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Die Wahrheit über Prostatakrebs

Neue Wege in Diagnostik und Behandlung

Prof. Dr. med. Klaus Maar

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Inhalt

Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Unwissenheit, Verwirrung und Täuschung
Zahlen, Daten und Fakten über Prostatakrebs

Die Prostata
das unbekannte Wesen

Was kann die Schulmedizin? (Und was kann sie nicht?)
Die üblichen Untersuchungen und Behandlungen

Dreifach gemoppelt
Die Dreifach-Hormonblockade

Die Biologische Intensiv-Therapie nach Maar bei Prostatakrebs
Wie und warum sie funktioniert

Was die Zukunft bringen mag

Schlussbemerkung

Lebenslauf

Literaturhinweise

Publikationen und Vorträge

Kleines medizinisches Wörterbuch

Adressen

Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Vor etwa 10 Jahren ist mein Buch „Rebell gegen den Krebs” erschienen. Viele Tausend Menschen haben es gelesen; Zeitschriften mit Millionen-Auflagen haben darüber berichtet, meist sehr freundlich und positiv. Das Buch hat mir viele neue Freunde unter den Patienten gebracht und viele Feinde unter den Kollegen. Kein Wunder, denn die Wahrheit ist oft nicht angenehm, besonders bei einem so ernsten Thema wie der Tumorerkrankung.

Vielen Tausenden Menschen konnte ich bei meinen Vorträgen in ganz Deutschland die Wahrheit über ihre Krankheit erzählen und hoffentlich manchen von ihnen etwas Zuversicht und Hoffnung mit auf den Weg geben; viele Patienten sind in unsere Tagesklinik nach Düsseldorf gekommen, weil sie durch das Buch und die Medienberichte davon gehört hatten.

So weit, so gut. Warum dann noch ein zweites Buch?

Dafür gibt es viele Gründe, manche davon sind einleuchtend, manche erschreckend. Der Prostatakrebs ist auf so viele Arten einzigartig ist, dass im Hauptwerk nicht Platz war, alle davon ausführlich zu beschreiben.

Hier eine kurze Übersicht über die Beweggründe, ein eigenes Buch über dieses Thema zu schreiben:

Kein Krebs ist bei Männern so verbreitet wie der Prostatakrebs

In Deutschland leiden etwa 750.000 Männer an Prostatakrebs. Stellen Sie sich vor, dass jeder männliche Einwohner von München daran erkrankt wäre, dann erkennen Sie die Größenordnung.

Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen: Das sind nur die Männer, bei denen ein Prostata-Ca diagnostiziert worden ist; die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch; es gibt Untersuchungen und Theorien, dass nur jeder fünfte Prostatakrebs diagnostiziert wird. Das hieße also, dass fast jeder zehnte Deutsche an einem Prostat-Ca leidet. Das ist einerseits schlecht, weil viele, vor allem jüngere, Männer zu spät behandelt werden und Metastasen dann nicht mehr zu vermeiden sind. Bei vielen ist es aber auch umgekehrt: Sie ersparen sich durch das nicht entdeckte Prostata-Ca jahrelange quälende Behandlungen, führen ihr gewohntes Leben glücklich weiter und sterben Jahrzehnte später mit, aber nicht an einem Prostatakarzinom.

Diese Betrachtungsweise klingt vielleicht auf den ersten Blick verantwortungslos; aber ich sehe so viele Patienten, die einen jahrelangen Leidensweg aus falschen Diagnosen, falschen Behandlungen, quälenden Nebenwirkungen und privaten und familiären Niederlagen hinter sich haben und die ohne Diagnose ganz sicher ein besseres Leben hätten.

Kein Krebs ist so harmlos und gleichzeitig so heimtückisch

In vielen Fällen bleibt Prostatakrebs unerkannt und folgenlos; und doch ist er die Art von Krebs, an der die meisten Männer sterben. Viele werden unnötig operiert oder auf andere Arten behandelt, viele werden nicht oder zu spät diagnostiziert.

Es ist sozusagen ein Krebs mit zwei Gesichtern und oft, leider zu oft, zeigt er das falsche Gesicht.

Über Prostatakrebs ist sehr wenig bekannt

Dass die Patienten wenig über ihre Krankheit wissen, kann man ihnen natürlich nicht zum Vorwurf machen. Nach einer Umfrage der amerikanischen Gesundheitszeitschrift „Men’s Health” wissen etwa ein Viertel der männlichen Bevölkerung gar nicht, dass sie eine Prostata haben. Die restlichen drei Viertel wissen wahrscheinlich nicht alle, wofür die Prostata da ist oder welche Krankheiten sie befallen können.

Aber auch in Fachkreisen ist sehr wenig, viel zu wenig über Prostatakrebs bekannt, vor allem, wenn man bedenkt, dass er unter älteren Männer fast eine „Volkskrankheit” ist. Man weiß nicht, was ihn verursacht; man weiß nicht, wie viele Männer überhaupt davon befallen sind; man weiß nicht, wie er eindeutig und genau zu diagnostizieren ist; und man weiß schon überhaupt nicht, wie er richtig zu behandeln ist, obwohl die Patienten meist mit sehr eindringlichen Therapievorschlägen drangsaliert werden.

Kein Krebs wird so oft falsch behandelt

Dieses Unwissen setzt sich leider in erschreckender Weise bei den Einzelheiten der Therapie fort. Von allen Horrorgeschichten, die uns Patienten erzählen, wenn sie als „letzte Zuflucht” zu uns kommen, handeln die meisten von Prostatakrebs.

