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Stille
des Herzens

Herausgegeben vom

The Infinity Institute

Acropolis Books, Inc.

Titel der Originalausgabe

„Silence Of The Heart“,

erschienen 1997 im Eigenverlag

Übersetzung:

Marianne Savita Nentwig

© J. Kamphausen

Mediengruppe GmbH, Bielefeld 2001

info@j-kamphausen.de

Lektorat: Hans-Jürgen Zander

Typografie und Satz:

Wilfried Klei

Umschlag-Gestaltung:

Wilfried Klei

www.weltinnenraum.de

Teil 2 - 5. Auflage 2013

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Print 978-3-933496-50-8

ISBN E-Book 978-3-89901-059-6

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Stille des Herzens

Dialoge mit Robert Adams

Teil 2

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Marianne Savita Nentwig

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IN LIEBEVOLLER ERINNERUNG AN UNSEREN GELIEBTEN ROBERT,

DER DIE GESAMTE LEHRE IN SEINEM LÄCHELN ÜBERMITTELTE.

21. JANUAR 1928 - 2. MÄRZ 1997

Sie sagen, dass ich sterbe, aber ich gehe nicht fort.
Wo könnte ich hingehen?
Ich bin Hier.

Sri Ramana Maharshi

Roberts Anwesenheit auf dieser Erde war das größte Geschenk des Universums. Er war Stille. Er war Liebe. Er war Sein. Seine Einfachheit und seine Anmut waren seine Lehre. Sein unendliches Verstehen beinhaltete alles, gab ihm wundervollen Humor, Aufrichtigkeit, Mitgefühl. Robert war jedermanns bester Freund. In seiner Gegenwart wurde jeder zum Kind, zu dem Kind, das er in der Kindheit nie sein durfte. Unschuldig, offenherzig, natürlich und einfach. Nichts anderes konnte vor ihm bestehen bleiben. Die Fülle seiner Präsenz ließ keinen Platz für irgendetwas anderes, keinen Verstand, keine Vergangenheit, kein Gebundensein. Befreiung von allem außer Hier und Jetzt. Das war seine Gnade.

In die endlose Leere seiner Augen schauend sagte ich: „Robert, es macht dir nichts aus, oder?“ Er antwortete: „Steck einfach ein Fünfcentstück in meine Ohren, um meine Augen offen zu halten.“ Was für ein gewöhnlicher Mensch und dabei so außergewöhnlich! Die Köstlichkeit seiner Leere! Frei von Beurteilungen und Meinungen liebte er bedingungslos. Ich liebte es, wie er jeden auf die gleiche Weise liebte. Diese Freude seiner bedingungslosen Liebe machte jeden offen. Man konnte sehen, dass jeder Gedanke und jedes Gefühl im eigenen Verstand entstehen und darum so leicht fallengelassen werden können. Wir sind frei. Wir denken nur, wir seien es nicht. „Robert“, fragte ich, „bin ich deswegen nicht frei, weil ich denke, ich bin es nicht?“ Er antwortete und sah mir dabei direkt in die Augen: „Weil du denkst.“

Es gibt nichts zu verstecken, nichts zu sein, nichts zu tun. Keine Regeln oder Vorschriften. Bedingungslose Liebe. Offenbarung und Verstehen, das über Verstehen hinausgeht.

Er erzählte die Geschichte unseres Leidens und zeigte uns den Weg heraus. Es gab nichts, was er nicht verstand. Wenn wir uns an seine Worte, sein Leben, seine Art, sein Gehen, sein Sprechen, seine sanften Hände, seinen Humor, seine Augen erinnern, dann sind wir frei, mit ihm in Freiheit. Denn das war er – Freiheit. Kein Name, keine Form, keine Begrenzung. Kenne dein Selbst und kenne Robert als das, was er ist und bleibt. Kenne dein Selbst und sei frei! Frei ohne Getrenntsein.

Wir erinnern uns an Robert in Freiheit. Die Freiheit, die er war und immer bleiben wird. Die Freiheit, die wir sind. Die Freiheit des ICH BIN. Robert hatte selten Vorlieben, er floss mit dem Strom des Lebens.

…Und wieder lässt er uns mit uns selbst, nach innen schauend.

Ananda Devi

Das Erste, was du dir vergegenwärtigen solltest, ist: Du wirst nie verschwinden oder sterben, weil du nie geboren wurdest. Du hast immer als Bewusstsein existiert und wirst immer als Bewusstsein existieren.

