Vollständige E-Book-Ausgabe der bei J. Kamphausen Verlag & Distribution GmbH erschienenen Printausgabe

Barbara und Guido Vödisch: Und es gibt sie doch – die große Liebe
© J. Kamphausen Verlag & Distribution GmbH, Bielefeld 2011
Projektleitung: Marianne Nentwig

Lektorat: Stephanie Ehrenschwendner
Umschlag: Hildegard Morian
Autorenfoto: Lydia Krumpholz
Typografie/Satz: KleiDesign

1. Auflage 2011

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
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im Internet über abrufbar.

ISBN Printausgabe: 978-3-89901-439-6
ISBN E-Book: 978-3-89901-556-0

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BARBARA &
GUIDO VÖDISCH

UND ES
GIBT SIE DOCH –
DIE GROSSE
LIEBE

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Unser Dank gilt allen, die die Liebe nicht vergessen haben.
Unser Dank gilt jeder Geste der Menschlichkeit.
Unser Dank gilt der Größe der Liebe,
die sich in der Einfachheit offenbart.

Unser Dank gilt dir, der du diese Worte liest,
deiner Sehnsucht, deiner Offenheit, deiner Erinnerung
an eine Liebe ohne Anfang, ohne Ende.

Unser Dank gilt der Schöpfung für die Gnade,
das Wunder der Liebe miteinander teilen und leben zu dürfen.
Unser Dank gilt vor allem einander.

ZUM GELEIT

Was Guido und ich gemeinsam erleben, sprengt die Welt der Worte und Vorstellungen. Zum ersten Mal ist es Zeit, darüber zu sprechen. Ich rede selten über unsere Beziehung, nicht einmal mit Freundinnen. Es war nie passend inmitten unzähliger Geschichten von Kampf, Streit und Problemen. Unsere Beziehung erscheint mir oft weit entfernt von den Erfahrungen anderer Menschen. Manchen gibt sie Hoffnung. Anderen fällt es wiederum schwer, zwei glückliche Menschen zu sehen. Wir haben oft geschwiegen und die Liebe und unsere Erfahrungen still miteinander geteilt. Worte verfälschen die Wirklichkeit. Allein indem ich die Liebe in Worte fasse, wirkt sie süßlicher, als sie ist und verliert ihren Gehalt. Doch ich kann nicht schweigen, weil im Bewusstsein der Einheit für mich alles Liebe ist. Es existiert keine mehr oder weniger besondere Liebe, und ich empfinde das „Persönliche“ weniger persönlich, als es vielleicht erscheint. Das Spiel spielt sich selbst. Das Schreiben geschieht einfach, es fließt. Nur weil vieles nicht zu verstehen ist, heißt das nicht, dass es nicht sein kann.

Ich habe über das, was ich mit Barbara erlebe, noch nie mit jemandem ausführlich gesprochen. Denn viele können nicht einmal im Ansatz nachvollziehen, wovon ich rede. Besonders in meinem beruflichen Umfeld würden mich wohl die meisten für durchgeknallt halten und mir einen Besuch beim Psychologen nahelegen. Im extremsten Fall spräche man mir vielleicht die Fähigkeit ab, in meinem Job als Betriebswirt und Controller die richtigen Entscheidungen zu treffen. So habe auch ich meist geschwiegen. Inzwischen sind mir mögliche Konsequenzen egal. Es ist manchmal so, als wären unsere Seelen, sogar unsere Körper ineinander verschmolzen. Für mich ist das so selbstverständlich, dass es mir nur bewusst wird, wenn ich andere Menschen in ihren Beziehungen sehe und wahrnehme, dass es nicht der Normalität entspricht, sich in dieser Tiefe aufeinander einzulassen. Viele Menschen scheinen kein Interesse daran zu haben, oder sie fürchten sich einfach davor.

Unter Männern geht es oft darum, alles im Griff zu haben und überlegen zu sein. Wenn man(n) auf Frauen zu sprechen kommt, wird die eigene Frau meist als Fremdkörper beschrieben, die eigentlich stört und unmögliche Dinge verlangt. Es mit der Treue nicht so genau zu nehmen ist auch ein Zeichen männlicher Stärke. Ab und zu fühle ich mich wie ein Exot. Damit kann ich aber gut leben.

An sich ist mir die Liebe bis heute ein Mysterium, noch immer staune ich, weiß nicht zu beschreiben, was sie alles umfasst. Ich verstehe die Liebe nicht wirklich, verspüre auch kein Bestreben danach. Ich habe keine Rezepte und kann deshalb nur Erfahrungen und Erkenntnisse mit euch teilen – den Zauber, die Weisheit, die Menschlichkeit, das Wunder der Liebe.

