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SHOZAN JACK HAUBNER

ZENBERSERKER

Bekenntnisse eines missratenen Mönchs

Aus dem Englischen von Ulrich Magin

ZEN

Bekenntnisse eines
missratenen
Mönchs

BERSERKER

SHOZAN JACK HAUBNER

MIT EINEM VORWORT VON LEONARD COHEN

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Die englische Originalausgabe
Zen Confidential – Confessions of a Wayward Monk
ist erschienen bei Shambhala Publications, Inc., Horticultural Hall,
300 Massachusetts Avenue, Boston, Massachusetts 02115
www.shambhala.com.

Copyright © 2013 Shozan Jack Haubner

Copyright der deutschen Ausgabe © 2014
Aurum in J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld

Übersetzung ins Deutsche: Ulrich Magin
Lektorat: Hendrik Bönisch
Gestaltung: Kerstin Fiebig [ad department, Bielefeld]
Titel: Collage aus Illustrationen von Fotolia.com (©bokononist, ©patrimonio designs)
Druck & Verarbeitung: fgb - freiburger graphische betriebe

www.weltinnenraum.de

1. Auflage 2014

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Printausgabe 978-3-89901-763-2
ISBN E-Book 978-3-89901-927-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

FÜR PAPI-SAN,
DER SPÜRT, WIE DIE ZWEIGE IN SEINEN EINGEWEIDEN SCHWINGEN.

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WENN MENSCH UND BERG SICH BEGEGNEN,
EREIGNEN SICH GROSSE DINGE,
DIE SICH IM GEDRÄNGE DER STRASSEN
NICHT VERWIRKLICHEN LASSEN.

William Blake

DAS LEBEN EINES ZEN-MEISTERS
BESTEHT
AUS EINEM EINZIGEN,
FORTDAUERNDEN FEHLER.

Dogen

INHALT

EINE ART VORWORT VON LEONARD COHEN

DANK

1.BEICHTE EINES WÜTENDEN JUNGEN MÖNCHS IM ZENIT SEINER GRIESGRÄMIGKEIT

EINE EINLEITUNG / EIN NACHWORT

2.WACHSTUMSGEBIET

3.DA IST MIR DOCH AUF DEM WEG ZUR ERLEUCHTUNG WAS KOMISCHES PASSIERT

4.BESCHISSENER MÖNCH

5.FRÜHLINGSTRIEBE

6.DREI FREUNDINNEN UND EIN SCHWANGERSCHAFTSTEST

7.BLICK IN DEN GEWEHRLAUF

8.ZEIT FÜR ETWAS ZÄRTLICHKEIT

9.EIN ZEN-EIFERER KEHRT HEIM

10.GALAERÖFFNUNGEN IN DER WINDIGEN STADT EIN MÖNCHSMANIFEST!

11.VERRÜCKTER MÖNCH

12.FLINTY MCGEE UND ICH

13.DIE GAAANZE WELT UMARMEN!

14.UNTERWEGS MIT ROSHI

EPILOG: BERGE IN BEWEGUNG

EINE ART VORWORT

Das hier ist der beste Bericht über die Ausbildung eines Zen-Mönchs in Amerika, den ich je gelesen habe.

Ich wurde schon vor langer Zeit ordiniert. Kurz danach ließ mich mein Lehrer wissen, ich sei ein „Angeber-Mönch“. Das stimmte – ich habe es ausschließlich wegen der Robe getan.

Shozan Jack Haubner wurde mehr als neun Jahre lang von einem Lehrer ausgebildet, den ich liebe, und das auf einem Berg, den ich kenne. Im Unterschied zu mir ist er wirklich authentisch. Er hat durchgehalten, während ich (lange bevor er dort ankam) geflohen bin.

Jetzt hat sich dieser Punk von einem Mönch, der sich besser um seinen eigenen Kram kümmern sollte, entschlossen, die Welt da draußen mit seinen Lügengeschichten anzustecken – schlimmer noch: ihr die Wahrheit zu sagen. Und was für ein verschlagener, durchtriebener, gefährlicher, übel riechender, herzerwärmender Bastard er ist. Fast können wir ihm vergeben.

Wenn dich solche Dinge interessieren, dann wird dir dieses Buch gefallen. Willst du tiefer in die Materie eindringen, wirst du dieses Buch schlichtweg brauchen.

Jikan Leonard Cohen

1. April 2012

DANK

Die Gelegenheit, sich nicht vor seinen Lieblingslesern zu verneigen, sondern die Koautoren anzuerkennen:

Meine Dharma-Tanten, -Onkel, -Brüder, -Schwestern, -Nichten und -Neffen – ihr seid die tapfersten Menschen, die ich kenne.

Tom Tom, mein Rechtsverdreher; Markus, weil er mit seiner Spürnase die Notizen gefunden hat, auf die es ankommt; Jikan-san, der etwas Hilfe von oben gewährte, wenn ich es nötig hatte, und der mir einen Ruck gab; der Inji, ohne den ich im gleichen Maße, in dem ich älter wurde, auch unreifer geworden wäre.

Dave O’Neal: Ein guter Lektor zeigt dir, dass du nicht so gut bist, wie du glaubst, und macht dich dann besser, als du vorher warst.

Die Redakteure bei Sun, Tricycle und Shambhala Sun, insbesondere Andrea Miller, Rod Meade Sperry und Melvin McLeod – denke ich an die brillante Führung durch dieses kraftvolle Trio, habe ich einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen.

Die Glatzköpfe, und zwar jede Generation – ihr seid die Hüter der Flamme, die Mechaniker in der Menschenfabrik!

Pops, Mom, Mona, Helen, Beth, Andrew. Meine Familie, jetzt und für immer. Baboo!

Mein Mentor.

Mein Lehrer.

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BEICHTE EINES
WÜTENDEN JUNGEN MÖNCHS IM ZENIT SEINER GRIESGRÄMIGKEIT

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EINE EINLEITUNG / EIN NACHWORT

Ein buddhistisches Zen-Kloster kann man als eine Art Labor betrachten, in dem man die wahren Eigenschaften seines Selbst entdeckt. Dabei bist du sowohl Versuchsobjekt als auch Beobachter eines Experiments, das häufig übel ausgeht. Es gibt Explosionen, Sauereien, flüchtige Wechselwirkungen, seltsame Gerüche, weitere Explosionen und schließlich faszinierende, unvorhersehbare Ergebnisse. Etwas Neues erblickt in Folge dieser Experimente das Licht der Welt – oder besser gesagt: Es wird aufgedeckt. Und dieses Etwas bist du: deine grundlegende Natur als Mensch.

Die Ausbildung im Kloster steht dabei einfach für den organischen Prozess, durch den du lernst, dir selbst so aus dem Weg zu gehen, dass das Leben, das du eigentlich leben solltest, vollständig zum Vorschein kommen kann. Ich kann aufrichtig sagen, dass mich diese Haltung zur spirituellen Arbeit komplett verwandelt hat. Sie hat mich aber auch in Frustration und Verzweiflung getrieben. Obwohl ich dieser Arbeit mittlerweile schon fast ein Jahrzehnt lang in Vollzeit nachgehe, bin ich noch lange kein „Experte für Religion“. Ich bin lediglich jemand, dessen Widerstand gegen die Wirklichkeit durch spirituelle Techniken gründlich aufgerieben wurde.