Nachdem du erwacht bist, was passiert mit dir, wenn du stirbst? Wohin gehst du? Wenn du aufwachst, bleibst du einfach, wo du bist. Du gehst nirgendwohin und kommst von nirgendwo zurück. Du bist einfach. Du bist das Selbst, du bist Allgegenwärtigkeit.

Robert Adams

Einige Leute sagen zu mir:

„Robert, warum sprichst du nicht
einfach immer nur die höchste Wahrheit?“
und andere sagen: „Robert, sprich bitte so,
dass ich verstehen kann, wovon du redest.“
Das ist das Dilemma.
Somit tue ich, was immer ich tun muss.
Ich plane nichts.
Alles ist unvorbereitet.
Ich probe nicht.
Ich schreibe nichts nieder.
Ich sage nur, was aus mir herauskommt.

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Dieses Buch ist der Lehre von Robert Adams gewidmet. Viel Mühe wurde darauf verwendet, seine Worte genauso wiederzugeben, wie er sie im Satsang (1991-1993) gesprochen hat. Die Tonbandaufnahmen wurden abgeschrieben, gesichtet und dann bestimmten Themen zugeordnet.

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„Er sieht das Unendliche Selbst in allem,
und alles im Unendlichen Selbst, seinem Sein.

- Robert Adams

BEKENNTNIS DES JNANI

von Robert Adams

Für den Jnani, der sein inneres Wesens als identisch
mit dem endlosen Brahman erkannt hat,
gibt es keine Wiedergeburt, keine Seelenwanderung und keine Befreiung.
Er ist jenseits von all dem.
Er lebt beständig in seiner eigenen absolut wahren Natur.
Der Fortbestand seines Körpers und der Welt
erscheint dem Jnani als Illusion,
die er nicht verhindern,
die ihn aber nicht länger täuschen kann.
Nach dem Tod seines Körpers wie auch im Leben
bleibt er, wo und was er in alle Ewigkeit ist,
das erste Prinzip aller Wesen und aller Dinge:
Formlos, namenlos, unbefleckt, zeitlos, dimensionslos
und absolut frei.
Der Tod kann ihn nicht berühren, Verlangen kann ihn nicht quälen,
Sünden können ihn nicht beflecken;
er ist frei von allem Wünschen und Leiden.
Er sieht das Unendliche Selbst in allem,
und alles im Unendlichen Selbst,
welches sein Wesen ist.

Der Jnani bekennt seine Erfahrung so:

Ich bin unendlich, unvergänglich,
selbstleuchtend, selbstexistierend.
Ich bin ohne Anfang und Ende.
Ich bin nicht geboren, sterbe nicht, bin ohne Veränderung oder Verfall.
Ich durchdringe und durchschaue alle Dinge.
In den unzähligen Universen von Gedanken und Schöpfungen

BIN NUR ICH ALLEIN.

ROBERT ADAMS

SELBST-VERWIRKLICHUNG

Es gibt keine Fehler

Jetzt in diesem Moment bist du total frei

Lasse alles sein

Wer wird erleuchtet?

Freiheit

DIE DREI TUGENDEN

Mitgefühl

Demut

Dienen

DIE VIER PRINZIPIEN DES JNANA MARGA

Eine Vision

Prinzip Nummer Eins

Prinzip Nummer Zwei

Prinzip Nummer Drei

Prinzip Nummer Vier

Du bist nicht die Welt

Du bist nicht deine Probleme

Was lehrt Jnana Marga?

Die drei Hilfsmittel für die Selbst-Verwirklichung

Drei Methoden auf dem Weg

GLÜCK IST DEINE WAHRE NATUR

Glück ist bedingungslos

Erkenne dich selbst; erfahre das Glück

Glück ist Hier und Jetzt

Verweile im Jetzt

SATGURU

Guru und Selbst-Verwirklichung

Liebe den Weisen; Liebe das Selbst

Wahre Liebe bedeutet Hingabe

Nur das Selbst existiert und du bist Das

Wer ist der Weise?

Selbst, jenseits von Verstand – Die Suche nach der Wahrheit

Guru, Gnade, Dienen und Befreiung

Die Notwendigkeit eines lebenden Gurus

Roberts Definition von Sucher, Schüler und Anhänger

MACH DEN GURU FERTIG

Ein Dialog mit Robert

STILLE DES HERZENS

Du bist die Stille, die Stille des Herzens

Das Selbst, das ich liebe, bist du

ERINNERE DICH

GLOSSAR

ROBERT ADAMS

Robert Adams ist ein amerikanischer selbst-verwirklichter Meister und direkter Schüler von Ramana Maharshi.