Seit dreiundzwanzig Jahren bin ich mit Guido zusammen. Achtzehn Jahre sind wir verheiratet. Das ist die persönliche Geschichte einer großen Liebe, eine Liebesgeschichte. Doch schreibe ich auch über die Liebe, die größer ist als die scheinbare Person Barbara und ihr Mann Guido. Es ist eine Liebe, die persönlich zu sein scheint und sich doch unpersönlich in allem widerspiegelt. Eine Liebe, die in uns allen lebt, die alles beseelt, keine Grenzen, keine Identifikationen und keine Trennung kennt. Die große Liebe in einer Beziehung zu leben lässt sich nicht von der Liebe an sich trennen. Das Bewusstsein der allumfassenden Liebe, die über das Ich hinausgeht, ist der Schlüssel zu wahrer Liebe in Beziehungen. Obwohl es die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe in meinem Leben gibt, geht es mir nicht darum, die große Liebe darauf zu reduzieren. Denn die Liebe zu persönlich zu nehmen und zu ausschließlich zu sehen verursacht eine Menge Leiden. Ich will auf die Unendlichkeit der Liebe verweisen – auf das Eins-Sein, jenseits von Trennung. Die Liebe ist zu groß, als dass sie sich nur auf eine Partnerschaft beschränken ließe. Sie bezieht sich auf alles, auf unser ganzes Leben.

Das Thema Liebe hat für mich nicht erst in der Pubertät mit dem Interesse an Männern und dem Erwachen der Sexualität begonnen. Schon als Kind begleitete mich eine ausgeprägte Erinnerung an eine Existenz in einer Liebe, die keinen Anfang, kein Ende, kein Leid, kein Urteil und keine Trennung kennt und wo Eins-Sein die einzige Realität ist. Ich wollte immer dorthin zurück und verzweifelte daran, mich nicht mehr vollständig zu fühlen. Mein ganzes Sehnen galt dieser Liebe. Anfangs vermisste ich ein Wesen, eine Art Zwilling. Im Sandkasten hatte ich ein paar Mal das Gefühl, mit diesem Wesen zu spielen, obwohl es nicht körperlich anwesend war. Ich spürte damals, dass eine Art Ergänzung zu mir existiert. Später verwandelte sich dieses Gefühl in die Ahnung, ein Mann könne diese perfekte Ergänzung sein. Die vielen schmerzhaften Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit mit Männern machte, ließen mich zweifeln und an nichts mehr glauben. Mit 21 Jahren hatte ich schon so viel hinter mir, dass ich mit allem, auch mit den Männern abschloss. Ich hatte weder eine schlechte Meinung über sie, noch war ich verbittert. Ich liebte sie, erinnerte mich aber immer an eine Liebe, die leicht und frei ist und die zu leben mit keinem von ihnen möglich schien. Ich konnte keine Kompromisse eingehen und mich auch nicht mit einer Beziehung arrangieren, weil man das so tut. Das hätte sich wie Verrat angefühlt. Ich suchte nach etwas, das größer ist, frei und voller Frieden, das sich aus der Dualität erhebt und doch ganz in ihr lebt, etwas das nicht von dieser Welt und doch in ihr ist.

An diesem Punkt, wo aus blanker Verzweiflung der Entschluss reifte, mich nicht mehr auf eine Beziehung mit einem Mann einzulassen, trat Guido in mein Leben. Obwohl ich von Anfang das Gefühl hatte, ihn ewig zu kennen und zu Hause angekommen zu sein, wehrte ich mich zunächst mit Händen und Füßen dagegen. Ich hatte große Angst, wieder verletzt zu werden. Ich hielt mich für beziehungsunfähig, zu intensiv, zu anhänglich und gleichzeitig zu unabhängig und dachte, dass ich die Männer mit meiner geballten Energie und dem Hang, alles zu hinterfragen, überfordern würde. Sie fühlten sich von mir angezogen, aber mit mir zu leben schien auf Dauer doch eine andere Nummer zu sein. In meinen bisherigen Beziehungen versuchte ich, mich zu bändigen und anzupassen. Aber es funktionierte nicht. Egal, wie sehr ich mich zu verbiegen versuchte, es ging in die Hose. Guido hingegen liebte das, was andere zu bedrohen schien. Dabei hatte ich mich nicht verändert, ich war genauso intensiv wie zuvor. Mit Guido brauchte ich mich nicht mehr zu verstellen und keine Bedingungen zu erfüllen. Ich atmete auf. Wir hatten so lange aufeinander gewartet und uns endlich wiedergefunden.

Den Männern, mit denen ich vor Guido zusammen war, bin ich für die vielen schmerzhaften Erfahrungen dankbar. Sie haben mir den erlittenen Schmerz nicht zugefügt. Der Mangel an Bewusstsein und Liebe wie auch die Erwartungen, die ich an sie wie an mich richtete, bildeten die Grundlage dafür. Ich war mir damals einfach noch nicht bewusst, im Dasein selbst geborgen und geliebt zu sein.

