Stefanie Glaschke

Mein magischer Alltag

Das Hexen-Handtaschen-Buch

Stefanie Glaschke

Mein magischer Alltag

Das Hexen-Handtaschen-Buch

Vollständige E-Book-Ausgabe der bei
J. Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
erschienenen Printausgabe

© Lüchow in J. Kamphausen Verlag, Bielefeld 2011

Lektorat: Regina Rademächers, agentur SpuK
Umschlag & Satz: Kerstin Fiebig, ad department
Druck & Verarbeitung: Westermann Druck Zwickau

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über abrufbar.

ISBN Printausgabe 978-3-89901-441-9
ISBN eBook 978-3-89901-565-2

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und
sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte
Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Stefanie Glaschke

Mein
magischer
Alltag

Das Hexen-Handtaschen-Buch

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

“Als Hexe geboren und Hexe geblieben …” – das habe ich einmal über mich selbst geschrieben. Mit dem Begriff Hexe wird meist etwas Vergangenes, Altes assoziiert. Ich wurde aber vor etwas mehr als 40 Jahren geboren, nicht in der Antike und auch nicht im Mittelalter. Was meint eine moderne Frau damit, wenn sie sich in unserer Zeit als Hexe bezeichnet? Als Frau von heute betrachte ich das Hexesein und mein Leben als solches unter verschiedenen Gesichtspunkten: Die Hexe der Vergangenheit war eine Person, die sich nicht mit oberflächlichen Betrachtungen zufrieden gab. Sie war interessiert an der seelischen und körperlichen Gesundheit des Einzelnen und noch stärker an der Harmonie in der Gruppe. Aus diesen Gründen war gerade das Heilen und das Feiern der Rituale ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Hexen war bewusst, dass ein Individuum nur in der Gruppe überleben kann. Gleichzeitig kannten sie den Zusammenhang zwischen Mensch und Umwelt.

Auch die moderne Hexe ist sich dieser Zusammenhänge bewusst. Deshalb stellen sich gerade in der heutigen Zeit der Entfremdung und der Funktionalisierung des Menschen den modernen Hexen große und wichtige Aufgaben, doch daneben gibt es auch ein ganz normales Leben zwischen Alltag, Beruf und Privatem. Selbstverständlich wende ich die Magie in jeder Situation meines Alltags ebenso an wie zu den großen Festen, an denen ich für mich und meine magischen Wegbegleiter Rituale feiere.

Wie kann ich die weiße Magie nutzen, um im Alltag glücklich und gesund zu leben? Auf jeden Fall gibt es keine alltägliche Situation, auf die die weiße Magie keine Antwort wüsste. Diese Erkenntnis ist nicht neu, nur leider für viele in Vergessenheit geraten.

Das vorliegende Buch gibt dir Antworten auf viele Fragen, die sich im Alltag immer wieder stellen. Am Ende des Buches findet die unerfahrene Hexe einen Überblick über die im Buch verwendeten Begriffe, die vielleicht nicht jedem geläufig sind. Löse deine Aufgaben mithilfe der weißen Magie und genieße ein selbstbestimmtes und vor allem glückliches Leben.

Ich freue mich, wenn ich dich einmal als Besucher oder Besucherin in einem meiner Kurse oder auf treffe.

So sei es!

Stefanie Glaschke

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Einleitung

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Ich werde dieses Buch mit einer kleinen Geschichte beginnen:

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Der Waldgeist

Eine junge Frau wurde des Nachts von einem Waldgeist besucht. Der Waldgeist hatte ein angenehmes Äußeres mit einer sanften Ausstrahlung und die junge Frau fasste sofort Vertrauen zu ihm, obwohl er ihr doch fremd war.

Er sprach zu ihr: „Ich bin gekommen, dir deinen drängendsten Wunsch zu erfüllen.“ Die junge Frau lächelte, im Herzen wusste sie um die Wahrheit seiner Aussage. „Mein drängendster Wunsch ist ein lieber Mann an meiner Seite.“

Der Waldgeist nickte und nahm sie bei der Hand. Er führte sie an einen kleinen See. Der volle Mond strahlte in seinem schönsten Silber vom Himmel, große Bäume standen wie Wächter um den See herum. Der See selbst lag still und würdevoll vor ihnen.

