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Gregor Wilbers

Sinnfindung
im Beruf

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Gregor Wilbers

Sinnfindung im Beruf

©J.Kamphausen Mediengruppe GmbH

www.weltinnenraum.de

E-Book-Ausgabe 2014

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

ISBN Buch 978-3-89901-039-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Dieses Buch ist Thich Nhat Hanh

und Willigis Jäger gewidmet,

die mir geholfen haben,

zu mir selbst zu finden.

Zu diesem Buch

Mühe unseres Lebens

Der Sinn der Sinnkrise

Es entstehen neue Fragen

Es entstehen neue Antworten

Es entsteht eine neue Kommunikation

Es geht weiter

Meditation als Grundlage allen Handelns

Das Wunder des Augenblicks

Weniger planen – mehr im Hier und Jetzt leben

Schöpfer unserer Realität

Vertrauen wieder neu erlernen

Erwartungshaltung aufgeben

Verteidigung ist verlorene Zeit

Effektivität ist uneffektiv

Überwindung überwinden

Konzentrationsprobleme

Das lieb gewordene Konkurrenzdenken

Seinen eigenen Rhythmus finden

Mit Neidgefühlen umgehen

Kontrolle loslassen

Die mörderische Sucht, Zeit zu sparen

Ein neues Management

Die Bedeutung des Geldes

In der Wirtschaft nichts Neues

Eine neue Führung

Entscheidungen anders sehen

Verantwortung neu verstehen

Eine uralte Vision von Betriebswirtschaft

Die Auflösung des Rätsels

Exkurs: Warum Seminare und Beratung häufig nicht zum Ziel führen

Der Preis der Weisheit

Eine neue innere Haltung

Was die anderen denken

Nicht mehr an sich selbst zweifeln

Vergangenheit loslassen

Individualität relativieren

Allein sein können

Mit Fragen leben lernen

Schuldgefühle loslassen

Die andere Seite des Wohlstandes

Liebe neu entdecken

Mangelnde Liebe macht krank

Ein knappes Gut

Zwischen Mann und Frau

Zwischen Jung und Alt

Spiritualität begreifen

Innere Kraft entdecken

Alles genau wissen müssen?

Wer sucht, wird nicht finden

Eine neue Lebensethik entwickeln

Offenheit für andere Einstellungen

Meinungen loslassen

Freies Denken

Unangenehmes nicht verdrängen

Bescheidenheit macht reich

Den Ärger ärgern

Augenblick mal – den Augenblick wahrnehmen

Anders kommunizieren

Integrität leben

Gewaltlosigkeit praktizieren

Abgeben lernen

Alles Gute auf Ihrem Weg

Literaturverzeichnis

Der Autor

Kontakt

Zu diesem Buch

Aufreibender Arbeitsmarkt und eigener Erfolg, Karriere und inneres Gleichgewicht, Kreativität und Rentabilität sind nur scheinbar Widersprüche. Eigener Weg und Verantwortung für andere, komplexe Managemententscheidungen und innere Einfachheit passen zusammen.

Das Buch trägt dem wie einem um sich greifenden Grippevirus Rechnung, der Unzufriedenheit im Beruf und im Privatleben mit sich bringt. Er heißt Hektik und Unruhe, gleichzeitig Lethargie, Angst, Sinnlosigkeit und zehrender Konkurrenzdruck und führt zu verzweifelten beruflichen Überlebensstrategien. Es ist für viele unumstößliche Realität geworden. Neben den persönlichen sind die beruflichen Auswirkungen schon jetzt verheerend.

Viele von uns fühlen sich in irgendeiner Form überfordert, gleichzeitig entsteht in ihrem Innersten eine nagende Leere, die sie kaum noch mit wachsender Arbeit zudecken können, und vor allem auch bald nicht mehr wollen.

Ein erfolgreiches Leben entsteht nicht durch das Bessersein müssen als andere, sondern vor allem durch die furchtlose Entdeckung des eigenen Weges: von der Sinnkrise in die Sinnfrage.

Gerade als verantwortungsbewusste Menschen haben wir die Wahl, vom kleinkarierten Erfolgs- und Effektivitätsdenken weg hin zu einer ganzheitlichen, d. h. auch spirituellen Sichtweise zu finden. Vernunft, Logik und Intuition gehören untrennbar zusammen. Nur so können wir unser Leben sinnvoll leben, in unserem Beruf erfolgreich Entscheidungen treffen und gleichzeitig innere Zufriedenheit und Ruhe finden. Sinnerfüllung und Beruf wachsen zu Berufung zusammen.

Eine neue Lebens- und Berufsethik, ein neues Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und andere können zu echtem Erfolg, zu mehr Menschlichkeit, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit im Beruf führen.