Er wurde am 21. Januar 1928 in New York geboren. Seine frühesten Erinnerungen gelten einem ca. sechzig cm großen, weißbärtigen Mann, der am Fußende seines Bettchens stand und in „Kauderwelsch“ zu ihm sprach. Dieser kleine Mann blieb bei ihm, bis er sieben Jahre alt war.

Dann entwickelte sich Robert zu einem Siddhi. Wann immer er irgendetwas wollte – Schokolade oder ein Musikinstrument oder Lösungen für Schulaufgaben – wiederholte er den Namen Gottes dreimal, und was immer er wünschte, es erfüllte sich.

Eines Tages im Alter von vierzehn Jahren bereitete er sich auf eine Mathematik-Arbeit vor und wiederholte auch diesmal wieder den Namen Gottes dreimal. Statt der Lösungen widerfuhr ihm ein totales Erleuchtungserlebnis, ein überwältigendes Satori, das ihn völlig veränderte. Die Welt war nicht länger real für ihn. Er sah nur noch sein Selbst, jene unveränderliche, alles durchdringende, alles beherrschende Quelle der Existenz. Alles, der Körper, die Welt, der Verstand waren nur noch Vorstellungen auf der Leinwand des unveränderlichen Selbst, ohne reale Existenz.

Er veränderte sich so sehr, dass seine Mutter glaubte, er werde verrückt. Er hatte kein Interesse mehr am Essen, an der Schule, an Büchern, an seinen Freunden oder an Hobbys. Er fühlte sich allein unter Menschen, mit denen er nichts mehr gemein hatte. Eines Tages entdeckte er das Buch: „Wer bin ich?“, von Ramana Maharshi. Als er Ramanas Foto darin sah, standen ihm vor lauter Schock die Haare zu Berge. Ramana war der kleine Mann, der ihn mit seinem „Kauderwelsch“ sieben Jahre lang unterhalten hatte! Jetzt war Ramanas Kauderwelsch völlig verständlich für ihn, weil Robert nun sein eigenes Selbst erfahren hatte.

Zwei Jahre nach seiner Erleuchtung verließ er New York, um mit Paramahansa Yogananda zu sein, der ihn sofort zu einem nahen Schüler und Freund machte. Robert wollte gerne Mönch werden in dem neuen „Self-Realization Fellowship“- Kloster in Encinitas. Yogananda machte ihm klar, dass dies nicht sein Dharma sei, sondern dass er zu Ramana Maharshi gehen sollte, der ebenfalls schon in jungen Jahren ein ähnlich spontanes Erleuchtungserlebnis gehabt hatte.

So reiste Robert zum Ramana Ashram nach Tiruvannamalai in Indien, wo er die letzten drei Jahre von Ramanas Leben verbrachte. Robert sagte: „Ramana hat mir die Augen für die Bedeutung meiner Erfahrung geöffnet.“

Nach Ramanas Mahasamadhi besuchte Robert gemäß einer alten Tradition von Sadhus und buddhistischen Mönchen während der nächsten siebzehn Jahre viele bedeutende Lehrer, um seine Erleuchtung zu überprüfen und sicherzugehen, dass sein Verstehen vollkommen war.

Wohin auch immer Robert reiste und für einige Monate blieb, wurde er entdeckt, und eine Gruppe von Schülern sammelte sich um ihn. Er hat sich immer dagegen gewehrt, auf diese Weise an einen Ashram oder eine Kommune gebunden zu sein. Er zog es vor alleine zu bleiben, in Stille.

Glücklicherweise hatte er vor einigen Jahren eine Vision, in der viele bedeutende Lehrer im Inneren eines Berges ähnlich dem Arunachala, an dem sich Ramanas Ashram befindet, zusammentrafen und miteinander verschmolzen. Er zog daraus den Schluss, dass es an der Zeit sei, sich niederzulassen und eine kleine Gruppe aufrichtiger Schüler anzunehmen, an die er sein Wissen weitergeben konnte.

Für viele war es ein Glück, dass Robert Sedona als sein Zuhause gewählt hatte. Einen wahren Meister so nahe zu erfahren ist allerdings ein großes Glück für alle, die wahrhaftig die größtmögliche Glückseligkeit und die grundlegende Quelle aller Dinge suchen.

Satsang mit Robert Adams ist eine ganz besondere Gelegenheit, in Stille zu sitzen, den Namen Gottes zu singen und die Gnade und Präsenz eines großen Weisen erleben zu können.

Wie Robert oft gesagt hat, sind die drei schnellsten Wege zum Erlangen der Erleuchtung: Am Satsang teilzunehmen, in der Nähe eines großen Weisen zu sein und Selbst-Befragung zu praktizieren.

