentlich wesentlich besser fühle, als es damals der Fall war. Manchmal frage ich mich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn Quecksilber und die übrigen Zahnmetalle in meinem Körper geblieben wären und es zur weiteren Akkumulation davon in Zellen und Geweben gekommen wäre.

Als Parlamentarier in den Umwelt- und Gesundheitsausschüssen der parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg bin ich davon überzeugt, dass es viele Menschen mit vielfältigen chronischen Erkrankungen gibt, die unter unentdeckten und unbehandelten Umweltgiften und Schwermetallbelastungen leiden und von daher gleichzeitig die nationalen Gesundheitskassen belasten. Auch bin ich der Meinung, dass wir die großen, um sich greifenden Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel Krebs, Allergien, Herz- und Kreislauferkrankungen, psychiatrische und neurodegenerative Erkrankungen, nur in den Griff bekommen werden, wenn wir uns endlich verstärkt um deren Ursachen kümmern. Chronische Schwermetallbelastungen gehören sicherlich zu den großen Risiken, die unsere Gesundheit gefährden!

In diesem Sinne habe ich im Frühjahr 2011 einen entsprechenden Bericht für die parlamentarische Versammlung des Europarats geschrieben, wobei mir das erste Buch von Peter Jennrich: ‚Schwermetalle – Ursache von Zivilisationskrankheiten’ eine vorzügliche Informationsquelle war.

Das nun vorliegende neue Buch und die darin geschilderten Einzelschicksale vermitteln einen Eindruck davon, welches Potential in der Diagnose und Therapie von chronischen Schwermetallbelastungen für den Einzelnen und für die Gesellschaft liegen kann. Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Ärzte und gesundheitspolitische Verantwortliche sich ohne Vorurteile mit diesem brisanten Thema befassen, damit endlich eine verstärkte Präventionspolitik zur Geltung kommt und damit jedem Schwermetall-Erkrankten der Zugang zu geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren eröffnet wird.

Jean Huss

Luxemburg 2011

Einleitung

Jeder Mensch, der schon einmal durch eine Krankheit vorübergehend in seinem täglichen Leben eingeschränkt war, hat erfahren, wie wertvoll die eigene Gesundheit ist. Für viele Menschen gehört die Gesundheit deswegen auch zu den wichtigsten Merkmalen eines glücklichen Lebens. Doch was verstehen wir eigentlich unter Gesundheit? Die wohl bekannteste Definition der Gesundheit stammt von der Weltgesundheitsorganisation, deren Zweck im Übrigen laut Kapitel 1, Abs. 1 der WHO-Verfassung darin besteht, allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Das ist ein sehr hoher Anspruch. Selbst in Deutschland, das ja zu den reicheren Ländern der Erde gehört, gibt es nur sehr wenige Menschen, die man nach dieser Definition als gesund bezeichnen kann: Die Krankenkassen klagen seit Jahrzehnten über stetig steigende Ausgaben und viele Menschen leiden unter chronischen, nicht heilbaren Krankheiten.

Wer beginnt, nach den materiellen Ursachen für chronische Krankheiten zu suchen, der wird früher oder später auf das Thema Schwermetalle stoßen. Oft werden Metallbelastungen in Verbindung mit dem quecksilberhaltigen Zahnmaterial Amalgam gesehen, doch die Problematik der täglichen Schwermetallbelastung ist keineswegs nur auf die Zahnersatzmaterialien begrenzt. Vielmehr gibt es im täglichen Leben eine Vielzahl von möglichen Quellen für die Aufnahme ganz unterschiedlicher Metalle. Welche Schäden dadurch auf Dauer im menschlichen Körper entstehen, wie sie erkannt und behandelt werden können, ist ein sehr spannender Bereich der Medizin, der in der täglichen ärztlichen Praxis bislang viel zu wenig beachtet wird. Dies ist umso unverständlicher, wenn man bedenkt, dass sich in den medizinischen Datenbanken hunderttausende Studien zum Thema Schwermetalle finden. Die Überschriften lassen erkennen, wie aktuell und eindrucksvoll die Problematik ist:

image Zusammenhänge zwischen Allergien und der Umweltverschmutzung durch Schwermetalle1

image Quecksilber, Fischöl und Herzinfarkt-Risiko2

image Autismus – eine neue Form der Quecksilbervergiftung3

image Konzentration von Cadmium, Blei und Quecksilber in menschlichen Gehirntumoren4

image Östrogenartige Wirkung von Metallen auf Brustkrebszellen5

image Blei im Blut und Depressionen, Panikattacken und Angststörungen bei jungen Erwachsenen6

image Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen dem Auftreten von Gehirndurchblutungsstörungen und der Aufnahme von anorganischem Arsen7

