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Originalausgabe:
Brad Warner,
Sex, sin and Zen: a Buddhist exploration of sex from celibacy
to polyamory and everything in between,
New World Library,
Novato, California 94949
© 2010 Brad Warner

Brad Warner:
Sex, Sünde und Zen
© Aurum in J. Kamphausen Verlag &
Distribution GmbH, Bielefeld 2012
Übersetzung: Rainer Scholz
Lektorat: Hendrik Bönisch

Cover/Originalgraphik: Alex Wald
Gestaltung/Satz: KleiDesign
Druck & Verarbeitung Printausgabe:
Westermann Druck Zwickau GmbH
Datenkonvertierung E-Book:
Bookwire GmbH

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über abrufbar.

ISBN E-Book: 978-3-89901-612-3
ISBN Printausgabe: 978-3-89901-425-9

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und
sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

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[SEXUELLE PERSPEKTIVEN AUF BUDDHISMUS]

[SEXUELLE PERSPEKTIVEN AUF BUDDHISMUS]

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[SEXUELLE PERSPEKTIVEN AUF BUDDHISMUS]

EINLEITUNG

ZEN MIT GEBROCHENEM HERZEN

Every night I tell myself
I am the cosmos
I am the wind
That don‘t bring you back again
.

– Chris Bell, „I Am the Cosmos“

Mein Brustkorb tut weh. Das ist der Gedanke, der mir immer wieder durch den Kopf geht, während ich regungslos mit übergeschlagenen Beinen vorne in einem Raum voller hingebungsvoll Meditierender sitze. Ein Holzofen in der Ecke hält die Kälte des frühen Morgens in Schach, die Sonne scheint, und es ist ruhig und friedlich – nur die Kiefernholzscheite durchbrechen mit knisternden Sutras die Stille.

Ich will sterben. Oder heulen. Oder mich zu Tode heulen.

Mein Brustkorb tut weh.

Ich bin der Leiter dieses dreitägigen Retreats im Southern Dharma Retreat Center in der Nähe von Asheville in North Carolina. Ich sollte eigentlich der ruhigste Typ mit der meisten Selbstkontrolle im ganzen Raum sein. Diese Leute haben gutes Geld bezahlt, und einige von ihnen sind von weither angereist, nur um in meiner Nähe zu sein, nur damit ich sie in das Geheimnis einweihe, wie man so gesammelt sein kann wie ich. Sie schauen zu mir auf, respektieren mich. Und ich will mich nur noch in Dunst auflösen, verschwinden, in den Äther zerfließen und nie wieder auftauchen. Was es noch schlimmer macht: Es ist alles wegen irgendeines Mädchens.

Welch ein beschissener Zen-Meister ich doch bin.

An jenem Tag verstand ich endlich, warum man von einem „gebrochenen Herzen“ spricht.

Mein Herz schmerzte so sehr, als ob jemand mir ein Loch in die Brust geschlagen und es herausgerissen hätte, während es noch pochte – wie in einem aztekischen Opferritual. Mal tat es richtig heftig weh. Mal war es bloß ein anhaltender dumpfer Schmerz. Manchmal tat es eine Weile lang weh und der Schmerz schwoll bis zu einer Art Höhepunkt an, und dann hörte er ebenso plötzlich auf, wie er begonnen hatte. Ich versuchte loszulassen, so gut ich konnte. Manchmal erwischte ich mich dabei, wie ich mich in irgendeine Fantasie hineinsteigerte – vielleicht eine, in der wir wieder zusammenkamen oder in der ich ihr ganz genau beschrieb, wie ich mich fühlte. Oder auch eine, in der sie in dem Retreat-Center, in dem sie sich gerade aufhielt, glücklich neben irgendeinem zotteligen Idioten meditierte, der vor seinen Freunden gerne vorgab, er wäre „eine sehr spirituelle Person“, und sie danach wie eine läufige Hyäne von hinten fickte, wobei sie Sanskrit-Gesänge der Ekstase quiekte, die er ihr in albernen, angeblich „tantrischen“ Ritualen beigebracht hatte.

Was sagst du da? Als sogenannter Zen-Meister sollte ich über solchen Dingen stehen? Ich sollte in der Lage sein, meine Gedanken einfach vorbeischweben zu lassen wie Wolken im klaren blauen Himmel? Über flitterhafte weltliche Dinge wie romantische Verstrickungen sollte ich hinweg sein? Warum sollte sonst irgendwer Interesse dafür zeigen, was ich über Zen zu sagen habe?

Tja, das hätte ich eigentlich auch gedacht. Aber so war’s nicht. Während der fünfundzwanzig Jahre, in denen ich mich nun mit der Praxis und Übung von Zen beschäftigt habe, war keine solche Vollkommenheit eingetreten. Dennoch ging ich mit dieser Trennung anders um, als ich es früher getan hätte. Ich bin noch nie gut mit Trennungen klargekommen. Ich erinnere mich noch daran, wie Becky Wagner mich abservierte und ich sie nicht anrufen konnte, weil ich in einem Punkrock-Haus mit nur einem Telefon wohnte und Logan, einer meiner Mitbewohner, es gerade besetzte. Also rannte ich, buchstäblich beinahe blind vor Tränen, zur Tankstelle an der Ecke und fütterte das dortige Münztelefon mit Vierteldollarstücken, um immer verzweifeltere Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter zu hinterlassen.

Diesmal konnte ich akzeptieren, was akzeptiert werden musste. Ich bettelte nicht, ich flehte nicht. Zumindest nicht viel. Wie ein Zen-Mönch mal sagte: „Ein Mann hat noch nie eine Frau zurückbekommen, indem er sie auf Knien anflehte.“ Ich brüllte weder rum, noch wurde ich rot vor Wut. Wenn in meinem Geist Gedanken daran auftauchten, wie meine Liebe sich hinten im Aschram mit einem von diesen gotterbärmlich austauschbaren Typen Marke „mystischer Heini“ rumwälzte, die diese Orte ständig mit ihrer nach Patschuli miefenden Gegenwart verpesten, ließ ich sie vorbeiziehen – in dem Bewusstsein, dass es eben nur Gedanken in meinem Kopf waren und dass jegliche ihnen entsprechende Wirklichkeit, die möglicherweise existierte, sich erheblich von dem unterschied, was ich mir vorstellte.

Oh, diese und schlimmere Gedanken konnte ich vorbeiziehen lassen. Aber ich konnte sie nicht davon abhalten, hochzukommen. Und das bedeutet auch nicht, dass diese Gedanken nicht wehgetan hätten, wenn sie hochkamen. Oder dass es nicht wehgetan hätte, wenn ich sie fallen ließ. Auch das ist ein Teil des Prozesses. Solche Gedanken fallen zu lassen, ist oft schmerzhafter, als an ihnen festzuhalten, da das Fallenlassen von Gedanken, von deren Richtigkeit du überzeugt bist, so ist, als würdest du die Existenz deines Selbst leugnen.

