Wolf W. Lasko

Wahre Größe

Für Lara und Caty

Wolf W. Lasko

Wahre Größe -

Elite

Originaltitel: Elite der Elite
Erschienen bei Books on Demand GmbH, Norderstedt
© by Wolf W. Lasko

Vollständige E-Book-Ausgabe der bei
J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
erschienenen Printausgabe

Wolf W. Lasko:

Layout und Satz: infospeed GmbH

Wahre Größe

Umschlaggestaltung: Subsonic Media

© J. Kamphausen Verlag &

Umsch lagbild: Björn Gaus

Distribution GmbH,

Druck & Verarbeitung:

Bielefeld 2011

Westermann Druck Zwickau

Datenkonvertierung E-Book:

Bookwire GmbH

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über abrufbar.

ISBN E-Book: 978-3-89901-532-4
ISBN Printausgabe: 978-3-89901-151-7

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Inhalt

Der erste Königsweg: Schöpferkraft

Prolog

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Das Fenster des Lebens. Die heutige Lebensform mit ihrer Dynamik und Schnellebigkeit, mit ihrem Leistungsdruck und den alltäglichen Anforderungen drängt Menschen, die im wirtschaftlichen Wettbewerb stehen, in ein wahrhaft hartes Engagement. Gerade für diese Menschen ist es wichtig, sich ein starkes Lebensfundament zu schaffen, auf dem sie einen festen und stabilen Halt finden. Kräftig, dick und von möglichst großen Ausmaßen sollte es sein, damit es einen festen Halt und genügend Spielraum bietet, um jedes Problem mit Energie und Tatkraft in Angriff nehmen zu können.

Ist das Fundament dagegen von nur geringer Tragfähigkeit und so schmal, daß beide Füße soeben Platz darauf finden, dann kann jede Schwierigkeit im Job, jede große oder auch kleine Katastrophe im Privaten und Persönlichen ins Schwanken oder gar zu Fall bringen.

Statt des Fundaments können Sie sich auch ein Fenster vorstellen, aus dem Sie ins Leben und auf all Ihre Schwierigkeiten schauen. Ist es ein schmales Fenster, können Sie wenig sehen. Der Blick ist begrenzt und konzentriert auf all die aktuellen Probleme, auf Kümmernisse und Krisen. Schauen Sie hingegen durch ein Panoramafenster, dann wird der Blick weit. Sie können schauen, wohin Sie wollen. Dabei werden Sie neben allen Schwierigkeiten eine Menge anderer Dinge wahrnehmen, die ihre derzeitigen Konflikte und Erschwernisse relativieren und den Rahmen notwendiger Lösungsmöglichkeiten um ein Vielfaches vergrößern.

Eine solche Weitsicht, eine solche innere Festigkeit und Größe kommt natürlich nicht von alleine. Sie können aber die Voraussetzungen schaffen. Und dafür brauchen Sie ein gewisses Maß an Verständnis, wie das Leben in dem gesamten Weltenkosmos funktioniert.

Oft wird behauptet, dies sei allein dadurch zu erreichen, daß Sie den Glauben in Ihr pragmatisches, handelndes Leben integrieren. Aber welcher Glaube soll es denn bitteschön sein? Der buddhistische, der islamische, der christliche? Und wenn der, dann der katholische oder der evangelische? Nun können Sie versuchen, sich mit den jeweiligen Glaubensinhalten auseinanderzusetzen. Was ist wahr und was nicht, was ist logisch und was nicht, was beweisbar und was nicht? Und dann stellt jemand die Behauptung auf, daß alles doch ganz anders sei. Mit solchen Disputen können Sie sich Ihr Leben lang aufhalten.

Vergessen Sie das alles. Es geht einzig und allein darum, einen für Sie festigenden, weitsichtigen Glauben zu entwickeln, einen Glauben, der für Sie brauchbar ist. Und da brauchen Sie niemand anderen zu fragen, denn das können Sie ohnehin nur ganz alleine für sich herausfinden.

Ausbruch aus der Mittelmäßigkeit. Sind Sie schon einmal aufmerksam durch eine x-beliebige, belebte Innenstadt gegangen? Machen Sie sich doch einmal den Spaß und schauen Sie aufmerksam in die Gesichter der Menschen, die Ihnen begegnen. Frustration, Streß, Hektik, Kampf, Traurigkeit... - und selten ein freundliches, offenes Lächeln.

Wir, die Krone der Schöpfung, aufs beste ausgestattet mit Geist, Verstand, Emotionen - wir bewegen uns durchs Leben, als wären wir allesamt Troubadoure der negativen Gefühle. Und jeder Schritt, den wir tun, scheint nichts anderes zu sein als die Abfolge von einem Schlamassel zum nächsten.