Aus dem Geist der Trennung erschien es mir früher, als würde mich jemand lieben oder nicht. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Heute bin ich in der Liebe an sich geborgen und unabhängig von den Reaktionen anderer Menschen, selbst wenn sie über mich schimpfen oder mich nicht zu mögen scheinen. Gibt es Liebe und Nicht-Liebe? Die allumfassende Liebe ist tatsächlich allumfassend. Sie kennt keinen Gegenpol. Sie ist eins, sie beinhaltet Liebe und Nicht-Liebe, und beides ist letztendlich ein und dasselbe. Die Liebe enthält alles und ist doch nichts. Sie ist Eins und kennt nichts Zweites, nichts Getrenntes.

Die Bedingungslosigkeit, die unsere Liebe trug und die besonders von Guido ausging, war für mich, auch wenn sie mir zunächst Angst einflösste, pure Heilung. Ich hatte eine Bestätigung für meine Gefühle und Wahrnehmungen gefunden, als ich in Guido die Bedingungslosigkeit der Liebe wiedererkannte. Er empfand wie ich die Liebe als Da-Sein und war bereit, ihr alles zu schenken – ein wahrer Segen für mich.

Es berührte mich zutiefst, dass ihm die Liebe wichtiger war als alles andere und dass er dafür wirklich brannte. Allein seine Existenz gab mir damals das Vertrauen ins Dasein wieder. So konnte ich die Bedingungslosigkeit der Liebe, die ich zwar spürte, aber auf Erden nicht zu finden schien, schließlich ganz unabhängig von Guido hinter allem entdecken und darin ruhen.

Obwohl ich anfangs die große Liebe ausschließlich mit Guido in Verbindung brachte und noch abgetrennt von der übrigen Welt sah, lehrte mich das Leben, der Unendlichkeit der Liebe, der Liebe im Dasein an sich gewahr zu sein. Unterstützt durch unsere „persönliche große Liebe“ konnte ich wieder eintauchen in ein Sein, in eine Liebe, die unpersönlich, heil und ganz war, jenseits aller Identifizierungen. Die ersten Jahre empfand ich das Gefühl, zu Hause zu sein, nur mit und durch Guido. Das erzeugte trotz allen Glücks eine schmerzhafte, von Illusionen begleitete Abhängigkeit. Die Sehnsucht danach, in jedem Moment in der Liebe geborgen zu sein, konnte selbst diese große Liebe nicht stillen. Sie war aber wie eine Brücke, damit ich mich eines Tages schließlich ganz im Dasein selbst geborgen und vollständig fühlen konnte.

Obwohl unsere Beziehung von Anfang an von einer unbegrenzten Liebe erfüllt war, hatte ich einen Hang zur Dramatik und zum Sticheln – bis heute habe ich keinen Heiligenschein. Die Macht der Liebe half mir jedoch immer, zum Wesentlichen zurückzukehren. Ich erkannte meine Menschlichkeit, lernte, das Leben aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, und durchschritt meine Angst, nichts und gleichzeitig alles zu sein. Ich entdeckte, dass die Liebe auch Härte, Kälte, Wut und sogar das umfasst und liebt, was wir verurteilen und ablehnen. Die Liebe spiegelt sich in der Vielfalt wieder, in der Fähigkeit, unsere Menschlichkeit anzunehmen statt sie zu verurteilen. Die Liebe ist nicht abgehoben, sie thront nicht über allem, sondern entfaltet gerade in den scheinbaren Niederungen und Schatten ihre heilende Kraft – menschlich, nah und mitten im Leben.

Für mich ist es ein wahres Geschenk, mit Guido ganz nackt, blöd, wild, sanft und frech zu sein. Er ließ mich von Anfang an sein, wie ich bin, mir fiel das mit ihm und auch mit mir selbst schwerer. Ich habe selten einen Menschen getroffen, der so viel Widersprüchliches in sich vereint. Mit ihm kann ich im Fußballstadium grölen und im nächsten Moment in Stille versinken, ohne zu meditieren. Mit ihm kann ich die Welt heute so sehen und morgen wieder ganz anders, auf Musik abrocken oder auf einer Berghütte Stubnmusi hören. Darin liegt kein Widerspruch. Alles ist möglich. Wie ein Mensch sich verhalten sollte, interessiert uns null Komma null.

Für mich gibt es auch keine spirituellen oder nichtspirituellen, keine mehr oder weniger heiligen Menschen. Das „Heilige“ ist ganz natürlich und bodenständig in allem. Das scheinbar Unvereinbare lässt sich vereinen. Nur die Bewertung verhindert das. Es gibt nichts, was nicht möglich ist. Die Beschränkung besteht nur in unserem Geist. Das Leben und die Liebe sind frei, sie vertreten keine Meinung, sie sind einfach nur.