image Zusammenhang zwischen Cadmium, Bluthochdruck und Diabetes8

image Multiple Sklerose und Schwermetalle9

image Metallvergiftung der Nahrung10

image Die tägliche Aufnahme von Blei, Cadmium, Kupfer und Zink durch Trinkwasser11

image Die tägliche Schwermetall-Aufnahme von Kindern durch Milch und Milchprodukte12

image Giftigkeit von Metallen im zentralen Nervensystem13

image DMSA und DMPS – wasserlösliche Gegengifte bei Schwermetallvergiftungen14

image Metall-Chelattherapie für Alzheimer Patienten15

Hinter diesen Überschriften verbergen sich Erkenntnisse, die bis in den Zellkern hinein beschreiben, wie Metalle auf Menschen einwirken, wie häufig sie im täglichen Leben vorkommen, welche Krankheiten sie auslösen und wie sie behandelt werden können. Wer etwas schwärmerisch veranlagt ist, könnte auch sagen, in diesen Studien verberge sich ein wahrer Schatz. Ein Schatz, der Linderung und Heilung für viele chronisch Kranke verheißt, die an unerklärlichen oder unheilbaren Krankheiten leiden. In meinem ersten Buch ‚SCHWERMETALLE – Ursache für Zivilisationskrankheiten‘ habe ich bereits viele Zusammenhänge aufgezeigt und erklärt. Jetzt ist es an der Zeit über die Erfahrungen zu berichten, die mit der Schwermetallentgiftung gemacht werden können. Das vorliegende Buch zeigt an Patientenbeispielen, dass die Theorie auch von praktischem Nutzen für die Behandlung vieler Krankheiten ist. Bevor jedoch die Betroffenen zu Wort kommen, werde ich auf den folgenden Seiten einige einführende Informationen geben, die ein besseres Verständnis der Problematik von Schwermetallvergiftungen ermöglichen sollen.

Der menschliche Körper –
ein Abbild seiner Umwelt

Wenn man bedenkt, dass Mensch und Umwelt nicht voneinander zu trennen sind, ist sehr schnell klar, warum die Verschmutzung der Umwelt sich direkt auf den Menschen auswirken muss. Der Mensch kann nicht isoliert von seiner Umgebung betrachtet werden. Vielmehr verkörpert der menschliche Körper seine Umwelt in komprimierter Form. Dadurch hat das Verhalten des Menschen gegenüber seiner Umgebung auch direkte Konsequenzen für ihn selbst.

Der menschliche Körper ist komprimierte Umwelt.

Der menschliche Körper besteht aus den Elementen, die auf der Erde anzutreffen sind: Wasser, Sauerstoff, Kohlenstoff, Mineralien und vielen weiteren. Besonders das Wasser, die Luft und die Ernährung haben dabei eine besondere Bedeutung. Verschmutzt der Mensch das Wasser, verschmutzt er letztlich auch sich selbst. Wer glaubt, radioaktive Abfälle einfach auf dem Meeresboden versenken zu können, ohne dass dies Auswirkungen für die menschliche Gesundheit hat, der ignoriert die Zusammenhänge, die für das Leben auf der Erde von Bedeutung sind.

Die Luft ist ebenso wichtig: Alles, was wir einatmen, gelangt relativ ungefiltert in den menschlichen Körper. Das Licht der Sonne ermöglicht den Pflanzen (mit ihrem grünen Farbstoff Chlorophyll) Sauerstoff zu produzieren, der für Menschen und Tiere absolut lebensnotwendig ist. Eine hundert Jahre alte Buche setzt pro Stunde etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff frei. Das ist so viel, wie fünfzig Menschen in einer Stunde zum Atmen benötigen. Doch es geht noch weiter: Ein Hektar Buchenwald kann jährlich rund 70 Tonnen Staub aus der Luft herausfiltern.

Und die Ernährung soll unseren Energiehaushalt im Körper sichern und alle Stoffe liefern, die der Körper darüber hinaus braucht. Alles, was wir schlucken, wird in den Körper eingebaut. Und als Teil der Natur ist der Mensch nicht darauf eingerichtet, Künstliches und Fremdes, was in unsere Nahrung gelangt ist, gezielt herauszusortieren. Doch Pflanzen wachsen auf Böden, die der Mensch verschmutzt hat. Die Tiere wiederum fressen Pflanzen. Und der Mensch isst Pflanzen und Tiere oder tierische Produkte und sammelt damit genau das in seinem Körper, womit er den Boden verschmutzt hat.