Nach einem Jahr im Kloster begann ich in dem Versuch, alles, was ich erlebte, zu verarbeiten und mit anderen zu teilen, ein Tagebuch zu führen, in das ich kleine Skizzen eintrug, die sich mit den alltäglichen und dennoch wesentlichen Dingen der spirituellen Arbeit beschäftigten. Mit diesen Sendschreiben vom Berge hoffte ich, meine Spur im amerikanischen Buddhismus zu hinterlassen – wie ein Teenager, der über einen Parkplatz schleicht und auf die schmutzigen Fensterscheiben lange, pilzförmige „Dinger“ malt.

Also schon ganz zu Beginn – nach nur drei Absätzen – mache ich Witze über Penisse. Jetzt zeigt ein Leser da hinten auf und fragt: „Warum bist du so versaut? Willst du uns schockieren oder uns damit nur beeindrucken?“

Auf den folgenden Seiten, so hoffe ich, werde ich mich nicht so sehr aufspielen als vielmehr offenlegen und offenbaren. Ein Zen-Mönch, so denke ich, hat keine Angst davor, sich zu entblößen. Er setzt sich aus, zeigt sich nackt und verletzlich. Und somit wirst du Zeuge der intimsten Mechanismen des menschlichen Geistes. Er mag zwar grob vorgehen, aber es handelt sich doch um das genaue Gegenteil von Pornografie. Eine Analogie lässt sich deshalb kaum vermeiden: Er entkleidet sich Schicht um Schicht, um dir dein eigenes Bild und deine Ähnlichkeit zu enthüllen, das, was uns alle verbindet, und das starrt dich von dem Ort aus an, an dem er einmal gewesen ist. Das Private wird öffentlich und universell.

Bescheidener ausgedrückt: Jede Arbeit, die darauf abzielt, frisch und wahr zu sein, ist „schmutzig“. Die Arbeit im Kloster ist schmutzig. Deshalb werde ich mich auf den nun folgenden Seiten vor dir entblößen. Ich werde schüchtern sein und aufgeregt. Manchmal wird es schon etwas seltsam. Ich warne dich. Aber ich versuche dabei, uns näher zusammenzubringen, ich will alles Künstliche niederreißen, Schranken abbauen: zwischen mir und dir, zwischen dem Heiligen und dem Profanen.

Was das Wilde dieser Texte angeht, das – so fürchte ich – regelmäßige Unterbrechungen zum Duschen erfordert, so lässt es sich auf die stampfenden, schnaubenden, hörnerknallenden spirituellen Brunftphasen mit meinem Zen-Mentor zurückführen (der ungezähmte Geist, der mich schließlich meinem Zen-Lehrer vorstellte), die vor mehr als einem Jahrzehnt begannen und noch heute andauern. Wir wollen beide dieselbe Wahrheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln besteigen: er durch Logik, ich durch Dichtung. Und nachdem wir beide versagt haben, über den Humor. Ich schreibe gewöhnlich in einer tosenden Welle ekstatischer Inspiration, besonders dann, wenn sich eine Körperfunktion als zentrale Metapher anbietet; mein Mentor – dieses größte aller Talente: ein mitfühlender Kritiker – weidet dann alles von mir Geschriebene aus und kastriert es (meiner Ansicht nach) obendrein. Dann stoße ich ein paar ethnisch aufgeladene Bemerkungen aus, die sich auf seine irische Herkunft beziehen, und fange an, alles noch einmal zu schreiben. Dabei verwende ich nach und nach all seine Ideen, als seien sie meine eigenen (manchmal ändere ich Einzelheiten und Ereignisse, um meine Freunde zu schützen und – ganz ehrlich – die Geschichte etwas aufregender zu machen). Mein Mentor besteht darauf, dass es sich dabei um eine subtile Zen-Lektion handelt, die mir durch das Hintertürchen meiner schriftstellerischen Arbeit erteilt wird. Ich entgegne, das sei ein schöner taktischer Kniff von ihm, der mir die Verpflichtung einreden solle, bei den tequilatrunkenen Sitzungen unserer leidenschaftlichen Dharma-Begegnungen die Zeche zu zahlen.

Ich bin voreingenommen, vertrete daher die Ansicht, dass ein Fünkchen Zen jedem spirituellen Weg zugrunde liegt. Abgesehen davon eignet sich ein Vollzeitleben im Kloster nicht für jeden. Der Tag will nicht zu Ende gehen, dass Essen verursacht Blähungen, im Sommer kratzen die Klamotten und verursachen Schweißausbrüche, im Winter frierst du in ihnen und kannst dich kaum bewegen, du kriegst dafür nichts bezahlt und die Leute treiben dich in den Wahnsinn. Du kriegt nie ausreichend Schlaf, Eiweiß, Taschengeld, Privatsphäre oder Zuspruch jeglicher Art. Deshalb verblüfft es mich immer wieder, dass Zen als popkultureller Sammelbegriff für ausnahmslos jede blöde, naive und minimalistische Ästhetik und noch mehr herhält. Das Wort ist zu einem Synonym für spirituell verabreichte Teilnahmslosigkeit geworden – wie der Dude aus The Big Lebowski, allerdings sind seine goldenen Locken geschoren, er trägt Zen-Robe statt Bademantel und nippt grünen Tee statt White Russians. „Das ist, äh, wie Yoga für Leute, die keinen Sport machen“, flirtete einmal eine Frau in Los Angeles mit mir und beantwortete damit ihre eigene Frage: Worum geht es bei diesem Zen eigentlich?

Für den Großteil der Amerikaner, mit denen ich mich unterhalte, bedeutet Zen tröpfelnde Wasserfälle, Shakuhachi-Flötenmusik und entspannte japanische Mönche, die grinsen wie nach einer Lobotomie, während sie ihren jungfräulichen Kiesgarten rechen und uns dabei den Arsch entgegenstrecken. Ich wage zu behaupten, dass du, wenn du diesen Mönchen – die es so übrigens nur in der Vorstellung des Westens gibt – die Robe hochhebst, nicht auf menschliche Genitalien stoßen wirst, sondern auf schwarze Zensurbalken oder auf ein gelbes Smiley-Gesicht, das alles verdeckt, was interessant sein könnte.

Wenn jedoch diese Klischees von Zen die Praxis als gelassen und gutmütig zeichnen, eine Art homöopathisches Prozac1, dann gibt es dafür eine Entschuldigung, denn der Ferne Osten ist uns aus dem Westen stets ein Rätsel geblieben. Unglücklicherweise sind unsere Vorurteile über unsere einheimischen Mönche noch herablassender und wirrer. Meiner Erfahrung nach betrachten Amerikaner Mönche – ob es sich nun um buddhistische, katholische oder andere handelt – als etwas unheimliche Wesen am Rande der Gesellschaft. Der Mönch hat bleiche Haut und nutzt seine Geschlechtsorgane nicht. Wann hat er sich wohl zum letzten Mal einen Martini genehmigt? Er ist eine Art Troll der inneren Welt, er wohnt in Räumen, von denen die meisten von uns nicht einmal wissen, ob sie existieren: Höhlen des Unbewussten, Behausungen der Stille, unaussprechliche Regionen – namenlose und formlose Innenräume.