DIE MAGIE DER LIEBE

Als ich Barbara zum ersten Mal sah, saß ich auf einer Empore in einer Salsa-Kneipe, die man als Spelunke bezeichnen könnte. Ich spürte sofort, dass sie besonders war, ganz anders, als alle Frauen, die ich bis dahin kennen gelernt hatte. Ich fühlte mich magisch von ihr angezogen. Ich wusste, dass ich diese Frau kennenlernen musste. Um mir einen Rückzieher zu erschweren, sagte ich zu meinem spanischen Freund: “Die süße Rothaarige da unten auf der Tanzfläche, die reiß ich heute noch auf.“ An eine lebenslange Beziehung dachte ich dabei nicht. Ich wollte mit ihr nur einen schönen Abend und auch die Nacht verbringen.

Das war aber nicht so einfach. Zum einen hatte ich noch nie eine Frau in einem Lokal angesprochen, zum anderen war sie in Begleitung einer Freundin und eines Mannes, den ich nicht eindeutig zuordnen konnte. Die beiden gingen sehr vertraut miteinander um, wirkten aber nicht wie ein Paar. War das nun ihr Freund oder nicht? Ich beobachtete sie stundenlang, um mir eine Abfuhr zu ersparen.

Sie tanzte barfuss, wild und ausgelassen. Ich weiß heute noch genau, wie sie aussah, die langen lockigen Haare mit einem kleinen Kamm aus dem Gesicht gesteckt, was sie trug, wie ihr Rock sich beim Tanzen bewegte. Meine Blicke hafteten förmlich an ihr, an ihrem Lachen, an ihren Beinen und dem knackigen Hintern.

Irgendwann bin ich auf die Tanzfläche gegangen und versuchte, sie unauffällig zu beobachten. Als ich am Rand der Tanzfläche stand, schaute sie mir direkt in die Augen. Solche Augen hatte ich zuvor noch nie gesehen. So offen, so tief, als könnte man bis in die Mitte ihres Herzens schauen. Ich spürte sofort eine innige Vertrautheit. In diesen Augen hätte ich ewig verweilen können. Es war mir völlig klar: Das war der Moment, auf den ich gewartet hatte, den musste ich nutzen.

Ich fragte sie direkt, ob „der Typ“ da am Tisch ihr Freund sei. Sie sah mich kurz ungläubig an und lachte dann schallend. Ich kam mir ganz schön blöd vor. Ausgelacht zu werden war das Letzte, was ich mir in dem Moment gewünscht hatte. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis sie mir erklärte, es sei doch bei dieser Ähnlichkeit offensichtlich, dass er ihr Bruder sei, die braunen Augen, die Sommersprossen und die roten Haare. Deswegen hielt sie meine Frage für einen blöden Anbaggerspruch. Normalerweise hätte ich versucht, mich dieser peinlichen Situation sofort zu entziehen. Ich kannte mich so überhaupt nicht, war nie ein Aufreißertyp oder nur an Sex für eine Nacht interessiert. Doch hier lief alles anders. Ich war wie ferngesteuert. Etwas gab mir die Kraft, das Lachen auszuhalten, sie sogar noch zu fragen, ob sie nicht Lust hätte, mit mir etwas zu trinken und sich zu unterhalten. Sie willigte sofort ein. Ich war überrascht und sehr erleichtert. Die Gespräche über unser bisheriges Leben, unsere Familien, was uns bewegte und begeisterte, hatten sofort eine ungewöhnliche Tiefe und Vertrautheit.

Diese Nähe, die ich mit Barbara von Anfang an erlebte, war mir völlig neu, als würden wir uns schon ewig kennen. Alles war so vertraut. Vom ersten Moment an war unser Zusammensein begleitet von einem bis dahin unbekannten Zauber. Unerklärlich und von einer Intensität, die mir immer wieder den Atem nahm. Obwohl es anders lief als geplant, hielt ich weiter an meinem Vorhaben fest, sie abzuschleppen. Das ging voll daneben. Jeden Annäherungsversuch quittierte sie mit einer „Geh weg“-Reaktion. Jedes Mal, wenn ich ihre Hand berühren wollte, zog sie diese mit einer heftigen Bewegung weg, um mir unmissverständlich klar zu machen: Keine Chance, mit mir geht das so nicht. Das war mir irgendwann völlig egal. Was ich an diesem Abend erlebte, war einzigartig und gewaltiger als alles, was ich bis dahin gefühlt hatte. Ich betrat eine für mich neue Welt. In dieser Welt brauchte ich mich nicht zu verstellen, ich musste mich nicht schützen oder irgendetwas zurückhalten. Auf eine nie erlebte Weise konnte ich mich zeigen, wie ich war, ohne Angst zu haben, kritisiert oder nicht gemocht zu werden. Damals ahnte ich zum ersten Mal, wie befreiend ein Leben sein kann, wenn es nichts gibt, was nicht sein darf.