So wie der Mensch mit seiner Umwelt umgeht, so geht er also mit seinen Lebensgrundlagen und letztendlich mit sich selbst um. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch der Umwelt nicht hilflos ausgeliefert ist. Vielmehr nimmt er direkten Einfluss auf seine Umwelt, und so wie er mit seiner Umwelt umgeht, so wirkt sie wieder auf ihn zurück. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Die kleine Umwelt des Menschen ist seine Wohnung oder sein Haus. Hält der Mensch seine Wohnung nicht sauber, lüftet und reinigt er sie nicht regelmäßig, lässt er seine Abfälle und seinen Müll in der Wohnung liegen, so wird sich bald Schimmel bilden, der zum gesundheitlichen Problem wird. Im Hinblick auf unsere große Umwelt gilt das Gleiche: Verschmutzt der Mensch seine ‚Mutter Erde‘, so verschmutzt er seine Lebensgrundlage und empfängt wieder seinen eigenen Schmutz, wodurch er krank werden kann. Wir selbst gestalten unsere Umwelt und diese wirkt wieder auf uns ein. Darin liegen unsere Chance, unsere Freiheit und die Verantwortung für unser Leben und für das Leben um uns herum. Wenn wir zu einer sauberen, friedvollen und gesunden Umwelt beitragen wollen, dann fangen wir am besten bei uns selbst an.

Viele zerbrechen sich den Kopf darüber, wie man die Menschheit ändern könnte, aber kein Mensch denkt daran, sich selbst zu ändern.

Leo Tolstoi

Chronische Schwermetallbelastung – der Regelfall

Oftmals wundern sich die Patienten, wenn bei ihnen im Zuge einer gründlichen Untersuchung Schwermetalle gefunden werden, da sie sich in ihren Augen immer gesund ernährt haben. Darauf antworte ich gerne, dass es Untersuchungen vom tiefen und alten Eis auf Grönland gibt, die Rückschlüsse zulassen auf die Bleikonzentrationen der Luft vom Jahr 800 vor Christi Geburt bis in das 20. Jahrhundert hinein. Diese Untersuchungen zeigen einen sprunghaften Anstieg der Bleibelastung ab der Mitte des 20. Jahrhunderts16. Wenn in dieser abgeschiedenen und unwegsamen Region der Erde die Bleikonzentration als Folge der zunehmenden Umweltvergiftung messbar ansteigt, warum sollten wir in einem dichtbesiedelten und hochindustrialisierten Land wie Deutschland, das die Umweltverschmutzung und -zerstörung mit verursacht, davon nichts abbekommen? Diese saloppe Erklärung lässt sich durch viele detaillierte Untersuchungen belegen. Mehrere voneinander unabhängige Wissenschaftler haben die durchschnittliche tägliche Schwermetallaufnahme durch Luft, Wasser und Nahrung berechnet. Die Mengenangaben für Blei, Quecksilber, Cadmium, Nickel und Arsen unterscheiden sich zwar von Autor zu Autor, Übereinstimmung besteht jedoch darin, dass wir es im täglichen Leben nicht nur mit einem Metall, sondern mit einer ganzen Reihe von potentiell toxischen (giftigen) Metallen zu tun haben. Sogar der medizinische Dienst der Krankenversicherer (MDK) ist mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass bei allen, insbesondere älteren Menschen in Europa, eine Schwermetallbelastung durch Ernährung und Inhalation von Schadstoffen vorliegt17. Denn leider werden die vielen vom Körper aufgenommenen Metalle meist nicht sofort wieder entgiftet, sondern über Monate, Jahre und Jahrzehnte hinweg angereichert. Diese Ansammlung von giftigen Metallen im menschlichen Körper macht deutlich, warum sich aus der wiederholten oder lang andauernden Zufuhr von geringen Mengen Blei oder Quecksilber im Laufe der Zeit Gesundheitsschäden entwickeln können.

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Durchschnittliche Metallbelastung18

Dies wirft die Frage nach sicheren Grenzwerten auf. Die Bemessung der Grenzwerte richtet sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und soll allgemein empfindliche Personen bestmöglich schützen. Da bei der Grenzwertbestimmung meist jedes Metall für sich allein untersucht wird, geht man hier von falschen Idealbedingungen aus: Die tägliche Mehrfachbelastung mit unterschiedlichen Metallen wird einfach ignoriert. So kann man wirklich sichere Grenzwerte nicht finden. Wenn man sich hinter den Einzel-Grenzwerten versteckt, dann wiegt man sich in falscher Sicherheit und Gefahren für die Gesundheit durch giftige Metalle sind im Rahmen vieler vermeintlich sicherer Einzel-Grenzwerte durchaus möglich. An den Patientenbeispielen in diesem Buch kann man sehen, dass chronische Metallbelastungen ohne besondere Arbeitsplatzbelastung erreicht werden und zu schweren Krankheiten führen können. Leider sehen die Kostenträger und die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik dieses Problem nicht – oder sie wollen es nicht sehen. Wahrscheinlich verlassen sie sich einfach nur auf die Grenzwerte und einige stichprobenartige Untersuchungen durch das Umweltbundesamt.