Woher nehmen die Menschen solche Vorstellungen? Ich traf einmal eine uralte verwitterte Dichterin im Lost Souls Café in New Mexico, die das Problem mit einer Gelassenheit erhellte, die nur von ihrem Cappuccino-Atem in den Schatten gestellt wurde: „Bei uns gibt es einfach keine große Tradition mehr, dass weise Männer sich aus der Gesellschaft zurückziehen und irgendwo in den Bergen leben.“ Sie puhlte mit einem Klappmesser in ihren Zähnen und dachte einen Augenblick lang nach. „Grizzly Adams2 und der Unabomber3. Das sind bei uns die Männer, die der Gesellschaft entfliehen und in den Bergen leben. Ja, und diese inzestuösen Sodomiten-Brüder aus dem Film Beim Sterben ist jeder der Erste.“

Um diese Einstellung zusammenzufassen, kann man sagen, das ein Amerikaner bei dem Wort „Mönch” denkt: „Quiek wie ein Schwein!“4

Diese Formulierungen deuten allesamt auf ein grundlegendes Missverständnis hin: nämlich dass der westliche Mönch nichts mit der Welt zu tun hat. Er ist ihr keine große Hilfe (und schadet ihr manchmal sogar). Er lebt völlig außerhalb von ihr und weiß nichts von unserem Alltag. Diese Annahmen stimmen alle nicht, wie ich noch zeigen werde, nachdem ich meine Nachmittagslevitation beendet habe …

Das Leben ist nicht einfach. Das ahnen wir alle instinktiv. Das Problem liegt darin, dass wir als Kultur dieses Leid zu lösen versuchen, indem wir lügen. Wir erschaffen ein komplexes Netz aus Lügen über eine Verknüpfung von Lügen – dabei geht es immer um die Lüge vom „Mehr“: mehr arbeiten, mehr essen, mehr kaufen – im Gegensatz zu ein oder zwei harten, aber unbestreitbaren Wahrheiten. Wahrheiten wie etwa die Erste Edle Wahrheit des Buddhismus: Leben ist Leiden. Beginne an diesem Punkt, erklären uns die Dharma-Gelehrten. Statt unbarmherzig und ohne Unterlass nach einem Leben zu streben, das zugeschnitten ist auf die Stillung deiner Begierden und Bedürfnisse, solltest du begreifen, dass es nicht deine Bestimmung ist, dem Glück nachzujagen. Du hast einen höheren Daseinsgrund, der dich mit allen anderen auf unserer Erde verbindet, den du erfüllen musst und der deinen vollen Einsatz erfordert. Die alten Meister hatten dieselbe Botschaft wie die neuen: Du musst zu einem wahren menschlichen Wesen heranwachsen. Zurzeit bist du nur das, was die Eichel für die Eiche ist. Ein guter Anfang, sonst nichts. Du hast noch einen langen Weg vor dir, mein Lieber, und du wirst dein ganzes Potenzial nicht dadurch erreichen, dass du vor deinem Laptop sitzt, mit einer Tüte Chips in der einen und deinem Schwanz in der anderen Hand, und dir Pornos reinpfeifst, die ein Loch in deine Hornhaut und dein Bewusstsein brennen. Nur so ein Gedanke.

EIN NACHWORT, SCHON VORHER

Ich befürchte, dass ich bereits zu weit gegangen bin und schon jetzt die meisten meiner Leser verloren habe. Ich hämmere diese Einleitung in die Tasten, nachdem ich die letzte Seite des Buches geschrieben habe. Es ist 2:30 Uhr in der Nacht. Um 3:15 Uhr muss ich aufstehen, um im Zendo, dem Meditationsraum, Tee zu servieren. Ich schreibe bei Kerzenlicht an meinem Schreibtisch, wie ich so vieles, was du nun lesen wirst, aufgeschrieben habe – und zwar zu seltsamen Zeiten und ziemlich übernächtigt. Das hier ist meine letzte Chance, meinem ersten Buch den letzten Schliff zu geben. Und – verdammt noch mal – ich will laut und deutlich herausschreien, was die folgenden Seiten lediglich andeuten.

Es war ein langer Weg bis hierher, bis zu dieser Einleitung über mein Leben als Zen-Mönch. Ich wurde als Katholik geboren, nur damit ihr das wisst. Für die meisten von uns ist die Religion, in die wir hineingeboren wurden, so eine Art Muttermal, manchmal sogar eine Fehlbildung: Entweder bleiben wir ihr treu und lernen, mit ihr zu leben, oder wir ertragen unser Leben lang die Narben, die entstehen, wenn wir sie entfernen. Ich hatte das Glück, die neue spirituelle Praxis des Zen in die offene Wunde meines abgetrennten Katholizismus zu pfropfen, bevor diese vernarben konnte. Und doch juckt der Glaube meiner Kindheit noch immer wie ein Phantomschmerz in dieser Leere. Diese Leere ist es auch, in die ich diese Worte schleudere; es sind die letzten, die ich für ein Buch schreibe, das du nun zu lesen beginnst. Neben mir hier im Zimmer sitzt mein Ich – vor einem Jahrzehnt –, und jedes Wort, das ich niederschreibe, ähnelt einer Planke in einer morschen Brücke, die hin zu diesem früheren Ich führt.

Und doch erreiche ich es nicht. Ich kann nur dich erreichen. Aber das reicht mir völlig – es ist besser als alles, was ich mir erhofft hatte. So viele Jahre lang habe ich in einem leeren Raum Selbstgespräche geführt, habe geschrieben, nachgedacht und gelebt, und das für niemand anderen als den Geist in meinem Spiegel. Welch ein Segen ist es, endlich in Gesellschaft zu sein! Jetzt sitzt du in diesem Zimmer bei mir, und ich sitze in deinem Zimmer bei dir, in deinem Geist, in deinem Herzen. Ich hoffe, unser Treffen löst in dir eine Erfahrung aus, die einem Liebeswerben gleicht, eine Beziehung, durch die etwas Neues erzeugt wird, eine Brücke zwischen zwei Gehirnen, zwei Herzen, zwei Seelen.