Vielleicht fragst du dich also, wozu zur Hölle dieses Zen-Zeugs gut sein soll, wenn es nicht mal ein gebrochenes Herz heilen kann? Manchmal frage ich mich das selbst. Doch die Zen-Praxis hat mir den klaren Weg dazu aufgezeigt, nie mehr unter einem gebrochenen Herzen zu leiden. Soll ich’s dir verraten? Verlieb dich nie! Einige buddhistisch Praktizierende haben das sehr erfolgreich umgesetzt und leben absolut frei von Herzschmerz. Über die sprechen wir gleich noch. Doch das ist nicht die Antwort, die du hören wolltest, oder? Vielleicht hast du dir ein magisches Mantra gewünscht, das alles aus dem Weg schaffen würde. Manchmal ist die wahrheitsgemäße Antwort nicht diejenige, die uns gefällt. Doch sie ist immer die beste Antwort, denn sie ist wahr.

Eine Menge von dem, was über Zen geschrieben wird, basiert auf Abstraktionen und Idealismus. Zu viele Leute, die darüber schreiben, haben keinen Schimmer. Sie schreiben lang und breit, wie die Dinge sein können oder vielleicht wären oder sein sollten, aber nicht, wie sie wirklich sind. Denn sehr häufig wissen sie überhaupt nicht, wie sie wirklich sind. Die Karikaturen von Zen in der Popkultur sind sogar noch schlimmer, da sie sich solcher Abstraktionen bedienen und sie zur Parodie verdrehen. Ich habe kein Interesse daran, dir zu erzählen, wie ich vielleicht wäre oder wie ich sein könnte, wenn ich bloß dieses oder jenes täte. Mir ist daran gelegen, zu berichten, wie das Leben tatsächlich ist.

Ich saß immer noch dort und leitete das Retreat. Und ich saß. Und saß. Und als die Glocke erklang, stand ich auf und schloss mich allen für die formelle Gehpraxis an, die jede Runde Zazen unterbricht. Und dann saß ich noch ein wenig mehr.

Und während ich saß, veränderten sich die Dinge, so wie sie das immer tun. Gedanken und Empfindungen, Gefühle und Wahrnehmungen flossen dahin wie ein Film in Technicolor. Einige waren angenehm. Einige waren’s nicht. Die meisten waren keines von beiden. Sie waren einfach nur. Manchmal schien im bewussten Teil meines Gehirns eine lange, lange Zeit nichts zu geschehen. Ich verlor nicht das Bewusstsein und drang auch nicht in irgendein mystisches Gebiet vor. Die Gedanken gaben halt einfach nur irgendwie auf. Und manchmal begann mein Brustkorb nach einer langen Zeit, in der ich mich großartig gefühlt hatte, wieder zu schmerzen. So läuft’s halt.

Doch ich stand es durch. Genau wie alle anderen, die an dem Retreat teilnahmen. Wir alle überlebten – mit unseren gebrochenen Herzen, unseren Familienproblemen, unseren Ängsten, unseren Begierden, unseren Sehnsüchten, unseren Verlusten: Wir alle saßen sie gemeinsam durch, und es war wunderbar.

Lass mich dir von jenem Retreat in den Hügeln im Hinterland von North Carolina erzählen, denn es war wirklich ein besonderes. Es waren mehr Frauen als Männer anwesend, zum ersten Mal bei einem Retreat, das ich geleitet habe, vielleicht sogar bei einem Zen-Retreat überhaupt. Zwei gläubige Christen blieben die ganze Veranstaltung lang und saßen genauso beharrlich wie alle anderen. Es war endlich mal eine Gruppe, die nicht ausschließlich aus Weißen bestand. Zottelige Heavy-Metal-Typen mischten sich mit Damen im mittleren Alter. Ich liebte es, die Sprache der Bodhisattvas in jener bodenständigen, melodisch singenden, gedehnten Sprechweise zu hören. Es war eine erstaunliche Kulisse – ein wahrhaftiges Dharma-Retreat in den Südstaaten!

Wir machten richtig viel Zazen, harkten einen Haufen Laub zusammen, fällten etwas Holz, redeten, lasen Auszüge aus Joshu Sasakis Buddha Is the Center of Gravity, aßen spektakulär gutes Essen, gingen spazieren und redeten weiter. Es wurden eine Menge Mais-Muffins und Bohnen verzehrt. Es wurden eine Menge Fürze in der Stille des Zendos unterdrückt. Es wurde mit Dämonen gerungen und sie wurden bezwungen. Es wurde Poesie ausgetauscht und tote Hunde wurden gebührend betrauert. Lebende Buddha-Katzen schnurrten, wenn man sie streichelte. Die Sonne schien. Der Regen regnete. Der Wind heulte und brauste. Sexy Rehe mit weißen Hintern trabten Berghänge herab, gefolgt von Carolina-Panthern. Und es wurde kontrovers darüber diskutiert, ob man jeder Ideologie eines vertrauenswürdigen Lehrers blindlings vertrauen sollte.

Es war also einiges mehr los als bloß mein albernes kleines gebrochenes Herz.

Sex nimmt einen großen Teil in unserer aller Leben ein. Genauso wie romantische Liebesabenteuer und Herzschmerz und alles, was damit einhergeht. Selbst wenn wir auf Sex verzichten und im Zölibat leben – etwas, was ich nie probiert habe –, scheint die Sexualität uns zu verfolgen.

Nicht allzu lange, nachdem ich Sex entdeckt hatte, ist Zen zu einem großen Teil meines Lebens geworden. Ich bin mir nicht so ganz sicher, was zuerst kam: meine erste Zazen-Sitzung oder der Verlust meiner Jungfräulichkeit. Ich hatte zwar auf der High School eine Freundin, und wir machten nackt miteinander rum, doch weil es mir einfach zu peinlich gewesen wäre, den alten Kerl hinter der Theke in Brenneman’s Drogerie an der Straßenecke in Wadsworth, Ohio, zu bitten, mir ein paar Kondome zu verkaufen, zogen wir nie das volle Programm durch. Das geschah erst, als ich aufs College kam und man sich im Uni-Buchladen Gummis kaufen konnte, ohne jemanden darum bitten zu müssen. Das College war ebenfalls der Ort, an dem ich die Zen-Praxis dank eines wundervoll vulgären Bodhisattvas namens Tim entdeckte. Also wurden die meisten meiner Begegnungen mit Sexualität in gewisser Weise von buddhistischer Philosophie und Praxis geprägt.

Ich behaupte nicht, irgendeine Art von Experte für menschliche Sexualität zu sein. Eine Menge der heutzutage gängigen Theorien über Gender und Sexualität verwirren mich ein wenig. Ich habe einfach nicht genügend Interesse, um mich so ausgiebig mit ihnen zu befassen, wie es nötig wäre, um sie voll und ganz zu verstehen. Ich nehme mal an, ich bin etwas altmodisch. Dabei ist es gar nicht so, dass mir diese ganze Idee von etwa zwei Dutzend Geschlechterkategorien und was sonst heutzutage noch so alles erzählt wird, zuwider wäre. Mir ist das nur schlichtweg egal.