Im krassen Gegensatz zu den vermeintlich sicheren Einzel-Grenzwerten der Schwermetalle stehen Forschungsergebnisse, die Wechselwirkungen von niedrig dosierten Schwermetallen zeigen. So kam die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) bei der Suche nach Zusammenhängen zwischen Schwermetallen und Krebs zu dem Ergebnis, dass die gemeinsame Wirkung verschiedener Metalle größer sein kann, als die Summe ihrer Einzelwirkungen19. Inzwischen weiß man auch, dass eine völlig ungiftige Menge Blei in Kombination mit einer ungiftigen Menge Quecksilber oder Cadmium hochtoxische Wirkungen haben kann20. Würde man diese wissenschaftlichen Untersuchungen ernst nehmen, so müsste man eigentlich davon ausgehen, dass es bei der bekannten täglichen Mehrfachbelastung mit schädlichen Metallen gar keine sicheren Grenzwerte mehr gibt. Noch komplexer wird die Sachlage durch weitere Umweltgifte wie Pestizide, Fungizide, Düngemittel, Konservierungsmittel, Desinfektionsmittel und viele weitere Chemikalien, die wir täglich um uns haben. Wer nur auf eine einzelne gesundheitsschädigende Substanz blickt und für diese Substanz einen sicheren Grenzwert festlegt, ohne eine ausreichende Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit anderen Substanzen, der bringt sich und andere in unnötige Gefahr.

Neben den Mehrfachbelastungen ist die schleichende Vergiftung durch Schwermetalle ein weiterer Risikofaktor für die menschliche Gesundheit, der kaum beachtet wird. Bei der Einschätzung der Giftigkeit eines Metalls unterscheidet man grundsätzlich zwischen der akuten und der chronischen Wirkung. Die akute Toxizität beschreibt die Giftwirkung eines Metalls wie Quecksilber oder Blei nach Aufnahme einer einzigen Dosis des Metalls innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Die chronische Toxizität hingegen befasst sich mit der schädlichen Wirkung eines Metalls, die durch die Aufnahme mehrerer niedrig dosierter Mengen ausgelöst wird und immer erst nach einer symptomfreien Latenzzeit aufritt. Der Zeitraum, der zwischen dem Beginn der ersten Aufnahme eines Metalls bis zum Ausbruch einer Krankheit liegt, kann dabei mehrere Jahre und sogar Jahrzehnte betragen. Dies erschwert das Erkennen des Zusammenhangs zwischen auslösender Ursache und krankmachender Wirkung. Wesentlich einfacher lässt sich die akute Toxizität beobachten und auswerten. Sie ermöglicht Aussagen über die einmalige Menge eines Metalls wie zum Beispiel Quecksilber, die ein Mensch ertragen kann, ohne davon sofort krank zu werden. Darin liegt aber auch eine Gefahr: Beachtet man nur die akute Toxizität eines Schwermetalls, so kann dies zur Verharmlosung der Wirkungen von Quecksilber, Blei und Cadmium auf die Gesundheit führen.

Diagnose und Behandlung von chronischen Metallbelastungen sind für jeden Arzt und Heilpraktiker einfach zu erlernen. Allerdings muss man dazu bereit sein über seinen Tellerrand hinauszublicken und seinen Horizont zu erweitern.

Da die aufgenommene Menge eines Metalls pro Tag selten eine Konzentration erreicht, die sofort giftig ist, könnte man zu dem falschen Schluss kommen, dass die Quecksilberkonzentration im Fisch, die Cadmiumbelastung im gedüngten Gemüse oder die Bleikonzentration im Trinkwasser auch auf Dauer ungefährlich sind. Verlässt man sich also allein darauf, dass die tägliche Schwermetallbelastung nicht ausreicht, um den menschlichen Körper sofort zu schädigen, übersieht man dabei allzu leicht die Langzeitfolgen der Schwermetalle: Quecksilber zum Beispiel kann durch die wiederholte Zufuhr geringer akut ungiftiger Mengen erst nach vielen Jahren zu schweren Gesundheitsschäden führen. Da Schwermetalle über Jahrzehnte hinweg im Körper gespeichert werden können, steigt mit den Jahren auch das Risiko der Schwermetallvergiftung – also der durch Schwermetalle ausgelösten Beschwerden und Krankheiten – an. Dementsprechend geben Einzel-Grenzwerte, die die chronische Toxizität nicht berücksichtigen, keinen zuverlässigen Schutz.