Dieses Buch will einen neuen Weg aufzeigen, um dorthin zu gelangen, einen Weg, auf dem alles leichter wird, wo wir uns und andere entlasten, unsere eigene Intuition und unseren inneren Frieden finden, wo wir endlich aufhören können, außerhalb von uns selbst nach Lösungen zu suchen und stattdessen alles in uns selbst vorfinden.

Das Buch führt Frauen wie Männer zu ihrer eigenen unverlierbaren Mitte, aus der heraus sie kraftvoll und effektiv agieren können. Nur da ist völlige Präsenz – das Einssein mit dem Augenblick – möglich, nur da kann Intuition stattfinden:

Wir werden von dem Wahn befreit, alles selbst steuern, über alles die Kontrolle behalten, alles verstehen, uns gegen alles absichern zu müssen, immer nur logisch denken, alles bewerten, ständig Entscheidungen treffen, dauernd die Oberhand zu behalten und immer zu den Besten zu gehören. Wir lernen, dass wir das alles geschehen lassen können, ohne dass uns etwas abhanden kommt, ohne dass etwas schief läuft.

Wir entdecken auf unserer Reise zu einer neuen Sicht der Dinge, dass wir auf festem Boden stehen und dass es noch etwas gibt, das viel umfassender als unser überanstrengtes „Verstandes-Ich“ für uns arbeitet, wenn wir es nur einfach lassen: unser „Selbst“, unser innerstes Wesen, unsere Intuition.

Und es funktioniert anders als unser geschundenes Ich, das sich immer behaupten muss: Es kennt nicht Sieg oder Niederlage, Oben oder Unten, Gut oder Schlecht, Schwarz oder Weiß, Mann oder Frau, sondern nur den Prozess des Werdens, der uns allen innewohnt und in dem wir nicht Gewinner oder Verlierer auf dieser Erde sind, sondern Teil des Ganzen (wie die Welle des Meeres), in dem wir sicher aufgehoben sind und in dem wir wirkliche Erfüllung finden, nicht getrennt von anderen und ohne die Möglichkeit des Scheiterns, wenn wir uns nur darauf einlassen.

Wir entdecken ein neues Verantwortungsgefühl, bei dem es nicht darum geht, alles gleichzeitig zu bedenken, sondern einfach präsent zu sein.

Eine so verstandene Spiritualität im beruflichen wie im privaten Leben ist nicht nur ein besonderer, es ist auf lange Sicht hin der einzige Weg, da er alle Aspekte des Lebens miteinbezieht, ohne etwas zu vernachlässigen. Wir sind in jeder Situation präsent, ohne an alles denken zu müssen.

Menschen suchen auf einmal unsere Nähe, und zwar nicht, weil sie irgendwie an uns gebunden sind, sondern weil sie sich auf neue Art und Weise zu uns hingezogen fühlen. Umgekehrt lernen wir, auch unangenehme Situationen auszuhalten. Indem wir beides – Nähe und Distanz – gelassener erleben, ruhen wir in uns selbst, erleben wir unsere innere Kraft und Intuition.

Dieses Buch ist angefüllt mit Erfahrungen, die jede/r in sich entdecken kann. Es will ausdrücklich keine Ratschläge geben, sondern dazu einladen, eine neue innere Haltung zu entwickeln. Es wird kein 10-Schritte-Programm aufgezeigt zu noch mehr Effektivität, sondern vielmehr wie wir einer sinnvollen Entwicklung in uns den Weg bereiten können. Es macht Mut, einmal in die entgegengesetzte Richtung, nach innen, zu schauen und zu denken.

Insofern werden Beruf und Management nicht von der betrieblichen, sondern von der menschlichen Seite aus betrachtet: Erfolg geht nicht von Strategien und Konzepten aus, sondern von der jeweiligen Person, von uns selbst.

Es wird nicht noch mehr Know-how vermittelt, sondern dargelegt, wie wir uns auf unser Innerstes besinnen können. Gerade jetzt, da die Anforderungen von außen kein Ende zu nehmen scheinen, entdecken wir, dass wir wieder auf uns selbst hören können und Mut brauchen, anders zu sein, nämlich so, wie es uns entspricht. An diesem Punkt finden alle Strategien ihr Ende, alle Jagd nach den neuesten Konzepten wird ad absurdum geführt. Auf einmal sind wir zu Hause, ganz bei uns selbst. Und so sucht man vergeblich nach Tipps und Tricks für Beruf und Management; vielmehr findet man Anregungen für ein ganzheitlich neues Bild von sich und der Welt, mit Hilfe dessen man souverän agieren kann.

Auf unserem neuen Weg kommt es nicht mehr darauf an, möglichst viele Informationen anzusammeln und alles zu wissen, sondern unsere eigene, in uns vorhandene Erkenntnis auf uns wirken zu lassen. Deswegen lade ich Sie ein, so langsam wie möglich durch das Buch zu reisen und nicht zu versuchen, es an einem Abend, möglichst noch vor den „Tagesthemen“, zu lesen oder gar quer zu lesen. Denn danach wüssten Sie zwar alles, hätten aber nichts erfahren.