Wir waren so ineinander vertieft, dass wir nichts mehr um uns herum wahrnahmen. Erst als die Stühle auf die Tische geräumt wurden merkten wir, dass wir die letzten Gäste waren und die Angestellten endlich zusperren wollten. Mittlerweile war es 5 Uhr 30 in der Früh. Ich war überhaupt nicht bereit, Barbara schon gehen zu lassen. Diese Vertrautheit und nie gekannte Nähe wollte ich auskosten. Also fuhren wir zum Bahnhof, wo um 6 Uhr das erste Café öffnete. Erst Aufreißer-Schuppen, jetzt Bahnhofscafé. Nicht gerade die romantischsten Plätze. Trotzdem gab es keinen Platz auf der Welt, wo ich in diesem Moment lieber gewesen wäre.

Am meisten faszinierten mich ihre Augen. Offen und strahlend, als würde sich dahinter ein ganzes Universum erstrecken. Dass ich sie dauernd anstarrte und meine Blicke nicht von ihr wenden konnte, schien sie zu stören. Sie sagte immer wieder: „Schau mich nicht ständig so an.“ Es war aber, als hätte ich keine Wahl. Egal, wie sehr ich versuchte, Abstand zu halten, ich wurde magnetisch angezogen wie die Kompassnadel vom Nordpol. Das ist heute noch so, in ihre Augen kann ich mich hineinversenken, in diese Liebe, die unfassbare Weite. Und gleichzeitig existierte nur diese kleine Welt, zwei Stühle und ein Tisch in einem Café, zwei Menschen aufs Tiefste miteinander verbunden. Inzwischen schon 8 Uhr, wollten wir jeder nach Hause: duschen, ein wenig schlafen und uns am Nachmittag wieder treffen. Sie versuchte, in der Telefonzelle einer stark frequentierten U-Bahn-Passage zu Hause anzurufen. Wir hatten jede Menge Spaß, sangen, lachten und tanzten ungeachtet der vielen Menschen, die uns meist verständnislos, manchmal amüsiert ansahen. Uns war das egal. Wir waren unbefangen und glücklich.

Ich sah in diesem Salsa-Lokal nur zwei Augen, die mich magisch anzogen und von der Empore zu mir runterschauten. Das Gesicht dazu konnte ich nicht erkennen. Es war wie ein Sog, dort hinzuschauen. Bewusst nahm ich Guido das erste Mal auf der Tanzfläche wahr. Mir fiel sofort seine ungewöhnliche Art zu tanzen auf. Gefühlvoll und gleichzeitig männlich. Wie offen und fließend seine Bewegungen waren, ohne verweichlicht zu sein. Als Tanztherapeutin nahm ich ihn als interessanten Bewegungsfall zur Analyse unter die Lupe. So hatte ich noch nie einen Mann tanzen sehen. Guido war ansonsten nicht mein Typ. Ich hatte eher einen anderen im Visier, einen Latino und fantastischen Salsa-Tänzer. Nachdem der Latino mich angeflirtet und ich ihn einige Zeit beobachtet hatte, war mir klar, dass ich, obwohl ich ihn anziehend fand, lieber die Finger von ihm lassen sollte. Ich roch förmlich, dass er nur eine Fortsetzung der Schwierigkeiten mit Männern wäre, die ich so gut kannte. Außerdem hatte ich das Thema Männer ja sowieso abgehakt. Ich wollte all diese Beziehungsspiele nicht mehr. Ich wollte nicht mehr mit dem Feuer spielen und mich verbrennen.

Als Guido mir dann auf der Tanzfläche entgegen kam und ich direkt in sein Gesicht schaute, erkannte ich die Augen wieder, von denen ich mich zuvor auf der Empore schon angezogen gefühlt hatte. Ich lachte ihn an. Trotz seiner Frage, die ich für einen dummen Anmacherspruch hielt, war er mir einfach sympathisch und erschien mir nicht gerade wie ein Aufreißertyp. Ich wollte mich gern mit ihm unterhalten. Unsere Nähe, die Tiefe der Gespräche, diese Vertrautheit berührten mich. Ich war begeistert, vielleicht endlich einmal einen „guten Freund“ gefunden zu haben. Das war bis dahin mit Männern nie möglich. Dass Guido sich mir körperlich nähern wollte, passte mir zunächst nicht. Ich fühlte mich zwar wohl mit ihm, unbeschwert und vertraut, suchte aber nicht nach mehr. Es war wunderbar, wie es war.