Wenn du ein ernsthafter Sucher bist und eine starke Herzensverbindung mit Robert hast, wird dein Leben nie mehr dasselbe sein. Türen werden sich öffnen. Wunder werden geschehen.

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SELBST-VERWIRKLICHUNG

Nichts in diesem Universum
wird dir sagen können, was du bist.
Es ist jenseits von Worten und Gedanken.
Mit deinem begrenzten Verstand
wirst du nie verstehen, wer du bist.
Also versuche es gar nicht erst.
Es funktioniert umgekehrt.
Wenn du wirklich aufhörst, darüber nachzudenken
oder wissen zu wollen, wer du bist,
wenn du aufhörst zu analysieren
und mit dem Versuch aufhörst, es herauszufinden,
dann wird sich die Wahrheit über dich offenbaren.

Sie ist jenseits aller Gedanken und Gefühle, die du je hattest.
Sie hat absolut nichts mit dir zu tun, so wie du jetzt bist.
Sie ist die Grundlage der gesamten Existenz.
Du kannst sie Gott nennen, wenn du magst.
Denke nicht an dich selbst als eine anthropomorphe Gottheit
getrennt von Gott.

Weil Gott ist, bist du.
Daher bist du, was Gott ist.
Es gibt keine Trennung.
Wache auf zu dieser Wahrheit.

ES GIBT KEINE FEHLER

Die meisten sitzen heute zu Hause und beobachten die Präsidentschafts-Debatten. Es sollte Jnani-Debatten geben, wo alle Jnanis der Welt auftauchen. Wer auch immer auftaucht, der verliert natürlich (Gelächter).

Wenn die Menschen nur das erste Prinzip der Selbst-Verwirklichung begreifen würden, welches heißt: Was immer bestimmt ist zu geschehen, wird geschehen, egal wie sehr du versuchst es aufzuhalten. Und was immer nicht geschehen soll, wird nicht geschehen, egal wie sehr du versuchst es geschehen zu lassen. Wäre es nicht wunderbar, wenn die Politiker diese Wahrheit verstehen würden? Man müsste sich über nichts sorgen, vor nichts Angst haben, es gäbe nichts zu erobern, nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren. Alles entfaltet sich wie es soll. Alles ist am rechten Platz. Es gibt keine Fehler. Alles ist wunderbar und schön so wie es ist.

Das kannst du nur anhand deines eigenen Lebens begreifen. Was immer du in dieser Inkarnation erleben und erfahren sollst, war bereits geplant, bevor du geboren wurdest. Und doch hast du absolut nichts damit zu tun, denn du bist nicht der Körper. Solange du glaubst ein Körper zu sein, denkst du, du seist jemand, jemand wichtiges. Oder du denkst, du seist ein Versager, was auch immer. Wenn du dich nur nach innen wenden und das eine Selbst sehen würdest, dann würdest du dich nie wieder darum sorgen, was mit dir geschieht. Denn du würdest erkennen, dass es kein Ich gibt, dem irgendetwas geschehen kann. Du bist in diesem Moment totale Freiheit, absolutes Gewahrsein. Aber du glaubst mir nicht. Du denkst, du bist der Körper, du bist der Handelnde. Denke an deine Erfahrungen heute und schau, ob du nicht glaubst, der Handelnde zu sein. Wie oft bist du heute ärgerlich geworden? Wie oft hast du dich heute klein und unbedeutend gefühlt? Wie oft hast du heute Angst gehabt oder geglaubt, dass irgendetwas nicht stimmt oder du nicht am richtigen Platz bist? Das zeigt dir, dass du glaubst, der Körper zu sein. Warum lässt du nicht einfach los und hörst auf, dir um deinen Körper Sorgen zu machen? Die Kraft, die den Weg kennt, wird sich um dich kümmern, so wie sie die Sonne scheinen, das Gras wachsen und die Äpfel am Baum wachsen lässt. Die Lebensmittel, die uns ernähren, alles wird uns liebevoll zur Verfügung gestellt. Habe Vertrauen.

Vertraue der Kraft, die den Weg kennt. Das ist der erste Schritt – totaler Glaube und totales Vertrauen in das Unendliche, das Eine. Du kannst es Gott nennen, wenn du magst. Es ist egal, wie du es nennst. Es ist in dir und außerhalb von dir. Es ist überall. Wende dich nach innen. Dort sind alle Antworten. Außen ist ein Traum, innen ist das Selbst. In Wirklichkeit gibt es kein Innen und kein Außen. Das dient nur zur Erklärung. Du musst dich nach innen wenden, weil du glaubst, du lebst außen. Wenn du dich wirklich nach innen wendest, wird schließlich das Innen und das Außen verschwinden. Alles wird verschwinden, wenn du nach innen gehst. Doch wenn du erwachst, wird alles so erscheinen wie jetzt, du bist nur nicht mehr Teil davon. Du wirst Dinge sehen wie jetzt auch, aber du wirst nicht länger davon zum Narren gehalten. Die Welt kann dich nicht mehr zum Narren halten, indem sie dir erzählt, dies ist gut, das ist schlecht, dies ist richtig und das ist falsch. Das hast du dann alles hinter dir.