Ich weiß, dass das für einige unter euch wahrscheinlich nach Lästerei klingt. Versteht bitte, dass ich keine Probleme mit irgendeinem der Wege habe, die Leute wählen, um sich selbst in Bezug auf Gender und sexuelle Ausrichtung zu definieren, oder welche anderen Faktoren auch immer wir verwenden, um unsere egobasierten Vorstellungen von einem Selbst zu verstärken. Ich verstehe den gesellschaftlichen Nutzen dieser neuen Formen, uns selbst zu definieren, und ich bin keinesfalls dagegen. Andere haben über dieses Thema wesentlich wortgewandter geschrieben, als ich das je könnte. Es ist einfach nur so, dass ich persönlich nicht sonderlich viel Interesse an egobasierten Vorstellungen von einem Selbst habe. Doch wen du ficken willst und wie du das tun möchtest, geht mich halt nichts an und auch sonst niemanden – außer die Leute, die du fickst.

Du solltest immer der Person treu bleiben, die du wirklich bist, und niemals einfach so akzeptieren, was die Gesellschaft dir in Bezug darauf vorschreibt, wer du sein solltest. Doch es erfordert eine Menge Arbeit, genau herauszufinden, wer du bist.

Dieses Buch stellt meinen besten Versuch dar, das Thema Sexualität aus einem sehr persönlichen, buddhistisch geprägten Blickwinkel zu betrachten. Letztendlich ist dies allerdings meine private Meinung. Die in diesem Buch geäußerten Ansichten sind nicht zwingend diejenigen Buddhas, der Soto-Zen-Schule oder ihrer Anhänger, Mitglieder oder der mit ihr in Verbindung stehenden Organisationen. Und dennoch ist es eine Betrachtungsweise, die von mehr als fünfundzwanzig Jahren ernsthafter Zen-Praxis geprägt wurde und von ungefähr ebenso vielen Jahren sexueller Erfahrung.

Dies hier ist kein Sachbuch über die Geschichte buddhistischer Einstellungen zu Sex. Wenn du nach so was suchst, probier’s mit The Red Thread von Bernard Faure oder Lust und Erleuchtung von John Stevens. Ich hab das getan! Das meiste, was du über die Haltungen lesen wirst, die der Buddhismus im Laufe seiner Geschichte gegenüber sexuellen Angelegenheiten eingenommen hat, stammt aus jenen Büchern.

Dieses Buch besteht aus zwei Arten von Kapiteln. Die Hauptkapitel nehmen Aspekte der Sexualität in Augenschein und behandeln sie aus einer buddhistischen Perspektive. Doch nachdem ich jene Kapitel geschrieben hatte, wurde mir klar, dass es ebenfalls hilfreich sein könnte, über bestimmte Aspekte des Buddhismus aus einer sexuellen Perspektive zu sprechen. Die Kapitel, in denen ich das tue, tragen die Überschrift „Sexuelle Perspektiven auf Buddhismus“, mit einem Untertitel, der das jeweilige konkret behandelte Thema aufnimmt. Manchmal habe ich in jenen Kapiteln Informationen wiederholt, die ebenfalls in den Hauptkapiteln des Buches vorkommen. Doch in diesen Fällen habe ich dann versucht, jene Informationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Daher hoffe ich, dass du etwas Nachsicht mit mir hast.

Mit diesem Buch versuche ich, etwas abzuliefern, das sich von allem anderen unterscheidet, was ich bisher zu dem Thema Buddhismus und Sexualität gelesen habe. Kein anderer Zen-Mönch, den ich kenne, hat jemals ein umfangreiches Buch über Sex verfasst. Selbst Dogen, der Mönch aus dem 13. Jahrhundert, der nahezu über jeden Aspekt des Lebens von Buddhisten – ob nun Mönche oder Laien – etwas geschrieben hat, erwähnt Sex so gut wie gar nicht.

Du kannst das hier also womöglich als ein bahnbrechendes Werk ansehen – sogar als eines, das einen ersten Samen sät. Und es hat all die Tücken, die solche Werke immer mit sich bringen. Ich hoffe, dass eines Tages jemand, der besser qualifiziert ist, ein umfassenderes Buch schreiben wird, das all die Themen aufgreift, die ich hier auslasse; ein Buch, das zeitgemäße Gedanken bezüglich Sex und Gender sachkundiger angeht, das einen Überblick vermittelt, der den Ansichten, die wahrscheinlich die meisten Buddhisten zu diesem Thema haben, näher kommt als die Meinungen eines Einzelnen oder das den weiblichen Blickwinkel auf diese Angelegenheiten zum Ausdruck bringt. Ein Buch über buddhistische Sexualität von jemandem, der nicht so eine lahme Entschuldigung für einen Zen-Mönch ist wie ich, wäre eventuell auch gut.

Bedauerlicherweise bin ich nicht in der Lage, irgendeinem dieser Gesichtspunkte dienlich zu sein. Trotzdem hoffe ich, dass dieses Buch dir ein bisschen was nützt – oder dich zumindest zum Lachen bringt.

 

Jede Nacht sage ich mir / Ich bin der Kosmos / Ich bin der Wind / Doch das bringt dich nicht wieder zurück.

Leonard Cohen, der durch Joshu Sasaki Roshi ordiniert wurde, aus dem Song „I’m Your Man“ (Songtext im Original: „A man never got a woman back by begging on his knees“).

wahrscheinlich

Ich hoffe, dass sie dabei tiefe und schmerzhafte Splitter in ihre unaussprechlichen Teile bekamen.

Anmerkung des Übersetzers: Eine deutsche Ausgabe dieses Werkes liegt nicht vor. Den Titel des Originals kann man mit „Buddha ist das Zentrum der Schwerkraft“ übersetzen.

zumindest nicht freiwillig

Anmerkung des Übersetzers: Mit „Gender“ wird sowohl im englisch- als auch im deutschsprachigen Raum in soziologischen Texten das gesellschaftlich konstruierte Geschlecht einer Person bezeichnet, das sich im Gegensatz zu deren biologischem Geschlecht (weiblich, männlich) außerordentlich komplex darstellen kann und z.B. im Hinblick auf Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl und Rollenverhalten definiert wird.

Anmerkung des Übersetzers: Das Buch von Bernard Faure ist nicht in deutscher Übersetzung erhältlich. Der Titel müsste übersetzt „Der rote Faden“ lauten. John Stevens Buch „Lust for Enlightenment“ ist auf Deutsch als „Lust und Erleuchtung“ erschienen.

He, he! Samen!

DER VÖGELGESANG

Wir bedenken den Aufwand, der uns das Vögeln
gebracht hat, und überlegen, wie es zu uns kommt
.

Wir bedenken unsere Tugend und Übung, und ob wir
des Vögelns würdig sind
.

Wir sehen sexuelle Gier als das Hindernis geistiger
Freiheit an
.

Wir betrachten das Vögeln als Medizin zur Erhaltung
unseres Lebens
.

Um der Erleuchtung willen empfangen wir nun dieses
Vögeln
.