„Ein individuell gesundheitlich annehmbarer Betrag einer Wasserverunreinigung, zusammen mit einer einzeln tolerierbaren Menge einer Luft- und Lebensmittelverunreinigung, (…) können eine in der Gesamtheit unannehmbare Umwelt schaffen.“

Friedrich Bär, Toxikologe

Habersche Regel
c × t = k
Konzentration = c; Einwirkzeit = t; konstante Wirkung = k

Der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber hatte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Formel entwickelt, die den Zusammenhang zwischen Einwirkzeit, Konzentration und der Wirkung eines gesundheitsgefährdenden Stoffes auf ein Lebewesen beschreibt, die nach ihm benannte Habersche Regel (siehe Kasten). Diese Regel gilt bei allen gesundheitsgefährdenden Stoffen, die sich im Körper ansammeln können, sogenannte Kumulationsgifte, dazu gehören zum Beispiel Blei, Cadmium, Quecksilber und alle krebserregenden Stoffe. Die Formel besagt, dass ein Stoff bei hoher Dosis und kurzer Einwirkzeit dieselbe Reaktion bei einem Lebewesen auslösen kann, wie bei geringer Dosis und langer Einwirkzeit. Das bedeutet, dass bei ständiger Zufuhr einer geringen und vermeintlich ungiftigen Dosis eines speicherbaren, gesundheitsgefährdenden Stoffes seine Giftigkeit mit der Zeit ansteigt. Die Wirkung, die dann eintritt, kann eine schwere Krankheit sein und zum Tod führen. Anders gesagt: Wenn von einer Substanz bekannt ist, dass sie in hoher Konzentration giftig ist oder Krebs erzeugt und dass sie im menschlichen Körper gespeichert werden kann, dann ist davon auszugehen, dass auch die langfristige Zufuhr geringer Mengen dieser Substanz giftig ist. Dies gilt es zu bedenken, wenn man zum Beispiel die vorhandenen Quecksilbermengen in Amalgam-Füllungen, Impfstoffen, Kosmetika, Energiesparlampen und Fischen, die allesamt auf uns einwirken, richtig bewerten will.

„Wachsende Berge von wissenschaftlichen Fakten beschreiben das erhebliche Schadensausmaß, das Homo sapiens, also der „besonders kluge, weise, vorausschauende Mensch“, dieser Erde, ihren Lebe wesen und sich selbst schon zugefügt hat. Der angerichtete Schaden zeugt von dessen aggressiver Herrschsucht und von einem Ausbeutungstrieb, der weit über die Existenzsicherung bei allen anderen Lebewesen hinausgeht. Nur noch selten sind Fachwissen oder politisches Handeln mit moralischethischem Denken verbunden.“ Zu dieser Feststellung kam Prof. Dr. Wassermann, damaliger Leiter des toxikologischen Instituts der Universität Kiel bereits 1989. In einem Interview mit dem ‚Stern’ sagte er, dass „… schon seit 40 Jahren unabhängige Toxikologen vor der toxischen Gesamtsituation warnen, die gefährlicher ist, als naive Grenzwerte, Höchstmengen etc. vortäuschen.“

Doch ähnlich wie die Mehrfach-exposition wird auch diese chronische Toxizität von Schwermetallen wie ein Tabuthema behandelt: Die chronische Schwermetallbelastung und ihre gesundheitlichen Folgen werden von den ärztlichen Fachgesellschaften konsequent ignoriert. Selbst wenn die erfolgreiche Beseitigung einer Schwermetallbelastung bei einem schwer kranken Menschen eindeutig zu dessen Gesundung beitrug – wie anhand einiger Beispiele in diesem Buch gezeigt –, so wird dies doch von den Spezialisten nicht wahrgenommen. Was wäre hingegen, wenn es ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose gäbe, das in Einzelfällen bereits sehr gut wirksam zu sein scheint? Es würde viel Energie und Aufmerksamkeit investiert, um dessen therapeutisches Potential weiter auszuloten – und es letztendlich zu vermarkten! Anders jedoch bei der Diagnose und Therapie chronischer Metallbelastungen. Hier scheint das Interesse gleich Null zu sein oder sie wird ohne eigene vorherige Prüfung sofort abgelehnt als Folge von Unkenntnis und Vorurteilen. So musste sich schon so mancher Patient Beleidigungen anhören, nur weil er es wagte, die vom Arzt vorgeschlagene aggressive Therapie zu hinterfragen und das Thema Schwermetallbelastung im Gespräch anzuschneiden. Das zeugt leider von einem skandalösen Unwissen der jeweiligen Mediziner, gepaart mit einer ungeheuren Ignoranz den bereits vorliegenden Forschungsergebnissen gegenüber, denn es gibt unzählige Studien, die die Bedeutung von Schwermetallen als Ursache oder Mit-Auslöser von Bluthochdruck, Depressionen, Allergien und allen anderen Zivilisationskrankheiten belegen21.