Der Waldgeist sagte: „Wenn es dir gelingt, übers Wasser in die Mitte des Sees zu gehen, wird dein Wunsch noch in diesem Jahr wahr werden.“ Die junge Frau setzte einen Fuß auf die Oberfläche, doch er versank im Wasser. Immer wieder versuchte sie es, aber es war ihr unmöglich, über das Wasser zu gehen. Als der Mond fast unterzugehen drohte, wurde sie zornig und fuhr den Waldgeist an: „Ich kann nicht übers Wasser gehen, ich bin ein Mensch.“

Der Waldgeist hatte nichts als Sanftmut in der Stimme, als er ihre Hand nahm und sie am Ufer entlang führte. Sie kamen an einen schmalen Steg, der direkt in die Mitte des Sees führte. Die junge Frau sah den Waldgeist beschämt an und der sagte: „Eben weil du ein Mensch bist, gebrauche deinen Geist. Ein Wunder habe ich nicht verlangt.“image

So wie der jungen Frau geht es vielen, die sich für einen magischen Alltag entscheiden möchten. Das tiefe Wissen um die Wahrheit der Magie ist bereits in der Seele vorhanden, doch man fürchtet, den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Dabei geht es nicht darum, stets weise zu sein, Wunder zu vollbringen und sein Menschsein hinter sich zu lassen. Es geht vielmehr um Bewusstsein. Sich seiner selbst bewusst sein und wahrnehmen, was in der eigenen Umgebung geschieht, das ist das Rezept für einen magischen Alltag.

Moderne Hexen nutzen ihren Geist, statt sich konsumabhängig von einer Betäubung in die nächste zu flüchten. Und Magie wirkt immer. Bewusstsein kann ein Mensch nicht nur nach Feierabend haben, auf der Yogamatte und räucherstäbchenumnebelt. Denn dort findet nicht unbedingt Bewusstsein statt, sondern Weltflucht. Die weiße Hexe liebt die Welt, so wie sie ist, und sie begreift, dass sie ein Teil dieser Welt ist und eben diese Welt mitgestalten kann. Das war auch bei den heute oft idealisierten Hexen vor unserer Zeit so. Ein Christ betet ja auch nicht nur, er lebt auch. Ein Bäcker backt nicht nur seine Brötchen, er macht alles andere, was zum Menschensein gehört, ebenso. Eine Hebamme steht nicht nur für ihre Arbeit auf, sie hat auch ein Leben. Als moderne Hexe habe ich Kinder und eine Partnerschaft, Freunde und Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Ich muss Wäsche waschen und Essen kochen, Geld verdienen und Konflikte lösen. So wie die Hexe erlebt jeder andere Mensch auch die Gegenwart. Hexenwerk bedeutet nicht, eine Handlung zu vollziehen. Das käme einem Lippenbekenntnis oder einer schlichten Maske gleich. In der weißen Magie geht es um die Einstellung zu sich und zum Leben. Wir führen Rituale durch, aber nicht, weil wir es so gern kuschlig und gemütlich haben oder weil uns das Fernsehprogramm langweilt. Wir führen Rituale durch, weil wir eine Lebensordnung und eine Öffnung für universelle Energien für absolut notwendig halten. Es nützt nichts, Rituale durchzuführen und danach wieder im Chaos zu versinken. Wir essen Kräuter, ja. Aber wir essen nicht deshalb Kräuter, weil wir die Sitten aus dem Mittelalter nachleben wollen. Wir kennen die Inhaltsstoffe und wissen, dass Kräuter gesund sind. Wir sitzen auch nicht ständig an irgendwelchen Feuern herum und genießen die Gemeinschaft.

Dieses Bild ist eine unrealistische Verklärung der weißen Magie. Die Menschen früher konnten das nämlich auch nicht, denn oft war das Feuerholz so knapp, dass man nicht einmal seine eigenen vier Wände heizen konnte. Weiße Magie hat nichts mit Lagerfeuerromantik zu tun. Manchmal kommt es mir vor, als sähen manche die Magie als eine Art Cowboy-und-Indianer-Spiel für große Kinder. Für mich ist die weiße Magie eine Art „neue Aufklärung“. Durch den magischen Alltag wird der Mensch wieder zu einem mündigen Wesen. Das setzt voraus, dass er seine Wahrnehmung schult und nutzt, damit sein Geist fit und wendig bleibt. In einer Welt, die sich ständig verändert (und das ist in jeder Welt zu jeder Zeit so), darf der Geist nicht träge sein.