Zu diesem Zwecke biete ich dir Geschichten aus meinem Leben als Mönch an. Und indem ich das tue, biete ich mich selbst an. Viel zu lange war mein Selbst das Problem. Nun weiß ich, dass es auch die einzige Brücke zwischen uns bildet. Es ist alles, was ich dir bieten kann, und ich verschenke es bereitwillig. Klammert man sich daran, verfault es. Verschenkt man es, dann gedeiht es und nährt das eigene Gedeihen. Ich bin weder Experte für Buddhismus noch für Zen. Letzten Endes bin ich höchstens ein Experte für meine eigenen Fehler und Irrtümer. Deshalb hege ich großes Mitgefühl für andere Irrgänger wie mich. Fehler zu begehen ist allerdings nicht das Problem. Selbst der Begründer des Buddhismus, der gute alte Shakyamuni, fand ein bedauernswertes Ende, nachdem er versehentlich verdorbenes Essen heruntergeschlungen hatte. Ein wahres Leben beginnt, wenn du endlich akzeptierst, dass du vor deinen Problemen nicht davonlaufen kannst. Ist das erst einmal erledigt, liegt die unendliche Herausforderung darin, immer wieder mit dem pochenden Herzen der Verzückung inmitten jedes Augenblicks zu verschmelzen, sei er nun gut oder schlecht, bis zu unserem letzten, oft ziemlich unschönen Atemzug. Davon ganz und gar überzeugt zu sein, das bedeutet der Begriff Glaube für einen Buddhisten.

Ich stelle mir einen Leser vor, der so ist wie ich vor zehn Jahren (nur etwas kleiner und intelligenter). Ich will ihm sagen: Es gibt einen Weg heraus aus dem Materialismus, dem Nihilismus und – als Antwort auf die ersten beiden – aus dem religiösen Fanatismus, der so kennzeichnend ist für unsere gegenwärtige Zeit. Es leuchtet ewiges Licht im unendlichen schwarzen Loch des menschlichen Leids. Ich möchte ihn mir greifen, ihn ordentlich durchschütteln und ihm zurufen: Du Idiot! Dass du mit nicht mal dreißig Probleme mit der Prostata hast, liegt daran, dass du ständig an dir herumspielst. Als ich 25 Jahre alt war, hätte ich für eine solche Information jemanden getötet. Und in der Tat habe ich damals fast jemanden getötet – nämlich mich selbst. Wenn du wirklich verzweifelt und verwirrt bist, dann verwechselst du die Selbstzerstörung, nach der du dich sehnst, mit der Selbstaufgabe, die du wahrhaft brauchst.

Zum Glück entdeckte ich das Zen-Mönchstum. Das wurde mein Gegenmittel zu der globalen kapitalistischen, ultraindividualistischen, überentfremdenden Megakirche und Shopping-Mall McAmerica. (Mönche sind, wie man sich vorstellen kann, lausige Konsumenten. Das ist wohl ein weiterer Grund dafür, dass uns der Mainstream etwas unheimlich findet.) Beim Zen jagst du keinen Sachen, Menschen oder Ideen nach. Du lässt den Geisteszustand des Hamsterrades komplett hinter dir und entledigst dich aller materiellen Besitztümer, aller intellektuellen Gewissheiten und der religiösen Bequemlichkeit. Du gibst alle Pläne und Träume auf. Letzten Endes lernst du sogar, dich selbst aufzugeben, also die täuschende Kombination aus Ideen, Emotionen und Glaubenssätzen, durch die du dich abgetrennt vom Universum fühlst, mit dem du allerdings durch eine Art unsichtbare Nabelschnur verbunden bist, durch die Nährstoffe und Energien in beide Richtungen fließen – in einem Kreislauf. (Denn wie sagte die französische Mystikerin Simone Weil: „Der Kreis ist ein Symbol der Monotonie, das schön ist … Nur der Kreislauf enthält die Wahrheit.“) Hast du erst einmal gelernt, dich selbst aufzugeben, lernst du, das Aufgeben aufzugeben. Und genau das ist der Moment, in dem du neu geboren wirst, und die ganze Welt mit dir.

Der Keim des Universums, so erklärte mir einst mein Mentor, ist der Raum, wo das Einatmen endet und das Ausatmen beginnt. Wir können nie sehen, wann dieser Keim aufgeht, denn wir selbst ruhen in ihm. Klingt kompliziert? Dann hole einmal tief Luft. Es ist nämlich genauso unkompliziert wie Ein- und Ausatmen. Deshalb wird beim Zen so oft bewusst geatmet.

Einer der Gründe, warum Zen so subversiv ist, liegt darin, dass diese Praxis so einfach ist. „Die Wahrheit hat kaum bewegliche Teile“, sagte mein Zen-Meister. Es gibt einfach das Prinzip des „Nicht-Selbst“ – Anatta im Sanskrit – und die Umsetzung dieses Prinzips in die Praxis: durch Geben und Empfangen, nie aber durch Nehmen. Richtig praktiziert, demonstriert selbst ein Händeschütteln oder eine Umarmung dieses Prinzip perfekt, was erklärt, warum ein Großteil der anfänglichen Praxis des Zen in einfachem, zwischenmenschlichem Körperkontakt besteht. Jedes Mal, wenn du davon abweichst, dieses grundlegende Prinzip in der Praxis umzusetzen, steht bereits der Zen-Meister bereit, um dich durch einen Schlag oder eine Umarmung wieder in die Spur zu bringen.

Der Zen-Meister, der mich ausbildete, kam vor fünf Jahrzehnten in die Vereinigten Staaten. Bei sich trug er – so will es die Legende – bloß ein Japanisch-Englisch-Wörterbuch im einen und ein Englisch-Japanisch-Wörterbuch im anderen Ärmel. Ich bin da voreingenommen, aber so jemanden wie ihn gibt es kein zweites Mal auf Erden. Er wurde 1907 geboren und durfte kürzlich seinen 105. Geburtstag feiern. „Ein Zen-Meister ist kein Heiliger“, erklärte er einmal und stellte dies in seiner eigenen Laufbahn immer wieder unter Beweis. Er sagte ebenfalls: „Aber manchmal hilft es, einen zu imitieren.“ So hat er sich mir gegenüber auch stets verhalten, und diese Seite von ihm ist es, die ich hier – mit allen Höhen und Tiefen – schildere. So kann sich jeder ein Bild von einem fehlerhaften spirituellen Lehrer auf höchstem Niveau machen. Befindest du dich selbst gerade an einem Tiefpunkt, dann wisse: Selbst die Besten von uns sind nie besser als wir – und sollten sie doch besser sein als wir, dann können sie auch viel schlimmer sein als wir. Dieses Paradox ist der Kern meiner Arbeit mit meinem Lehrer. Erst gegen Ende dieses Buchs wirst du von ihm hören, und doch ist jede Seite bis dorthin von seiner Gegenwart durchdrungen, jeder Satz erfüllt von dem einzigen literarischen Ratschlag, den er mir je gab: „Worte sind Lügen.“

Ich bin kein Zen-Meister (eher ein Zen-Monster), hoffe aber dennoch, dass dich die folgenden „Lügen“ schlagen, schütteln, umarmen und – wenn nötig – ein wenig streicheln werden. Ich habe versucht, den Geist des Zen in diese Seiten zu packen, in denen auch jede Menge intimer Details stecken. Bitte schäme dich für mich. Nimm teil an meiner Idiotie, damit du weißt, dass du damit nicht allein dastehst. Meiner Erfahrung nach konzentrieren sich zu viele buddhistische Bücher auf den Lotus der Erleuchtung und verschweigen den Schlamm, aus dem er erblüht. Wenn wir bequeme und naive Missverständnisse in Bezug auf das spirituelle Leben fördern, entziehen wir uns jeglicher Verantwortung, eines zu führen. „Der Mönch hockt da oben auf dem Berg und schlägt den ganzen Tag die Zeit tot“, denken wir, „aber hier unten, in der realen Welt, können wir uns so einen Luxus wie Meditation gar nicht leisten. Wir müssen Rechnungen bezahlen und hungrige Mäuler stopfen!“