Die obigen Zeilen sind eine Abwandlung dessen, was als die Fünf Betrachtungen bekannt ist. Das ist der Standardgesang, den Zen-Mönche vor jeder Mahlzeit während des Praktizierens im Tempel anstimmen. Selbstverständlich würde in der orthodoxen Version das Wort Vögeln durch das Wort Essen oder Nahrung ersetzt werden.

Wir rezitieren diese Zeilen (die ursprüngliche Version) vor dem Essen, weil Essen buchstäblich lebensnotwendig ist; für das Überleben ist es unabdingbar. Wenn du eine lange Zeit über nichts isst, stirbst du.

Sex ist hingegen nicht lebensnotwendig. Du kannst hundert Jahre alt werden, ohne auch nur eine einzige Nummer zu schieben, und prima damit klarkommen. Doch die meisten von uns denken nicht so über Sex. Die meisten von uns halten Sex für beinahe ebenso essenziell wie Nahrung, Wasser oder Luft. Wir investieren unglaublich viel Zeit, Aufwand und Energie, um ihn zu ergattern. Doch wenn wir schließlich in den Genuss kommen, befinden wir uns häufig in einer genauso verfahrenen Situation wie in derjenigen, als wir keinen Sex hatten.

Den buddhistischen Mahlzeiten-Gesang in einen Vers der Dankbarkeit für Sex umzuschreiben und ihn jedes Mal zu rezitieren, bevor es zur Sache geht, ist möglicherweise nicht der beste Weg, mit den Problemen umzugehen, die Sex unausweichlich – zusammen mit der Lust, die er uns bereitet – in unseren Leben verursacht. Doch es könnte von Nutzen sein, jedes Mal, wenn wir Sex haben, kurz darüber nachzusinnen, wie privilegiert wir allein schon dadurch sind, es treiben zu können, und das mit Dankbarkeit anzunehmen.

In diesem Sex steckt eine Menge Aufwand! Nicht nur das Offensichtliche, wie abends auszugehen, sich ein Herz zu fassen, um die Person anzusprechen, die kalte Schulter gezeigt zu bekommen, aber es noch mal zu versuchen, ihren oder seinen besten Freund loszuwerden, das Abendessen, der Film, die Knutscherei, bei der der Hund ständig versucht, dein Bein zu rammeln, und so weiter. Aber schon allein die simple Tatsache, dass du einen ausreichend gesunden Körper und Geist hast, um Sex zu genießen, und überhaupt die Gelegenheit, es zu tun, ist nichts, was als selbstverständlich angesehen werden sollte. Das hat nicht jeder. Und es wird eine Zeit kommen, wo auch du das nicht mehr haben wirst.

Der Grund, warum Buddhisten vor jeder Mahlzeit einen Vers der Besinnung und Dankbarkeit rezitieren, ist, dass die meisten von uns dem Essen sehr wenig Beachtung schenken. Wir sitzen vor der Glotze und schaufeln uns Hände voll Chips in unsere Münder, ohne das geringste Bewusstsein dafür, was für ein großartiges und seltenes Privileg es schon allein ist, einfach nur etwas zu essen zu haben. Wir beschweren uns über unser Essen, während es eine Vielzahl von Menschen und anderen fühlenden Wesen gibt, die alles tun würden, bloß um etwas essen zu können. Der Mahlzeiten-Vers soll dazu dienen, uns daran zu erinnern, dass Essen eine bedeutende Angelegenheit ist. Selbst die eisernsten Veganer der Welt müssen Leben nehmen, um ihr eigenes Leben zu erhalten. Karotten und Kartoffeln sind nämlich auch Lebewesen.

Die meisten von uns nehmen Sex nicht ganz so auf die leichte Schulter wie Essen. Und trotzdem sind wir uns häufig nicht wirklich bewusst, welche Besonderheit er doch darstellt. Sicher, vielleicht schätzen wir uns glücklich, eine wirklich heiße Nummer zu schieben. Mag sein, dass wir dankbar dafür sind, mit jemandem zusammen zu sein, den wir lieben. Doch es finden sich viele Gelegenheiten, bei denen wir ganz schnell vergessen, was für eine wunderbare Sache es doch ist, überhaupt Sex haben zu können, wenn wir im Moment gefangen sind. Das ist nicht zwingend etwas Schlimmes. Doch ein wenig Besinnung kann niemals schaden.

Zudem gibt es eine Menge Gelegenheiten, in denen wir Sex auf gefährlich unbesonnene Weise angehen. Wir verlieren uns dermaßen in unseren fleischlichen Begierden, dass so gut wie nichts sonst zählt. Wir neigen dazu, uns leichtsinnig und unangemessen zu verhalten. Oft machen wir vor so gut wie nichts halt, um uns in eine Lage zu bringen, in der Körperflüssigkeiten ausgetauscht werden können. Uns ist egal, wem wir auf die Füße treten oder was wir an Ärger verursachen, solange es um ein bisschen animalisches Herumtollen geht. Aus dem einfachen Verlangen, jemanden zu vögeln, ohne die nötige Überlegung, was diese Vögelei so mit sich bringen könnte, haben sich schon alle möglichen Probleme ergeben.

Gehen wir also jetzt, nachdem wir gechantet haben, zur Diskussion über, okay?

 

Im Original steht hier „standard chant“. Ein Chant ist, vor allem in japanischen Zeremonien, wohl am besten als eine Art sprechender Gesang zu beschreiben. Also eine Rezitation mit sonorer Stimme, die häufig eher monoton als melodiös klingt. Die entsprechenden Verben sind daher rezitieren oder chanten.

DÜRFEN BUDDHISTEN SICH
EINEN RUNTERHOLEN?

Fangen wir damit an, ein paar Begriffe zu klären. Obwohl Zen-Buddhismus wahrscheinlich die Form von Buddhismus ist, über die Westler heutzutage am meisten sprechen, scheint es allerdings auch diejenige zu sein, die am wenigsten praktiziert wird. Sehr verkürzt gesagt ist Zen eine bestimmte Form des Buddhismus, die sich zu Beginn der christlichen Zeitrechnung, etwa fünfhundert Jahre nach Gotama Buddhas Tod, entwickelte, und zwar als Reaktion darauf, dass der Buddhismus von seinem Ursprung als meditative Praxis abgekommen und eher zu einer Religion geworden war. Die Zen-Bewegung trachtete danach, die ganzen unwesentlichen Rituale, Kostümierungen und solches Drumherum zu beseitigen und sich wieder den Grundlagen zu widmen. Das zeigt sich bereits am Namen der Sekte. „Zen“ ist die japanische Aussprache des Sanskrit-Wortes dhyana, das „Meditation“ bedeutet.