Du richtest den Verstand auf sich selber. Wenn das geschieht, verschwindet er, denn er hat nie existiert. Aber solange der Verstand nach außen orientiert ist, bist du lebendig und mitten in der Welt. Und du machst alle möglichen Erfahrungen.

In der Schule haben sie uns beigebracht, extrovertiert zu sein, eine nach außen gerichtete Persönlichkeit zu werden. Und was hat es uns gebracht? Es hat uns alle zu Idioten gemacht. Schaut euch die Welt an, in der wir leben. Seht, was vor sich geht. Schaut unsere Repräsentanten an, die Regierungsbeamten, die Staatsbeamten. Das sind alles extrovertierte Leute. Uns wurde gesagt, introvertiert zu sein bedeutet, ein Einzelgänger zu sein und es zu nichts zu bringen. Zu was willst du es bringen? Wenn diese Leute nur erkennen würden, dass die Welt, in der sie spielen, nach dem Gesetz des Karma funktioniert. Mit anderen Worten: Jeder ist am richtigen Platz, wo immer er sein muss. Es gibt keine Fehler.

Also, diese Leute glauben nicht, dass sie nicht der Körper sind und dass die Welt nicht existiert. Sie glauben, es gäbe Körper und die Welt und das Universum. Sie sollten die Tatsache akzeptieren, dass Karma das Universum regiert und alle Erscheinungen karmisch sind. Darum sage ich immer, es gibt keine Fehler. Denn du bist genau da, wo du in Übereinstimmung mit dem Karma zu sein hast. Aber glaube nicht, du könntest dein Karma loswerden, denn dann hast du einen Kampf zu bestehen. Du musst darüber hinauswachsen und erkennen, dass Karma nie existiert hat und nicht wirklich existiert. Also wach einfach auf. Wache auf.

Warum nicht zu dieser Wahrheit aufwachen? Warum nicht zu der Tatsache aufwachen, dass du nichts werden musst? Es gibt keine Ziele zu erreichen. Du musst daran glauben, dass alles für dich vorherbestimmt und vorgezeichnet ist. Oder du glaubst, dass du ein Opfer der Umstände bist und durch Erfahrungen gehst, um Lektionen zu lernen. Es belustigt mich immer außerordentlich, wenn Leute mir erzählen, dass etwas in ihrem Leben geschieht und sie glauben, das sei die Lektion, die sie gerade lernen müssen. Oder dass es ihr Karma ist. Vergiss Karma. Vergiss alle Lektionen, die du glaubst lernen zu müssen. Niemand muss irgendwelche Lektionen lernen. Niemand muss durch karmische Erfahrungen gehen. Mach all dem ein Ende. Lasse es los.

Letzten Endes, für wen gibt es Karma? Für wen gibt es Erfahrungen? Nur für den Ich-Gedanken, für den Verstand, nicht für dich. Du bist strahlend und leuchtend. Du bist Absolute Realität, Brahman. Aber selbst diese Worte sind überflüssig, unnötig. Was bedeuten diese Worte – Absolute Realität, Brahman tatsächlich für dich? Sie sind nur Namen für die Absolute Realität, für das Selbst. Alles muss gehen. Die Absolute Realität muss gehen, das Selbst muss gehen. Es muss gehen, weil du mit deinem begrenzten Verstand daran denkst. Jede Antwort, die von dort kommt, ist falsch. Erinnere dich immer daran: Der begrenzte Verstand kann das Unendliche nie begreifen. Es ist unmöglich. Und daran kannst du absolut nichts ändern. Deshalb wird der weise Mensch ruhig, still.