Als Volk haben wir vergessen, dass ein spirituelles Leben unverzichtbar ist, weil es uns zusätzlich zur „realen Welt“ mit all ihrem Völkermord, ihrem Hunger, ihrer Umweltzerstörung, ihren Religionskriegen und Boygroups einen Kompass zur Verfügung stellt, etwas, das die Trillionen einzelner Stränge unserer persönlichen und beruflichen Um- und Irrwege in einen einzigen dynamischen Lebensweg bündelt, einen Pfad, der nach innen zu unserem tiefsten Selbst führt und nach außen zu den Herzen unserer Mitmenschen und letzten Endes zu der Erkenntnis, dass beides ein und dasselbe ist.

Während ich also in mitleiderregender und erschreckender Detailfreude meine eigenen Kämpfe und mein Scheitern als buddhistischer Vollzeit-Mönch mehr als sattsam vor dir ausbreite, hoffe ich, dir ein Freund zu sein, wenn du bei deiner Reise zur Selbsttransformation und Vervollkommnung auf ähnliche Herausforderungen stößt. Man lernt erstaunlich viel aus den spirituellen Fehlern der anderen. Also kann ich dir jede Menge beibringen. Auf diesen Seiten seziere ich mich selbst und biete mich demütig als dein Zen-Versuchskaninchen im klösterlichen Experiment an. Dieses Buch, an dem ich so hart gearbeitet habe, ist genau die Art Buch, nach der ich verzweifelt suchte, als ich wütend, verloren und 25 Jahre alt war. Es handelt sich um die tief empfundene Reise eines jungen Mannes, der aus dem Anus seiner Selbstbefangenheit, seines Leidens und seiner Verzweiflung hervorkroch … und der all das überlebte, um dann Fäkalwitze darüber zu machen!

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WACHSTUMS GEBIET

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Es war eigentlich ein toller Plan: Wir wollten die primitiven Toilettenhäuschen in unserem ländlichen klösterlichen Zen-Center ersetzen. Der Abt war damals ein charismatischer und idealistischer Deutscher (Achtung!) und forderte uns zum letzten Mal auf, endlich Kompostiertoiletten zu installieren. Kompostiertoiletten basieren auf einem wunderbaren Prinzip. Dieses Prinzip hat großen metaphorischen, aber auch praktischen Nutzen. Die Dinger funktionieren folgendermaßen: Man kackt eine lange Röhre hinunter, an deren unterem Ende sich die Scheiße in einem großen Plastikbehälter sammelt. Einmal pro Woche schaufelt man einen Sack Sägespäne in diesen Behälter. Daraus entsteht dann letzten Endes guter, fruchtbarer Mutterboden, der einen prima Dünger für deinen Garten abgibt. Was du der Erde als Nahrung entrissen hast, kehrt als Nahrung zur Erde zurück. Klasse, oder nicht?

Ich gebe zu, dass ich von diesem Projekt völlig begeistert war. Es klang toll auf dem Papier, fast so wie ein Zeichentrickfilm für Kinder. Ich sah schon kleine „Kacka-Männchen“ von Pixar vor mir, die wie im König der Löwen gemeinsam Elton-John-Lieder über den ewigen Kreis des Lebens singen: „Vom Klogang an beginnt das Erlebnis, wenn was vom Teller stammt / die Erde düngt und nähret, bis man frischen Geschmack erlangt!“

Leider verbietet uns nun unser Pachtvertrag mit der Forstbehörde, hier irgendetwas anzubauen – weder Obst noch Gemüse, noch Blumen oder Bäume. Vermutlich dürfen wir hier legal nicht einmal Urzeitkrebse züchten. Also haben wir zweimal pro Jahr rund tausend Pfund des von Menschen gemachten Düngers – aber nichts, was wir düngen dürfen. Als Lösung zwingt uns das Gesundheitsamt, in regelmäßigen Abständen ein oder zwei Gläser des noch werdenden Kompostes abzufüllen und zur Analyse einzusenden. Beschließt es dann, dass das Zeug unter die Erde gebracht werden darf, müssen wir alles in spezielle Plastikkisten stopfen, es eine Woche lang in der Sonne festbacken lassen, damit alle Keime abgetötet werden, und dann jedes einzelne nutzlose Gramm zwei Meter tief im Boden des Berghanges verscharren.

Der deutsche Abt ist vor Kurzem in seine Heimat zurückkehrt, wo er nun ohne Zweifel den Luxus funktionierender Spültoiletten genießt. Unser neuer Abt stammt aus den Straßen des New Yorker Viertels Hell’s Kitchen. Er ist kaum so romantisch wie sein Vorgänger, der für die Eliza Doolittle unserer Kacke den Professor Higgins spielen und Scheißhaufen in Mutterboden verwandeln wollte. Die Kompostiertoiletten quellen jetzt wieder bis zum Rand über – und er hat eine definitiv uramerikanische Lösung dafür gefunden: „Ich bin doch kein verfluchter Fäkalalchemist. Wir pumpen die Dinger einfach leer!“

Diese Aufgabe fällt mir und „Rose“ zu, der burschikosen, aber großmütterlichen Abwasserzauberin, die wir in der Stadt 300 Höhenmeter unterhalb von uns angeheuert haben, damit sie uns bei der Beseitigung dieses Schlamassels hilft. Rose ist freundlich, süß und geduldig; sie ist in den Bergen geboren, und ihre bodenständige Natürlichkeit beschämt jedes Stadtkind. Sie ist zudem genau die Art Frau, von der du erwartest, dass sie so einen Job macht. Sie sieht aus wie Rübezahl als Drag Queen. Du kannst ihr auf die Brüste schauen, wirst sie aber nicht finden, es sei denn, du richtest deinen Blick auf ihren Bauchnabel, wo sie sie in ihren Werkzeuggürtel gestopft hat. Sie trägt einen Bürstenhaarschnitt, ihr Hals ist so dick wie ihre Schultern breit, und sie redet wie ein Lkw-Fahrer mit Tourette-Syndrom. In ihrem linken Ohr steckt ein einzelner Diamantohrring, ein fast ironischer Hinweis auf ihr vorgebliches Geschlecht.

Diese vulgäre, hohlwangige Lokuslady packt mit kräftigen Armen die Seitenklappe eines der Komposttanks und beugt sich nach vorn, streicht nachdenklich über ihr Kinn und kneift ihr scharfkantiges Gesicht zusammen. Mehrere Augenblicke verstreichen schweigend, während die „Fäkalienflüsterin“ sich auf übernatürliche Weise auf die Lage einstimmt.