Im Gegensatz zur Medizin wird die Thematik von der Politik zwar nicht völlig ignoriert, allerdings werden auch hier von den zuständigen Institutionen die machbaren und nötigen Konsequenzen nicht gezogen. So führt das Umweltbundesamt mit einer eigens dafür ins Leben gerufenen Kommission das Projekt ‚Human Biomonitoring’ durch. Dabei werden im Abstand von mehreren Jahren Erhebungen durchgeführt, um die Konzentration von potentiell toxischen Metallen im Blut und Urin einer Bevölkerungsgruppe von jeweils ca. 4.000 Personen zu messen. Das Human Biomonitoring zeigt, dass man bereits bei Kindern Antimon, Arsen, Blei, Cadmium, Nickel, Quecksilber, Thallium und Uran in Blut und Urin nachweisen kann. Was sich daraus bei diesen Kindern im Verlauf ihres Lebens entwickeln kann, ist nicht mit letzter Sicherheit vorauszusagen. Eins dürfte jedoch klar sein: Gesundheitsfördernd ist es gewiss nicht. Metalle, die sich bereits im kindlichen Organismus anreichern, werden für neurologische Entwicklungsstörungen, Allergien, Tumoren, für hohen Blutdruck und viele Nervenkrankheiten mitverantwortlich gemacht. Das Risiko, dass die betroffenen Kinder im Laufe ihres Lebens unter mindestens einer dieser Krankheiten leiden werden, dürfte entsprechend der Haberschen Regel und den Erkenntnissen um die Auswirkung von Mehrfachbelastungen erhöht sein. Das Interessante hierbei: Die Regel ist, dass bei jedem Kind und jedem Erwachsenen in Deutschland und in ganz Europa eine Schwermetallbelastung nachgewiesen werden kann. Es ist die große Ausnahme, wenn bei einem Menschen keine Metalle gemessen werden. Natürlich wird nicht jeder Mensch durch die Belastung krank, so wie auch nicht jeder Raucher durch das Rauchen krank wird. Allerdings ist in Hinblick auf viele wissenschaftliche Forschungsergebnisse davon auszugehen, dass potentiell toxische Metalle ein Risikofaktor für viele Krankheiten sind. Wer Worte wie Vorbeugung oder Prävention ernst nimmt, sollte sich also auch mit dem Thema der chronischen Schwermetallbelastung beschäftigen.

Die Zivilisationskrankheiten sind auf dem Vormarsch

Zu den traurigen Wahrzeichen der westlichen Lebensweise gehören die sogenannten Zivilisationskrankheiten. Diese führen zu teils massiven und lang andauernden Einschränkungen der Lebensqualität und letztendlich häufig zum Tod. Es handelt sich dabei um chronische Krankheiten, die nicht ansteckend und bis zu einem gewissen Grad vermeidbar sind. Sie stellen eine erhebliche Belastung für den Einzelnen und die Gesellschaft dar. Dies gilt insbesondere für Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Demenz, Zahnerkrankungen und Osteoporose. Allein die Zahl der Diabetiker in Deutschland liegt bei mehreren Millionen. Neben diesen offiziell bekannten Erkrankungszahlen (2005) geht man von einer Dunkelziffer von 40 bis 50% unerkannter Diabetiker aus. Demnach dürfte die tatsächliche Zahl in Deutschland mindestens sieben bis acht Millionen betragen, was bedeutet, dass etwa jeder zehnte Bundesbürger betroffen ist22.

Noch schlechter sieht es bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Die Gefäßverkalkung ist ein chronischer Prozess, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg entwickelt. Typische Folgeerkrankungen sind Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen der Beine. Die Arteriosklerose ist die häufigste Wohlstandserkrankung der westlichen Welt und aufgrund ihrer Folgekrankheiten auch die häufigste Todesursache in den Industrieländern. Die zweithäufigste Todesursache in Deutschland sind die Krebserkrankungen. Aktuelle Zahlen sagen, dass mittlerweile jeder vierte Deutsche an Krebs stirbt. Die Prognose ist düster: Bis zum Jahr 2030 soll sich laut Vorhersagen von Experten die Zahl der Krebserkrankungen verdoppeln23.

Ebenfalls auf dem Vormarsch sind die Erkrankungen des Nervensystems. Ein Grund zur Sorge vor dem Alter ist für viele Menschen die Angst, ihr Leben nicht mehr kontrollieren zu können und anderen Menschen zur Last zu fallen. Zu den häufigsten Ursachen, die zu Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit führen, gehören die Demenzerkrankungen, die kontinuierlich zunehmen: So waren von den Mitgliedern der BARMER GEK Krankenkasse, die im Jahr 2009 älter als 60 Jahre waren und verstarben, 47% der Frauen und 29% der Männer demenzkrank. 90 % dieser Demenzkranken waren pflegebedürftig.