Allerdings ist nicht der ganze Buddhismus Zen. Ich habe dazu zwar keine Statistiken, und soweit ich weiß, hat auch sonst niemand welche, doch meine wohlbegründete Vermutung, die auf dem basiert, was ich gesehen und gelesen habe, ist, dass Zen, was die Popularität im Westen angeht, auf der Liste nach Soka Gakkai, Reines-Land-, Tibetischem und Vipassana-Buddhismus ziemlich weit hinten rangiert. Wenn du also in ein zufällig ausgewähltes buddhistisches Zentrum in deiner Stadt gehst, wird es wohl eher kein Zen-Tempel sein – es sei denn, du lebst in Minneapolis-Saint Paul oder im Bereich der San Francisco Bay, wo sich an jeder Ecke entweder ein Zen-Zentrum oder ein Starbucks befindet.

Eine Menge Amerikaner, denen ich begegne, sind erstaunt, wenn sie erfahren, dass oft riesige Unterschiede zwischen den Praktiken und Lehren innerhalb der verschiedenen Schulen des Buddhismus bestehen. Doch das ist wirklich genauso, als wenn man verwundert über die Entdeckung wäre, dass Katholiken und Baptisten verschiedene Praktiken und Glaubensvorstellungen besitzen, obwohl sie schließlich alle Christen sind. Aufgrund der Vielfalt innerhalb des Buddhismus und auch deshalb, weil ich etwas eigenwillige Ansichten habe, wirst du vielleicht feststellen, dass die buddhistischen Orte, die du aufsuchst, Vorstellungen über Sexualität haben, die sich von denjenigen, die ich in diesem Buch hier präsentiere, stark unterscheiden. Ich selbst kenne mich nur mit Zen aus, also werde ich ausschließlich dieses Thema ansprechen. Ich behaupte nicht mal, dass das, was ich hier sage, für alle oder auch nur die meisten Zen-Leute gilt. Und, nur zu deiner Information, wir Zen-Buddhisten neigen dazu, dermaßen arrogant zu sein, dass wir das, was wir glauben, einfach als „Buddhismus“ bezeichnen, ohne dabei die Sekte näher zu bestimmen. Das tue ich auch ab und zu. Find dich damit ab.

Außerdem werde ich ab und an das Wort Meditation benutzen, um die Zen-Praxis zu bezeichnen. Das mache ich hauptsächlich, um nicht andauernd das gleiche Wort wiederholen zu müssen, aber auch, um diejenigen, die vielleicht nicht mit dem Wort Zazen vertraut sein mögen, daran zu erinnern, dass ich über eine Praxis spreche, die die meisten Leute als eine Form von Meditation ansehen.

In diesen Fällen verwende ich das Wort Meditation als einen Sammelbegriff, um das Stillsitzen in dieser Form, wie das, nun ja, halt Meditierende und so tun, abzudecken. Tut mir leid, dass ich hier total vage und fast pubertär rüberkomme, aber lass mich das ein wenig entwirren, vielleicht verstehst du dann den Grund. Der Wörterbuch-Funktion meines Textverarbeitungsprogramms zufolge bedeutet Meditation „den Geist von Gedanken leeren oder Konzentration des Geistes auf eine einzige Sache, um geistige oder spirituelle Entwicklung, innere Einkehr oder Entspannung zu fördern“. Das ist nicht Zazen – was die gleiche Wörterbuch-Funktion mir als „eine Form der Meditation im Zen, die in einer vorgeschriebenen Haltung sitzend ausgeübt wird“ beschreibt. Das ist tatsächlich eine gute Definition und eine angemessene Verwendung des Wortes Meditation, nämlich lediglich als ziemlich neutraler Begriff für eine allgemein bekannte Tätigkeit.

Doch die meisten Formen der Meditation sind ziemlich genau das, wofür sie die Leute von der Softwarefirma halten: Methoden, um den Geist zu leeren oder Konzentration aufzubauen, die sich auf irgendein spirituelles Ziel richtet. Zazen dagegen sieht insofern wie Meditation aus, als dass man aufrecht und mit übergeschlagenen Beinen dasitzt und dabei eine Wand anstarrt. Doch die Übung hat kein Ziel. Du versuchst nicht, deinen Geist von Gedanken zu leeren oder dich auf irgendetwas zu konzentrieren. Du erlaubst dem Denken, so abzulaufen, wie es das muss, ohne absichtlich weitere Zutaten in den Topf zu werfen. Das ist natürlich viel leichter gesagt als getan.

Zazen ist kein Mittel zu irgendeinem Zweck. Es ist keine Methode, um spirituelle Erleuchtung oder sonst irgendetwas zu erlangen. Es ist einfach, was es ist. Das ist ein echt kniffliges Thema. Anstatt also an dieser Stelle zu versuchen, eine umfassende Beschreibung davon zu liefern, was Zazen eigentlich ist, werde ich das Stück für Stück im Verlauf dieses Buches tun. Außerdem habe ich einen Anhang angefügt, in dem ich versuche, es etwas prägnanter zu erklären.

Das Obige ist auf jeden Fall lediglich eine Vorwarnung für dich, damit wir uns über ein paar Dinge im Klaren sind. Aber jetzt lass uns mit der Diskussion über Sex anfangen. Denn dafür hast du ja schließlich bezahlt!

Im April 2009 hielt ich einen Vortrag an einem Ort namens Casa Del Popolo in Montreal. Ich hatte dort ungefähr vier Jahre vorher schon mal einen Vortrag gehalten. Das war ein ziemlich angespannter Auftritt gewesen. Und ein merkwürdiger dazu. Ich war nie zuvor dort gewesen, und man hatte mir gesagt, der Laden sei ein Kaffeehaus. Doch als ich dort ankam, trank das Publikum Bier und Wein und rauchte Zigaretten. Das ist, wie ich in Erfahrung brachte, in Kaffeehäusern in Montreal so üblich. Mais sacré bleu! Ich hatte noch nie an einem Ort über Zen geredet, wo die Leute sich betranken. Ich war mir nicht sicher, was für Reaktionen ich an einem solchen Ort erhalten würde.

Ein Typ im hinteren Bereich wirkte verärgert über ein paar Dinge, die ich sagte. Von der Bühne aus konnte ich sehen, dass er sich aufregte, während ich sprach. Als ich den Vortrag für Fragen und Antworten freigab, war er der Erste, der seine Hand hob. Er sagte: „Behauptest du, dass es keinen Unterschied zwischen der Wahrheit gibt und dem, was wahr ist?“ Deswegen schien er ziemlich angenervt zu sein. Doch ich verstand die Frage nicht so ganz. Das machte ihn sogar noch wütender. Ich dachte, er würde die Bühne stürmen und mich verdreschen.

Doch das tat er nicht. Ich antwortete, so gut ich konnte – ich glaube, ich sagte irgendwas in der Richtung, dass es in der Philosophie des Zen keine Trennung zwischen der Großen Ultimativen Wahrheit und den kleinen Dingen gibt, die gerade jetzt wahr und gegeben sind – und ging dann zu der nächsten Frage über. Nach dem Auftritt wartete der Typ auf mich, was mich beunruhigte. Doch wir quatschten bloß ein Weilchen. Ich bekam seine E-Mail-Adresse. Wir mailten eine Weile lang hin und her, und dann hörte ich nichts mehr von ihm.