Langeweile des Alltags. Ist dieses alltägliche Elend unser Leben? Bedeutet das Leben wirklich nichts anderes, als die Häßlichkeit des Alltags zu ertragen, mit all dem Ärger, den Schwierigkeiten, den Scherereien? Ist der Sinn des Lebens nichts anderes, als 40 Jahre lang in einem langweiligen Büro zu hocken, Strategien zu entwickeln, unerfreuliche Telefonate zu führen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, derentwegen Sie dann vielleicht auch noch von manchen Mitmenschen angefeindet zu werden? Irgendwann werden Sie mit blumigen Worten in den wohlverdienten Ruhestand »entlassen«, und lange bevor Sie sich innerlich verabschiedet haben, ist Ihr Schreibtisch bereits abgeräumt und jemand anderes sitzt auf Ihrem Platz. Wie schnell ist Ihre Arbeitskraft vergessen!

Doch Sie haben jetzt alle Zeit der Welt, das Leben endlich zu genießen: die Einladung zu Parties und Vernissagen, die Mitgliedschaft im Golf- oder Tennis-Club, die langen Reisen durch die Welt... Das ist doch recht nett und interessant. So läßt sich das Älterwerden doch ertragen! Dafür hat es sich doch gelohnt, all die Jahre zu schuften, oder?

Ausflüchte. Es gibt natürlich auch Menschen, die es einfach nicht hinnehmen können, alt zu werden. Sie tragen extravagante Frisuren und hypermoderne Turnschuhe, sie behängen sich mit auffallendem Schmuck, als wären sie ein Christbaum, sie fahren einen kleinen roten Porsche, bräunen sich in regelmäßigen Abständen unter künstlichen Sonnen, stählen ihre Körper mit Hilfe von blitzenden Maschinen oder lassen sich straffen von chirurgischen Messern... Sie tun alles, um Jugendlichkeit zu demonstrieren. Zwar gelingt das in den Augen anderer nicht oft, aber: Warum sollte man sich nicht selbst etwas vormachen?

Das alles ist sicher etwas einseitig und übertrieben dargestellt, aber dennoch ist es ein Teil der Realität. Denn ist es nicht oft so, daß wir uns an äußeren Dingen orientieren: Karriere, Besitz, sportlichjugendliches Aussehen, Reisen, Autos? Wir schuften, wir plagen uns, gestalten unser Dasein hübsch und ansehnlich, und das alles nur, um unser Ego zu befriedigen. Dafür ertragen wir dieses Leben mit seinen Kämpfen, dem Leid, den Schmerzen und der Verwirrung. Wir merken gar nicht, daß wir damit auf der Oberfläche eines lauwarmen Lebens treiben, und dem, was Leben eigentlich ist, zu entfliehen versuchen.

Jahrtausende nichts! Tausende von Jahren sind ins Land gegangen, seit der Mensch auf diesem Planeten ist. Vieles hat er in dieser unfaßbar langen Zeit vollbracht. Wir rasen mit Höchstgeschwindigkeiten von einem Ort zum anderen, fliegen sogar zum Mond. Wir können den ganzen Tag mit den Errungenschaften der verbringen: Telefon, Fernsehen, Internet - die Informationen überfluten uns. Das Wissen explodiert wie eine Supernova, und das nennen wir Fortschritt.

Sicher, die technisierte Welt ist tatsächlich enorm fortschrittlich. Doch all die vielen tausend Jahre Fortschritt haben dem Menschen und seinem inneren Glück nichts gebracht. Das Leben in seiner Schönheit, die Einbindung der Lebensweisheit ins Dasein, das ist auf der Strecke geblieben.

Wer tut etwas? Von der Geburt bis zum Tod werden wir intensiv konfrontiert mit einer Welt, in der Kriege und Aufstände, Ungerechtigkeiten, Elend, Konflikte und Schmerzen offensichtlich zur Tagesordnung gehören. Sehen Sie diesen Schmerz, den die Welt täglich erduldet?

Ich habe manchmal das Gefühl, daß die Gesellschaft - und dazu gehört letztendlich jeder von uns - es absolut nicht will, daß wir uns intensiv mit den Themen Lebensweisheit und Lebensglück beschäftigen. Selbst diejenigen, welche eigentlich den Auftrag dazu haben, kümmern sich kaum darum: die Religionen. Sie suchen Ausflüchte in moralischen Erwägungen oder sozialen Aktivitäten. Aber sie haben aufgehört, den Menschen an die Kernfragen des Lebens heranzuführen.

Es gibt so wenig Menschen, die uns lehren, das Leben aktiv, intensiv, mit aufmerksamer Begeisterung und in seiner ganzen Fülle wahrzunehmen. Wir bleiben in der Mittelmäßigkeit, wenn nicht jeder für sich selbst etwas tut, um ihr zu entwachsen.

Schöpferkraft. Es gibt eine Möglichkeit, Leben erfüllt bis auf die Wurzeln des Daseins zu erfahren - im beruflichen, im privaten und im ganz persönlichen Kontext. Wer das will, braucht eigentlich nur den Vorhang hinter den offensichtlichen Dingen beiseite zu schieben, mutig hinter diesen Vorhang zu treten und sich dann mit den essentiellen Fragen zu konfrontieren: Woher kommt Leben? Wohin geht Leben? Welchen Sinn, welche Bedeutung hat es?