Todesursache

deutsche Bezeichnung

Anzahl der Verstorbenen

Chronische ischämische
Herzkrankheit

Arteriosklerose am Herzen

73 899

Akuter Myokardinfarkt

Herzinfarkt

56 226

Herzinsuffizienz

Herzschwäche

48 954

Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge

Lungenkrebs

42 221

Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet

Hirnschlag

25 425

Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheiten

Raucherhusten

25 216

Pneumonie, Erreger nicht näher bezeichnet

Lungenentzündung

21 029

Hypertensive Herzkrankheit

Herzvergrößerung

19 771

Bösartige Neubildung des Dickdarmes

Darmkrebs

17 501

Bösartige Neubildung der Brustdrüse (Mamma)

Brustkrebs

17 197

Sterbefälle insgesamt 2009 nach den zehn häufigsten Todesursachen24

Als weitere Wohlstandskrankheit gelten die Allergien. Ihre Häufigkeit hat in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. In Deutschland leiden heute etwa 15 bis 25 % der Bevölkerung an allergischen Erkrankungen, rund ein Drittel weist Sensibilisierungen gegenüber irgendwelchen Allergenen auf. Hierdurch können erhebliche Beeinträchtigungen der Lebensqualität entstehen: juckende Haut, gerötete Augen, trockene oder brennende Schleimhäute, Luftnot, Verdauungsbeschwerden und Migräne gehören für viele Allergiker zur Tagesordnung.

Auch die Osteoporose (Knochenschwund) gehört zu den zehn häufigsten Volkskrankheiten. In Deutschland leiden mehr als acht Millionen Menschen unter Osteoporose. In Europa hat fast jede fünfte Frau mit den Folgen von ein oder mehreren durch Osteoporose bedingten Wirbelbrüchen zu kämpfen.

Doch nicht nur die Zahl der Krankheiten sondern auch die durchschnittliche Lebenserwartung steigt an. Natürlich ist es wenig erstrebenswert alt und krank zu werden und auf viele Medikamente oder dauerhafte Pflege angewiesen zu sein. Die Frage ist deshalb, wie die Gesundheit auch im Alter erhalten bleiben kann. Wer im Alter nicht krank sein möchte, ist gut beraten, wenn er bereits früh in seinem Leben beginnt auf seine Gesundheit zu achten. Und dabei ist Gesundheit nicht allein auf den Körper bezogen. Da der Zustand des Körpers das Ergebnis unserer Lebensweise, unserer Gedanken, Gefühle, Gewohnheiten, unserer Worte und Werke ist, zählt ein friedliches Zusammenleben von Menschen, Natur und Tieren zu den Grundlagen der Gesundheit, gemäß der goldenen Lebensregel „Was Du willst, das man Dir tu, das tue Du zuerst!“. Auf körperlicher Ebene sind die Umwelteinflüsse Risikofaktor Nummer eins. Im weitesten Sinne zählen dazu auch der Bewegungsmangel und die Fehlernährung, im engeren Sinne die unzähligen Umweltschadstoffe.

Schwermetalle – die schädlichsten Substanzen weltweit

Die amerikanische Agentur für toxische Substanzen und Krankheitsregistrierung (Agency for toxic substances and disease registry ATSDR) hat in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, kurz EPA) eine Liste der schädlichsten Substanzen für die menschliche Gesundheit zu erstellen (siehe Kasten). Diese entspricht jedoch nicht der Liste der giftigsten Substanzen, denn bei dieser Liste wurde mitberücksichtigt, wie häufig ein Mensch mit diesen Substanzen in Berührung kommt. Je häufiger eine giftige Substanz in unserer Umwelt vorkommt, desto höher rutscht sie auf der Liste.

Aktuelle Liste der schädlichsten Substanzen für die menschliche Gesundheit

Quelle: ATSDR/EPA, 2007, insgesamt 275 Substanzen)

   1. Arsen

   2. Blei

   3. Quecksilber

.....

   7. Cadmium:

.....

  53. Nickel

....

  77. Chrom

...

123. Methylquecksilber

...

128. Kupfer

...

180. Palladium

...

214. Silber

....

