Stefanie Glaschke
Das Liebeswissen der weisen Frauen

Stefanie Glaschke

Das Liebeswissen
der weisen Frauen

HARMONIE · ENTFALTUNG ·
PARTNERSCHAFT

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Vollständige E-Book-Ausgabe der
bei J. Kamphausen Verlag & Distribution
erschienenen Printausgabe.

© 2010 Lüchow in der J. Kamphausen Verlag &
Distribution GmbH, Bielefeld
Satz: de·te·pe, Aalen
Umschlaggestaltung: ad department, Bielefeld
Umschlagfoto: Björn Gaus, Bielefeld
Druck & Verarbeitung: Westermann Druck Zwickau GmbH
Datenkonvertierung E-Book: Bookwire GmbH

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über abrufbar.

ISBN E-Book: 978-3-89901-495-2
ISBN Printausgabe: 978-3-89901-336-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige
Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

INHALT

Dieses Buch ist für alle geschrieben, die den Mut haben,
die Magie der Liebe zu ergründen.
Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei allen, die mir
persönlich ihre Liebe gezeigt haben und zeigen.
Ein ganz liebevoller Dank geht an Michael Ruhnau, der mich bei
der Arbeit an diesem Buch mit seiner Liebe zu mir unterstützt hat.
So sei es!

VORWORT

Liebesbeziehung und weise, wie passt das zusammen? Ist denn die Liebe nicht irrational und führt uns oft an der Nase herum? Sagte Shakespeare nicht in »Wie es euch gefällt« so treffend: »Entsinnst du dich der kleinsten Torheit nicht, in welche dich die Liebe je gestürzt, so hast du nie geliebt.«

Wer will schon »weise« lieben? Wir wollen tief lieben, heftig und innig, wir lieben oftmals ganz und gar ohne Verstand. Wenn wir verliebt sind, sind wir ohnehin nicht mehr wir selbst. Was kann Weisheit uns in einer Liebesbeziehung geben? Weisheit hat etwas zu tun mit dem Wissen um die Grundgesetze einer Angelegenheit. Und auch die Liebe hat grundsätzliche Bedingungen. Jedes Liebespaar wird zustimmen, wenn ich als Grundbedingungen gegenseitigen Respekt, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Hingabe nenne. In unserer Welt der Individualisten, in der das Ego ständig gepflegt wird, in dieser Welt der Wegwerfbeziehungen und der Partnersuche per Katalog ist es aber nicht leicht, Hingabe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit miteinander zu leben und zu pflegen. Heute, wo jeder, der glaubt, sexuell anziehend zu sein, sich auf eine Partnerschaft einlassen will, bedarf es reiflicher Überlegungen, was denn Partnerschaft, Liebesbeziehung und Zweisamkeit eigentlich bedeuten können. Vorausgesetzt, ein Liebespaar findet sich, dann braucht es einiger weiser Anregungen, damit aus der anfänglichen Verliebtheit eine echte, liebevolle Verbindung erwachsen kann.

In meinem Buch »Das Seelenwissen der weisen Frauen« habe ich bereits beschrieben, wie der einzelne Mensch für sich genommen seelisch gesund leben kann. Für eine glückliche Zweisamkeit ist eine seelische Grundgesundheit wichtig, damit nicht der Blinde den Lahmen tragen muss. Auch wenn eine Liebesbeziehung durchaus Chancen bietet, sich gegenseitig bei der Heilung alter Wunden und Verletzungen zu unterstützen, soll doch in erster Linie ein gemeinsames Wachstum ermöglicht werden. Liebende sind wie Pflanzen, die sich gegenseitig nicht im Licht stehen dürfen, soll die Liebe Bestand haben. Gemeinsames Handeln und ein gemeinsamer Weg sind viel wichtiger als ein Fairplay hinsichtlich des Geldes, des Haushalts und der Freiräume. Die weiße Magie bietet eine Vielzahl solcher Gemeinsamkeiten an, bei denen jeder als Individuum berücksichtigt wird und dennoch ein gemeinsames Drittes entstehen kann. Liebe ist Magie und Magie ist Liebe – bringen wir wieder zusammen, was zusammengehört. Zur Einstimmung auf dieses Buch führst du vielleicht mit deinem Partner oder deiner Partnerin das folgende Ritual durch, das euch die Stabilität Eurer Beziehung aufzeigen kann.