Das Buch richtet sich an Sie persönlich, es geht in diesem Buch nur um Sie (!), nicht um irgendwelche Praktiken, die Sie leider noch nicht kannten oder noch besser direkt wieder verwerfen.

Es geht um lauter Themen, die im Berufsalltag tabu sind, weil sie vermeintliche Schwäche zeigen. In Wahrheit ist es aber Stärke, zu sich selbst zu stehen und innere Fragen zuzulassen. Es gibt nicht den klassischen Wegweiser, sondern nur eine Einladung, Entdeckungen zu machen, die schon lange in Ihnen schlummern, und nichts zu glauben, was Sie nicht selbst erfahren können.

Von welchem Geist lassen wir uns leiten, wenn wir uns selbst und andere leiten? Dies ist eine – leicht abgewandelte – Frage von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens aus dem 16. Jahrhundert, die wir uns hier zu Eigen machen wollen.

„Irgendwann ging mir auf, dass mein Leben nur in diesen Augenblicken Sinn besaß, in denen ich in meinem Leben wirklich ankam.“

JACOB NEEDLEMAN: DIE SEELE DER ZEIT. DIE ANKUNFT

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Mühe unseres Lebens

Die ganzen Anstrengungen unseres Lebens können uns immer nur vermeintlich dem nähern, wo wir hinwollen. Die Anstrengung der Ausbildung, der Versuch, die/den richtige/n Partner/in zu finden, das Hoffen und Ringen um einen guten Arbeitsplatz, das Erschließen guter Karriere- und Verdienstmöglichkeiten, der Versuch, sich ein schönes Heim aufzubauen, haben in Wirklichkeit einen anderen Hintergrund. Die unendliche Mühe, die uns all dies gekostet hat, das unermüdliche Abrackern für die vermeintlich erstrebenswerten Ziele haben in ihrer eigentlichen Wirkung wohl ein ganz anderes Ergebnis gehabt.

Wir haben nämlich mit viel Schweiß gelernt, dass wir vieles nicht selbst beeinflussen konnten, dass wir nicht unser Leben, sondern dass das Leben uns geformt hat. Alle Anstrengungen haben irgendwohin geführt, nur nicht zu dem, was wir ursprünglich geplant hatten. Oder wenn es tatsächlich doch so gekommen ist, war es anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Oder es hatte für uns auf einmal an Bedeutung verloren. Oder wir haben bemerkt, dass wir trotzdem die Alten geblieben sind, mit den gleichen Fragen, mit der gleichen Unzufriedenheit.

Wir bemerken dann, dass häufig gerade jene Momente in unserem Leben, die überhaupt nicht eingeplant waren, die ganz und gar gegen unseren Willen passierten, die uns einen schmerzlich Verlust bescherten und uns sogar manchmal an der Güte des Lebens zweifeln ließen, dass gerade diese Momente unserem Leben eine neue, sinnvolle Richtung gaben, ein Rätsel lösten und uns weiterbrachten.

Vieles passiert, ohne dass wir gefragt werden. Aber wenn wir uns wirklich für das Leben öffnen, eröffnen sich ganz neue Horizonte für uns. Wir erleben, dass wir nicht mehr effektiv sein müssen, weil wir es bereits sind, dass wir uns nicht anzustrengen brauchen, weil die Kreativität aus uns herausfließt, ohne Stundenbegrenzung, ohne To-do-Liste, ohne dass wir uns den Tag vom Terminkalender diktieren lassen müssten. Wir tun auf einmal nicht mehr, sondern weniger, und es bereitet uns keine Mühe mehr, alles Notwendige zu erledigen. Wir sind erfüllt von dem, was wir tun, so unsinnig es uns auch bislang vorgekommen war, so widerstrebend wir bislang unsere Tätigkeit ausgeführt haben.

Wir kommen abends nicht mehr abgespannt nach Hause, wir benötigen nicht mehr Bier und Fernsehen, sondern wir können einfach da sein, wo wir hingehören: in uns selbst. Diese neue innere Ruhe verhilft uns zu ganz neuen Einsichten. Indem wir lernen, unser bisheriges Leben anzunehmen, entdecken wir neue Möglichkeiten, uns wirklich weiterzuentwickeln, etwas zu tun, das uns entspricht, das uns und anderen wirklich hilft.

Vielleicht bekommen wir mehr Mut, uns dem Leben zur Verfügung zu stellen, anstatt möglichst viel aus dem Leben herauszuholen. Vielleicht können wir lernen, in uns hineinzuhorchen, unserer Intuition zu folgen, auch wenn wir immer nur den nächsten Schritt sehen, nie den ganzen Weg.

Dieses Vertrauen, dass etwas in uns den Weg kennt, nimmt die Bürde und die Last des bisherigen Lebens von uns. Wir können eine klare Linie erkennen. Wir sehen, dass alle Mühen und Anstrengungen nur den einen Sinn hatten, uns an diesen Punkt zu führen und uns auf das Leben vorzubereiten, das nun in einer ganz neuen Dimension beginnen kann.

Wir halten nicht mehr fest, sondern lassen los. Wir sind nicht mehr aktiv, sondern werden passiv. In unserer Passivität bleiben wir jedoch sehr präsent und aufmerksam: Wir lernen, achtsam mit uns und dem Leben zu werden.

Alles wirklich im Augenblick Erforderliche kann uns künftig leicht von der Hand gehen, ohne unsere langfristigen Pläne und Ziele außer Acht zu lassen. Nur könnte es sein, dass uns vor Augen geführt wird, dass wir uns mit unseren bisherigen Plänen und Zielen nicht mehr so leicht identifizieren können.

Es könnte passieren, dass wir entdecken, nirgendwo mehr hin zu müssen. Wir sind nämlich schon da, waren immer schon am Ziel: bei uns selbst. Nur hier finden wir Ruhe und Glück, Antworten auf unsere Fragen, tauschen Vertrauen gegen unsere Sorgen und gegen unsere Angst, hier ist immer alles, was wir brauchen, vorhanden. Wir werden es nirgendwo anders finden. Wenn wir dort sind, findet sich alles Weitere. Wir gehen damit den verantwortungsvollsten Weg, der denkbar ist: den Weg, den sich das Leben für uns ausgedacht hat.

Niemand braucht Angst zu haben, von nun an nichts mehr tun zu wollen. Ganz im Gegenteil: Jetzt beginnt die wahre Kreativität, die aus unserem Innersten kommt und bis zu unserem Tod niemals versiegt.

Sogar im „Nichtereignis von Aktivität“ ist viel Schönheit enthalten, liegt die Vorbereitung auf etwas Neues. Mit diesem Nicht-Tun ist allerhöchste Effektivität verbunden, nur dass dieses Wort nicht mehr zu uns passt: Wir „sind“ einfach nur noch, das ist der höchste Grad menschlichen Bewusstseins, mehr gibt es nicht zu „erreichen“, weil alles vorhanden ist.

Und nun kann es geschehen, dass sich uns die Augen öffnen für neue Momente, für eine gute Veränderung unseres Lebens, für eine Anerkennung unseres bisherigen Lebens. Ein neuer Abschnitt beginnt, auf den wir uns nun freuen (!) können. Vielleicht passiert es uns, dass wir wirklich gebraucht werden, dass jemand tatsächlich unseren Mut einfordert, dass wir vielleicht ehrlich etwas für andere tun können.

Diese ganze Erfahrung, die ich gerade geschildert habe, kann jeder nur für sich allein machen. An dieser Stelle verstummt jede Diskussion über richtig oder falsch, ich probiere es aus oder nicht, ich erfahre es oder nicht. Aber dieses Buch soll dabei helfen, diese Erfahrung zu erkennen, denn sie ist bereits in uns angelegt.

Fast jeder Mensch hat in seinem Leben schon einmal die Erfahrung des absoluten Einsseins mit sich und der Welt gemacht, vielleicht anlässlich völlig unbedeutender Erlebnisse. Nur lernen wir jetzt, dass diese Einheit uns innewohnt, sie war schon immer da. Sie braucht uns nicht in seltenen Momenten zuzufließen. Das wiederum haben wir selbst in der Hand, hier fließt unsere wahre Aktivität, hier ist unsere Verantwortung für das Leben begründet. Hier können wir Meister unseres Faches werden, hier haben Disziplin, Ausdauer und Fleiß eine ganz neue, sinnvolle und erfüllende Anwendung.

Dies trifft auf etwas zu, das uns nicht mehr loslässt, das wir nicht mehr loslassen wollen und das wir nicht mehr vergessen können. Wir brauchen keine Entscheidungen mehr zu treffen, um dann zu sehen, dass auch die verlockendsten Alternativen ihre Schattenseiten haben, sondern wir werden ohne Für und Wider, ohne Wenn und Aber geführt, und zwar zu uns selbst. Ich kann in jedem Moment meines Lebens in meiner Mitte sein oder zu ihr zurückfinden, indem ich mich auf mich selbst besinne, vom Wollen auf das einfache Sein.

Ich frage nicht mehr nur nach Logik und Verstand, sondern nach Vertrauen und Zuversicht, und erkenne, dass alles nach einem Plan abläuft, der uns innewohnt, den wir jetzt zu entdecken beginnen. Unsere bisherigen Pläne waren immer nur Konzepte, ein Ausschnitt der Wirklichkeit, und wir haben niemals alle Aspekte berücksichtigen können.

Erreichen wir mit Bewusstsein Meisterschaft in unserem Leben? Nein, denn wir sind bereits meisterhaft, wir haben nur die Wahl, es in uns zu entdecken. Das ist unsere wahre Aufgabe, es zu entdecken und zu leben. Das wollen wir in diesem Buch finden.

Sogar wenn wir aus dem Leben scheiden müssten, wenn augenscheinlich nichts fertig geworden wäre, waren wir auf dem Weg dahin, auf unserer Suche, vollkommen. Es gibt an unserem Leben nichts abzuschneiden, nichts zu schmälern, nichts hinzuzufügen. Es sei denn, wir hätten es nicht versucht und uns standhaft geweigert, unser Ich mit seinem Verstand nicht mehr als das höchste Gut anzusehen, nicht mehr als unsere egozentrische Wahrnehmung der Wirklichkeit, als das Verbleiben in alten Bahnen, die aufzubauen so viel Mühe gekostet hat. Je mehr Mühe wir uns gemacht haben, umso schwerer können wir davon lassen.

Andererseits habe ich für mich festgestellt, dass ich mit meinem Bemühen auch am gründlichsten gelernt habe, dass es Unsinn ist, dort zu bleiben und aufzupassen, dass nichts verloren geht. Wir können es nicht aufhalten. Wie wunderbar es ist, keine Angst mehr vor Verlust haben zu müssen, ist unbeschreiblich. Das, was wir brauchen, wird uns zuteil, was wir nicht brauchen, verlieren wir vielleicht irgendwann.

Wo werden wir noch auf unserer Reise durch dieses Buch anlegen? Im nächsten Kapitel kommen wir auf den Sinn der Sinnkrise zu sprechen, um danach in medias res zu gehen: Meditation als Grundlage allen Handelns. Mit dieser Grundlage ergeben sich ganz neue Sichtweisen für unser Leben, möglicherweise eine neue berufliche und private innere Haltung, verbunden mit einer neuen inneren Weisheit.

Im letzten Drittel geht es darum, die Vision von Liebe, Spiritualität und einer neuen Lebensethik auch im Beruf zu leben. Der Weg dahin wird unaufdringlich, aber gemeinsam Schritt für Schritt gegangen. Wir kommen wie „zufällig“ ans Ziel: Es ist eine spirituelle Reise.

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Der Sinn der Sinnkrise

Irgendwann kommt der Punkt in unserem Leben, an dem wir uns fragen: Wozu das Ganze? Die einst gerne ausgeführte Arbeit macht keinen Spaß mehr, es ist irgendwie immer das Gleiche, die Kollegen machen immer denselben Ärger, dieselben Witze, oder es ist immer dieselbe Einsamkeit, derselbe Stress.

Vielleicht fühlen Sie sich ausgelaugt, die tägliche Routine verschleißt Sie. Manche bemerken vielleicht, dass die anerkannt gute Arbeit in Wahrheit nicht mehr gut ist. Oder sie leiden darunter, dass die geleistete Arbeit niemals genügt und sie den Anforderungen nicht (mehr) entsprechen.

Der alte Ehrgeiz ist nur noch Legende, vielleicht leben Sie nur noch davon, dass Sie einmal gut waren, aber Sie sind es nicht mehr. Sie spüren eine tiefe, innere Leere. Oder Sie sind ständig darauf aus, dass etwas passiert, dass Sie auch ja Ihren Beitrag leisten und immer das Richtige tun.

Zunächst versuchen wir dann meist, diese Gedanken zu widerlegen, strengen uns noch mehr an, wollen noch mehr schaffen und erledigen. Das geht dann noch in die nächste und übernächste Runde, und dann bemerken wir, dass wir immer weniger schaffen, je mehr wir schaffen wollen, dass wir immer weniger erledigen und immer mehr vor uns herschieben.

An manchen Tagen haben wir vielleicht das Gefühl, den Berg an Arbeit nicht zu bewältigen, um dann ein paar Tage später festzustellen, dass eigentlich alles läuft, und wir verstehen gar nicht, dass auf einmal alles Dringende erledigt ist. Oder wir denken, alles sei im Lot und bemerken dann, dass wir die wichtigsten Daten nicht mehr im Kopf haben und eine peinliche Situation entsteht.

Ehrgeiz wird Ihnen zunehmend suspekt, und Sie ertappen sich dabei, dass Sie Ihre Arbeit, sei sie auch mit noch so wichtigen Entscheidungen verbunden, nicht mehr wichtig finden. Die Ausarbeitung des Wirtschaftsprüfers für ein trickreiches Steuersparmodell im Ausland (daran habe ich es gemerkt) verstehen Sie nicht mehr .… nein, Moment, noch schlimmer: Sie wollen es nicht mehr verstehen?

Es entstehen neue Fragen

Warum leben wir überhaupt? Wer sind wir wirklich? Warum trifft es gerade uns? Diese Gedanken schockieren uns vielleicht zunächst, aber ich fühle mich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie entdecken: So kann es nicht weitergehen. Dies ist der erste Schritt für einen Neubeginn.

Vielleicht waren Sie schon in der Buchhandlung und haben sich für Titel interessiert, die Sie sonst keines Blickes gewürdigt hätten: Warum geht es mir so, wie es mir geht? Was steckt dahinter? Sie suchen einen Ausweg, einen tieferen Sinn.

Sie reagieren vielleicht empfindlicher als sonst, sind unausgeglichen und schleppen Gedanken mit sich herum, die nach Tagen immer noch nicht verschwunden sind. Auf einmal müssen Sie erkennen, dass Sie an die eigene Grenze gestoßen sind. Alles in Ihnen sagt nein, nein, nein: So will man auf keinen Fall weitermachen. Hier ist der Weg zu Ende. Was sich zuerst wie eine Todeserklärung anhört (es ist auch ein kleiner Tod), ist in Wahrheit der Beginn des Weges, und zwar Ihres Weges. Der Unterschied ist nur, dass er nicht mehr vorgezeichnet ist. Ausbildung hilft nicht mehr weiter, Ratschläge von Freunden treffen nicht mehr den Kern der Angelegenheit, Seminarratgeber versagen, Berater haben nur noch Konzepte zu bieten, und das ist gut so.

Bisherige Werte, zum Großteil von außen eingeimpft, bröckeln regelrecht ab und zeigen ihr wahres Gesicht: die Entfernung zu uns selbst, die Identifizierung mit fremden, vorgefertigten und vor allem völlig hilflosen Vorstellungen, wie ein erfülltes Leben aussieht.

Auch die Werbung verspricht das Erreichen von Zuständen, die niemals eintreten werden. Nur durch einen Bausparvertrag werden Sie kein Haus, kein Auto, keine Frau (keinen Mann), kein Pferd gewinnen (interessante Reihenfolge in der Werbung der Sparkasse).

Viel interessanter ist jedoch die Frage: Warum sollen wir immer etwas von außen benötigen, um glücklich zu werden? Oder tragen wir nicht vielmehr alles in uns selbst? Müssen wir nicht endlich davon lassen, dass uns äußere Umstände glücklich machen? Sie werden es nie tun, wenn wir in unserem Innersten nicht selbst mit uns zufrieden sind, wenn wir nicht unsere innere Ruhe finden.

Stufen

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu Ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

HERMANN HESSE

Es entstehen neue Antworten

Nun beginnt der eigentliche Weg, Ihr Weg. Dinge, die früher unwichtig waren, werden auf einmal wichtig. Sie bemerken im Alltag Zusammenhänge, die keiner sieht, Sie sehen Widersprüche, für die sich keiner interessiert, Sie verschenken Liebe, die keiner braucht, Sie entwickeln Werte, die keiner versteht. Sie suchen nach einem Sinn, den keiner sucht, Sie haben Fantasien, die Sie nirgendwo einbringen können, Sie haben Ideen, die alle mit einem höflichen Kopfnicken abtun oder die mit dem üblichen „ja aber“ wegdiskutiert werden.

Logik ist auf einmal nicht mehr alles für Sie, und damit sind Sie für das normale Berufsleben erst einmal (burn) out.

Nun betreten Sie echtes Neuland, Sie können keinen mehr fragen, was richtig oder falsch ist. Wie wäre es mit: „Ich bin einfach ich selbst“? An dieser Stelle beginnt Ihr Innerstes zu blühen, Ihr wahres Selbst kommt zum Vorschein. Sie können einfach sein.

Lassen Sie die Vergangenheit los, haben Sie keine Angst vor der Zukunft. Sie machen nichts falsch, wenn Sie auf Ihr Innerstes hören. Vertrauen Sie dem Gefühl, Ihre geschützte, eingegrenzte und kleine Welt hinter sich lassen zu wollen.

Es geht nicht darum, nun alles hinzuschmeißen, sondern eine neue innere Einstellung zum Leben zu bekommen und zu sehen, dass sich alles nach und nach verändert. Das Zauberwort heißt „Loslassen“. Endlich die Pflicht, das Ansehen, das Geld, das Müssen, die Karriere, sein zu lassen, was es ist: ein Mosaiksteinchen in Ihrem Leben, das auch gut ohne Sie auskommt. Das ist durchaus wörtlich gemeint: Wenn wir nicht mehr aktiv alles Mögliche wollen, sondern anfangen, in uns selbst zu ruhen und aus uns selbst heraus zu agieren, werden wir kraftvoll und authentisch, werden viel besser wahrgenommen und nehmen selbst viel besser wahr.

Das Leben kann endlich anfangen, für uns zu arbeiten, wir hören auf, unserem Leben ins Handwerk zu pfuschen. Wir müssen uns nicht gegen alles schützen, was passiert. Im Gegenteil, jedes Problem trägt seine Lösung bereits in sich. Das ist dann keine Phrase mehr, wenn man bereit ist, sich ganz und gar darauf einzulassen, loszulassen und präsent im Augenblick zu verweilen. Wir lernen ganz neu, auf jeden Aktionismus zu verzichten, bleiben ganz bei uns und erleben, wie wir anfangen, in jeder Situation das Richtige zu tun.

Damit ist nicht gemeint, dass ab jetzt in unserem Leben nichts mehr schief geht. Aber dass alles, was vermeintlich schief geht, uns letztendlich immer (!) unserem Lebensziel entgegenführt. Dafür lassen wir den Gedanken los, wir müssten ein Lebensziel erreichen. Wir waren längst auf dem Weg, und wir werden es immer bleiben, es geht gar nicht anders. Am Ende unseres Lebens, wenn wir dann sechsmal unsere Laufrichtung geändert haben, sagen wir dann: Hierhin habe ich immer gewollt.

Unsere ganzen Pläne sind nichts weiter als Hoffnungen, Wünsche und Hirngespinste. Was daraus geworden ist, nachdem uns die Wirklichkeit tausendmal dazwischen gefunkt hat, nennen wir dann das gewollte Ergebnis, das nach vielen Anstrengungen und Aufs und Abs vermeintlich aus unserer eigenen Anstrengung und Leistung heraus entstanden ist.

Der Verstand setzt sich nachträglich immer oben drauf, wenn der Weg sichtbar wird, er findet niemals den Weg selbst. Wir empfinden es häufig umgekehrt, aber es ist nicht so.

Ohne Streben und Ehrgeiz, ohne ich-betontes Wollen und Festhalten lösen wir uns von unseren Sorgen; wir haben sie noch, aber wir sind sie nicht mehr. Bildlich gesehen, stellen wir fest, dass wir uns bis jetzt immer an einem Seil festgehalten haben, aus Angst, wir könnten tief fallen. Dann haben wir ängstlich einen Finger losgelassen, und es ist zum Glück nichts passiert. Der zweite Finger bereitet uns noch mehr Angst, aber wir lockern ihn langsam, um ihn dann doch loszulassen. So geht es immer weiter, bis wir beim letzten Finger denken, nun ist es um uns geschehen. Und dann stellen wir fest, dass wir schon immer ganz fest auf dem Boden gestanden haben, es konnte gar nichts anderes geschehen.

Man kann es nicht beweisen, man kann es nur ausprobieren. Wenn wir unserem Innersten vertrauen, uns darauf verlassen, wird uns nichts passieren. Aber das ständige Müssen, Wollen, Retten, sich für so unentbehrlich und wichtig zu halten, dieses scheinbar unzerstörbare Ich, Ich, Ich wird uns langsam lästig.

All unser bisheriges Problemlösungsdenken hat immer ein neues Problem hervorgebracht. Wir haben uns verrückt damit gemacht, dass wir eine Lösung finden mussten, um uns wertschätzen zu können oder um vermeintlich wertgeschätzt zu werden. Das hat jetzt ein Ende, wenn wir wollen. Der Kampf ist zu Ende. Schwäche oder Stärke? Nur der Schwache kämpft, und zwar gegen sich selbst.

Wir lassen die Dinge geschehen, wie sie geschehen, und wundern uns, dass die Welt nicht untergeht. Dabei geht es nicht darum, allem und jedem die kalte Schulter zu zeigen und zu sagen: „Interessiert mich nicht mehr !“, sondern eine neue innere Haltung zu entwickeln, die uns alles von einer gehörigen Distanz aus betrachten lässt, und zu wissen, dass alles Sinn macht, auch wenn wir es im Moment nicht erkennen können.

Wir müssen uns nichts mehr beweisen, sondern fangen stattdessen an, zu dienen (!) und ein gutes Gefühl dafür zu entwickeln, wann wir eingreifen und wann nicht. Wir sehen auf einmal, dass unser Gegenüber das gleiche Anrecht hat, in seinen Bedürfnissen gesehen zu werden, und dass nur, wenn für alle Beteiligten gleichberechtigt eine Lösung gefunden wird, auch wir langfristig eine angemessene Lösung für uns finden können.

Es entsteht eine neue Kommunikation

Bei gleichberechtigter Kommunikation machen wir es auch uns leichter, weil wir nicht mehr gegen etwas sein müssen, das wir bei richtigem Hinhören besser verstanden hätten. In dieser neuen Atmosphäre des wirklichen Interesses für unser Gegenüber kann eine Lösung entstehen, die für beide zufrieden stellend ist. Wir erkennen, dass wir mit all unseren Ängsten, betrogen zu werden, uns nur selbst betrogen haben. Alle Hassgedanken haben uns nur uns selbst hassen lassen, alle Mordgelüste haben uns nur selbst umgebracht, jeder Egoismus hat uns nur selbst geschadet.

Es kann nichts passieren, weil wir in dieser Atmosphäre der Offenheit viel schneller merken, wenn wir einen manipulativen Partner vor uns haben. Viel größer jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unseren Partner anstecken, da auch er sich nur aus Angst einen Schutzmantel aus Vorsicht und Manipulation zugelegt hat. Wenn wir das erkennen, können wir auch viel gelassener mit solchen Situationen umgehen und lernen, dass wir nicht allein gegen die Menschheit stehen, sondern das jeder Einzelne mit dem anderen verbunden ist.

„Wo aber das Gespräch sich in seinem Wesen erfüllt zwischen Partnern, die sich einander in Wahrheit zugewandt haben, sich rückhaltlos äußern und vom Scheinen-Wollen frei sind, vollzieht sich eine denkwürdige, sonst sich nirgendwo einstellende, gemeinschaftliche Fruchtbarkeit.“

MARTIN BUBER

Es geht weiter

Wir lassen das Sich-Zurückhalten und das Festhalten los. Wir lassen diese uns selbst gesteckten Grenzen los und erleben eine neue Herausforderung, die uns vom Leben geschenkt wird und die wir nicht allein meistern müssen, auf die wir uns nur einzulassen haben.

Wenn wir vor Wut, Angst und Ärger erstarren, wenn wir blockiert sind, weichen wir nicht mehr aus, sondern verharren ganz bewusst in diesem Augenblick, wünschen ihn uns nicht weg und fühlen, wie sich etwas in uns auflöst. Wenn wir den Moment verpassen, fühlen wir auch dies in uns und betrachten es als unser Ureigenes. Es ist ein Teil von uns, das Brillante in uns ist untrennbar mit dem Versagen in uns verbunden, und es lässt uns wachsen, wenn wir es nur zulassen.

Wir erleben nun, dass Loslassen keineswegs bedeutet, wir würden nun immer auf einer Stufe stehen bleiben, sondern dass es jetzt erst richtig losgeht. Neuen Herausforderungen jagen wir nicht nach, wir meiden sie jedoch genauso wenig und erleben, dass wir uns ihnen ganz ungeschützt aussetzen, ganz gleich, was auch passieren mag. Wir flüchten nicht aus der Situation, sondern haben das Vertrauen, dass wir das Richtige tun, dass uns das Richtige passiert. Wir versuchen es nicht. Wir tun es.

Genauso, wie wir früher die Herausforderung zwanghaft gesucht haben, lassen wir sie nun ohne Angst durch uns hindurchziehen und haben die Gewissheit, dass uns nur die Herausforderungen passieren, die uns weiterbringen. Wir leben nicht einen einzigen Moment unseres Lebens umsonst. In der Spiritualität gibt es kein „Vergebens“.

„Vertrau Dir selbst, vertrau Deinem psychischen Immunsystem. Nimm Dir Zeit, Deine Mitte zu finden, den festen Boden in Dir, und tu das, was Dir erlaubt, dort zu bleiben.… Hör auf Dich selbst. Nimm Deinen eigenen Rat an.

Gott, ich kann kaum glauben, in welcher Gemütsverfassung ich anfangs meine Entscheidungen gefällt habe – dieser Druck, die Angst, das Gehetzte, die Verwirrung, der Mangel an Wissen; und in der Rückschau kann ich nur staunen, wie ich mich durchgeschlagen habe – recht wacker, aber ohne mir die Zeit zu nehmen, den Zugang zu meiner eigenen inneren Weisheit zu finden, und deshalb ohne die Ruhe und den Frieden, die ich jetzt habe.“

(Ken Wilber in: Mut und Gnade, Tagebuch seiner Frau Treya als schwer erkrankte Krebs-Patientin. Diese Frau und ihre spirituelle Entwicklung haben mich sehr tief bewegt und beeinflusst.)

Woher kommt diese innere Kraft, wenn wir nicht immer auf diese seltenen Augenblicke unseres Lebens, in denen auf einmal alles klar und vollkommen erscheint, warten wollen? Jeder von uns hat wahrscheinlich diese seltenen Momente schon genossen, es ist, als wenn uns jemand zur Seite nehmen würde und uns zuflüsterte: „Es ist alles so in Ordnung, wie es ist, es hat alles seinen Sinn. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“

Das ist keine Magie, es ist einfache Meditation. Und schon sind wir beim nächsten Kapitel.