Die meisten haben ein bestimmtes Verstandesmuster, und das zu verändern ist sehr schwierig. Das ist das Einzige, was uns hindert, die Realität zu sehen. Solange dein Verstand festgelegt ist, befindet er sich in Übereinstimmung mit dem Universum und der Welt, und du siehst Dinge so wie sie erscheinen, aber nicht wie sie sind. Du schaust aus dem Fenster und siehst einen schönen Baum, den schönen Himmel, den Wald, einen See. Hört sich gut an. Du schaust in eine andere Richtung und siehst Tumulte, Unmenschlichkeiten, Zerstörung, Erdbeben. Wie bringst du das zusammen? Schau dir dein eigenes Leben an. Du durchlebst gute und schlechte Zeiten und daher weißt du genau, was du erfahren möchtest. Du willst die guten Zeiten, nicht die schlechten. Doch dabei übersiehst du, wo es gute Zeiten gibt, gibt es auch schlechte Zeiten. Und wo es schlechte Zeiten gibt, gibt es auch gute Zeiten. Du kannst nicht nur eines davon haben, niemals.

Um euch ein Beispiel zu geben, hier die Geschichte von den beiden Fröschen. Es waren einmal zwei Frösche. Die sprangen unbeabsichtigt in einen Milchbottich. Einer war ein dünner, der andere ein fetter Frosch. Und sie kamen nicht mehr heraus. Sie paddelten umher, die Wände waren glitschig, und der fette Frosch sagte zum dünnen Frosch: „Bruder Frosch, es hat keinen Sinn mehr, weiter herum zu strampeln. Wir werden sowieso untergehen, also kann ich auch gleich aufgeben.“ Der dünne Frosch sagte: „Mach weiter, Bruder Frosch, paddele weiter. Jemand wird uns hier herausholen.“ Und sie paddelten stundenlang. Und wieder sagte der fette Frosch: „Bruder Frosch, ich werde total müde. Ich gebe einfach auf und ertrinke. Niemand wird uns hier jemals befreien. Es ist Sonntag, keiner arbeitet. Wir sind verloren. Es gibt keine Möglichkeit, hier je herauszukommen.“ Doch der dünne Frosch sagte: „Paddele weiter. Paddele weiter. Irgendetwas wird passieren, paddele einfach weiter.“ Weitere Stunden vergingen, und der fette Frosch sagte: „Ich kann nicht mehr weiter. Es macht auch keinen Sinn mehr, weil wir sowieso ertrinken werden. Was soll das alles?“ Und er ließ los, er gab auf. Er ertrank in der Milch. Aber der dünne Frosch paddelte weiter. Zehn Minuten später spürte er etwas Festes unter seinen Füßen. Er hatte die Milch zu Butter verarbeitet und konnte aus dem Bottich springen.

So ist es auch mit uns. Wir gehen durch so viele Erfahrungen im Leben. Wir denken, es gäbe keinen Ausweg. Wir glauben, wir seien menschlich und im Maya gefangen. Wir müssten durch bestimmte Erfahrungen gehen und leiden und glücklich sein und alle möglichen Dinge tun. Aber ich möchte die Wahrheit mit euch teilen, dass es kein Maya gibt, kein Universum. Nichts ist so wie es erscheint. Es ist nur dein Verstand, der all diese Umstände erschafft, und dein Verstand existiert nicht einmal.

Du glaubst mir nicht. Du willst, dass ich über Karma und Reinkarnation spreche. Du willst in alle möglichen Aspekte des Universums eintauchen. Du willst vielsagende Vorträge darüber hören, wie wir gerettet werden. Aber es gibt niemanden zu retten. Denn niemand hat je existiert. Und doch fühlst du dich menschlich, nicht wahr? Du gehst durch Erfahrungen, nicht wahr? Wenn du nur lernen würdest, still zu bleiben, ruhig zu sein, nicht mehr auf das Universum, auf die Welt, auf Situationen, auf das Leben zu reagieren. Wir geben allem einen Namen, das ist das Problem. Wir sagen, das ist Krebs, das ist Armut, das ist ein Erdbeben, das sind eine Million Dollar, das ist ein neues Haus, das ist ein neues Auto, das ist Krieg, das ist ein Hund, das ist eine Katze. Wir haben für alles Namen. Was wäre, wenn wir all diese Namen vergessen würden? Und wenn wir aufhören würden, Dinge als etwas zu sehen? Was wäre, wenn wir Dinge einfach beobachten und wahrnehmen würden, ohne ihnen einen Namen zu geben, ohne zu einem Ergebnis zu kommen? Was meinst du, würde passieren? Du würdest alles transzendieren.