Doch eine Menge Leute, die zu dem Vortrag im April kamen, erinnerten sich an den Typen und den Vorfall, der so viele Jahre zurücklag. Sie sagten ständig Sachen wie: „Ich bin ja mal gespannt, ob dieser Typ wieder hier sein wird.“ Ich war selbst ein wenig besorgt. Ich wusste ja nicht, ob er ein stadtbekannter Psychopath oder so was Ähnliches war.

Dieses Mal lief die Veranstaltung jedenfalls ganz gut. Doch an der Tür stand ein Typ mit einem leicht trotzigen Ausdruck in den Augen. Er sah ein wenig so aus wie der Typ von vor ein paar Jahren. Vielleicht war er es auch. Jedenfalls war er einer der Ersten, der seine Hand hob, als die Frage-und-Antwort-Runde losging.

„Dürfen Buddhisten sich einen runterholen?“, fragte er.

„Es wird ihnen sogar empfohlen!“, antwortete ich.

Es war eine merkwürdige Frage, und ich komme sofort zu meiner vollständigen Antwort. Doch es war unter anderem jene Frage, die mich dazu inspiriert hat, ein Buch über Buddhismus und Sex zu schreiben. Denn als ich diese Frage beantwortete, tat ich letzten Endes genau das Gleiche, was jedes mir bekannte Buch, welches sich mit dem Thema Buddhismus und Sex beschäftigte, auch tat: Ich kaute die Geschichte der buddhistischen Regeln für Mönche und Nonnen in Bezug auf Sex wieder.

Kurz und knapp sieht die Geschichte des Sex im Buddhismus in etwa wie folgt aus: Die ersten monastischen Buddhisten lebten im strengen Zölibat. Buddhisten durften sich damals nicht selbst befriedigen und erst recht keinen Sex mit irgendwelchen Personen, Tieren oder himmlischen Wesen haben – Letzteres wurde damals tatsächlich als möglich angesehen, also musste es auch angesprochen werden. Als der Buddhismus Tibet erreichte, änderten sich die Dinge drastisch, und zwar so sehr, dass eine bestimmte Sekte begann, Sex als eine Form von Meditation zu gebrauchen. Als der Buddhismus dann nach China gelang, wurde alles noch vielfältiger. Die meisten chinesischen Klöster zogen das Zölibat vor, doch es gab zahlreiche namhafte Ausnahmen. Als dann später der Buddhismus nach Japan übersiedelte, verkündete die Regierung, dass buddhistische Mönche legal heiraten dürften. Dann wanderte der Buddhismus nach Europa und Amerika, und alles drehte völlig durch.

Oder vielleicht auch nicht. Womöglich arrangieren wir uns endlich mit etwas, mit dem sich die ganzen anderen Leute nie wirklich auseinandergesetzt hatten. Die Frage, die der Typ gestellt hat, ist wichtig und geht mich was an – und ich nehme mal an, dich auch. Wie ich schon sagte, es gibt bessere Bücher, die du lesen kannst, wenn du etwas darüber wissen willst, wie im Buddhismus im Laufe der Geschichte mit Sex umgegangen wurde. Doch mir sind keinerlei Bücher bekannt, die sich mit der Frage befassen, wie moderne Buddhisten damit umgehen.

Bei dem Versuch, mich mit dem wahren buddhistischen Weg der Sexualität auseinanderzusetzen, habe ich wesentlich mehr Interesse daran, wie westliche Buddhisten des 21. Jahrhunderts mit Sex umgehen, als daran, was die Alten taten. Einigen Lesern mag das komisch vorkommen. Wir sind die Vorstellung gewohnt, der beste Weg, zu verstehen, was eine Religion wirklich bezüglich irgendeiner Angelegenheit vorschreibt, sei, zurück zu ihren ältesten Texten zu gehen und in Erfahrung zu bringen, was die Gründer jener Religion dazu sagten. Wenn wir etwas über die richtige christliche Haltung zum Sex wissen wollen, ziehen wir die Bibel zurate, insbesondere die unmittelbaren Worte Christi. Wollen wir wissen, wie ein guter Muslim mit Sex umgehen soll, schlagen wir einfach den Koran auf und schauen nach, was Mohammed zu diesem Thema zu sagen hatte. Wenn wir also wissen wollen, welche Sichtweise Buddhisten in Bezug auf das Sexualverhalten haben sollten, wäre wohl der beste Weg, herauszufinden, was Buddha selbst dazu zu sagen hatte, oder?

Nun ja, nicht wirklich. Buddha selbst sagte im Kalama Sutra:

Verlasst euch nicht auf den Lehrer, sondern auf die Lehre. Verlasst euch nicht auf die Worte der Lehre, sondern auf den Geist der Worte. Verlasst euch nicht auf Theorie, sondern auf Erfahrung. Glaubt nicht einfach irgendwas, bloß weil ihr es gehört habt. Glaubt nicht an Überlieferungen, weil sie über viele Generationen weitergereicht wurden. Glaubt nicht irgendetwas, nur weil viele darüber sprechen und Gerüchte verbreiten. Glaubt nicht irgendetwas, weil es in euren heiligen Schriften steht. Glaubt nicht einfach irgendetwas aufgrund der Autorität eurer Lehrer und Ältesten. Doch wenn ihr nach Beobachtung und Prüfung feststellt, dass etwas der Vernunft entspricht und zum Wohlergehen und Nutzen des Einzelnen und der Gemeinschaft beiträgt, dann nehmt es an und lebt danach.

Buddha gab uns also völlig andere Kriterien an die Hand als jede andere Religion, um feststellen, was echter Buddhismus ist und was nicht. Wenn wir Buddhas Worte über seine Philosophie annehmen, reicht es offensichtlich nicht einfach aus, sich die Geschichte anzuschauen, nicht einmal die ältesten Schichten. Es reicht ebenso wenig aus, für bare Münze zu nehmen, was große buddhistische Lehrer gesagt haben – oder gar lausige buddhistische Lehrer wie ich. Wenn wir wissen möchten, wie man sich in Bezug auf Sex angemessen und moralisch verhält, können wir uns nicht auf Lösungen verlassen, die für andere Kulturen und andere Zeiten vorgesehen waren.

Genau die Frage, ob Buddhisten sich einen runterholen dürfen, war für mich tatsächlich von großer Bedeutung, als ich damals mit diesem Zen-Zeug anfing. Ich war ein Erstsemester im College und mit einer Frau zusammen, die sich selbst als wiedergeborene Christin bezeichnete. Das ist eine sehr lange Geschichte. Frag nicht. Auf jeden Fall hatte sie strenge Ansichten zu eigentlich so gut wie allem, einschließlich Selbstbefriedigung. Sie hielt es zwar nicht zwingend für sündig, obwohl sie das wahrscheinlich dabei im Hinterkopf hatte. Aber sie sah es als eine Art von Fremdgehen an.