Solche Fragen, ernsthaft überlegt, führen schnell zum Nachdenken über die Schöpfung und in der Folge natürlich auch zu der Überlegung, welcher Kraft sie entstammt.

Die Schöpferkraft, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt, ist frei von allen Bildern und Begriffen der verschiedenartigen Religionen, Philosophien und anderer Lehrmeinungen. Sie entspricht keinem Dogma, keinem vorhandenen Glaubenssystem, sie ist befreit von allen Klischees und Trivialitäten - was die Sache mitnichten einfacher macht.

Denn die Schöpferkraft ist für jeden Menschen einzigartig und einmalig. Sie ist absolut persönlich und kann am besten durch eigenes, ganz individuelles Nachdenken und Fühlen erkannt und erfahren werden. So, wie Sie ihrer gewahr werden, gab es sie bisher nicht. Niemand hat sie für Sie vorgedacht, kein Mensch hat sie sozusagen schluckfest für Sie vorgearbeitet. Die Schöpferkraft entspricht allein Ihrer Erkenntnis und Erfahrung!

Die Schöpferkraft ist eine enorme Stärke, aus der Sie täglich neu gewinnen; sie ist die Power Ihres Lebens. Ihr Gewahrwerden schenkt Stärke, Tatkraft, geistige Klarheit, Bewußtsein und Güte. Je mehr Bewußtsein der Schöpferkraft ein Mensch in sich organisieren kann, je plastischer sie in seinem eigenen Bewußtsein wird, um so mehr wird er selbst von ihr getragen, bis sie schließlich eine Art Brille formt, durch die er die Welt erkennen kann. Je größer und stärker die Schöpferkraft in seinem Denken, Fühlen und Handeln existiert, um so größer ist die Energie, die er daraus schöpft.

Warum der Begriff Schöpferkraft? Nun, als Idee ist sie monotheistisch konzipiert, da sie alles umschließt und alles impliziert. Sie beinhaltet alle denkbaren Elemente des Seins: das Wachsen und Vergehen, das Alte und das Neue, das Gute und das Böse. Der Schöpferkraft ist alles gleich gültig. Bei dieser Betrachtungsweise ist es recht unerheblich, von einem Gott oder einer Götterwelt zu sprechen; solche Benennungen können das Wesen der Schöpferkraft niemals umfassend erklären.

Elite. Eine Elite ist der Leistungsträger einer Gesellschaft. Im Beruf sind es die Menschen, die anderen einen Tausch anbieten können. Dazu gehören zum Beispiel Unternehmer, Manager und Führungskräfte, die durch ihren Einsatz und durch ihre Risikobereitschaft den Mitarbeitern und deren Familien eine Möglichkeit bieten, sich zu ernähren, zu kleiden und sich darüber hinaus einige Annehmlichkeiten leisten zu können.

Zur Elite gehören ganz gewiß auch die Menschen, die durch Innovationen den Evolutionsprozeß einer Gesellschaft oder gar der Menschheit vorantreiben. Da gibt es großartige Denker, die neue geistige Wege aufzeigen. Da gibt es Ingenieure, die durch ihre Erfindungen und Entwicklungen mit dazu beitragen, daß wir unser Leben angenehmer gestalten können; es gibt Mediziner, die uns dank ihrer Forschungen viel körperliches Leid ersparen.

Mit Sicherheit gehören zur Elite einer Gesellschaft aber nicht nur diejenigen, die kraft Ihrer Intelligenz oder wirtschaftlichen Risikobereitschaft ihren Beitrag leisten. Zur Elite gehören selbstverständlich auch all die Menschen, die ihrem Leben etwas hinzugefügt haben, das sie von der gesellschaftlichen Normalität abhebt und sie befähigt, einen Beitrag zu leisten, der zählt.

Das mag die Mutter sein, die ihren Kindern mehr mit auf den Lebensweg gibt, als es für gut funktionierende Gesellschaftsmitglieder üblich ist. Das mag der Krankenpfleger sein, der über das Soll hinausgeht und sich mit Herzenswärme und Verständnis auch um das seelische Wohlergehen seiner Patienten kümmert. Sie alle schaffen mit ihrem Tun die Differenz, die den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Dasein und der Elite ausmacht.

Bezogen auf alle Menschen, gehören im Verhältnis recht wenige zur Elite. Noch weniger sind es wohl, die sich mit der Gesamtheit des Lebens im eigentlichen Sinn auseinandersetzen. Sie haben die gängigen Parameter des Erfolgs radikal verändert. Sie haben hinter den Vorhang geschaut, und sie haben in der Auseinandersetzung mit der Schöpferkraft eine Lebensweisheit entwickelt, die sie ganz pragmatisch anwenden und in ihr tägliches Tun übertragen.

Um soweit zu kommen, sind Fragen zu stellen, bei denen schon der Versuch einer Antwort eigentlich jede Lebensweise, jede Tagesroutine erschüttern und ad absurdum führen müßte. Die wichtigsten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann, sind: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Was hat das, was ich tue, für einen Sinn? Noch sind diese Fragen unbeantwortet, einmal abgesehen von den verschiedenen Thesen unterschiedlichster Religionen und Philosophien.