RITUAL ZUR FREIWILLIGEN VERBINDUNG IN LIEBE

Wählt für dieses Ritual einen besonderen Tag bei zunehmendem Mond oder noch besser einen Neumondabend. Vielleicht nehmt ihr einen Jahrestag oder ein Datum, das euch beiden viel bedeutet. Ihr braucht für dieses Ritual Pergamentpapier, ein Stück weiße Kordel, Kreide, eine Feder mit Tinte und eine rote und eine dunkelblaue Kerze. Außerdem benötigt ihr eine weiße Kerze als Schutzkerze, einen Kelch mit Wasser, getrocknete Rosenblätter sowie eine Räucherschale mit Räucherkohle. Duscht oder badet, bevor ihr beginnt, und wählt einen Ort und einen Zeitpunkt aus, die Sicherheit vor Störungen bieten.

Nun reinigt die Utensilien, einschließlich der Kerzen, unter fließendem Wasser oder indem ihr sie mit Salz abreibt. Bereitet das Ritual vor, indem ihr das Pergament in zwei Hälften teilt und jeder mit der Feder seinen eigenen Namen auf eine Hälfte schreibt. Stellt euch vis-à-vis mit etwa einem Schritt Abstand einander gegenüber und reicht euch die Hände. Spürt bewusst in eure Hände und in die des Partners hinein und visualisiert, dass Kraft, Wärme und Licht durch eure Hände und eure Körper fließen.

Entzündet die weiße Kerze mit dem Satz: »Lichtwesen und Glücksgeister des Himmels und der Erde, Ihr seid willkommen, damit unsere Liebe stetig größer, klarer und heller werde.«

Nun nimmt einer von euch die Kreide und beginnt, um sich herum die Hälfte einer liegenden Acht zu zeichnen, übergibt die Kreide an den Partner, der um sich selbst herum die zweite Hälfte zeichnet. Ihr steht nun jeder in einer Schlaufe der liegenden Acht, dem Zeichen für Unendlichkeit, das auch Lemniskate genannt wird. Sprecht gemeinsam den folgenden Zauberspruch:

»Wasser, Luft, Erde und Feuer –

unsere Liebe ist mir wert und teuer –

nie will ich weichen noch wanken –

meine Liebe zu dir kennt keine Schranken.

Und sollte einst entfernen sich das Glück –

hole ich es mit Liebe, Licht und Kraft zurück.«

Die Frau entzündet die blaue Kerze und spricht:

»So sei es! So sei es! So sei es!«

Der Mann entzündet nun die rote Kerze und spricht:

»So sei es! So sei es! So sei es!«

Nun streut gemeinsam Rosenblätter auf die Räucherkohle und trinkt nacheinander einen Schluck Wasser aus dem Kelch. Reicht euch noch einmal die Hände und bedankt euch bei den Schutzgeistern wie folgt:

»Lichtwesen und Glücksgeister des Himmels und der Erde, bleibt nun bei uns. Wir danken euch für euren Beistand, dass unsere Liebe stetig größer, klarer und heller wird.« Tretet aus der liegenden Acht heraus, dann rollt jeder für sich das Pergamentstück ein, auf dem der Name des Partners steht. Streut auch Rosenblätter hinein, die mit eingerollt werden. Bindet gemeinsam die Röllchen so zusammen, dass die Kordel ebenfalls die Lemniskate, die liegende Acht, darstellt. Hängt dieses Gebilde in der Nähe eurer Eingangstür auf. Löscht die Kerzen mit einem Kerzenlöscher. Die Kerzen werden nun regelmäßig mindestens einmal in der Woche wieder angezündet, bis sie ganz heruntergebrannt sind.