Ihre Ansicht gründete sich auf das berühmte Bibelzitat, welches besagt, dass Lust im Herzen zu verspüren das Gleiche sei wie Ehebruch zu begehen. Was mich anging, so glaubte ich zwar nicht wirklich an Gott im Sinne eines gigantischen weißen Mannes auf einem Thron im Himmel, der über unsere Handlungen richtet, aber hielt es schon für möglich, dass irgendwo da draußen eine kosmische Skala existierte, an der Tugendhaftigkeit gemessen würde. Was ich damit meine, ist, dass ich dachte, es gäbe vielleicht ein absolutes Maß für richtiges und falsches Handeln, und ich nahm an, dass die Bibel möglicherweise eine Informationsquelle bezüglich dieses absoluten Maßstabs von richtig und falsch sein könnte. Also war Selbstbefriedigung vielleicht dasselbe wie sexuelle Untreue.

Soweit ich weiß, waren meine Eltern das reinste Musterbeispiel für sexuelle Treue. Sie waren seit der High School zusammen gewesen und blieben es bis zu dem Zeitpunkt, an dem meine Mutter im Jahr 2007 starb. Sollten sie einander jemals betrogen haben, so wusste ich nichts davon und müsste und wollte sogar nichts davon wissen. Doch während der ganzen Zeit, in der sie zusammen waren, hörte ich nicht einmal ein Gerücht darüber, dass irgendeiner der beiden untreu wäre. Deshalb war mir die Idee sexueller Treue sehr wichtig. Wenn die Bibel Recht hatte, dann steckte ich in großen Schwierigkeiten! Doch dann begann ich, mich zu fragen: Was, wenn es andere Informationsquellen darüber gab, was richtig und falsch war?

Vom Buddhismus fühlte ich mich aus einer ganzen Reihe von Gründen angezogen. Eine der Sachen, die ich mir dort zu finden erhoffte, war ein Weg, die wahre Natur und den wahren Inhalt dieses absoluten Maßstabs von richtig und falsch, an dessen mutmaßliche Existenz ich glaubte, zu ermitteln.

Ich entdeckte, dass die Frage, was im Buddhismus sexuell akzeptabel ist und was nicht, genau genommen ein kleiner Teil einer wesentlich größeren Angelegenheit ist. Es geht dabei um Moral, die von Buddhisten „Rechtes Handeln“ genannt wird. In der westlichen Kultur geht es bei vielen unserer Fragen zu moralischem Handeln um Sex. Wir westlichen Menschen neigen dazu, es als selbstverständlich anzusehen, dass all unsere Entscheidungen, die sexuelles Handeln betreffen, eine recht gewichtige moralische Tragweite besitzen. Wir glauben so stark daran, dass wir uns sogar fragen, ob selbst unsere Gedanken an Sex moralische Angelegenheiten sind oder nicht.

Doch in asiatischen Kulturen wird Sex als moralischer Angelegenheit traditionell wesentlich weniger Beachtung geschenkt. Das soll jetzt nicht heißen, dass es dort nichts als freie Liebe und Orgien gäbe. Doch die asiatische Einstellung zum Sex ist schon immer viel freier – oder zumindest unbeschwerter – gewesen als die westliche. Buddhismus, als asiatischer Import, hat daher eine Beziehung zum Sex, die völlig anders ist als diejenige, die man im Christentum, im Judentum oder im Islam vorfindet.

Der Schlüsselaspekt, in dem sich die buddhistische Einstellung zum Sex grundlegend unterscheidet, ist, dass das Konzept der Sünde im Buddhismus nicht existiert. Ich werde das in diesem Buch immer wieder erwähnen, so oft, bis du es wahrscheinlich einfach nicht mehr hören willst. Doch es ist wirklich das zentrale Problem.

Bei uns Westlern ist unser Glaube an die Sünde so tief verwurzelt, dass wir dazu neigen, Sünde als etwas Echtes, tatsächlich Vorhandenes anzusehen, selbst wenn wir nicht tiefreligiös sind. Sogar dann, wenn wir selbst nicht zwingend an Sünde glauben, ist der Glaube an Sünde so tief in unsere Kultur eingeschliffen, dass wir ihm einfach unmöglich entkommen können. Selbst wenn wir erfahren, dass es dieses Konzept im Buddhismus nicht gibt, sitzt unser Glaube daran so tief, dass wir trotzdem versuchen, es zu finden. Es ist nicht so, dass wir vergessen, was man uns erzählt hat. Wir sehen es einfach nur als dermaßen selbstverständlich an, dass Sünde tatsächlich existiert, dass wir unabsichtlich immer und immer wieder zur gleichen Vorstellung zurückkehren.

Ich sage das, weil ich das selbst auch tue, und das ist merkwürdig, da ich mehr oder weniger ohne Religion aufgewachsen bin. Meine Familie war weder antireligiös noch atheistisch. Ihr ging beides einfach nur völlig am Arsch vorbei. Ich wurde dazu erzogen, zu glauben, dass es meine Sache wäre, zu glauben oder nicht zu glauben, was auch immer ich wollte. Als Kind bekam ich keinerlei religiöse Schulung oder Unterricht. Wenn ich also feststelle, dass ich auf vieles, das mir im Buddhismus begegnet, mit einem sehr tief sitzenden Glauben an die tatsächliche Existenz von Sünde reagiere, kann ich mir kaum vorstellen, womit Leute aus einem religiöseren Umfeld zu kämpfen haben.

Darüber hinaus ist die westliche Kultur von der religiösen Sicht durchdrungen, dass Sex als solcher eine Sünde sei. Ob es sich nun um guten oder schlechten Sex handelt, in gegenseitigem Einvernehmen oder nicht, innerhalb des heiligen Bundes der Ehe oder außerhalb davon (was man damals „in Sünde“ nannte) der Geschlechtsakt selbst wird als sündiges Handeln angesehen. Es ist schwer zu sagen, warum das so ist. Soweit ich weiß, bezeichnet die Bibel Sex an und für sich nicht als Sünde.

Es ist nicht wirklich wichtig, wie wir als Kultur zu der Vorstellung gelangt sind, Sex sei sündig. Vielleicht leiten wir das aus der Tatsache ab, dass Lust in der Bibel als sündig bezeichnet wird und es schwer ist, Sex zu haben, ohne zumindest ein klein wenig Lust zu empfinden. Jedenfalls hab ich das nie hinbekommen! Wirklich wichtig ist, dass die meisten von uns in dieser Kultur den Glauben hegen, dass Sex gleich Sünde sei, auch wenn dieser Glaube sehr tief verborgen liegen kann.

Doch um wieder zu dem einleitenden Kram zurückzukehren, den ich sagen wollte, bevor wir uns eingehender mit diesen Fragen beschäftigen, muss ich dich außerdem davon in Kenntnis setzen, dass du, selbst wenn du auf der ganzen Welt danach suchen würdest, absolut niemanden finden könntest, der weniger geeignet wäre als ich, ein Buch über Buddhismus und Sex zu schreiben.

In Bezug auf Sex stellen sich die meisten Leute unter einem idealen buddhistischen Meister eine Person vor, die so erleuchtet und selbstbeherrscht ist, dass Gedanken an Sex nur selten in ihrem keuschen und unbefleckten Geist aufkommen. Bei jenen seltenen Gelegenheiten, in denen solche Gedanken emporsteigen, wendet er seine spirituelle Sicht erhabeneren Angelegenheiten zu, und die unreinen Triebe fallen zusammen wie eine Erektion um vier Uhr morgens, wenn du zwischen den Sendern hin und her zappst und nach einem Telefonsex-Spot bei Werbung für „Sweatin’ to the Oldies“ landest.

So bin ich nicht. Absolut nicht.

Im Grunde genommen bin ich ein geiler Bock. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass Gene Simmons von KISS schon immer so eine Art Held für mich war. Mittlerweile ist er für mich bei Weitem nicht mehr so ein großer Held wie zu meinen Teenager-Zeiten, aber ich mag ihn immer noch. Gene war ein Rockstar, der weder rauchte, trank noch andere Drogen nahm – Aktivitäten, die auf mich ebenfalls keinen Reiz ausüben. Doch Gene war ein Sexbesessener und ist es sämtlichen Berichten zufolge auch heute noch. Während Leadgitarrist Ace Frehley und Schlagzeuger Peter Criss ihren Körper und Geist mit Sprit und Pharmazeutika zerstörten, gab sich Gene stattdessen der Vögelei hin und brachte es dabei auf viertausend gemeldete sexuelle Eroberungen diverser Formen und Größen. Offenbar fickte er alles mit zwei Löchern. Einer von Genes Bandkollegen sagte über ihn: „Schon mal was vom Bestienbändiger gehört? Gene ist der Bestienficker!“

Das konnte ich nachempfinden. Ich stelle mir vor, dass ich genauso gewesen wäre, wenn irgendeine meiner Rockbands jemals Erfolg gehabt hätte – wobei ich gerne glauben möchte, dass ich ein kleines bisschen wählerischer gewesen wäre und mir die Bestien erspart hätte. Wenn ich die Chance auf ein Leben mit Sex, Drogen und Rock and Roll gehabt hätte, hätte ich aufs Heftigste dem Sex gefrönt – und natürlich dem Rock and Roll. Aber ich bezweifle, dass ich jemals ein Junkie geworden wäre.

Sex ist schon immer mein Hauptlaster gewesen, meine hauptsächliche Versuchung. Ich habe sie kontrolliert, indem ich monogame Langzeitbeziehungen einging, in denen mein Sexualtrieb im Zaum gehalten wurde. Und trotzdem habe ich mein Leben verdammt rückwärtsgewandt gelebt. Meine Zwanziger und Dreißiger verbrachte ich in gezähmter Monogamie, und erst seit ich mich in meinen Vierzigern befinde, bin ich plötzlich – nicht aus eigenem Antrieb – von der Leine gelassen, und mir steht frei, mich auf eine Weise sexuell auszutoben, über die die meisten Leute bereits hinweg sind, wenn sie ihre Zwanziger hinter sich haben.

Was du also lesen wirst, wenn du dich entscheidest, dieses Buch weiterzulesen, wird das Produkt meiner eigenen Bemühungen sein, Sex in den Griff zu bekommen, und wie ich als buddhistischer Lehrer damit umgehen soll.

Sex und Spiritualität sind seltsame Bettgenossen. Die meisten spirituellen Praktiken sind nicht sonderlich sexbejahend. Und ein paar sind ein wenig zu sexbejahend, so sehr sogar, dass sie ein wenig unheimlich sind. Oder sehr unheimlich.

Doch Buddhismus ist keine Form von Spiritualität. Das überrascht dich vielleicht, da du dieses Buch wahrscheinlich in der Abteilung für Spiritualität deines örtlichen Buchhändlers gefunden hast. Vielleicht sollten wir damit also erst mal aufräumen.

Die Geschichte der Philosophie war auf der ganzen Welt ein Ringen zweier wesentlicher Grundsysteme – Idealismus und Materialismus. Spiritualität ist eine Form von Idealismus. Sie nimmt den Standpunkt ein, dass die spirituelle Welt, die Welt der Ideen, der Vorstellungskraft und geistigen Formationen, die wahre Wirklichkeit sei. Materie wird bestenfalls als sekundär oder manchmal sogar als nicht existent angesehen. Wir sind Geister, die in Körpern aus grober Materie gefangen sind – und einige Körper sind um einiges gröber als andere. Der Weg zur Glückseligkeit ist, den Idealisten zufolge, sich von dieser materiellen Welt und ihrem Elend zu befreien.

In vielen östlichen Philosophien wird einem erzählt: „Ich bin nicht dieser Körper. Ich bin die spirituelle Seele darin.“ Was die Leute im Westen heutzutage oftmals als Buddhismus ansehen, ist tatsächlich bloß ein Mischmasch aus ein paar Dutzend östlichen philosophischen Traditionen. Daher denken die Leute oft, dass dies auch beim buddhistischen Glauben der Fall sei. Doch die Vorstellung, dass wir in Körpern gefangene Seelen seien, ist überhaupt keine buddhistische Ansicht.

Die Materialisten sehen dagegen die Materie als vorrangig an und den Geist entweder als nicht existent oder zumindest als nebensächlich. Was wir als unsere Seele empfinden, sagen sie, seien lediglich die Mechanismen einer hochgradig komplexen biologischen Maschine. Wir alle sind bloß Tiere. Die Marxisten versuchten, einen vernünftigen Weg zu finden, damit umzugehen, indem sie den materiellen Reichtum gerecht verteilten, sodass jeder beste Chancen auf ein gutes Leben haben konnte. Oder zumindest behaupteten sie, dass sie das täten! Die radikaleren Materialisten vertreten die Meinung, dass der einzige Weg, glücklich zu sein, darin bestehe, sich selbst so viel Geld, Sex und Macht zu verschaffen wie möglich und auf die Mitmenschen zu scheißen. Es gibt keine Seele. Es gibt kein Leben nach dem Tod. Es gibt keinen Gott. Es gibt keinen Grund dafür, moralisch zu sein, sagen sie, da die materielle Welt nicht in solchen Begriffen funktioniert.

Buddha erforschte diese beiden Ideen und befand sie als mangelhaft. Er war als Prinz geboren worden und verbrachte den ersten Teil seines Lebens damit, sich dem praktischen Studium des Materialismus zu widmen. Er hatte alles, was er sich überhaupt nur hätte wünschen können – Geld, heiße Bräute, Macht. Ins Thema „Heiße Bräute“ dringen wir später in diesem Buch noch etwas tiefer ein. Doch diese Dinge machten ihn nicht glücklich. Also brach er in die entgegengesetzte Richtung auf, um herauszufinden, ob sich dort Glückseligkeit finden ließe. Er widmete sich diversen spirituellen Praktiken, wie zum Beispiel dem Fasten, und erreichte deren höchste Ziele. Er versetzte sich in einen enormen spirituellen Rauschzustand, doch dabei zerstörte er beinahe seinen Körper. Das war auch nicht das, was er wollte. Erst, als er beide Extreme verwarf und den Mittleren Weg fand, begann er damit, die Philosophie zu lehren, die nun seinen Namen trägt.