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Grundsätze für mein magisches Leben

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Ich selbst habe die weiße Magie in meiner eigenen Sturm- und Drangzeit näher kennengelernt. Damals war ich eine wilde Flower-Power-Pubertierende und überzeugt, die Welt gehöre mir. Regeln, Gesetze? Nicht für mich, ich konnte schließlich das Rad neu erfinden. Ein Irrtum, wie sich zeigte, denn ich forschte und forschte und meine Räder waren maximal eckig und liefen oft einfach nicht rund. Ich hatte mein Rad ja auch gar nicht gefunden, wollte doch eigentlich in dieser Entwicklungsphase nur beweisen, dass die Räder der Erwachsenenwelt doof waren. So war es auch mit der weißen Magie. Das musste doch schneller gehen, es konnte doch nicht so schwer sein, sich selbst reich und schön zu hexen und dabei auch noch die Welt zu retten, alle Menschen satt zu machen und Kriege für alle Zeiten zu verhindern. Denn schließlich war ich jung und hatte nicht viel Zeit. Außerdem wusste ich ja sehr genau um meine Fähigkeiten der Hellsichtigkeit und Empathie. Doch ich stieß schnell an meine Grenzen und lernte trotz meiner jugendlichen Allmachtsträume, dass es eben immer und überall Regeln gibt.

Also gibt es auch Regeln, die eine Hexe beherzigen sollte. Und mein Hexenwerk wurde allmählich nicht nur sicherer, sondern auch ruhiger und erfolgreicher. Heute weise ich meine Hexenschüler und -schülerinnen beständig auf die Bedeutung dieser Regeln und Ordnungen hin, doch wie ich vor vielen Jahren, so stürmen und drängen sie in die Geldmagie, die Liebesmagie, die Erfolgsmagie, ohne dabei Konzentration und Sorgfalt walten zu lassen – und wundern sich dann über ihre Misserfolge. Man sollte einen Hexenführerschein einführen, damit sich die Anfängerinnen und Anfänger nicht konstant blutige Nasen holen. Doch wer weiß, vielleicht muss einfach jeder diese Erfahrungen selbst machen.

Damit du nicht gleich am Anfang Misserfolge erntest, stehen die Regeln der weißen Magie am Anfang dieses Buches. Ich schätze, du wirst sie höchstens überfliegen, um dann später ein wenig weiser und einsichtiger wieder zu diesem Kapitel zurückzukehren und dich genauer mit ihm zu befassen. Es ist ein großer Vorteil der weißen Magie, dass sie nicht mit dem Wunschzettel an den Weihnachtsmann zu vergleichen ist. Denn dadurch, dass sie ein großes Maß an Kunstfertigkeit erfordert, hat sie auch die starke Wirkung der Nachhaltigkeit.

Wer die Magie erlernt, wird mit jedem Schritt in jedem Aspekt seines Lebens Verbesserungen bemerken. Mit der Magie erlernt der Mensch Eigenverantwortung und diese bleibt ihm für den Rest seines Lebens erhalten. Die Magie ist quasi die Grundschule des Lebens. Ganz gleich, ob ein Mensch später einen Hauptschulabschluss oder das Abitur erwirbt, die Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens und die Grundrechenarten bleiben ihm erhalten und garantieren ihm ein selbstständiges Leben. Ob ein Mensch eine großartige Magierin oder ein glücklicher Hausmann wird, spielt am Ende keine Rolle, solange es seiner eigenen inneren Wahrhaftigkeit entspricht.