Als er mir später seine Telefonnummer gab und meine nicht wollte, war ich überrascht. Er sagte nur: “Melde du dich.“ Am nächsten Tag hätte ich am liebsten gleich schon bei ihm angerufen. Das erstaunte mich, weil ich doch glaubte, nicht in ihn verliebt zu sein. Mein Gefühl für ihn war anders, als für jeden Mann zuvor. Es war so ruhig, pure Entspannung für mich. Ich hatte es so genossen, mit einem Wesen zusammen zu sein, das dieselbe Sprache sprach, selbst wenn wir schwiegen. Dennoch zwang ich mich, zumindest einen Tag abzuwarten, bis ich ihn anrief. Er lud mich ein, ihn bei einem Bekannten zu besuchen. In dem Moment, als die Haustür geöffnet wurde, blieb mir die Luft weg. Da stand der Latino aus dem Salsa-Schuppen. Guidos Bekannter. Er war ebenso verblüfft wie ich und wusste nicht, was er sagen sollte. Den ganzen Abend flirtete er mich an, obwohl er wusste, dass ich wegen Guido gekommen war. Mir war bewusst, dass das nur ein Spiel und nichts Ernstes war. Wirklich berührt fühlte ich mich von Guido, seiner unspektakulären Art, dem Gefühl von Ruhe und Frieden, das ihn umgab. Ich fuhr Guido nach Hause. Stunde um Stunde saßen wir im Auto und quatschten über Gott und die Welt. Wieder versuchte er, sich mir körperlich zu nähern, und nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen, nahm das Ganze schließlich doch seinen Lauf… Das Zusammensein mit ihm war so leicht, selbstverständlich und unproblematisch. Es war einfach unglaublich, wie perfekt wir zusammenpassten, und mutete wie ein Geschenk des Himmels an. Bis heute, über zwanzig Jahre später, gibt es viele Momente dieser Magie. Sie lassen sich nicht steuern, sie entstehen einfach von selbst.

Oftmals kommen wir unverabredet zur selben Zeit zu Hause an, wir versuchen uns gleichzeitig auf dem Handy zu erreichen oder sagen im selben Moment die gleichen Dinge. Manchmal stellen wir am Abend fest, dass wir uns morgens, ohne uns zu sehen, in gleichen Farben gekleidet haben. Die Liebe fügt alles in einer ungeheuren Perfektion.

Was ist es anderes, als die Magie der Liebe, die Menschen zusammenführt, und das auf Wegen, die unmöglich erscheinen? Was ist es anderes als Magie, wenn Liebe Berge versetzt? Was ist es anderes als die Magie der Liebe, wenn Menschen erst dann sterben, wenn ihr geliebter Partner da ist, um sich von ihm verabschieden zu können? Was ist es anderes, als die Magie der Liebe, wenn ein Partner – weit entfernt – spürt, was mit dem anderen geschieht? Wir können sie nicht erdenken, nicht erzwingen, nicht planen, die Liebe. Sie wirkt in einer solchen Größe und Perfektion, dass wir uns nur verneigen und sie walten lassen sollten.

Mir erscheint es wie ein Wunder, dass Guido und ich uns unter Milliarden Menschen kennenlernten. Wir konnten das nicht tun, nicht arrangieren. Eigentlich ist unsere Liebe selbst ein Wunder. So lebendig und immer wieder neu, seit dreiundzwanzig Jahren. Als ich einundzwanzig war und Guido kennenlernte, dachte ich, bis zum Ende meines Lebens nur bei einem Mann zu bleiben und nie mehr mit einem anderen Mann Sex zu haben, müsste entsetzlich langweilig sein. So, als würde das Leben an Farbe verlieren und an mir vorbeiziehen. Ich empfinde es als ein Wunder, wie unerschöpflich die Erfahrungen mit einem Menschen sein können und dass es kein Bedürfnis nach einem anderen gibt. Wie viel Erfüllung in der Begrenzung liegen kann, wie reich, ja unendlich die Liebe sein kann. Das kommt mir vor wie eine Tiefenbohrung. Die Quelle sprudelt und offenbart ihren Reichtum. Ich kann das bis heute weder mit dem Verstand begreifen noch in Worte fassen. Würde ich über die Liebe nachdenken, hielte ich vieles, was wir erleben, für unmöglich und kitschig. Die Liebe ermöglicht Unvorstellbares. Doch erfordert sie von dir das Wagnis, dich dem Unbekannten, dem, was du nicht für möglich hältst, um ihretwillen hinzugeben.

Ich habe mich oft gefragt, wie Guido es in den Anfangsjahren mit mir ausgehalten hat. Auch das war für mich wie ein Wunder. Als wir uns kennenlernten, hatte ich große Angst, verletzt zu werden, mich ganz auf die Liebe einzulassen. Manchmal war ich richtig zickig. Wenn er sich nicht meinen Erwartungen entsprechend verhielt, machte ich ihm Vorwürfe. Unbedeutende Kleinigkeiten interpretierte ich als mangelnde Liebe seinerseits und reagierte beleidigt. Wenn ich mich verletzt fühlte, versuchte ich oft, ihn ebenso zu verletzen. Und manchmal provozierte ich ihn sogar, nur um seine Reaktionen zu testen.