Dieses Einstimmungsritual ist eine gute Vorbereitung auf die folgenden Kapitel. Es lohnt sich, dieses Buch zu zweit zu lesen, denn ein Partner allein kann mit all seiner Weisheit keine Liebesbeziehung halten, außer der Liebesbeziehung zu sich selbst. An dieser Stelle sei gesagt, dass auch die Liebe zu sich selbst eine wichtige Eigenschaft und Voraussetzung für eine glückliche Liebe ist. Seid ihr aber zu zweit, werden die Kräfte von beiden gebraucht, um eine gemeinsame glückliche Liebe zu erfahren. Ich wünsche euch viel Freude an diesem Buch und ein gutes Gelingen für eure Liebe.

Stefanie Glaschke

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BEZIEHUNGEN
FRÜHER –
ROLLEN HEUTE

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Wir gehen ganz richtig davon aus, dass das Leben in Liebesbeziehungen schon immer eine große Rolle für den Menschen gespielt hat. Allein der Sexualtrieb ist ausreichend Grund dafür, dass sich die Geschlechter miteinander befassen. In Zeiten, in denen Kinder und Familie sogar einen wirtschaftlichen Wert hatten, konnte man durch das Gründen einer Familie die Arbeitsleistung erhöhen. Kinder gingen in früheren Zeiten nicht zur Schule, sondern zur Arbeit; Frauen und Männer bewegten sich nicht im Fitnessstudio oder beim Shopping, sondern um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die biologische Beschaffenheit des menschlichen Wesens und seine hormonelle Steuerung machen Beziehungen möglich und erstrebenswert, selbst wenn rationale Überlegungen dabei keine Rolle spielten. Aber die Ideen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. So war in vielen Kulturen die Bi- und Polygamie erlaubt, Bisexualität stärker verbreitet als heute und die eheliche Treue entwickelte sich erst relativ spät. Frauen und Männer sahen in der Bindung einerseits gesellschaftliche Vorteile, sie wurden durch die Beziehungen gestärkt. Gleichzeitig wurde die Institution Ehe genutzt, um die soziale Stellung, insbesondere der Frau, zu heben. Zwar galt die Ehe in der sexualfeindlichen Zeit des frühen Mittelalters nicht unbedingt als erstrebenswert, vor allem nicht für Männer – wenn aber schon eine Beziehung zwischen den Geschlechtern nötig war, dann doch bitte schön mit dem Segen der Kirche und in geregelten Bahnen. So haben schon sehr früh Gelehrte über die Ehe und die Sexualität geschrieben, um dem unerfahrenen Volk Anleitungen zur Gestaltung des Liebeslebens zu geben. Im 12. Jahrhundert beispielsweise spricht Andreas Capellanus in seinem Werk »De amore« (Über die Liebe) dem einfachen Volk den rechten Umgang mit der Liebe ab. Er schreibt laut einer Übersetzung von Johann Hartlieb aus dem 15. Jahrhundert:

»Von der pawern und agkerleüt und mynn: Wir sprechen, das das selten geschehen mag, das die pawern sich üben in der rechten lieb und mynn, sunder sy werden naturlich als de rosz und esel zu dem lust irs fleischlichen begerens geraitzt.« Der Verfasser spricht also der landwirtschaftlich arbeitenden Bevölkerung ab, dass sie zu einer Liebeskultur fähig sei, eher stellt er sie auf die Stufe der reinen Natur, der Triebbefriedigung von Ross und Esel.

In der Zeit der Minne und später dann in der Romantik begannen Gefühle im Bewusstsein der Bevölkerung eine Rolle zu spielen. Es ging plötzlich nicht mehr nur um Fortpflanzung nach den Vorschriften der Moraltheologie oder um eine Verbesserung der Arbeitsleistung, sondern um ganz persönliche Gefühle, die speziell für einen ganz individuellen anderen Menschen empfunden wurden. Liebe war mit einem Mal ein wesentlicher Aspekt und bereicherte das Leben. Dieses Gefühl wurde schlechthin Luxus, wenn der Geliebte oder die Geliebte doch nicht zur konkreten Umsetzung einer Liebesbeziehung bereit war oder sich nicht eignete. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Goethes Werther, der sich verzehren musste, weil er seine Lotte nicht bekam. Der Lebenserhalt konnte gefährdet werden, wenn Liebe im Spiel war. Liebe war existenzbedrohend.