Die 13 Hexenregeln

Mit den 13 Hexenregeln habe ich mich sehr ausführlich in meinem Buch „Das Seelenwissen der weisen Frauen“ beschäftigt. Jede einzelne der Regeln hat eine sehr große Bedeutung im Leben der weißen Hexe. Alle 13 zusammen bilden ein sicheres und stabiles Gerüst für den Umgang mit sich selbst und anderen. Ähnlich wie auch die zehn Gebote bieten sie einen Überblick über nahezu alle Situationen, in die ein Individuum selbst und zusammen mit anderen geraten kann. Allerdings gibt es keinen Nachweis darüber, dass die 13 Hexenregeln schon vor der Neuzeit entstanden sind. Sie könnten auch ganz modern sein. Doch das spielt keine Rolle, denn die Regeln stimmen mit den inneren Grundsätzen der weißen Magie überein, und als Gesamtwerk garantieren sie sogar deren Bestand.

Die Hexenregeln

image Tu, was du willst, und schade keinem!

image Sei immer ehrlich zu dir selbst!

image Beherrsche die Regeln deiner Hexenkunst!

image Lerne dein Leben lang, sei immer neugierig auf Neues!

image Wende dein Wissen weise an!

image Finde dein inneres Gleichgewicht und lebe danach!

image Unterschätze nie die Kraft des Wortes!

image Lerne, dich zu konzentrieren!

image Lebe im Einklang mit der Natur!

image Meditiere!

image Achte auf deine Gesundheit!

image Akzeptiere deine Umwelt!

image Ehre die Kräfte der Natur!

Wenn wir die Hexenregeln beherzigen, ist der Alltag schon ganz von selbst magischer und vor allem leichter. Viele Schwierigkeiten im Alltag machen wir uns selbst, wenn wir uns nicht konzentrieren können oder das Meditieren vernachlässigen. Auch ein Leben im Widerspruch mit der Natur ist sehr viel anstrengender als ein Leben im Einklang mit ihr. Nachtarbeit ist anstrengender als Arbeit am Tage, ausgewogene natürliche Nahrung erspart uns viele gesundheitliche Probleme. Doch wem sage ich das, wir wissen es ja alle sehr genau, halten wir uns etwa deshalb daran?

Wenn du deinen Alltag magisch bewältigen willst, kommst du an den Hexenregeln nicht vorbei. Selbstverständlich kannst du diese Regeln nicht einfach schnell in deinen Alltag integrieren. Sei geduldig mit dir. Lies dir die Regeln morgens und abends laut vor, und nimm dir für jeden Tag eine Regel vor, an der du heute arbeiten willst. Nach und nach werden sie sich in deinem Alltag wie eine Selbstverständlichkeit leben lassen.

Gib dir ein wenig Mühe damit, die Hexenregeln in deinen täglichen Ablauf zu integrieren. Wie das aussehen kann? Die folgenden Beispiele können dir helfen, ein Verständnis für diese Regeln zu entwickeln. Dir fallen danach sicher noch viel mehr Beispiele und Anwendungsmöglichkeiten ein. Du erlebst dich jeden Tag und wirst wahrscheinlich oft bemerken, dass das eine oder andere Erleben mit einer der Hexenregeln einhergeht. Wenn du Freude an den ihnen hast und sie dir gründlicher erarbeiten möchtest, dann führe doch einfach Buch über deine Fortschritte. Das magische Seelenwissen wird sich dir am besten erschließen, wenn du den Bezug zwischen dir und den Hexenregeln regelmäßig suchst.

1. Tu was du willst und schade keinem!

Diese Regel gibt dir die größtmögliche Freiheit. Doch meist wird diese Freiheit nicht genutzt, denn welche moderne Hexe weiß schon, was sie will? Finde deine Bedürfnisse heraus und mach sie dir bewusst. Frage dich, ob du jemandem schaden könntest, wenn du sie umsetzt. Kannst du diese Frage verneinen, dann schlag doch einfach mal ein bisschen über die Stränge. Schadet es wirklich, wenn du einen langweiligen Kinofilm nicht zu Ende schaust, sondern das Kino vorzeitig verlässt? Fügst du jemandem Schaden zu, wenn du deine Freizeit damit verbringst, ein lang ersehntes Hobby endlich zu ergreifen? Lerne, zu unterscheiden, wann du jemandem Schaden zufügst und wann du etwas tust, was dem anderen einfach nur nicht in seinen Kram passt. Letzteres ist kein Grund, etwas sein zu lassen. Solange du niemanden schädigst, muss jeder lernen, deine Freiheit zu respektieren. Du tust damit sogar dem anderen etwas Gutes, denn schließlich kann deine Umgebung an deinem Vorbild reifen. Es wird deinen Kindern und deinem Partner in ihrer eigenen Entwicklung helfen, wenn sie sehen, dass ein Mensch trotz Bindungen und Verpflichtungen ein freies Leben führen kann. Freie Menschen machen Mut und spornen an. Und freie Menschen sind in der heutigen depressiven und zwanghaften Welt notwendig, damit aus uns keine Roboterpopulation wird.