244. Formaldehyd

So kommt Arsen in Wasser und Trinkwasser vor und wird in Fischen, Algen, Garnelen und anderen Meeresbewohnern angereichert. Die Hauptquelle für Arsen stammt aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Dadurch wurden allein in Deutschland im Jahr 1990 120 Tonnen Arsen freigesetzt25. Den zweiten Platz auf der Liste der schädlichsten Substanzen belegt Blei, gefolgt von Quecksilber. Das als krebserregend und oft als besonders gefährlich eingestufte Formaldehyd liegt auf Rang 244. So kann man also ohne Übertreibung sagen, dass toxische Metalle und Halbmetalle aufgrund ihrer Giftigkeit und Häufigkeit als die schädlichsten Substanzen weltweit gelten.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Die enttäuschende Antwort lautet leider nein. So hat Ende 2010 der Council of European Dentists (CED) unter Mitwirkung der deutschen Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung einstimmig eine neue Stellungnahme zu Zahnamalgam verabschiedet26. Darin wird betont, dass Zahnamalgam trotz seines hohen Quecksilberanteils, ein sicherer Wirkstoff sei. Wegen seiner einfachen Handhabung, langen Lebensdauer und aus Wirtschaftlichkeitsgründen bleibt Amalgam nach Ansicht der Kassenzahnärzte das beste Füllmaterial für viele Zahnrestaurationen. Dennoch kommt mit jeder Amalgam-Füllung die drittschädlichste Substanz der Welt in den Körper des betreffenden Patienten!

Die Stellungnahme der Kassenzahnärzte steht in krassem Gegensatz zu einer Erklärung des Weltärztebundes. Diese freiwillige Standesvertretung der Ärzte setzt sich aus den nationalen Ärzteorganisationen zusammen. Weltweit gehören dem Weltärztebund mehr als drei Millionen Ärzte an, die einen Eid darauf abgelegt haben, die Interessen ihrer Patienten in den Vordergrund zu stellen und sich für die bestmögliche gesundheitliche Versorgung für alle einzusetzen. Im Herbst 2008 hat der Weltärztebund eine Erklärung zur Verringerung der weltweiten Quecksilberbelastung veröffentlicht. Darin fordern die Mediziner nicht nur dazu auf, Patienten über das Gesundheitsrisiko durch Quecksilberbelastung in Fischen zu informieren, sondern sie rufen auch alle Ärzte auf, Lösungen zu suchen, um die Verwendung quecksilberhaltiger Produkte zu beenden. Leider scheinen die europäischen Zahnärzte davon keine Kenntnis zu nehmen.

Wie wirken giftige Metalle
im menschlichen Körper?

Der Begriff Schwermetalle wird von den meisten Menschen eher als unangenehm, ungesund und gefährlich bewertet, auch wenn dem Einzelnen nicht im Detail bekannt ist, wie giftige Metalle im Körper wirken. Am Beispiel von Blei möchte ich ein paar allgemeine Wirkungen darstellen, bevor wir die Giftwirkungen der Schwermetalle genauer anschauen.

Auf Platz zwei der Liste der schädlichsten Substanzen (s. S. 27) steht Blei. Eine lang andauernde und niedrig dosierte Bleibelastung kann eine Vielzahl von Vergiftungserscheinungen an unterschiedlichen Organen hervorrufen: Die Schädigung des Nervensystems durch Blei kann zu krankhaften Veränderungen des Gehirns führen, die sich in Gangunsicherheit, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen äußert (ähnlich der Symptome einer Amyotrophen Lateralsklerose ALS). Auf psychischer Ebene kommt es zu erhöhter Reizbarkeit, innerer Anspannung, Aggressivität, Konzentrationsstörungen, Ängstlichkeit, Müdigkeit, Depressionen und einer Zunahme zwischenmenschlicher Probleme. Neben der Schädigung des Gehirns führt Blei auch zu Störungen im übrigen Nervensystem. In schweren Fällen kommt es zur Lähmung der Muskulatur, bevorzugt an der dominanten ‚Schreib-Hand‘. In geringer Konzentration führt Blei zu einer Muskelschwäche der oberen Extremitäten, die sich z. B. in einem abgeschwächten Griff äußern. Außerdem kommt es zu unangenehmen Kribbeln und Taubheit in Armen und Beinen, zu Muskelschmerzen, zur Beeinträchtigung der Schmerzwahrnehmung und der Sensibilität der Finger sowie zu Störungen des Vibrationsempfindens an Händen und Zehen. Blei besitzt auch die Fähigkeit, Störungen im Hormonhaushalt hervorzurufen, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion, einem Vitamin-D-Mangel, einer Verringerung der Geschlechtshormone und des blutbildenden Hormons Erythropoetin führen. Die Blutbildung wird durch Blei auch direkt im Knochenmark geschädigt, da Blei größtenteils im Knochen gespeichert wird. Eine typische Folge der chronischen Bleibelastung ist somit auch eine Blutarmut. Da Blei in Konkurrenz mit Calcium tritt (s. u.), kann es auch zu Calciummangel führen: Osteoporose, Karies und eine verminderte Kiefermineralisation können die Folge sein. Aufgrund der chronischen Toxizität führt Blei zu einer erhöhten Sterblichkeit durch hohen Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gehirndurchblutungsstörungen, Krebs und chronische Nierenschädigung27.