Die Stetigkeit seiner Liebe war mir damals unbegreiflich. Wie konnte ein Mensch das aushalten? Diese Reinheit und Größe seiner Liebe, diese Unschuld berührten mich zutiefst. Seine Liebe weichte mich auf, führte mich zu dem zurück, was inmitten aller Verletzungen, die ich erfahren hatte, immer ganz geblieben war. Mir wurde bewusst, dass meine Zickereien in mangelndem Bewusstsein und in großer Angst gründeten.

Die Frage, ob ich mich von Barbara trennen sollte, hat sich mir selbst in den Momenten größter Herausforderungen nie gestellt. Dass sie die Richtige ist, wusste ich. Genauso war mir von Anfang an klar, dass mit ihr kein Leben im Weichspülgang, sondern voller Intensität und Überraschungen zu erwarten war. In den ersten Jahren war das nicht immer einfach. Ich hatte mich bis dahin eher in geordneten und biederen Bahnen bewegt. Ich versuchte, nach den Regeln dieser Welt zu funktionieren Abi, Studium etc. –, um dazuzugehören. Gelungen ist mir das nie wirklich. Etwas in mir hat dann in der Regel rebelliert. Barbara war schon immer anders. Sie ist oft sehr unmittelbar und tut selten etwas, nur weil es von ihr erwartet wird.

In den ersten Jahren, als sie Anfang zwanzig war, hatte sie manchmal Gefühlsprünge, die ich nicht nachzuvollziehen konnte. Ihr Verhalten konnte sich von einer auf die andere Minute verändern. Manchmal provozierte sie mich. Einerseits fühlte ich mich verletzt, wollte mich unter lauten Beschwerden, wie „das habe ich nicht verdient, so behandelt zu werden“, zurückzuziehen und solange schmollen, bis sie endlich ihren „Fehler“ einsehen und sich entschuldigen würde. Gleichzeitig war mir immer klar, wie viel kostbare Lebenszeit, wie viele glückliche Minuten, Stunden oder gar Tage wir damit vergeuden würden. Aber über allem stand immer die Liebe, die irgendwie unerschütterlich blieb. Ich wusste, dass sie ihr Verhalten bedauerte und selbst darunter litt. Sie sprach mit mir oft darüber und entschuldigte sich. Dass es nicht nur leere Worte waren, konnte ich daran erkennen, dass sie und ihr Verhalten sich sichtbar veränderten. Ich fühlte selbst in diesen schwierigen Momenten immer, wie viel Liebe Barbara in sich trug und wie sehr sie mich liebte. Diese Liebe erleichterte es mir, in den meisten Fällen nicht auf ihre Provokationen einzusteigen. Egal was war, ich liebte einfach nur. Das Glück, sie gefunden zu haben, überwog alles. Das war für mich eine Art Wunder.

Die ersten zwei Jahre unserer Beziehung schwankte ich zwischen dieser tiefen überfließenden Liebe und den Zickereien hin und her. Es war mir klar, dass Worte der Entschuldigung auf Dauer nicht halfen. Ich wollte die Ängste und Verletzungen lösen, wollte reifen, mich aus diesem Unsinn, dieser Verwirrung des Geistes und der Verstrickung, die mich gefangen hielt, befreien. Ich wollte mich weder ausruhen noch Guido oder mir unnötiges Leiden zufügen. Ich sehnte mich danach, frei zu sein, und spürte, dass es möglich war, wahres Glück zu finden und in der Liebe zu ruhen. Alles Leid entstand nur durch meine inneren Filme, durch meinen verzerrten Blickwinkel auf die Welt. Kaum wurde mir das bewusst, ergriff es mich wie einen Sog. Ich wollte alles geben, um die Illusionen zu enttarnen und in mir freizulegen, was immer heil und vollständig geblieben war. Spirituelle und psychotherapeutische Unterstützung waren mir dabei eine große Hilfe, solange sie mich im Herzen berührten. Sobald nur noch eine spirituelle, philosophische, religiöse oder therapeutische Theorie oder Weltansicht im Vordergrund stand, ging ich weiter. Ich wollte es wirklich wissen, wollte wirklich frei sein. Nach und nach erkannte ich, dass es nicht darum geht, das Leben in Theorien und Konzepte zu fassen, auch nicht in psychologische oder spirituelle, die eine vermeintliche Sicherheit zu geben scheinen. Ich wollte mich dem Unfassbaren, der Liebe hingeben, dem, was größer ist, als der Verstand und seine Theorien. Sobald ich mich hingab, spürte ich, dass alles gut war und nie wirklich etwas in mir zerstört werden konnte.