2. Sei immer ehrlich zu dir selbst!

Ehrlichkeit ist ein wichtiges Thema für die Hexe. Wir Hexen bemühen uns, nicht zu werten, alles gehört gleichberechtig zum Leben, das Licht ebenso wie der Schatten. Nur eines sollten moderne weiße Hexen nie und nimmer dulden: Unehrlichkeit. Zur Ehrlichkeit dir selbst gegenüber findest du über die Meditation. Und wenn es dir hilft, dann halte dir vor Augen, dass kein Mensch den Stab über dich brechen darf, wenn du einen Fehler begangen hast. Du darfst jeden Fehler und jedes Scheitern also ruhig zugeben, auch vor dir selbst. Ein perfekter Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er im Ausgleich ist. Wer keine Fehler macht, hat keine Motivation mehr, etwas zu lernen. Dann kann er bleiben, wie er ist. Diesen Zustand nennt man Stillstand, und Stillstand bedeutet Tod. Ehrlichkeit ohne Wertung bedeutet, Fehler zu erkennen, anzunehmen und zu verbessern. Und auf der anderen Seite bedeutet Ehrlichkeit zu sich selbst, Stärken zu erkennen, anzunehmen und zu bewahren. Das sind sachliche Vorgänge, keine emotionalen Prozesse. Die Gefühle kommen erst hinzu, wenn ein Mensch (ab)wertet. Das ist ein schweres Erbe aus unseren Kindertagen. Viele haben gelernt, dass Fehler uns zu wertloseren Menschen machen. Das fehlerlose Kind war einfach beliebter, wurde belohnt, an ihm erfreute man sich. Wer Fehler machte, war eben nicht gut. Heute sind wir erwachsen. Stärken sind vorhanden, Schwächen sind vorhanden. Stärken bewahren, Schwächen verändern – das ist Entwicklung.

3. Beherrsche die Regeln deiner Hexenkunst!

Wir modernen Hexen schlampen nicht bei der Hexerei, denn wir wissen um unsere Macht. Ein Zauberspruch auf die Schnelle zurechtgeschustert, hat die gleiche Kraft wie ein wohlüberlegter. Nur könnte es sein, dass das Ergebnis nicht das ist, welches wir wirklich wollten. In der Magie können wir nicht sagen: „Das habe ich nicht so gemeint.“ Hier gilt die Kraft des Wortes, und die ist nicht umkehrbar. Außerdem bringen Unordnung und Schlamperei immer auch die Gedanken durcheinander. Unsere Gedanken sind unser wichtigstes Werkzeug. Wir werden ihnen immer eine stabile Ordnung bieten, damit sie sich stets frei entfalten können, um für unser Werk zu wirken.

4. Lerne dein Leben lang, sei immer neugierig auf Neues!

Eine Regel, die sehr leicht umzusetzen wäre, wenn uns da nicht die Gewohnheit uns einen Streich spielen würde. Oft werden wir geistig träge, wenn wir erst einmal gefunden haben, was wir suchten. Doch das Leben ist ein ständiges Wachsen. Wir sollten unser Tempo im Kopf nicht künstlich verlangsamen. Heute weiß die Wissenschaft, dass ein Mensch auch im hohen Alter noch alles lernen kann, was er will. Diese Regel lässt sich am besten einhalten, wenn wir uns in den Kalender eintragen, dass es wieder Zeit für etwas Neues ist. Vielleicht sollten diese Termine mit dem Hexenjahreskreis zusammenfallen. So kann die weiße Hexe zu Samhain und zu Beltane jeweils einen Termin festsetzen, an dem sie etwas lernen will, was ihr bis dahin unbekannt war. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um eine Fremdsprache oder um ein neues Strickmuster handelt. Wichtig ist nur, den Geist zu schulen und so das Leben immer besser wahrnehmen zu können. Wer den Drang, lernen zu wollen, nicht mehr in sich spürt, ist bereits gefährdet, vorzeitig zu altern. Er will nicht mehr zu neuen Ufern aufbrechen und beginnt, sich künstlich klein zu halten. Das spricht aber gegen das natürlich angelegte Wachstum allen Lebens. Also betrachte dich hin und wieder noch einmal als Kind, das den elterlichen Garten auf Strümpfen und im Schlafanzug verlässt, weil es neugierig auf die Welt hinter dem Zaun ist.