Wenn Sie einen Fachmann nach der optimalen Behandlungsmethode für Prostatakrebs fragen, werden Sie IMMER sein eigenes Spezialgebiet als letztgültige Antwort bekommen. Ein Chirurg wird Ihnen in den meiste Fällen die Totaloperation (vornehmer ausgedrückt: die „radikale Prostatektomie”) dringend empfehlen, meist so rasch wie möglich, getreu der alten Chirurgenweisheit „Erst schneiden, dann fragen”.

Ein Radiologie wird Ihnen die Bestrahlung ans Herz legen, jeweils in der Variante, die dieses Jahr gerade auf Fachkongressen in Mode ist. Und wenn Sie Pech haben, wird Ihnen ein Arzt die Chemotherapie anpreisen und dabei versichern, dass man die furchtbaren Nebenwirkungen heutzutage mit neuen Medikamenten im Griff hat; deren Nebenwirkungen wiederum kann mit weiteren Medikamenten bekämpfen und so weiter.

Die Alternativ-Gurus werden Ihnen erzählen, dass man die Krankheit besiegen kann, wenn man nur genug Vitamine einnimmt und auf einen festen Glauben (für nicht religiöse Menschen: Visualisierung) vertraut. Eventuell noch ab und zu eine kleine Mistelspritze.

Falls Sie Ihr Heil in einer „Selbsthilfegruppe” suchen, werden Sie sich anhören dürfen, wie Vereinsmeier ohne jede medizinische Vorbildung sich gegenseitig mit ihren Gleason-Scores und PSA-Werten anprotzen und Unsinn über alle möglichen Behandlungsmethoden verbreiten, so dass Sie sich zuletzt am liebsten gar nicht mehr behandeln lassen wollen (was übrigens bei der Erfolgsquote der angebotenen Behandlungsmethoden oft nicht die schlechteste Option ist; man nennt das „Watchful Waiting” und wir werden später in diesem Buch noch darauf zurück kommen).

Kaum einer unter den echten oder selbst ernannten Fachleuten wird Ihnen von den Nebenwirkungen der meisten Methoden erzählen: Sie können nicht mehr Geschlechtsverkehr haben. Sie können den Harn nicht halten Sie können den Stuhl nicht halten. Ihnen wachsen Brüste und Sie werden einer alten Frau immer ähnlicher sehen.

Und schon gar nicht wird Ihnen jemand die wissenschaftlichen Fakten zur Beweislage offen ins Gesicht sagen:

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Chemotherapie Prostatakrebs dauerhaft oder für längere Zeit heilt.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Bestrahlung Prostatakrebs dauerhaft oder für längere Zeit heilt.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Radikaloperation Prostatakrebs dauerhaft oder für längere Zeit heilt.

Überrascht? Und doch ist es so. Dieselben medizinischen Kapazitäten, die sofort für jede neue Behandlungsmethode lautstark aufwendigste wissenschaftliche Nachweise fordern, geben selber an Universitäten und Kliniken die althergebrachten Behandlungsmethoden ungeprüft weiter; Methoden, die den Patienten meist nicht nützen und oft genug auch Schaden anrichten können.

Prostatakrebs ist unser Spezialgebiet

Mein ursprüngliches Fachgebiet ist die Urologie. Ich bin meines Wissens weltweit der einzig biologisch arbeitende Urologe und habe in meiner Tagesklinik in Düsseldorf viele hundert Patienten mit Prostatakrebs behandelt.

Dabei habe ich im Laufe der Jahre die Erkenntnis gewonnen, dass die von uns entwickelte Biologische Intensiv-Therapie ganz besonders gut bei Prostatakrebs angewendet werden kann.

Das wichtigste Kapitel in diesem Buch ist daher der Biologischen Intensiv-Therapie und ihrem Einsatz beim Prostata-Ca gewidmet.

Sie können angesichts aller dieser Tatsachen sicher verstehen, warum ich mich nicht auf dem Erfolg von „Rebell gegen den Krebs” ausruhen wollte und dass ich mich verpflichtet gefühlt habe, ein spezielles Buch über den Prostatakrebs zu schreiben.

Ich hoffe, dass mir das gut gelungen ist; dass dieses Buch den Betroffenen die Hoffnung gibt, den Kampf gegen die Krankheit aufzunehmen und das Wissen, sich vor schlechter Behandlung zu schützen und eigene Entscheidungen zu treffen. Hier geht es letzten Endes um das größte Geschenk, dass Sie jemals erhalten haben: um Ihr Leben!

Unwissenheit, Verwirrung und Täuschung

Zahlen, Daten und Fakten über Prostatakrebs

Es gibt viele verschiedene Krebsarten. Jedes Organ kann auf die eine oder andere Weise bösartige Geschwüre ausbilden. In diesem Buch geht es ganz speziell um den Prostatakrebs. Und das hat mehrere Gründe:

Zum einen betreiben wir hier in Düsseldorf ein Zentrum für die biologische Krebstherapie mit speziellem Blick auf den Prostatakrebs, das einzigartig auf der Welt ist. Seit Jahren erzielen wir sehr gute Ergebnisse mit einem biologischen Konzept für das Prostatakarzinom, das ich als Urologe und Krebsspezialist entwickelt habe. Dieser Grad der Spezialisierung ist ungewöhnlich. Es gibt ihn weltweit wahrscheinlich nur bei uns.

Zum zweiten hebt sich der Prostatakrebs allein schon durch seine Häufigkeit von allen anderen Krebsarten ab. Seit 1998 erkranken in Deutschland mehr Männer an Prostatakrebs als an Lungenkrebs. Und der Prostatakrebs holt weiter auf. Zurzeit sind es etwa 30.000 bis 40.000 Männer, die in Deutschland jedes Jahr neu erkranken. Jeder zehnte Mann wird irgendwann in seinem Leben mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert.