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Hoffnung gegen den
Krebs

Meine neuen Methoden gegen
Prostata-Ca und andere Krebsarten

Prof. Dr. med. Klaus Maar

Für meine Mutter und meinen Vater, Elisabeth und Franz Maar.

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Prof. Dr. med. Klaus Maar

Umschlaggestaltung, Innenlayout:

Hoffnung gegen den Krebs

Sabine Schiche, ad department, Bielefeld

Lektorat: Dany Zrenner

Fotos Titel: fotolia: Abb. groß (cleomiu), 1, 3;

© Aurum in J. Kamphausen Verlag &

wikipedia: 2; Prof. Dr. Maar: 4; Michael Campo: 5

Distribution GmbH, Bielefeld

info@j-kamphausen.de

www.weltinnenraum.de

5. überarbeitete Auflage - 2013

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-89901-825-7

Dieses Buch wurde auf 100% Altpapier gedruckt und ist alterungsbeständig.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter
www.weltinnenraum.de

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und
sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe
sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Inhalt

Über dieses Buch

Wer ich bin und woran ich glaube

Über meinen Werdegang als Arzt

Über meine Arbeit und meine Philosophie

Über meine Patienten

Über meine Biologische Intensivtherapie

Über Prostatakrebs

Über neue Theorien und Ideen

Über die Welt, in der wir leben

Über die Medien

Über Resignationen, Hoffnungen und Ausblicke

Kleines medizinisches Wörterbuch

Adresse

Über dieses Buch

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Das Buch, das Sie gerade lesen, ist das dritte, das ich geschrieben habe. In meinem ersten, „Rebellgegen den Krebs“, habe ich die von mir entwickelte Methode erklärt und alles, was damit zusammenhängt: was Krebs ist, wie er normalerweise behandelt wird, warum das nicht funktioniert, was die Patienten selber für ihre Genesung tun können und vieles mehr.

Mein zweites Buch war „Die Wahrheit über Prostatakrebs“. Wie der Titel schon sagt, habe ich mich darin mit dieser Krebsart beschäftigt, die bei Männern die häufigste ist und bei deren Behandlung und Diagnose trotzdem besonders viel falsch gemacht wird. Auch dieses Buch war sehr erfolgreich; seinetwegen und wegen meiner großen Erfahrung auf diesem Gebiet hat man mich in den letzten Jahren manchmal als der „Prostatakrebs-Papst“ bezeichnet. Sosehr mir diese Bezeichnung schmeichelt, so wenig finde ich sie angebracht. Zum einen sitzt der einzige Papst in Rom und beschäftigt sich mehr mit religiösen als mit medizinischen Dingen, soweit ich informiert bin; zum anderen behandle ich nach wie vor sehr viele Patienten mit so gut wie allen Arten von Krebs, die es gibt.

Richtig ist allerdings, dass ich wahrscheinlich so viele Patienten mit Prostatakarzinomen sehe wie kein anderer Urologe weltweit. Ich habe auch den Eindruck, dass die Dunkelziffer bei dieser Erkrankung viel höher ist, als die offiziellen Fallzahlen besagen.

Es gibt zwei Gründe, warum ich „Hoffnung gegen den Krebs“ geschrieben habe: Das erste, was ich mit diesem Buch erreichen möchte, ist eine tiefer gehende Erörterung meiner gesamten Therapie. Es soll auch die Rolle der komplementären Onkologie im 21. Jahrhundert darstellen, denn in Wahrheit befinden wir uns mit der traditionellen Krebstherapie eigentlich noch im Mittelalter. Mir fällt auf die Schnelle keine Krankheit ein, bei der nicht in den letzten 50 Jahren wesentliche Verbesserungen in den Heilungsquoten und in der Vorsorge erzielt worden sind. Keine, außer Krebs. Wenn man bedenkt, welche riesigen Geldmengen investiert werden, welcher Aufwand an Forschung und an Berichterstattung in den Medien getrieben wird, ist es fast ein Hohn, dass gerade bei dieser Geißel der Menschheit so wenig erreicht wird und dass nichts passiert, niemand dagegen aufsteht; weder Mediziner noch Patienten oder ihre Familien.

Im Grunde genommen soll dieses Buch die Erfahrung von 16 Jahren komplementärer onkologischer Therapie zusammenfassen und auch Probleme aufzeigen, die sich grundsätzlich bei der gesamten Krebstherapie heute auftun. Wie ist der Stand der heutigen Krebstherapie, wie stehen meine Kollegen zu einer Stärkung des Immunsystems, wie ist es zu beweisen, dass die Krebsentstehung mit einem schlechten Immunsystem zu tun hat? Das hat man ja früher bezweifelt, ist aber meiner Meinung nach mittlerweile ein fester Bestandteil des wissenschaftlichen Instrumentariums.

Ich frage mich manchmal ernsthaft und voll Sorge: Ist die heutige sogenannte Krebstherapie überhaupt eine Therapie? Ist sie nicht vielmehr in der Hauptsache Ohnmacht und Lüge? Bedeutet „Watchful Waiting“ in den meisten Fällen nicht zuzuwarten, bis es schlechter wird? Für mich bedeutet dieser Fachbegriff natürlich etwas anderes: etwas zu tun, etwas zu unternehmen, aber eben nicht unbedingt Chemotherapie durchzuführen, sondern eine Stärkung des Immunsystems einzuleiten. An dieser Stelle muss ich einfach noch anmerken, dass es scheinbar wichtig klingender englischsprachiger Begriffe bedarf, damit eine Sache ernst genommen wird.

Und wiederum die Frage: Wie steht die Schulmedizin zum Immunsystem? Ignoriert sie das einfach, ist das für sie einfach Luft? Und warum wird das überhaupt nicht in die herkömmliche Therapie miteinbezogen? Ist dies nicht eine sträfliche Unterlassung?

Die Frage ist für mich heute auch, inwieweit die sogenannte Rehabilitation ernsthaft betrieben wird, also die Nachsorge, die sich automatisch immer an die Therapie anschließt und die manchen Kliniken Millionen Euro einbringt. Viele solcher Kliniken sind heute sozusagen am Verdursten, wenn man sich zum Beispiel die Gegend um Bad Wildungen ansieht, wo viele Kliniken schließen mussten oder müssen. Was wird denn in der traditionellen Rehabilitation spezifisch gegen das Krebsgeschehen getan? Gar nichts! Es werden Malkurse angeboten oder Schwimmkurse und es wird vielleicht eine psychologische Beratung durchgeführt. Diese sogenannte Reha ist eigentlich für eine gezielte Nachsorge-Krebstherapie überhaupt nicht geeignet.

All diese Gesichtspunkte und noch viele mehr müssen in eine Standortbestimmung der Krebstherapie, wie ich sie verstehe, einfließen und das soll dieses Buch leisten.

Zum Zweiten möchte ich hier erstmals meine sehr persönliche Sicht meiner Arbeit darstellen. Ich bin als Arzt zuallererst ein Mensch und kein Therapieroboter. Dies ist daher ein sehr persönliches Buch: Ich werde Ihnen darstellen, wie ich Arzt geworden bin, wie ich die tägliche Arbeit mit meinen Patienten erlebe und welche Ansichten und Glaubenssätze meiner Arbeit zugrunde liegen.

Ich möchte mit diesem neuen Buch provozieren, ich möchte nicht beruhigen. Ich möchte einfach aufstehen und sagen: Menschenskind, nach meiner 36-jährigen Tätigkeit als Arzt, in der ich schon immer onkologisch tätig war (sowohl wissenschaftlich als auch praktisch), muss ich wirklich ein enttäuschendes Fazit ziehen. Ich muss eine Lanze brechen für die komplementäre Therapie, die zwar auch nicht alles vermag, aber doch sehr viel anstoßen und einen neuen Denkansatz im gesamten Therapiekomplex bei Krebs bringen kann.

Wenn sie entsprechend intensiv betrieben wird, so wie ich das ja auch durchführe, kann man heute schon sehr viel damit bewirken, und meine Erfolgsstatistik gibt mir dabei recht. Es geht mir dabeinicht um die weltlichen Ehren: Ich habe ein Patent auf den Begriff „Biologische Intensivtherapie nach Maar“, ich bin in das neue „Who’s Who in Medicine and Healthcare“ aufgenommen worden, ich bin in Kürschners Deutschem Gelehrten-Kalender angeführt, verschiedene Redaktionen haben in der Presse und im Fernsehen sehr positiv über uns berichtet. All das interessiert mich nur insofern, als es der Arbeit für die Patienten nützen kann.

Ich möchte Ihnen Folgendes nicht vorenthalten, weil es mir für die Richtung des Buchs wichtig erscheint: Mein Team und ich haben wochenlang diskutiert, welchen Titel dieses Buch bekommen soll. Schließlich ist er das Einzige, was man auf die Schnelle als Leser sieht, wenn man zum ersten Mal damit konfrontiert wird, und entscheidet über Lesen oder Weglegen.

Einige der vorgeschlagenen Buchtitel haben gut den geplanten Inhalt beschrieben, waren aber viel zu lang und abstrakt und nicht „packend“ genug. Zum Beispiel: „Ein Stück Hoffnung bei Krebs – Die Rolle der Komplementärmedizin im 21. Jahrhundert“. Oder: „KREBS – War es das?“. Oder: „KREBS – Was nun? Ein Buch für Patienten und Interessierte über alle Tumorarten und das Prostatakarzinom“. Oder kürzer „Anklage gegen Krebs“.

„Hoffnung gegen den Krebs“ (ein anderer Entwurf des Titels war „Mein Kampf gegen den Krebs“, was aber historisch belastet war) ist für uns genau der richtige Titel. Kurz und prägnant beschreibt er das, was ich mache und was mir das wichtigste Anliegen ist. Ich nehme in Kauf, wenn ich mit meiner Arbeit bei meinen mehr traditionell ausgerichteten Kollegen anecke oder bei ärztlichen Standesvertretungen oder in der öffentlichen Meinung. Wenn ich auch nur einem Patienten besser helfen kann als alle anderen, sind diese Konflikte ganz bestimmt das kleinere Übel!

Hoffnung gegen den Krebs. Das Stück Hoffnung, das die Komplementärmedizin heute vielen Krebspatienten gibt, ist durch meine gesammelte Erfahrung berechtigt.

Wir dürfen keine Wunder erwarten; aber am Ende des Weges finden wir manchmal doch ein kleines. In manchen Fällen auch ein größeres!

Aequam memento rebus in arduis servare mentem.(Horaz)

„Denke daran, in schwierigen Situationen Gelassenheit zu bewahren!”,

bereits 1972 das Motto meiner Doktorarbeit.

Wer ich bin und woran ich glaube

Die Ausbildung zum Mediziner und anschließend die Ausbildung zum Arzt haben vor allem einen gravierenden, ja einen riesigen Mangel: Man erwirbt eine enorme Menge an Wissen und Fähigkeiten, wie Menschen zu heilen seien; aber man erfährt keinerlei Führung und Leitung auf dem Weg, wie man die richtige menschliche Einstellung zu diesem Beruf erwirbt, wie man Wissen und Können mit Charakter und Haltung kombiniert.

Es ist jedem Einzelnen überlassen, sich entweder mit Glück die richtigen Mentoren und Leitfiguren auf dem Weg zum guten Arzt und guten Menschen zu suchen oder aber darauf zu vertrauen, dass man von Natur aus die Persönlichkeit mitbekommen hat, um die vielfältigen Anforderungen an den Arzt als Menschen zu bewältigen.

Ich glaube, dass in der Antike die technischen Fähigkeiten und die anatomischen Kenntnisse der Ärzte zwar noch nicht so gut entwickelt waren, dass man aber damals den jungen Menschen viel mehr an ethischen und moralischen Richtlinien mit auf den Weg gab. Ein winziges Überbleibsel aus dieser Zeit ist der hippokratische Eid, dessen Formulierungen bei den heutigen Medizinern wahrscheinlich wie seltsame Überbleibsel aus einer längst vergangenen Epoche wirken

Ich habe in meiner Laufbahn mindestens so viel Energie und Gedanken darauf aufgewendet, herauszufinden, wie ich meinen Mitmenschen möglichst gut dienen kann und welche Grundsätze ich meinen Entscheidungen zugrunde legen soll, wie darauf, welche Heilverfahren am effektivsten sind. Und auf letzterem Gebiet habe ich ja doch einiges an Arbeit geleistet.

Dieser Fokus auf die menschliche Komponente der Arbeit ist nichts, wofür man sich bewusst entscheiden kann oder muss; gerade, wenn man täglich mit todkranken Menschen zu tun hat, für die man die Verantwortung übernommen hat, kann man gar nicht anders, als sich auch als Mensch und nicht nur als Fachmann einzubringen.

Ich glaube, dass kein einziger meiner Patienten jemals darüber nachgedacht hat, dass mein Beruf nicht nur ein starke Arbeitsbelastung, sondern auch eine nicht geringe seelische Belastung mit sich bringt. Darum wollte ich das hier mal erwähnen.

Dass man durch seine Arbeit in der Öffentlichkeit steht, macht die Situation nicht gerade einfacher. Anstatt ein paar Hundert Menschen können dann Zigtausende über einen urteilen und man ist irgendwie wesentlich mehr Menschen gegenüber verantwortlich.

Über Mangel an Öffentlichkeit kann ich mich in den letzten Jahren ja nicht gerade beklagen: Sozusagen an allen Fronten habe ich mich redlich bemüht, unsere Arbeit den Patienten, den Kollegen und allen Menschen, die sie sonst interessiert, näherzubringen. Sei es auf Kongressen, auf Gesundheitsmessen, in Zeitungen und Zeitschriften, in Fernsehsendungen und in Büchern, von denen Sie gerade eines lesen.

Dies alles mache ich keineswegs aus Geltungsbedürfnis; eigentlich würde ich lieber mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Aber ich finde nun einmal, dass man, wenn man neue Wege beschreitet, in der Pflicht steht, anderen Menschen diese Wege auch zu zeigen.

Die Resonanz auf diese öffentliche Präsenz ist natürlich nicht einheitlich und ich habe schon jede Art von Reaktion darauf erlebt. Ich habe rührende und zum Teil erstaunliche Dinge erlebt: Ein Mönch hat mir zum Beispiel anonym eine Karte mit Segenswünschen und nützlichen Hinweisen geschickt und mit „Ihr hochachtungsvollster unbekannter Pater“ signiert. Dutzende Patienten haben mir berührende und sehr persönliche Mitteilungen in unseren Gästebüchern hinterlassen und melden sich oft noch nach Jahren und berichten über ihr Leben.

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite dieser Reaktionen: Besserwisser, die versuchen, einen während öffentlicher Vorträge vor Hunderten Zuhörern zu belehren und zu demütigen, Behörden, die schier unerfüllbare Auflagen stellen, und Ähnliches. Ich nehme das sportlich, weil ich weiß, dass gerade die besten unter meinen Lehrern und Kollegen oft Ähnliches hinnehmen mussten, und tröste mich mit der alten Weisheit: „Mitgefühl gibt es umsonst, Neid muss man sich hart erarbeiten!“

Durch all dies muss man durch; was letztendlich alleine zählt, ist das Ergebnis der Arbeit für die Patienten, alles andere ist sozusagen nur die „Begleitmusik“. Nach all den Jahren berührt mich das Schicksal der Patienten immer noch wie am ersten Tag und ich glaube, dass jeder Mensch, der laufend damit konfrontiert ist, Verdrängungsmechanismen und -strategien entwickeln muss, Ablenkungen wie Hobbys oder Sport. Ich bin selber manchmal erschüttert über die Tapferkeit von Patienten in hoffnungslosen Situationen, die Ihre Lage akzeptieren, ohne mit der Wimper zu zucken.

Es ist eigentlich interessant, dass man einer Berufsgruppe wie den Medizinern so viel Unrecht antun kann; Menschen, die hoch qualifiziert sind und Tag für Tag viel und harte Arbeit erbringen, um anderen zu helfen oder gar ihre Leben zu retten. Der Grund, warum das funktioniert, ist wahrscheinlich, dass Mediziner von Anfang an auf Gehorsam und Kritiklosigkeit getrimmt werden. Schon während des Studiums werden sie in ein autoritäres, unlogisches und oft ungerechtes System gepresst, aus dem man nur allzu leicht entfernt wird, wenn man auch nur versucht, eine eigene Meinung zu äußern. Das alles wird später nicht besser, im Gegenteil; wenn man eine Facharztpraxis oder eine Abteilung einer großen Klinik leitet, wird man von ständig wechselnden Gesundheitsministern gegängelt und bevormundet, als sei man ein kleines Kind, das mit seinem Taschengeld nicht auskommt. Gleichsam ein Volk von Lämmern und Schafen, die mit sich machen lassen, was ihnen bestimmt wird, und nicht dagegen aufbegehren.

Der Generalverdacht gegen die Berufsgruppe der Ärzte ist allgegenwärtig und wird geschürt von einer Neidgesellschaft, die als selbstverständlich annimmt, jeder Arzt sei automatisch wohlhabend.

Dabei sind heute viele Arztexistenzen bedroht, aber das ist auch ein Verschulden der Politik. Alleine durch die seinerzeitige Einführung des Numerus clausus hat man eine große Menge von ungeeigneten Menschen zum Arztberuf hingeführt, nur weil sie einen Durchschnitt von 1,0 im Abitur hatten.

Über meinen Werdegang als Arzt

Es ist mir ein wichtiges Anliegen, Ihnen zu erklären und zu erzählen, wie man Arzt wird und wie ich Arzt geworden bin. Ich habe den Eindruck, dass alle meine Patienten einfach annehmen, dass ich immer schon der Mediziner war, der ich heute bin, dass ich sozusagen als „Krebsprofessor“ auf die Welt gekommen bin, was natürlich das Gegenteil der wahren Tatsachen ist. Aber ich glaube, darüber denkt niemals jemand wirklich nach und die meisten meiner Kollegen sind ganz zufrieden damit, wenn sie einen quasi naturgegebenen Status als „Götter in Weiß“ genießen.

Ich denke auch, dass die meisten unserer Patienten unbewusst glauben, dass meine Arbeit mir grundsätzlich leichtfällt und mich niemals vor moralische oder menschliche Probleme stellt. Selbstverständlich sind auch diese Annahmen völlig falsch; es gibt nur kaum einen Arzt, der seine Patienten in seine eigenen Probleme, Gedanken und Zweifel einweiht oder einbezieht. Das wäre der Arbeit wahrscheinlich auch nicht förderlich; in einem Buch wie diesem aber kann man wohl etwas besser erklären, wie der Arzt seine Rolle in der Medizin sieht und wie er dahingekommen ist.

Dieses Buch ist in gewissem Sinn auch eine Autobiographie. Eine Autobiographie, die 40 Jahre Erfahrung mit Krebs darstellt, die in der Mehrzahl nicht sehr ermutigend sind. Aber auch ein Leben, in dem die positiven Effekte der Komplementärmedizin immer wieder Hoffnung gegeben und ein lohnendes Ziel aufgezeigt haben. Ein weiter Weg liegt hinter mir!

Ich habe es im Vorwort dieses Buchs schon geschrieben: Unsere Arbeit ist von anderen durch so manche weltlichen Ehrungen und Berichte anerkannt worden. Ich bin bereits zum zweiten Mal im „Who’s Who in Medicine and Healthcare“ eingetragen, in dem ich seit 1980 schon gelistet war. In „Kürschners Deutschem Gelehrten-Kalender“, der seit 1925 regelmäßig erscheint, bin ich in der nunmehr 21. dreibändigen Ausgabe freundlicherweise unter den führenden habilitierten Wissenschaftlern meines Landes genannt.

All das erfreut einen und macht stolz, keine Frage. Aber wesentlich mehr Befriedigung und Stolz verschafft mir die Vorstellung, dass heute Hunderte Menschen geheilt oder zumindest stabilisiert bei ihrer Familie sind, die ohne unsere Hilfe vielleicht nicht mehr lebten.

Wie geht man nun den langen Weg, der einen dazu befähigt, anderen Menschen zu helfen?

Doktor werden

Bevor man an das Medizinstudium auch nur denken darf, muss man zuerst einmal vier Jahre die Grundschule besuchen. Danach neun Jahre Gymnasium bis zum Abitur. Heutzutage sind gute Noten beim Abitur sehr wichtig, leider Gottes gibt es ja heute den Numerus clausus, der sozusagen von oben herab entscheidet, welcher junge Mensch welchen Beruf zu ergreifen hat. Zu meiner Zeit war das noch nicht so, wir hatten freie Wahl des Studiums, auch wenn man, wie ich, ein weniger gutes Abitur vorzuweisen hatte.

Das Medizinstudium ist in drei Abschnitte gegliedert, nach denen jeweils eine Prüfung abgenommen wird: Das Vorphysikum, das Physikum (an dem viele angehende Mediziner scheitern) und dann das Staatsexamen. Ein möglichst gutes Staatsexamen ist für eine weitere universitäre Laufbahn natürlich sehr hilfreich; ich selber hatte von 18 Prüfungsfächern 17 „Sehr gut“ und ein „Gut“ und damit eines der besten jemals absolvierten Staatsexamen der Universität Mainz.

Jeder, der das Staatsexamen bestanden hat, ist Arzt und erhält die Approbation, das ist die Zulassung, als Arzt zu praktizieren. Diese Zulassung hat prinzipiell mit dem Doktortitel nichts zu tun. Dieser ist für den normalen Arzt sozusagen ein Privatvergnügen, um des Ehrgeizes willen oder aus Interesse an der Wissenschaft. Vielleicht möchte sich jemand mit einem Titel schmücken, andere meinen, sie haben das nicht nötig. Das ist natürlich teilweise eine faule Ausrede von faulen Menschen.

Der Erwerb des Doktortitels, also das Promotionsverfahren, ist ähnlich aufwändig wie das Habilitations-Verfahren. Man tritt an den Oberarzt oder auch einen Klinikdirektor, also eine habilitierte Person, mit dem Wunsch nach Erwerb der Doktorwürde heran. Diese Person nennt man „Doktorvater“. Ich selbst war der Doktorvater von acht Studenten. Diese Funktion kann sich auf verschiedene Arten ergeben: Man sagt zum Beispiel in einer Vorlesung, dass man Themen für Doktorarbeiten zu vergeben hat, oder die Bewerber kommen von selbst. Das Thema kann grundsätzlich statistisch oder experimentell sein. Statistische Arbeit bedeutet, durch Literaturarbeit oder durch Bearbeitung eines medizinischen Problems über Literatur, Krankenberichte oder andere Daten ein Thema zu erarbeiten und zu beschreiben. Mein eigenes Thema war seinerzeit die Ileuskrankheit, dazu habe ich etwa 300 Krankenakten, die Verläufe und die Therapien studiert, daraus wurde dann ein kleines Büchlein. Durch meine Doktorarbeit konnte ich nachweisen, dass durch bestimmte entzündungshemmende Medikamente die Sterblichkeitsrate nach der Ileus-(Darmverschluss-)Operation gesenkt werden konnte; diese Erkenntnisse führten seither in der Praxis zum regelmäßigen Einsatz bestimmter Medikamente. Ich konnte also schon mit meiner Doktorarbeit mehr bewirken als die Aufstellung rein akademischer Theorien, nämlich praktische Arbeit zum Wohl der Kranken. Dieser Einstellung bin ich seither treu geblieben.

Die experimentelle Doktorarbeit ist sehr viel anspruchsvoller; das gilt auch für Habilitationen, diese werden meist mit Tierversuchen oder Ähnlichem verbunden.