5. Wende dein Wissen weise an!

Viele Hexen haben Angst, nicht wirklich weise zu sein. Dann kleben sie an überliefertem Wissen und Dogmen und trauen sich nicht zu, ihrer eigenen inneren Weisheit zu folgen. Weise bedeutet, mit sich im Einklang zu sein und zu sich selbst zu stehen. Ein Kind ist weise, das spüren wir. Aber das Kind ist nur so lange weise, bis es beginnt, sich mit den Erwachsenen zu vergleichen und ihnen nacheifern zu wollen. Weisheit bedeutet, den Augenblick wahrnehmen können und in diesem Augenblick seine innere Wahrheit zu leben.

Deine Weisheit ist der Kontakt zu dir und dem Schöpfungsgedanken, der in dir wohnt. Nur wenn du diesen Kontakt hast, kannst du weise sein, denn deine Verbindung zum Weltwissen ist hergestellt. Diese Regel weist dich darauf hin, dass du deine magischen Arbeiten an den universellen Gesetzen orientieren sollst. Diesen Gesetzen werden wir uns in einem anderen Kapitel noch einmal gründlicher widmen. Die folgende Geschichte zeigt, dass der Kontakt zur Weisheit leichter gelingt, als mancher glaubt.

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Die Frau mit der Angst vor den Menschen

In einem fernen Land, auf einem grünen Hügel, lag ein Wald. Inmitten des Waldes, so sagte man, lebte eine Frau, die man für die Weisheit hielt. Niemand hatte sie je gesehen, niemand war ihr je begegnet, doch alle waren überzeugt, dass sie dort war. Die Menschen im Tal erzählten sich abenteuerliche und großartige Geschichten über die Weisheit. Sie alle wollten sich ihr nur zu gern nähern, doch fühlte sich jeder zu klein und zu gering, um sie aufzusuchen. Nun lebte im Tal aber auch ein Mann, der schier verzweifelt war. Er war mit einer schönen und klugen Frau verheiratet, die er über alles liebte. Doch diese Frau litt unter einer schweren Krankheit, der kein Arzt Herr werden konnte. Sie fürchtete sich vor den Menschen. Den ganzen Tag lang sprach sie mit den Tieren und sie liebte die Blumen und die Bäume über alles. Kaum einem Menschen näherte sie sich und meist war sie daher allein oder mit ihrem Mann zusammen. Den Mann bedrückte diese Krankheit sehr und so fasste er sich ein Herz und bestieg den Hügel. Wenn ihm jemand helfen konnte, dann war es wohl die Weisheit, dachte er sich. Alle im Tal warnten ihn. „Du bist zu klein, du bist viel zu gering, um dich der Weisheit zu nähern“, sagten sie, als sie von seinem Vorhaben erfuhren. Aber der Mann liebte seine Frau viel zu sehr, um diese Warnungen zu beachten. Also erklomm er den Hügel und wirklich: Er entdeckte eine kleine Hütte, vor der eine Frau auf einer Bank saß. Er konnte ihr Alter nicht erkennen. Sie war hell und schön und lächelte dem Mann freundlich zu. Mit der Hand bedeutete sie ihm, sich zu ihr zu setzen. Er setzte sich scheu neben die Frau und begann sofort, ihr sein Herz auszuschütten. Die Frau nickte nur und der Mann fragte verzweifelt: „Wie kann ich meiner Frau helfen? Was kann ich für sie tun?“ Dann antwortete die Frau: „Bring sie am Sonntag zu mir, ich werde mit ihr sprechen.“ Der Mann bedankte sich und machte sich frohen Herzens an den Abstieg. Im Tal wurde er schon sehnlichst erwartet und er lächelte seinen Freunden zu. „Sie hat versprochen, ihr zu helfen“, rief er ihnen fröhlich zu und machte sich mit der guten Nachricht auf zu seiner geliebten Frau.