Sie dreht sich zu mir um – nachdem sie das Problem erkannt und die Lösung dafür parat hat: „Wir werden daraus Kackesuppe machen.“

Jeder der drei Behälter ist turmhoch dicht mit Scheißhaufen vollgepackt. Wir wollen sie so lange bewässern, bis sie sich in flüssiges Abwasser verwandelt haben, das Rose dann in ihren 10.000 Liter fassenden Tanklaster pumpen wird. Ich besprenkle den Dünger mit dem Gartenschlauch, während Rose – die Bezwingerin des Dung-Drachen – ihn mit ihrer Schaufel in Stücke hackt. Eine mörderisch anstrengende Stunde verstreicht. Wir wechseln den Platz. Falls es einen Trick gibt, wie man die Schaufel in den zunehmend zähflüssigeren Haufen sticht und sie dann wieder herauszieht, ohne dabei eine schlürfende Fontäne aus Scheiße zu erzeugen: Ich kenne ihn nicht.

„Du hast einfach kein Gespür für eine solche Arbeit“, meint Rose. Sie versucht, mich ermutigend anzulächeln, aber ihre Augen verraten, was sie wirklich denkt: Wohin bloß mit diesem Mann, der das Scheißgebräu zu Schaum schlägt?

Ich bin peinlich berührt und schäme mich. Wie konnte ich mein Leben damit vergeuden, niemals zu lernen, wie man einen Brocken aus 900 Pfund menschlicher Scheiße verflüssigt? Ich habe ganz offensichtlich immer so ein behütetes und luxuriöses Leben wie Paris Hilton geführt. Wie der besessene Kapitän Ahab, der den großen weißen Wal gesichtet hat, harpuniere ich die Schaufel ohne Gnade und Unterlass in die modrige Tiefe. Schließlich klopft mir Rose auf die Schulter, die Haare, die wie ein Heiligenschein ihren Mund umkränzen, kleben von Schweiß zusammen. Ihre weit geöffneten Augen sind voller Leben: „Gut gemacht“, sagten sie.

„Siehst du?“ Sie grinst und quirlt die Tonne wie eine muskulöse, beschnurrbartete Hexe, die ihr Giftgebräu umrührt: „Kackesuppe.“

Falls es je eine anale Phase der spirituellen Entwicklung gibt, war ich mittendrin.

Als ich vor rund einem Jahr in dieses Kloster zog, hegte ich die Illusion, ein Zen-Zentrum sei ein Ort der Seligkeit. Hier oben gibt es keinen Smog, stellte ich als Erstes fest, als ich über das Gelände ging. Überall klare Luft. Hier werde auch ich klar. Ich fühlte mich als etwas Besonderes, auserwählt. Ich überzeugte mich selbst davon, dass meine bisherigen Fehler im Leben nur Stufen auf dem Weg zu dieser höheren Berufung gewesen waren. Darauf folgte mein erstes, intensives Daisesshin-Retreat: Ich erinnere mich, dass ich schon Stunden zuvor durch die Luke der Kompostiertoilette schaute und mich plötzlich das jämmerliche Gefühl beschlich, dass ich wie beim Kaffeesatzorakel meine Zukunft aus den dunklen und ominösen Formen der Ablagerungen las.

„Da unten ist aber eine ganze Menge Scheiße, aber es türmt sich doch nicht auf, oder?“, fragte ich und hoffte in naiver Weise darauf, dass es alles irgendwie von selbst gehen, es sich höflich zu Erde kompostieren und ich dem Schauspiel ohne allzu viel Hektik würde zuschauen können.

„Dachtest du, du könntest in ein Loch kacken und das Ganze werde dann von allein verschwinden?“, brüllte der Mönch aus Hell’s Kitchen, der gerade ein Urinal in der Nähe schrubbte.

„Ich hab doch mein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht!“, rief ich. „Ich setze mich auf eine Schüssel, ziehe ab und weg ist es. Ich weiß nicht, wohin es geht, aber ich weiß, dass ich es nie mehr wiedersehe. Du lebst schon zu lange abseits von der Zivilisation.“

Er kicherte und musterte mich von oben bis unten. Ich trug noch die Klamotten meiner letzten Inkarnation als Möchtegernhipster aus Los Angeles. In Schwulenclubs konnten sie ganz gut die Tatsache verdecken, dass ich heterosexuell war, und verliehen mir eine gewisse Gewandtheit im Stil des Teenieschwarms Ryan Seacrest. Aber für das harte Leben auf dem Gipfel eines Berges waren sie weniger geeignet.

„Du bist wegen des Zenima gekommen, oder? Damit man den ganzen Dreck aus dir rausspült?“ Er seufzte. „Aber so funktioniert das hier nicht. Es gibt keinen Guru und auch keine Gottheit, die dir deine Scheiße in einer güldenen Schatulle abnehmen. Du musst lernen, selbst damit fertigzuwerden – damit zu arbeiten.“

Er lehnte sich vertrauenerweckend zu mir herüber. „Hör mal zu, Schickimicki, hier oben wirst du dich dreckig machen.“

Damals war er Shoji, die Zendo-Mutterfigur, die auch für die Aufgabenverteilung zuständig ist. Er eskortierte mich zu dem Betonbunker unter den Kompostiertoiletten und wies mir die Aufgabe zu, einmal in der Woche Sägemehl in den Abfall zu schaufeln. „Vielleicht hilft dir das ja, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Er überreichte mir mit einer Grimasse den mit Scheiße verkrusteten Spaten: „Grabe lieber tief!“

Ich ging meine Aufgabe an, indem ich sie völlig ignorierte. Dann hockte ich eines Tages auf der Toilette und stellte fest, dass mein schlimmster Alptraum wahr geworden war: Ein Zwerg war den Kloschacht hochgeklettert und kitzelte mich mit einer Feder am Hintern. Ich sprang vom Toilettensitz – aber da stand kein Kobold mit Zahnlücke, sondern eine dichte Wolke aus schillernden Fliegen funkelte im stinkenden Abgrund. Milliarden und Abermilliarden von ihnen brüteten in der modrigen Fäkalienmetropole unter mir und ernährten sich von ihr. Sie hatten vermutlich bereits ihre eigene Facebook-Seite, „likten“ unterschiedliche Scheißhaufen und planten, das gesamte Klogebäude zu übernehmen. Ich schnappte mir mehrere große Säcke mit Sägemehl und schaufelte sie so lange in die Behälter, bis das infernalische Summen aufhörte.

„Zuerst ignorierst du das Problem und nun begräbst du es“, knurrte der Mönch aus Hell’s Kitchen. Er hätte genauso gut über das Problem sprechen können, weswegen ich überhaupt erst diesen Berg erklommen hatte: Ich wollte eine gewisse stinkende Atmosphäre angehen, die mein inneres Leben faulen ließ. Das deutete darauf hin, dass ziemlich viel persönliche Scheiße tief in meinem Inneren gärte. Er legte mir eine Hand auf die Schulter und versuchte, die Fassung zu bewahren. „Willst du die Sache endlich angehen?“

Und so stülpte ich mir jeden zweiten Tag zwei Stunden lang eine Taucherbrille, eine Atemmaske und einen exkrementbefleckten Schutzanzug über, schnappte mir meinen belastbaren Spaten vom Typ Appalachian Special und schuftete in der Dung-Mine. Im Winter leiden wir oft unter Winden mit Geschwindigkeiten von 50 Meilen pro Stunde, die so scharf über den Berg fegen, dass sie dir fast die Bartstoppeln aus dem Gesicht schaben. Einmal ließ ich aus Versehen alle Luken der Tanks offen stehen. Das erzeugte bösartige Windkanäle, die die Luft durch das nur schlecht isolierte Bunkertor der Kompostiertoiletten direkt in die Toilettenschächte kanalisierte. Das war während Rohatsu, unserem intensivsten und ernsthaftesten Retreat des Jahres. Einer nach dem anderen ließen sich die Schüler, die Mönche, die Nonnen und die Priester auf den Toilettenschüsseln nieder und brachen zum ersten Mal in dieser Woche das Schweigen mit einem hörbaren, von Gänsehaut begleiteten Atemzug. Man stelle sich ein Bidet vor, welches anstatt mit warmem Wasser mit einem Strahl Eiswasser grüßt – und das um 2:30 Uhr morgens bei minus 6 °C!

Manchmal wehte die Luftströmung das Toilettenpapier, nachdem man es in den Schacht geworfen hatte, gleich wieder zurück und klatschte es einem ins Gesicht. Dann flatterte es im Raum umher, als handle es sich um eine seltene Art von Albino-Fledermaus.

So begann mein langer, kalter Winter des praktischen Herumprobierens im Reich der Kompostiertoilettenhölle (oder – Entschuldigung für das Wortspiel – Fegefeuer der Fäkalien).

Als die ersten Schwertlilien des Frühlings auftauchten, hatte ich endlich die genauen Anteile bestimmt – zwanzig Teile Exkrement auf einen Teil Holzspäne. Das verwandelte mich in einen Kuppler, einen Yenta, der seine Strippen zog, um den strengen Herrn Sägemehl mit dem vor sich hingärenden Potenzial von Madame Scheißhaufen zu vermählen. So leistete ich Geburtshilfe für den aus menschlichen Exkrementen gemachten Dünger. Der Gestank der Kompostiertoiletten verwandelte sich in eine komplexe und kräftige Mischung, die strammen, götterspeiseartigen Haufen nahmen eine feuchte, schwammartige Konsistenz an wie Fertigkuchen in einem Werbespot. Kommen sie erst mal in Fahrt, entwickeln Sägespäne und Dung eine besondere Chemie, eine Verbindung, die inniger ist als die zwischen den meisten menschlichen Liebespaaren. Bring die beiden zusammen und sie stülpen sich sprichwörtlich von innen nach außen, um miteinander zu sein, um ineinander zu sein, um zum jeweils anderen zu werden. Sie treffen an einem bodenlosen Ort aufeinander, den weder Wissenschaft noch Religion noch Philosophie bisher vermessen haben, und werden eins und sind reif und empfangsbereit. Um es mit Yeats’ Worten zum Ausdruck zu bringen: „Die Liebe hat ihr Zelt / über Exkrementen aufgestellt.“5 Als eine Nonne ein Bündel scheinbar abgestorbener Pflanzen in die Frauentoilette warf, wucherten wunderbarerweise überall Pilze im gärenden Kompost. Ihre Köpfchen verneigten sich jedes Mal zur Begrüßung, wenn ich die Luke an einer der Behälter öffnete. Die von den Bakterien erzeugte Hitze wärmte mir bei jeder Sitzung auf der Toilette den Hintern. Ich war stolz wie eine Henne, die auf ihren Eiern sitzt. Das Leben unter mir nahm langsam Formen an.

„Gute Arbeit, Schickimicki. Du hast wirklich einen ‚braunen Daumen‘!“ Der Mönch aus Hell’s Kitchen strahlte, als er eines Morgens meine Fortschritte begutachtete. „Du züchtest fruchtbaren Boden. Du bringst Erde zur Welt.“

Kompost herzustellen gehörte zu den vielen Dingen, die ich in meinem ersten Jahr im Kloster abgrundtief hasste. Dazu zählte auch, dass man um 3 Uhr morgens geweckt wurde, dass ich mich um meine Privatangelegenheiten in ultrakurzen Pausen kümmern musste und dass wir in dem Meditationsaal weder Socken tragen noch unsere Nase putzen und uns nicht einmal kratzen durften, wenn es juckte (es war allerdings erlaubt, zu rülpsen und zu furzen, man stelle sich das mal vor!). Unser Zen-Center ist strikt, einfach und eindeutig: Es ist der perfekte Spiegel für unseren Zustand, man wird immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Jede Farbe oder Persönlichkeit, jede Fülle des Selbst sticht aus diesem grauen Einerlei aus schwarzen Roben, identischen Mudras und unpersönlichen Regeln heraus. Jeglicher Rückzugsmöglichkeit beraubt, wendest du dich mit voller Wucht nach innen. Du erkennst ganz genau, wer du bist; deine ganze Scheiße kommt hoch.

Beim Zen setzt du dich mit deiner Scheiße auseinander, indem du mit ihr sitzt. Indem du mitten in sie hineinatmest. Du versucht nicht, ihr mit angenehmeren Gedanken oder hohen Idealen auszuweichen, und du versuchst nicht, sie unter Lösungen zu vergraben. Du packst die Probleme bei den Hörnern, du arbeitest mit ihnen – und zwar Atemzug für Atemzug. Du hältst sie fest, in deinem Hara oder Atemzentrum. Du versuchst nicht, sie auszuatmen; du versuchst nicht, sie einzuatmen. Du hältst sie wie eine glühend heiße Münze schwebend in deinem Zwerchfell fest. Deine Probleme werden sich nicht ändern, nur du kannst dich verändern. Darum geht es.

Meine Arbeit in den Kompostiertoiletten machte mir deutlich, das Wachstum Disziplin erfordert, so wie Kompost Kohlenstoff braucht. Das gärende Rohmaterial deines inneren Lebens, all dein persönlicher Scheiß, löst sich in die Selbstverleugnung deiner spirituellen Praxis auf. Im Laufe der Zeit fühlst du allmählich, wie du innerlich weich wirst, wie du reifst. Du kultivierst fetten, fruchtbaren, lebendigen Boden für Einsichten und für Mitgefühl – für tiefe menschliche Gefühle und Weisheit –, der ständig neue Keime sprießen und Früchte wachsen lässt. Das ist ganz natürlich. Du kannst es nicht erzwingen. Du sorgst nur für die richtigen Bedingungen, setzt das Ganze in Gang und machst dann den Weg frei. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert das Universum, ob du nun Sägemehl mit Exkrementen mischst oder die Praxis mit deinen Problemen.

Ich könnte einen Bestseller für die Toilette darüber schreiben: Alles, was ich über die Liebe weiß, habe ich durch das Kompostieren von Scheiße gelernt.

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DA IST MIR DOCH
AUF DEM WEG
ZUR ERLEUCHTUNG
WAS KOMISCHES
PASSIERT

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Mit 2.100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel befindet sich das Zen-Kloster, in dem ich lebe, auf Augenhöhe mit den Wolken. Jetzt kannst du dir vorstellen, wo mein Kopf meistens steckt, von den Köpfen unserer Besucher mal ganz zu schweigen. Wo wir gerade darüber reden: Hin und wieder tauchen Collegestudenten aus dem Tal durch die dünnen Wolkenschleier auf unserem Kiesweg auf. Ich erkenne sie als Erstes an ihren Frisuren – schillernd oder neonfarben wie Kunstwerke –, die wie kleine Stacheln im öden grauen Nebel tanzen. Sie reisen in knallbunten, eingecremten, leicht bekleideten, parfümierten Rudeln an – wie Wölfe mit iPods. Sie verkörpern all das, was ich nicht bin: noch keine dreißig, aufgeputscht von Koffein und rotem Fleisch und ganz scharf darauf, über Zen zu reden.

„Erzähl uns alles über Meditation!“, drängen sie und ihre Stifte kreisen über ihre spiralgebundenen Notizblöcke, als wären sie Volontäre auf dem Weg zur Erleuchtung.

Meine Erfahrungen als Zen-Mönch mitzuteilen, bietet eine großartige Gelegenheit, einmal Bilanz zu ziehen über alles, was ich in meinen mehr als drei Jahren auf diesem Berg gelernt habe – also meide ich es wie die Pest. Nicht, weil ich nichts gelernt hätte, sondern weil es sich dabei zum Großteil um negative Lektionen gehandelt hat. Mit anderen Worten: Während der Zeit auf dem Berg habe ich Sachen verlernt. Man könnte sagen, ich sei etwas klüger und aufgeklärter geworden: Ich höre mir nicht mehr so oft zu. Ich halte die Stimme in meinem Kopf nicht mehr für ganz so selbstverständlich. Ich versuche, meinem Herzen zu folgen, das keinen Mund hat. Ich habe es noch nie sprechen hören, und dennoch hat es mich noch nie in die Irre geleitet. Aber nirgends sonst empfinde ich seine Stummheit stärker, als in dem Moment, in dem mich jemand fragt, ob ich ihm etwas über Zen erzählen könne.

Ist es nicht beschämend, dass man allmählich wie die Experten auf dem eigenen Sachgebiet klingt, die man selbst nie verstanden hat, wenn man mit jemandem redet, von dem man ahnt, dass er noch weniger Ahnung hat als man selbst? Nichts stärkt das Vertrauen in einen sogenannten Experten mehr als das Unwissen der anderen. Ich höre mich selbst, wie ich über die Praxis des Zen schwadroniere, und könnte kotzen. Wer ist dieser Hochstapler? Was zum Teufel weiß der schon? Bei unserer letzten Begegnung hat er seine Hakama-Unterwäsche immer noch auf links und verkehrtherum angezogen. Aber das darf ich diesen emsigen Wahrheitssuchern doch nicht unter die Nase reiben, oder? Ich könnte die Enttäuschung in ihren unschuldigen und neugierigen kleinen Gesichtern gar nicht ertragen. Sie wollen hören, dass der Buddhismus alle ihre Probleme löst, und nicht, dass er ein fetter großer Pfeil ist, der genau auf die Wurzel all ihrer Probleme zeigt: auf ihr Ego.

Ich habe herausgefunden, dass die meisten Leute, die von mir etwas über Meditation wissen wollen, in der Zeit, in der ich über meine Antwort nachdenke, ihre eigene Frage selbst beantworten. Und wie sich herausstellt, ist offenbar jeder ein Experte auf dem Gebiet, über das niemand wirklich etwas sagen kann. Die Leute besuchen unsere Anlage und lassen die Zen-Atmosphäre ein bisschen auf sich wirken – die Blauhäher krächzen, die Sonne schneidet freundlich ihre leuchtenden Strahlen durch das Laub, ein glatzköpfiger Mönch mit verschränkten Armen steht vor ihnen – und schon wird die Jagd auf das Unbeschreibliche eröffnet.

„Bei der buddhistischen Meditation, ähm, da handelt es sich doch immer um so eine Art Entspannung, so was Sanftes, oder? Also so im Whirlpool liegen und dabei einen spirituellen Klassiker à la Die Möwe Jonathan lesen?“ Diese charmante Definition von Meditation, die aber auch rein gar nichts mit dem zu tun hat, was ich mache, hörte ich vor Kurzem von einer bebrillten Studentin mit Englisch im Hauptfach. Sie war noch völlig unbeleckt vom Denken – man konnte es hören. Sie hatte dieses gewisse Leuchten im Gesicht, das man manchmal bei Collegestudenten sieht – als wäre ihr Geist ein kleines Kind, das ein neues Spielzeug entdeckt hat. Einen kurzen Augenblick lang beneidete ich sie: so jung, so unbelastet von gesundem Menschenverstand, von Lebenserfahrung und Logik.

„Es ist der Mittel-mäßige Pfad“, witzelte ich. Aber mein mehr als müdes Wortspiel rief nur ernsthaftes Nicken hervor.

„Also was soll mein Geist denn während der Meditation genau anstellen?“, wollte jemand wissen, den alle „Colonel Ralph“ nannten. Dabei zwinkerte er mir zu, als wäre ich ein Gebrauchtwagenhändler, dem er zu verstehen geben wollte, dass er meine Mühe zu schätzen wisse und vielleicht tatsächlich etwas von mir kaufen werde. Ein paar Tage später, als ich mich nur unter größter Anstrengung bei unserer Morgenmeditation konzentrieren konnte, hatte die nach wie vor unbeantwortete Frage des Colonels geradezu mythische Proportionen angenommen und hockte buckelig und schuppig vor mir, glotzte mir in die Augen und leckte mit seiner gespaltenen Zunge über meine Schweißdrüsen. Ich glaube, sie wollte mich als Mittagessen verschlingen. Ich dachte mir: Warum hatte er mich nicht einfach gefragt, was der Geist während der Meditation nicht tun sollte? Das hätte ein tolles Gespräch ergeben. Es hilft ja niemandem, wenn er sich irgendwelchen Illusionen über diesen Weg hingibt. Du musst wissen, worauf du dich einlässt. Du musst mit dem Kopf voran durch die Frontscheibe deiner Erwartungen stoßen.

Ich entschied mich an Ort und Stelle, die nächste Gruppe von Studenten sich setzen zu lassen und ihnen „den Vortrag“ zu halten. Ich würde unmittelbar aus meiner eigenen Erfahrung über die Tatsachen des spirituellen Lebens sprechen. „Ich seid jetzt alt genug, um endlich die Wahrheit zu erfahren“, würde ich sagen. Wie ein Lehrer beim Aufklärungsunterricht, der ahnungslosen, aufgeregten Schülern drastische und abschreckende Fotos von Genitalien mit Geschlechtskrankheiten vorhält, würde ich ihnen die hässliche Schattenseite der ernsthaften spirituellen Disziplin aufzeigen und sie so zu einer tiefer gehenden, realistischeren religiösen Haltung zwingen.