Sicher können wir für die Antworten irgendwelche vorgedachten Konstrukte übernehmen. Das ist recht einfach; davon gibt es jede Menge. Wenn Sie selbst einmal unabhängig von all dem bereits Vorgedachten eine Antwort suchen wollten, wie weit kämen Sie dann? Das sollte doch stutzig machen.

Wir leben fröhlich in den Tag hinein, als ob es diese Fragen nicht gebe. Dabei sind sie von elementarer Wichtigkeit, so daß sich doch jeder tagtäglich um eine Antwort bemühen sollte. Selbst die Medien, die uns mit allen möglichen Informationen vollstopfen, können uns keine Auskünfte bieten, die uns bei der Beantwortung der Kernfragen des Lebens weiterhelfen. Wenn Sie sich einmal vorstellen, daß der morgige Tag für Sie der erste Tag einer dreißigjährigen Querschnittslähmung ist – wird es dann nicht umso wichtig, zumindest im Ansatz Antworten auf diese Fragen zu haben?

Elementare, lebenswichtige Fragen. Die Zeit läuft davon, und allzu gern sind wir bereit, die Suche nach Antworten immer wieder zu verschieben oder einfach aufzugeben. Was aber tun Sie, wenn Sie riesigen Hunger verspüren? Geben Sie dann auch auf oder verschieben Sie das Essen auf morgen, übermorgen, nächste Woche? Sicher nicht. Sie werden so schnell wie möglich Ihren Hunger stillen. Wenn Ihnen die Lebensfragen wirklich ernst sind, so ernst, als wären Sie kurz vor dem Verhungern, dann werden Sie einen Weg finden, sich damit auseinanderzusetzen.

Es ist eine der größten Schwierigkeiten, daß uns niemand unentwegt zu diesen grundsätzlichen Fragen anleitet. Deshalb möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen: Gehen wir doch gemeinsam diesen Fragen nach, ohne daß wir von irgendwelchen dogmatisch aufbereiteten Ideen beeinflußt werden. Lassen Sie uns gemeinsam die Fragen klären, die das Leben und unsere Existenz in diesem Universum betreffen; und lassen Sie uns die richtigen Fragen stellen, damit wir auch die richtigen Antworten bekommen können.

Jedes aktuelle Problem im Beruf, in der privaten Beziehung wird klein, unbedeutend und langweilig, sobald Sie es in Relation zu den Kernfragen des Lebens stellen: Was sind wir eigentlich? Gibt es ein Selbst? Welche Bedeutung haben wir? Gibt es so etwas wie eine »innere Substanz«? Wie genau funktioniert unser Denken, die Emotion, die ganze Persönlichkeit? Und wie wäre es mit Fragen wie: Wenn das Weltall der Raum ist, in dem wir uns befinden, in welchem Raum ist dann das Weltall? Oder: Wenn der Tod bei einem Menschen eintritt, was genau geschieht dann?

Hier geht es nicht um das Erforschen endloser neuer Fragen. Es geht auch nicht darum, auf intellektueller Basis irgendein Rezept als Antwort zu finden. Es geht darum, in sich selbst die Kraft zu entwickeln, um Antworten zu finden, die einzig und allein über die Erfahrung gesteuert werden.

Wenn Sie einem Blinden etwas über das Licht erzählen, wird er es nur theoretisch kennenlernen können. Und wenn wir uns auf den Weg machen, um Antworten zu finden, sind auch wir wie Blinde, die das Licht nicht begreifen können. Erst das Erfahren des Lichts ermöglicht es uns, es in seiner Ganzheit zu erfassen. Also vergessen Sie alle Theorien; vergessen Sie alles, was zu diesen Fragen schon einmal gesagt wurde.

Unbequeme Rebellen. Der Mensch hat nicht die Aufgabe, die Welt zu verändern - obwohl das Mitwirken an Veränderung zum Besseren durchaus wichtig ist. Er hat primär die Aufgabe, die eigene Welt zu erkennen, sie für sich zu erarbeiten und zu durchschauen. Und davon sollte ihn nichts abbringen, keine scheinbaren Selbstverständlichkeiten, keine Dogmen, keine wie auch immer gearteten Konzepte anderer. Geben Sie neuen, eigenen Gedanken Raum, um für sich selbst das Größte und Wichtigste zu entdecken: die Frage nach dem Lebenssinn, die Klärung der Existenz - das was wirklich ist.

Das ist das eigentlich Revolutionäre, Radikale und Rebellische: Nichts zu glauben, was bisher behauptet wurde, alles in Frage zu stellen, was bisher von anderen gedacht wurde, und sich einzig auf die eigenen Erfahrungen zu verlassen. Auf eines allerdings sollten Sie vorbereitet sein: Jeder, der die ach so bequemen Selbstverständlichkeiten in Frage stellt, wirkt bedrohlich und weckt Ängste. Vielleicht ist das der Grund, warum sich so wenige ernsthaft mit diesen Fragen auseinandersetzen?