Erinnere dich noch einmal: Weshalb wünschst du dir, aufzuwachen? Weil du die Welt leid bist, so wie sie ist, mit all den Veränderungen. Alles geschieht hier. Es entfaltet sich. Es gibt Glückseligkeit, es gibt Traurigkeit, es gibt gut und schlecht. Wenn du aufwachst, wirst du diese Dinge nie wieder erleben! Du wirst immer in totaler Glückseligkeit sein. Und du wirst still bleiben, du wirst ruhig sein. Es wird nichts mehr zu erklären, nichts zu diskutieren, nichts zu beweisen geben. Du bist zu dem unveränderlichen Selbst geworden, das du schon immer warst. Der Verstand wird diese Dinge nie wissen. Der Verstand kennt sich selber nur als Körper, als Handelnder. Deshalb musst du über den Verstand hinausgehen, über die Gedanken hinausgehen, über die Welt hinausgehen, über das Universum hinausgehen und in die Stille eintreten, wo es nur noch totale Glückseligkeit, Frieden und Harmonie gibt.

Das ist dein Leben. Du hast immer die Freiheit zu wählen. Du hast immer die Wahl, immer. Deine Wahl hängt immer von dem ab, was du weißt, jetzt.

Tatsächlich ist die einzige Wahl, die du wirklich hast, nicht mehr auf Umstände zu reagieren, nach innen zu gehen und die Wahrheit zu sehen. Alles andere ist vorbestimmt. Was immer in deinem Leben auftaucht, ist vorbestimmt. Es ist deine Reaktion auf die Erlebnisse des Lebens. Sie bestimmt, was für dich als nächstes geschieht, die Art, wie du darauf antwortest, die Art, wie du darauf reagierst.

JETZT IN DIESEM MOMENT BIST DU TOTAL FREI

Sei nicht im Konflikt mit deinen Gedanken und dem Selbst. Ohne Konflikte gibt es keine Gedanken. Gedanken erscheinen nur, weil es Konflikt gibt. Mit Konflikt meine ich, du sorgst dich darüber, wie du deine Gedanken loswerden kannst. Du praktizierst Sadhana, Meditation, Pranayamas, Japa. All dies schafft Konflikte. Denn sagst du damit nicht, ich tue das, um frei zu werden? Ich mache diese Dinge, um frei zu werden? Darin liegt der Konflikt, denn du bist schon frei und befreit. Wenn du dir also die Information gibst, dass du etwas tun musst, um befreit zu werden, dann entsteht sofort ein Konflikt. Das ist dein einziges Problem. Das ist dein Konflikt. Und er kommt aus deiner Programmierung als Kind, von Samskaras aus vorherigen Existenzen. Dinge, die du mitgebracht hast, Gewohnheiten, die du in dir trägst und von denen du glaubst, das seist du. Daher kommt der Konflikt. Dann sagst du dir, ich bin ein menschliches Wesen. Ich bin nur ein zerbrechlicher Körper. Ich muss manchmal leiden. Manchmal muss ich glücklich sein. Das sind alles Lügen. Es gab nie ein Ich, das leiden muss. Es gab nie ein Ich, das glücklich sein muss. Da ist niemand in dir, der glücklich oder unglücklich zu sein braucht. Das ist alles Betrug.

Jedesmal wenn du versuchst, negative Konditionierung mit positiver auszutauschen, verursachst du Konflikte. Aus diesem Grund helfen Psychologie und Psychiatrie auch nicht. Denn sie versuchen, dich normal zu machen. Wer will schon normal sein? Wie langweilig! Die Wahrheit ist, wünsche dir nicht, irgendetwas zu sein. Wünsche dir nicht, irgendetwas zu werden. Es gibt keine Zukunft, in der du irgendetwas werden könntest. Genau in diesem Moment bist du das Eine. Und es gab nie etwas anderes. Genau in diesem Moment bist du total frei, ohne einen Gedanken zu denken, ohne zu versuchen, irgendetwas zu erreichen.

Versuche nicht einmal, deine Gedanken zu verändern oder sie zu stoppen. Denn wie kannst du etwas stoppen oder verändern, das nie existiert hat? Kannst du deinen Konflikt jetzt sehen? Du versuchst, etwas zu korrigieren. Du versuchst, etwas zu tun. Doch dieses Etwas existiert nicht. Und das, was du zu korrigieren versuchst, existiert ebenfalls nicht. Was du zu ändern versuchst, existiert nicht. Du kommst nicht weiter. Darum sage ich dir so oft, lasse alles sein. Sei nicht dafür oder dagegen. Beurteile nicht. Sei Nichts und du bist Alles.

Warum kommen die meisten von euch zum Satsang? Solange ihr einen Grund dafür habt, ist es der falsche Grund. Es sollte keinen Grund geben. Es sollte keinen triftigen Grund geben, warum ihr zum Satsang kommt. Denn wenn ihr euch an das erinnert, worauf ich hinweise, dann werdet ihr sehen, dass jeder Grund falsch ist. Denn der Grund, weshalb ihr zum Satsang kommt, existiert überhaupt nicht. Ihr sagt, ihr kommt zum Satsang, um erleuchtet zu werden, die Wahrheit zu erfahren. Wer muss die Wahrheit erfahren? Wer muss erleuchtet werden?