Minne und Romantik waren aus diesen Gründen hauptsächlich den oberen Schichten vorbehalten, das einfache Volk konnte sich nicht leisten, auf Gefühle zu setzen. Hier regelte die Kirche weiterhin einen reibungslosen Ablauf der Partnerschaften. Die beiden Partner hatten Kinder zu zeugen und zu erziehen; eheliche Untreue stand in fast allen geschichtlichen Epochen unter Strafe.

Selbst für Martin Luther war die Rolle der Frau im 16. Jahrhundert noch die einer »Gebärmaschine«: »Ob sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nicht, laß nur tot tragen, sie sind darum da.« Ob Frauen überhaupt Menschen seien, erörterte noch 1591 eine Gruppe Gelehrter in Wittenberg ernsthaft. Glücklicherweise kamen die Gelehrten zu der Überzeugung, dass es sich bei Frauen durchaus um Menschen handele.

Wir können uns also bei unseren Bemühungen um gleichberechtigte Liebesbeziehungen nicht auf die Gesellschaften der Vergangenheit berufen. Frauen spielten oft die untergeordnete Rolle, das ergab sich schon aus der biologischen Notwendigkeit des Gebärens. Da Verhütungsmittel zwar allgemein bekannt, aber gleichzeitig verboten waren, durften Frauen das körperliche Hindernis einer Schwangerschaft nicht selbst planen. Im Mittelalter brachte die Kirche Kinderlosigkeit mit dem Teufel in Verbindung; für praktizierte Verhütung konnte eine Frau auf dem Scheiterhaufen landen.

Welche Schlüsse sollen wir modernen Menschen nun also aus der Vergangenheit ziehen, um unsere Sehnsucht nach einer Liebesbeziehung zu stillen? Bei meiner Recherche für dieses Buch ist mir eines ganz sicher bewusst geworden: Die emotionalen Beziehungen, Liebe und Leidenschaft, gefühlsmäßige Bindungen waren immer dann möglich, wenn die Partner sich nicht rund um die Uhr dem bloßen Existenzkampf zu stellen hatten. Offensichtlich muss man sich Romantik leisten können und Liebe braucht einen entsprechenden Rahmen, um zu gedeihen. Das würde aber bedeuten, dass gerade jetzt die Gesellschaft nur aus glücklichen Paaren und verliebten Menschen bestehen dürfte. Zwar ist auch heute nicht jeder wohlhabend, doch im Vergleich zur Vergangenheit geht es uns ausgesprochen gut. Unsere Arbeitszeiten sind kürzer geworden, wir haben soziale Sicherungssysteme, die dem Einzelnen einen Grundbedarf zugestehen, von dessen Umfang ein schwer arbeitender Bauer im Mittelalter nicht einmal zu träumen wagte. Doch besser geht es uns in der Suche nach Erfüllung nicht. Wir leben besser, länger, gesünder und dennoch oft einsamer, verzweifelter, süchtiger und schlechter, was die seelische Ebene angeht. Wir haben heute die Zeit, die früher fehlte, aber wir investieren sie selten in Beziehungen, sondern in die billige Unterhaltung durch amerikanische Fernsehsehformate. Wir haben das Geld, das früher nicht vorhanden war, doch wir investieren eher in Konsumartikel als in die Pflege unserer Beziehungen. Heute kann jeder Angebote finden zur Beziehungspflege, Kommunikation, Sexualität und so weiter. Doch der Run auf die Kursangebote bleibt aus, Wartelisten gibt es höchstens im EDV-Bereich.