Kommen Sie selbst dahinter. Was für den einen Menschen richtig ist, kann für den anderen falsch sein. Es kann sogar sein, daß Gedanken, die für den einen wertvoll sind, einem anderen nicht viel nützen. Vielleicht wirken sie sogar destruktiv auf ihn, was besonders leicht passieren kann, wenn ein Gedanke frühzeitig abgelehnt und deshalb nicht zu Ende gedacht wird.

Die innere Entwicklung und der Lebensreichtum hängen davon ab, wieviel jemand schon für sich herausgefunden hat und wie tief und intensiv seine Bereitschaft ist, sich weiterhin für seine persönlichen Erkenntnisse einzusetzen. Wenn er dies aber tut, wird ein Feuer entzündet: Fenster öffnen sich, durch die er in unendliche Dimensionen denken kann; Türen öffnen sich und ermöglichen den Zugang zu einer erweiterten Wahrnehmung.

Es gibt keine Krücken. Wenn Sie aber erwarten, daß ich Ihnen auf dieser Reise Krücken reiche, dann muß ich Sie enttäuschen: Das wird nicht geschehen. Ich liefere Ihnen keine Rezepte und biete Ihnen keine Konzepte an. Eher wird es Ihnen erschwert, das Thema für sich zu erschließen. Denn ich werde nichts schreiben, was Sie denken sollen. Ich bin keine Autorität auf diesem Gebiet, ich bin kein Philosoph, ich habe noch nicht einmal Psychologie studiert, und ich verteidige auch keine bestimmte Denkrichtung. Vielleicht kann ich Ihnen bestimmte Gedankenkonstrukte nahelegen, mehr aber auch nicht. Denn die Antwort müssen Sie selber finden. Ich möchte gerne einzelne Gedanken an Sie heranführen, aber ich bitte Sie, auf jeden Fall selbst darüber nachzudenken. Durchdenken Sie das, was Sie lesen. Überlegen Sie, warum manche Punkte, die Sie lesen, möglicherweise keinen Sinn ergeben - zumindest im ersten Moment nicht. Versuchen Sie sich an Schlußfolgerungen, überlegen Sie, was es für Sie bedeuten könnte, und entdecken Sie die Perspektiven, die darin enthalten sind. Finden Sie durch eigene Erfahrungen heraus, was daran ist. Glauben Sie nichts, prüfen Sie alles.

Und wenn Sie sich jetzt wundern, daß ich bei solchen Empfehlungen überhaupt ein Buch zu diesem Thema schreibe, dann kann ich dazu nur sagen: Ich lerne, und Sie wollen lernen. Wir gehen einen gemeinsamen Weg. Auch wenn wir uns wahrscheinlich niemals kennenlernen werden, gehen wir doch diesen Weg zusammen mit allen anderen Lernenden auf diesem Gebiet. Wir wollen über das intellektuelle Denken hinausgehen, den Raum der Unmöglichkeiten betreten. Lassen Sie uns tief eintauchen in dieses Thema und herausfinden, was es mit der Schöpferkraft auf sich hat, und lassen wir uns dabei nicht von irgendwelchen Dogmatikern dazu überreden, in schon fertiggedachten Schablonen zu denken.

Das, was Sie lesen werden, ist ein Mix aus tausend Ideen, die irgendwo zu lesen, zu hören und nachzudenken waren. Lesen Sie diese Gedanken mit Aufmerksamkeit. Stimmen Sie Ihnen nicht zu, interpretieren Sie sie nicht, vergleichen Sie nicht, widersprechen Sie nicht. Fangen Sie einfach an, die Wörter in die Metastrukturen Ihrer eigenen Gedankenwelt zu übersetzen. Aber seien Sie achtsam bei dem, was Sie denken. Allzu leicht fallen wir in gewohnte Denkstrukturen zurück. Und dann werden Sie nichts davon haben. Schließlich geht es darum, daß Sie für sich selbst eine Wirklichkeit entwickeln, die für Sie Gewicht hat.

Ich kann Ihnen noch nicht einmal sagen, wie Sie etwas finden könnten. Das würde schon im Vorfeld Ihre Entdeckung beeinträchtigen. Denn das, was ich für mich entdeckt habe, hat nichts mit Ihrer Entdeckung zu tun. Es ist allein Ihre persönliche Anstrengung herauszufinden, was Sie tun und wie Sie es tun wollen. Rationale Beweise, ob das gut und richtig oder ungut und falsch ist, wird es allerdings nicht geben. Der einzige Beweis wird Ihre Erfahrung und Ihr Umgang damit sein.

Annehmen ohne Interpretation. Wenn Sie etwas lesen und dabei die Worte nur entsprechend Ihren persönlichen Vorlieben und Abneigungen interpretieren, ohne sich Ihrer eigenen Neigung zur Interpretation bewußt zu sein, dann sind die Worte Gefängnisse, in denen Sie sitzen.

Wie ist es, wenn man etwas hört oder liest, was man nicht kennt? Eine neue Information wird angeboten - das ist erst einmal die Tatsache. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

• Man stimmt mit dem überein, was man hört, und sagt, daß es gut sei. Man denkt nicht weiter darüber nach, man reiht es einfach ein.

• Es paßt nicht in das eigene Konzept. Man lehnt es ab und findet gute Gründe, warum man es ablehnt.

• Man pickt sich das heraus, was man gebrauchen kann; und über das andere denkt man: Nun ja.

• Man weiß, daß es anders gemeint ist, als es sich anhört, und sagt einfach: Ach, es wird schon anders gemeint sein, auch wenn es nicht so genau ausgedrückt wurde.

• Man hört einfach nicht zu und übergeht das Gesagte.

Beim Lesen dieses Buches geht es nicht um Interpretationen. Auch Ihre Zustimmung, Ihre Ablehnung oder Neutralität ist hier nicht gefragt. Nehmen Sie es erst einmal einfach an, nehmen Sie es aufmerksam wahr und erst dann hinterfragen Sie es. Durchdenken Sie die Wörter, dringen Sie ein in das Gelesene und lassen Sie es in sich arbeiten. Interpretieren Sie es nicht, übersetzen Sie es nicht in eigene Wörter und formulieren Sie es nicht Ihrer eigenen Denkweise entsprechend um.

So können Sie erfahren, was wirklich ist. Und das gilt nicht nur für das, was Sie hier lesen. Es gilt für alles, was Sie hören und lesen. Und es gilt für jegliche Kommunikation. Erst wenn Sie hinter die Wörter schauen, können Sie sich bewußt werden, was gesagt oder geschrieben wird.

Ja und Nein tötet jede Frage. Sie lesen oder hören eine Frage und merken, daß in der Frage bereits eine Antwort liegt. Sie nehmen diese Antwort an, erwidern die Frage damit - und schon hört die Frage auf, eine Wirkung zu haben. Denn sie ist ja beantwortet worden, sie erlischt, kann sozusagen ad acta gelegt werden. Es ist so, als hätte man ein Gedicht beendet. Der Schluß ist gefunden, und in diesem Moment beginnen die Verse zu sterben.

Die Sinnhaftigkeit einer Frage stirbt, sobald ein Ja, ein Nein oder etwas fest Umrissenes die Antwort ist. Weitere Überlegungen, ein tieferes Eindringen in die Frage wird damit vermieden.

Dieses Buch hat nicht die Absicht, Ihnen Fragen zu stellen, in denen die Antworten bereits enthalten sind, und dazu vielleicht noch Antworten, die Sie kennen und die Ihnen das bestätigen, was Sie für richtig halten. Eine Frage, die Sie geistig durchdringen statt sie zu beantworten, lebt weiter und wird intensiver. Sie können sicher sein: Es gibt niemals nur eine Antwort auf eine Frage! Und die vordergründigste und naheliegendste Antwort ist oft nur der simpelste Ausweg aus einer möglichen Unbequemlichkeit.

Die Fahrkarte zum kosmischen Verständnis kostet Anstrengung. Es gibt ja eine Menge Menschen, die nicht über sich selbst nachdenken wollen. Sie wollen nicht aktiv und eigenverantwortlich an sich arbeiten; sie wollen alles geschenkt bekommen und sich auf andere verlassen können. Sie wollen Blitz-Rezepte und Instant-Vergnügen - und das bitte huschhusch und sofort.

Doch so läßt sich keine Fahrkarte zu einem Verständnis des kosmischen Gesamtgeschehen, zu einer neuen Lebensordnung erwerben. Leben ist weder Instant-Kaffee, noch Instant-Tee und schon gar nicht Instant-Meditation. Ich verspreche Ihnen, daß diese Fahrkarte nur durch harte Arbeit zu gewinnen ist. Denn es geht hier nicht um irgendein spannendes Allerweltsthema oder um Fachsimpeleien, die beweisen und widerlegen wollen.

Wer perfekt Japanisch lernen will, braucht dafür vielleicht zehn Jahre, oder auch etwas mehr. Das ist nichts Dramatisches. Jeder, der sich darauf einläßt, weiß, daß er sehr viel dafür tun muß, und er nimmt es in Kauf. Vieles im Leben ist mit kleinen oder großen Anstrengungen verbunden. Das akzeptieren wir, weil wir es gar nicht anders kennen. Wenn Sie Karriere machen wollen, strengen Sie sich an. Wenn Sie ein Haus kaufen wollen, strengen Sie sich an. Um weiterhin in der glücklichen Beziehung mit Ihrem Lebensgefährten zu leben, strengen Sie sich an. Selbst wenn Sie Hunger haben, tun Sie etwas, um satt zu werden.

Wie kommt es dann, daß man sich einbildet, ein bewußtes Leben führen zu können, ohne sich dafür anzustrengen? Offensichtlich haben wir die Idee, daß es sozusagen im Schlaf zu uns kommt, ohne Anstrengung, ohne etwas dafür tun zu müssen. Irrtum! Lernen steht auf dem Programm, Anstrengung und das Sammeln vieler Erfahrungen.

Sie werden im Laufe dieses Prozesses vielleicht an tausend Türen klopfen, bis Sie eine gefunden haben, die sich für Sie öffnen wird. Ebenso werden Sie, wenn Sie dazu bereit sind, die einzelnen Kapitel mehrfach durchdenken, bis sich Ihnen die Logik und die Parallelität der einzelnen Abschnitte erschließt, die auf den ersten Blick vollkommen unterschiedlich erscheinen mögen.

Wenn Sie also bereit sind, neue Perspektiven zu gewinnen, Ihr Denken bis auf die Wurzeln radikal zu erneuern, dann wagen Sie dieses geistige Abenteuer. Fangen Sie an, engagieren Sie sich, führen Sie Ihr Denken in das Unbekannte hinein. Und wenn es einmal für Sie langweilig werden sollte, dann hinterfragen Sie, warum das so ist. Auch Langeweile kann ein guter Lehrmeister sein.

Gemeinsame Reise. Auch für mich ist dieses Buch eine Reise. Denn etwas zu denken, zu erfahren, nachzudenken, das ist etwas anderes, als es in komprimierter Form zu Papier zu bringen. Und vielleicht wird sich das eine oder andere während des Schreibens noch einmal weiter oder neu entwickeln. Wir sind also wirkliche Reisegefährten.

Wenn wir uns entschließen, diesen Weg zu gehen, dann sollten wir sicher sein, auch das Ziel erreichen zu wollen. Tun Sie es nicht dem Zugreisenden gleich, der an jeder Station aufstand, mit bekümmerter Miene hinausschaute und sich tief seufzend wieder setzte. Einem Mitreisender tat der Mann sehr leid und er fragte ihn nach dem Grund seines offensichtlichen Kummers. »Ach, wissen Sie«, bekam er zu hören, »ich bin in den falschen Zug gestiegen und fahre nun schon die ganze Zeit in die verkehrte Richtung. Ich werde wohl mein Ziel nicht erreichen.« Der Mitreisende fragte daraufhin sehr erstaunt: »Ja, warum steigen Sie denn nicht einfach aus und warten auf den Gegenzug?« Die Antwort war frappierend: »Draußen ist es so schrecklich kalt und so dunkel, daß ich gar nicht aussteigen mag.«

Sicher, der Weg, den Sie hier kennenlernen werden, ist alles andere als spaßig. Auch Sie werden manchmal nichts außer Kälte und Dunkelheit wahrnehmen, zumindest wird es Ihnen so erscheinen. Wenn Sie Ihr Ziel aber wirklich erreichen wollen, dann wagen Sie den Schritt ins Ungewisse. Lassen Sie sich nicht abschrecken von Kälte und Dunkelheit, von Schmerzen, Höhen und Tiefen. Denn Sie werden auch herrlich warme Lichtmomente und Augenblicke großartigen Glücks erleben.

Aber seien Sie sicher, daß Sie den Weg wirklich gehen wollen. Denn es wäre besser, ihn gar nicht erst zu beginnen, wenn schon zu Anfang der Gedanke da ist, einfach umkehren zu können, wenn er nicht mehr angenehm ist. Wer einmal begonnen hat, den Weg zu gehen, kann schwerlich wieder umkehren. Wenn er es dennoch tut, wird irgendwann etwas geschehen, was ihm keine andere Wahl läßt, als sich erneut auf den Weg zu begeben, um die Schöpferkraft zu entdecken.

Anmerkung des Autors

1. Es ist keine Bewertung, wenn ich im ersten Kapitel eine Unterteilung in Mensch 1, 2, 3 und 4 vornehme. Es ist nur eine Arbeitshypothese, um die unterschiedlichen Entwicklungsstufen veranschaulichen zu können. Im zweiten Kapitel wird sie bereits wieder aufgehoben. Denn Schöpferkraft bedeutet, daß uneingeschränkt alles in ihr enthalten ist. In ihr ist alles gleichzeitig, gleich wertig und gleich gültig. Der Mensch ist grundsätzlich Ausdruck der Schöpferkraft, zu keiner Zeit ist er nicht vollkommen.

2. Die in diesem Buch dargestellte Meinung ist nur eine Möglichkeit auf der Skala aller gedanklichen Schlüsse. Wesentlich ist die Bildung einer eigenen Meinung, die weder durch Konditionierungen noch Dogmen beeinflußt wird. Im Grunde könnte jeder wirklich denkende Mensch ein ähnliches Buch schreiben. Ich fände es tatsächlich spannend, die ganz persönlichen Denkweisen möglichst vieler Menschen kennenlernen zu dürfen.

3. Meine vehement geäußerte Abneigung gegen die katholische Kirche gilt nicht den Kerngedanken des Christentums. Sie gilt der Organisation, die eben diese Kerngedanken in oft menschenverachtender Weise interpretiert und lebt. Gleichzeitig steht die katholische Kirche als Synonym für alle anderen Systeme und Organisationen, die dem individuellen Erkenntnisprozeß des Menschen entgegenwirken.