Der Kern deines Seins ist immer vollständig und unberührt, selbst wenn du die Liebe aufgegeben hast, weil dir diese Welt so hart erscheint oder du dich von deinem Partner verletzt fühlst. Egal wie weh es getan hat, da ist nichts, es bleibt nichts als Liebe. Lass sie zu, sie ist dein Sein. Dem Wahren in dir kann niemand etwas antun. Verletzungen geschehen in der Welt der Illusionen. Sie entstehen aus den unerfüllten Erwartungen, die du an jemanden hast. Sie entstehen aber nur, wenn du der Vollständigkeit, der Liebe in dir selbst nicht gewahr bist. Hältst du dich für bedürftig, kann dich das Verhalten anderer bis ins Mark treffen, ja sogar ein Gefühl von Vernichtung auslösen. Dabei lässt sich der Kern deines Seins nicht vernichten, ja nicht einmal ankratzen. Er ist ewig, unsterblich. Nur dein scheinbares Ich, das geliebt werden will, fühlt sich von Attacken und Liebesentzug bedroht. Selbst wenn ein anderer versucht, dich zu verletzen und zu vernichten, ist es reine Liebe. Denn das hilft dir zu erkennen, dass das Wahre nicht zerstört werden kann. Wahre Liebe kennt kein Gegenteil. Wahre Liebe muss nicht getan, erzwungen oder angestrebt werden. Liebe ist, in dem du einfach bist. Du musst dir Liebe nicht verdienen, nicht erst etwas werden oder etwas erreichen. Liebe ist das Geschenk, du selbst sein zu dürfen. Doch leider glauben wir, dass nichts passiert, wenn wir nichts tun. Wir meinen, immer etwas leisten, andere beeindrucken oder uns Liebe verdienen zu müssen. Wir rennen der Liebe hinterher und strengen uns dabei unglaublich an. Babys sind einfach, sie berühren uns mit ihrer Unschuld, ihrer Liebe. Sie geben, obwohl sie noch nichts Effektives leisten, sie werden geliebt, nur weil sie sind.

Vieles geschieht von selbst, wenn die Liebe fließen kann. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen, macht möglich, was unmöglich ist. Sie entzieht sich unserer Logik und vor allem unserer Kontrolle. Sie existiert unabhängig von Alter, Zeit, Rassen und jeglicher äußeren Form. Sie trifft uns im Kern. Ihre Magie bewegt sich jenseits des Verstandes. Du kannst Liebe, auch die große Liebe nicht erzwingen. Sie liegt nicht in deiner persönlichen Macht. Sie ist magisch, ungebunden und kostenlos. Sie heilt, überwindet Trennung und führt dich zurück zur Vollständigkeit. In der Liebe bist du zu Hause angekommen, alles ist gut – jenseits von Gut und Böse. Letztendlich ist die Liebe selbst das Geschenk, ob sie in einer Liebesbeziehung ihren Ausdruck findet, in der Luft, die du einatmest oder du dich im großen Ganzen geliebt und geborgen fühlst. Die größte Romanze, die größte Liebe ist die Liebe mit dem Leben selbst, in jedem Moment deines Seins. Gib dich der Liebe in jedem Moment deines Lebens hin. Beschränke sie nicht auf eine Beziehung. Liebe das ganze Leben. Es ist ein Wunder.

Alles im Leben hat seinen Sinn. Es gibt keinen Zufall. Dass die Liebe wie das Leben nicht zu steuern und zu berechnen ist, erzürnt jedoch viele Menschen. Sobald der Wunsch nach einem Partner auftaucht, soll der Richtige schon vor der Tür stehen. Liebe lässt sich aber nicht erzwingen. Das Leben ist weise. Es gibt uns immer das, was wir wirklich brauchen, und sei es nur, um zu lernen. Ob das jedoch immer das ist, was wir uns wünschen und für richtig halten, steht auf einem anderen Blatt.

„Was kann ich denn für die große Liebe tun, wenn doch alles Schicksal und von einer größeren Kraft gelenkt ist“, werde ich manchmal gefragt, „eigentlich kann ich es ja gleich sein lassen, mich aktiv um eine Partnerschaft zu bemühen.“ Einerseits ist die Liebe eine Gnade und pure Magie, auf der anderen Seite erscheint sie, wie das Leben selbst, als Folge einfacher Gesetzmäßigkeiten, bodenständig, praktisch, greifbar. Hasse ich andere, hasse ich mich selbst; bin ich im Widerstand mit dem Leben, leide ich; bin ich immer auf der Suche, kann ich nicht finden; will ich immer etwas werden, verpasse ich, es jetzt zu sein. Alles, was ich nicht haben will, verfolgt mich, denn die Liebe schließt nichts aus, sie umfasst alles. Obwohl eine größere Macht die Geschehnisse des Lebens, auch rund um Beziehungen, lenkt, heißt das nicht, dass du immer nur die Hände in den Schoß legen und abwarten solltest. Zu lieben bzw. in Liebe zu sein, spiegelt sich ganz praktisch in deinen Beziehungen wieder: in deinem bedingungslosen Einsatz, in deiner Offenheit zu lernen, dich nicht zu ernst zu nehmen, dich nicht um Unwesentliches zu kümmern, über deinen Schatten zu springen und deine Erwartungen in Frage zu stellen.