Nur wenn ein Mensch Single ist, wird er rührig. Dann fahndet er nach dem passenden Partner, im Internet, im Freizeitclub, am Arbeitsplatz, einfach überall. Wir suchen auch in der Neuzeit nach der Lösung für das Problem der Liebe, eine Lösung, die die Menschheit offensichtlich bisher noch nicht gefunden hat.

Wir sollten weiter zurückgehen, bis zu den Anfängen der menschlichen Kultur, die uns teilweise durch Mythen und Sagen überliefert sind. Ein Blick in die Mythologie lohnt immer, da sie ja gleichzeitig die Vorstellungen und die Wünsche eines Kulturkreises darstellt. Betrachten wir die Mythen der weisen Vorfahren, werden wir feststellen, dass sich zumindest eines nicht geändert hat, nämlich der Wunsch nach einer harmonischen Beziehung zu einem anderen Menschen. Gehen wir also weiter zurück als im normalen Geschichtsunterricht und betrachten wir die archetypischen, also seelenbeherrschenden Bilder unserer Vorfahren. Wir werden erstaunliche Erkenntnisse gewinnen. So beschreiben beispielsweise zahlreiche keltische Mythen immer wieder Liebesgeschichten, in denen ein junges, fruchtbares Paar sich findet, obwohl ein meist älterer Widersacher das verhindern will. Göttliche Paare wurden bei den Kelten als Symbol für Harmonie, Schutz, Wohlstand und Gesundheit gefeiert. Es gab auch viele Geschichten, die sich darum rankten, dass ein weltlicher König sich mit der Göttin der Fruchtbarkeit vereinigen sollte. Die Göttin trat häufig in Gestalt einer hässlichen alten Hexe auf, etwa die Baba Yaga im slawischen Raum. Konnte sich der König dazu überwinden, erhielt er als Belohnung diese Göttin in ihrer jugendlichen Schönheit zur Gemahlin, und Vater wurde er zudem noch.

Stürzen wir uns in das Abenteuer Liebe, befriedigen wir doch einfach diese Sehnsucht. Wir sollten aufhören, ein Gefühl in starre Rollen und Normen zu pressen, hier liegt für mich ein wichtiger Schlüssel. Bei anderen Gefühlen wie Angst, Scham, Wut, Freude oder Trauer sagt uns auch keiner, wie sie aussehen sollen. Niemand versucht eine Wutzeit in seinen Tagesablauf zu integrieren oder einen Raum für Freude in seinem Haus einzurichten. Es gibt nirgendwo so viel künstliches Theater wie in der Liebe. Liebe ist in uns wie jedes andere Gefühl auch. Wenn ich meinen Mann im Garten oder auf der Autobahn lieben will, kommt mir das komisch vor. Bin ich aber im Einkaufszentrum oder beim Einparken wütend, ist das normal. Liebe wird eingeschränkt, bei vielen auf den Körperausdruck in einem Bett, wenn der Tag vorüber ist. Und dann wundert man sich, dass nach ein paar Wochen wenig Lebendigkeit übrig bleibt.

Die Pflanze »Liebe« wird heiß ersehnt, aber wenn wir sie haben, stecken wir sie in eine kleine schwarze Kiste, weil sie im Leben keinen Platz hat. Der Verliebte, der im Pausenraum am Telefon mit seiner Frau flirtet, wird verlacht. Die Frau, die sich den ganzen Tag darauf vorbereitet, dass ihr Mann und sie einen schönen Feierabend genießen können, gilt als unemanzipiert. Ein Mann, der seinen Sportwagen gegen eine Familienkutsche eintauscht, wird bedauert und die Frau, die auf ihre Karriere verzichtet, weil sie ein liebevolles Heim für Mann und Kinder schaffen will, als dumm beschimpft. Unsere Rollenvorstellungen sind schon lange nicht mehr auf Gefühle und Seele ausgerichtet, sondern nur noch auf Egotrip und Selbsterhalt. Das Mitgefühl, das ja in der Liebe den größten Reiz ausmacht, ist dem »Eurogefühl« gewichen. Haushaltsgemeinschaft, WG mit Sexanteil, das sind die modernen Rollenklischees der Gesellschaft. Und wenn die Rolle des autonomen »Lonesome Riders« oder der alleinstehenden Wellnessliebhaberin durch Gefühle ins Wanken geraten, bekommen wir Angst und drängen weg, was uns so dringlich fehlt.