Kapitel 1 - Kreuzwege

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Mensch 1 bis Mensch 4

Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung. Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung.

Oscar Wilde

Göttliches Potential

Der Mensch existiert als Seins-Potential. Er existiert als ein Wesen mit unerschöpflichen Möglichkeiten. Beim Start ins Leben ist er ausgestattet mit einer Vielzahl von Qualitäten. Alles schlummert in ihm, aber nichts davon ist entwickelt. Der Mensch ist ein Wesen mit unbegrenztem Vermögen; dennoch ist er nichts anderes als ein Seins-Potential.

Das menschliche Werden ist zu vergleichen mit der Entwicklung eines Samenkorns. Beides birgt Chancen, die zu Beginn nicht erkennbar sind, und beide - der Mensch wie auch das Samenkorn - brauchen die richtige Nahrung, um sich entfalten zu können.

Für das Samenkorn mag es ein wenig einfacher sein: Der richtige Boden, das richtige Maß an Wärme und Feuchtigkeit, später dann das Licht - die äußeren Voraussetzungen sind damit vorhanden. Allerdings: Wenn das Samenkorn in sich tot ist, wird es sich natürlich auch unter den besten Gegebenheiten nicht entwickeln können.

Beim Menschen ist die Entwicklung des Potentials schon etwas schwieriger. Sicher: Wir werden ernährt, erzogen, fürs Leben angeleitet - für unser äußeres Wachstum ist also gesorgt. Wer aber kümmert sich um unser inneres Wachstum? Wer leitet uns an, um wacher und bewußter zu werden? Wer hilft uns, das Potential zu entfalten, um den Weg der Weisheit gehen zu können?

Der Geist der Gesellschaft. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß es weltliche Institutionen gibt, die dafür verantwortlich sind. Schule, Ausbildung, Studium, selbst die Vertreter der Religionen können dieses Potential nicht herausbilden. Sie sind selbst zu sehr im Geist der Gesellschaft gefangen und werden von ihm kontrolliert.

Es gibt nur eine einzige Institution, die das Wachstum fördern und eine Transformation in Gang setzen kann: Sie liegt in uns selbst, in jedem einzelnen von uns. Und nur wir selbst können sie in uns wachrufen.

Aber sind wir nicht ebenso gefangen im Geist der Gesellschaft und werden wir nicht ebensosehr durch ihn kontrolliert wie all diejenigen, welche uns im Laufe des Lebens anleiten und belehren? Da ist es wohl verständlich, daß wir im Kreis der Wiederholungen, in der toten Routine der Alltäglichkeiten erstarren. Wir schlafen; und wir wissen es nicht einmal. Wie also sollten wir uns wünschen, wach zu werden?

Die Weisheit wird nicht aufgezwungen. Hin und wieder mag es zwar Gelegenheiten geben, den Weg des Wissens zu nehmen. Aber der natürliche Lauf des Lebens zwingt uns nicht dazu. Also leben wir weiter in der Aktivität der Materie mit ihren angeblichen Wundern des Wissens. Die Seele allerdings verkümmert indessen.

Doch jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit, aus der absoluten Welt der Materie über die Weisheit zur höchsten Stufe des Wissens zu gelangen. Jeder Mensch kann seine Seele aktivieren; er kann wachsen und sich transformieren.

Wir kommen aus der Schöpferkraft; und wir sind die Schöpferkraft. Alles, was dazwischenliegt, sind Träume. Unser Festhalten an Materiellem, das Verteidigen unserer Standpunkte, das Verharren in Gewohnheiten - das sind nichts als Scheinwelten, Illusionen, Selbsttäuschungen. Unser Ziel sollte es sein, von einer niedrigen Schwingung in eine höhere Schwingung zu gelangen, damit wir eigentliche Quelle der Schöpferkraft sehen und leben können.

Wachstum und Wandlung

Elite meint die erfolgreiche Evolution jenseits der Materie. Zur Elite zählen Menschen, die sich etwas zutrauen, die sich anstrengen, die dem Durchschnitt entwachsen und zu Höherem heranreifen wollen. Meist gebrauchen wir den Begriff Elite zwar dann, wenn er gleichzeitig mit Popularität einhergeht: im Sport, im Showbusiness, in der Kunst oder in der Politik. Aber ist Elite nicht auch oder vielleicht sogar erst recht auf die Menschen anzuwenden, die im Sinne von Weisheit und innerem Wachstum einen umfassenden Beitrag leisten und sich damit von der Mittelmäßigkeit abheben?

Denn bezogen auf die Schöpferkraft geht es natürlich nicht um die Elite des Geldbeutels, des Könnens, der Leistung und der Popularität. Es geht vielmehr um die evolutionäre Elite: hochentwickelte, transformierte und dadurch hochqualifizierte Menschen, die sich aus dem gebräuchlichen Elite-Verständnis weiterentwickeln zur Weisheits-Elite.