Voller Vorfreude vergingen die Tage bis zum nächsten Sonntag. Die beiden gingen Hand in Hand den Hügel hinauf und wurden von der Frau, die man Weisheit nannte, bereits erwartet. Sie trug ein wundervolles Kleid in allen Regenbogenfarben und wirkte noch heller und schöner als beim ersten Besuch des Mannes. Die beiden Liebenden wurden ins Haus gebeten und dort war der Tisch für ein köstliches Essen gedeckt. Sie aßen und tranken und unterhielten sich mal über dies und mal über jenes. Der fürsorgliche Mann sah mit Erstaunen, wie seine Frau aufblühte und rosige Wangen bekam bei den Gesprächen über die Klänge der Bäume und die Farben des Vogelgesangs. Doch als es dunkel wurde und alle müde zu werden schienen, erwähnte der Mann noch einmal den Grund für den Besuch. „Du wolltest doch meiner Frau helfen, ihre Krankheit zu überwinden“, sagte er höflich. „Ach ja, daran hatte ich kaum noch gedacht, so sehr habe ich ihren Besuch genossen“, lachte die Gastgeberin. Dann wandte sie sich der Frau zu und sagte eindringlich: „Ich kann die Töne der Bäume hören wie du. Ich kann den Wind fühlen und die Tiere sprechen mit mir wie mit dir. Bisher wusste ich nicht, dass Menschen so weise sein können. Nun weiß ich, dass Menschen keine Feinde der Schöpfung sind. Hab keine Angst vor den Menschen, sie sind Kinder derselben Schöpfung wie du und ich und unsere Freunde.“ Die Frau nickte. Der Mann war verwundert. „Warum konntest du mir diese Botschaft nicht bei meinem ersten Besuch mitgeben?“ fragte er. „Weil ich es selbst nicht wusste, bis ich deine liebe Frau kennenlernen durfte“, antwortete sie. „Ich sah die Schäden, die die Menschen an der Schöpfung begehen, und ich wusste, dass sie mich meiden. Deine Frau hat mir ein anderes Bild der Menschen gezeigt.“ Von diesem Tag an besuchten viele Menschen aus dem Tal die Frau auf dem Hügel und hin und wieder kam sie auch ins Tal, um mit den Menschen zu feiern. Sie war ein Teil von ihnen geworden, wurde geschätzt und geachtet und half dafür in mancher Not mit Rat und Tat.Image

6. Finde dein inneres Gleichgewicht und lebe danach!

Um diese Hexenregel beherzigen zu können, braucht es eine gewisse Autonomie. Ein Mensch, der stets fremdbestimmt, lieb und nett sein will, kann sein inneres Gleichgewicht nicht finden und wird daher oft erleben, dass er von außen gestört und aus der Bahn gebracht wird. Es ist also auch eine Hexenpflicht, einmal etwas abzulehnen und nicht jede Gefälligkeit sofort zu erweisen. Dein inneres Gleichgewicht stellt sich ein, wenn du im Einklang mit dem Kosmos stehst. Hast du es gefunden, strahlst du es auch aus und bist damit ein Segen für die turbulente, chaotische Welt um dich herum. Menschen, die ihr inneres Gleichgewicht gefunden haben, werden von anderen häufig als sehr angenehm empfunden und man tritt ihnen freundlich und respektvoll gegenüber. Am besten kannst du dein inneres Gleichgewicht finden, indem du dich ein wenig mit dem Thema Zeitplanung befasst. Damit meine ich nicht, dass du eine To-do-Liste führen sollst, sondern du solltest vielmehr Pausen, deine eigenen Zeitoasen und Entspannungsphasen in deinen Alltag einplanen. Dich um dich selbst zu kümmern, ist eine wichtige Voraussetzung für dein inneres Gleichgewicht, denn du lernst dabei, dich zu spüren und zu erkennen, wo die Grenzen liegen, die du einhalten solltest, um in deinem persönlichen Leben fest verankert zu bleiben.

7. Unterschätze nie die Kraft des Wortes!