Magie kann helfen, diese Rollen aufzubrechen und unser Herz mutig werden zu lassen für die Liebe, für ein Gefühl, das nicht zu kontrollieren ist. Und ganz gleich, ob gestern oder heute, ganz gleich, welche Rollen die Gesellschaft für Männer oder Frauen vorsieht, Liebe ist eine Aufgabe der Gegenwart, jeder Mensch muss sie lösen, ohne sich dabei an die Gesellschaft anlehnen zu können. Es sind aus alten Zeiten keine Spitzfindigkeiten in der Liebe überliefert, keine Hinweise darauf, wie der Geschlechterkampf zu gewinnen sei. Es gibt nur wenige Überlieferungen, die meisten aber sprechen von Liebe, und das in einer erfrischenden Selbstverständlichkeit. Auch war das Suchen eines Partners – zumindest der schriftlichen Überlieferung zufolge – kein großes Thema. Die Weisen verliebten sich und nahmen es als Geschenk an. Dahin zurückzugehen, Liebe vor »Beziehung« zu setzen und sich selbst der Liebe, die im eigenen Herzen wohnt, gewahr zu werden und hinzugeben, ohne gleich eine Gegenleistung vom anderen zu erwarten, das scheint besser funktioniert zu haben als unser kindisches und verzweifeltes Rufen nach einem Menschen, der uns die Liebe gibt, die wir uns selbst nicht geben können. Ich bin überzeugt, dass ein Liebespaar keine nennenswerten Rollendiskussionen führen muss, denn das Wesentliche zwischen den beiden ist das Gefühl und nicht die Form.

Magische Übung für ein mutiges Herz

Diese magische Übung kannst du allein durchführen; auch für Menschen, die sich einen Partner wünschen, ist sie gut geeignet.

Du brauchst nichts außer einer Mischung aus getrockneter Engelwurz, Rosenblättern und Thymian. Außerdem brauchst du eine Räucherschale mit Räucherkohle. Zur Engelwurz passt übrigens ein Zitat von Goethe sehr gut.

»Müsset im Naturbetrachten immer eins wie alles achten.

Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn was innen, das ist außen.

So ergreift, ohne Säumnis, heilig öffentlich Geheimnis.«

Damit spielt er darauf an, dass Engelwurz bekannt war als Pflanze, die Selbstvertrauen und Mut stärken sollte. Mit Engelwurz kannst du das Innere nach außen kehren, Schüchternheit und Selbstzweifel lassen sich damit überwinden. Dieses Kraut wurde schon immer für wirkungsvolle Liebeszauber empfohlen.

Du gibst nun die beiden Kräuter und dazu ein paar getrocknete Rosenblätter in einen kleinen Baumwollbeutel. Behalte aber ein wenig zurück, um es zu räuchern. Lege das Räucherwerk auf die Holzkohle. Halte das Kräuterbeutelchen in den Rauch und stell dir vor, wie dein Herzraum sich mit grünem Licht füllt und nach außen Liebe abstrahlen kann, weil er selbst randvoll ist. Drücke das Beutelchen nun an dein Herz und lasse das grüne Licht zu den Kräutern hineinströmen. Atme kräftig ein und aus und führe dir die Kraft deines Herzens deutlich vor Augen. Bleibe so lange in dieser Vorstellung, bis die Räucherkohle verglüht ist. Trage das Kräuterbeutelchen nun bei dir, um dich stets an die Kraft deines Herzens zu erinnern. Du kannst dieses Beutelchen auch als Geschenk für einen lieben Menschen oder den Partner herstellen, den du mit der Kraft deiner Liebe begleiten möchtest.

PAARE IM WANDEL DER GESCHICHTE