Ihr kommt, um mit mir zu sitzen. Ihr könnt immer mit mir sitzen, wo auch immer ihr seid. Damit will ich sagen, sucht nicht nach Gründen, aus denen ihr etwas tut. Wenn ihr aufhört mit dem Begründen, dem Ehrgeiz, wenn ihr anfangt, all eure so genannte Macht hinzugeben, eure menschliche Macht, die ihr zu besitzen meint, dann beginnt der Verstand langsamer zu werden. Der Verstand wird nie langsamer werden, wenn ihr versucht, ihn langsam zu machen. Es ist egal, welche Methode ihr benutzt, ob ihr Vipassana Meditation macht oder Atmen, was auch immer. Welche Methode auch immer ihr benutzt, ihr benutzt den Verstand. Es ist der Verstand, den ihr immer noch benutzt. Darum gelangt ihr damit nie irgendwohin. Ihr müsst den Verstand benutzen, was immer ihr tut.

Hört deshalb auf, irgendetwas zu tun. Ich weiß, viele von euch praktizieren seit fünfundzwanzig oder vierzig Jahren Sadhana, machen verschiedene Meditationen, gehen zu Lehrern, lesen viele Bücher. Und was wird aus euch? Ihr habt ein gutes Gefühl, dann geht es wieder weg und ihr seid wieder da, wo ihr angefangen hattet. Das Einzige, was ihr tun müsst oder sollt ist, mit nichts im Konflikt zu sein. Seid nicht im Konflikt mit irgendetwas oder irgendwem. Dann fängt der Verstand an, sich hinzugeben und geht zurück ins Herz, und ihr werdet euer Selbst. Das ist das Einfachste, was ihr je zu tun hattet, es ist pure Einfachheit. Es ist pure Einfachheit, weil ihr nichts zu tun braucht. Ihr müsst nichts werden. Ihr müsst niemanden ändern. DU BIST DAS.

Analysiere nicht, was ich sage. Stimme dem nicht einmal zu. Sei einfach offen. Öffne dein Herz, indem du still bist, schweigsam. Erlaube den Gedanken zu kommen, versuche nicht sie anzuhalten. Beurteile deine Gedanken nicht, analysiere die Gedanken nicht, versuche nicht, sie zu verändern oder wegzumachen. Das wird dich wieder in Konflikt mit den Gedanken bringen. Beobachte deine Gedanken nicht einmal. Sei nicht einmal der Zeuge deiner Gedanken. Warum? Weil es in Wirklichkeit keine Gedanken gibt. Die Gedanken, die du zu denken denkst, sind eine Täuschung. Sie sind eine falsche Vorstellung. Siehst du nicht, dass alles, worüber du nachdenkst, unwahr ist? Es gibt keinen Denker und keine Gedanken. Warum hast du dich also dein ganzes Leben lang all diesen Übungen unterzogen? Es ist wie mit dem Menschen im Ozean, der sich auf die Suche nach Wasser macht.

Wache auf, sei frei, sei du selbst. Du bist die Freude der Welt, das Licht, das in der Dunkelheit scheint. Du bist ein Segen für das Universum. Liebe dich selbst. Wenn du dich selbst liebst, liebst du Gott. Vergiss die Vergangenheit. Halte dich nie in der Vergangenheit auf. Denke daran, Zeit und Raum existieren nicht. Wenn Zeit und Raum nicht existieren, dann kann es weder Vergangenheit noch Zukunft geben. Denn bei Vergangenheit und Zukunft geht es um Zeit und Raum. Und wenn es Zeit und Raum nicht gibt, dann kann es unmöglich Vergangenheit und Zukunft geben. Wer denkt also an die Vergangenheit? Wer denkt an die Zukunft? Sogar zu sagen, das Ich tut es, der Ich-Gedanke, ist nur etwas für Anfänger. Selbst-Befragung ist sehr wichtig, verstehe mich nicht falsch. Aber der Tag muss kommen, an dem du über die Selbst-Befragung hinausgehst. An dem du realisierst und verstehst, dass es überhaupt keinen Ich-Gedanken gibt. Er hat nie existiert. Daher musst du ihn auch nicht loswerden. Du musst nichts loswerden, weil nichts existiert. Du bist totale Freiheit, genau in diesem Augenblick, genau in dieser Minute.

LASSE ALLES SEIN