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MONIQUE

POSTHUMUS

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CANNABIS

UND KREBS

MEINE SUCHE NACH HEILUNG

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Monique Posthumus
Krebs & Cannabis
Meine Suche nach Heilung

Gestaltung Umschlag & Innenteil: Kerstin Fiebig [ad-department.de]
Übersetzung: Ursula Kremer
Lektorat: Angelika Holdau
E-Book Gesamtherstellung: Bookwire GmbH, Frankfurt a. M.

© J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld 2017
info@j-kamphausen.de | www.weltinnenraum.de

ISBN Printausgabe: 978-3-95883-216-0
ISBN E-Book: 978-3-95883-217-6

1. Auflage 2017

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Die in diesem Buch veröffentlichten Inhalte und Ratschläge wurden von der Autorin und dem Verlag mit größter Sorgfalt recherchiert, erarbeitet und überprüft. Eine Garantie für die Inhalte kann jedoch weder von der Verfasserin noch vom Verlag übernommen werden. Des Weiteren wird eine Haftung von Seiten des Ver-lages sowie der Verfasserin ausgeschlossen für irgendwelche Sach-, Personen- und Vermögensschäden, die sich bei der Anwendung der Informationen in diesem Buch ergeben sollten. Jede Leserin und jeder Leser sollte mit seiner Gesundheit und den Informationen in diesem Buch Verantwortungsbewusst umgehen und sich bei Beschwerden und Krankheiten rechtzeitig therapeutischen Rat einholen.

SO WHILE YOU’RE

IMITATING AL CAPONE

I’LL BE NINA SIMONE.

Monique Posthumus wurde 1964 geboren. Als Mutter von zwei Kindern mit einem 40-Stunden-Job stand sie voll im Leben, als sie die Diagnose Krebs erhielt. Trotz all der Widrigkeiten, die die Erkrankung und deren Behandlung mit sich brachte, hat Monique Posthumus nie die Verantwortung für ihr Leben abgegeben.

Sehr früh machte sie sich auf die Suche nach alternativen, ergänzenden Behandlungsmethoden. Angst und Schmerzen konnten sie nicht davon abhalten, sich kritisch mit ihren Ärzten und deren Therapievorschlägen auseinanderzusetzen. Mit ihrem Blog, den sie lange Zeit schrieb, ließ sie andere Menschen unmittelbar an ihrem Prozess teilhaben und machte ihnen Mut.

So war die Zeit ihrer Erkrankung nicht nur von Leid geprägt, sondern sie war auch voller Glücksmomente, berührender Begegnungen und Erkenntnisse. Monique Posthumus ist eine Heldin, die uns allen gezeigt hat, dass es möglich ist, angesichts einer existenziellen Bedrohung Würde und Mitgefühl zu bewahren. Ihre Geschichte hat eine Strahlkraft, die uns allen Mut macht.

Monique Posthumus starb am 9. Oktober 2016.

INHALT

VORWORT VON MONIQUE

WORTE VON WILLEM

RENGER WITKAMP

COEN VAN VEENENDAAL

KAPITEL 1: MEINE DIAGNOSE

Der Hausarzt

Der Internist

Der Chirurg

Der Onkologe

Leben mit Krebs

Offizielle Diagnose

Rick Simpson

Lynch-Syndrom

Haschischöl (1)

Erster Chemozyklus

Zweite Meinung

Surfen im Internet

Beeindruckt von einer DVD

Der Pfarrer

Entscheidungen treffen

KAPITEL 2: MEINE SUCHE

Haschischöl (2)

Hausarzt Fransen

Anruf von Doktor Müller

Der Cannabisforscher

Heliosklinik

Mail an Doktor Müller

Zahlen

Jesse

CT-Ergebnis

Fünfzig

Jesses Arzt

Haschischöl (3)

Juckreiz

Familientreffen

CT-Ergebnis

Kreta

Interview

YouTube

Beinahe vollständige Remission

KAPITEL 3: MEINE GESCHICHTE

Spitzenforscher im Bereich der Krebsforschung

Zweites Interview

Meine Webseite

Mein Blog

Reaktionen auf meine Webseite

Ergebnis der Blutuntersuchung

Meine Mission

KAPITEL 4: MEINE PSYCHE

Nachts wachliegen

Unterbrechung: Einsichten

Alltag

Project Storm

Schicksalsgenossen

Beau De Lange

Madelief

Die Zeugen Jehovas

Mails

Life goes on

Die Tropfen absetzen

Vortrag der Stiftung

Joris Vlasman

Meine Webseite beenden

KAPITEL 5: MEIN KREBS

Leben ohne Webseite

Rick-Simpson-Öl

Bauchschmerzen

Noch mehr Bauchschmerzen

Die Ernüchterung

Zäpfchen

Anruf von Doktor Müller

Der Schmerz kommt zurück

Chemo

Innere Ruhe

Abschied

Doktor Fransen

Mail an Doktor Meyer

Doktor Meyer

Ergebnis des PET-Scans

Operation in Sicht

Die Operation

Krankenhaus

Einmal Himmel und zurück

Doktor Meyer

Doktor Müller

Anruf von Doktor Fransen

Warum?

Nina Simone

Die Zukunft

NACHWORT

DANK

VIDEOTIPPS VON MONIQUE

NACHWORT VON LISA, DER TOCHTER VON MONIQUE

VORWORT VON MONIQUE

Dieses Buch handelt von der schlimmsten Zeit meines Lebens. Meine Geschichte beginnt mit der Entdeckung eines großen Knubbels in meiner Leiste. Der Knubbel stellte sich als Metastase einer aggressiven, weit fortgeschrittenen Form von Dickdarmkrebs heraus. In den nächsten Wochen nach der Entdeckung des Knotens erfuhr ich, dass Heilung ausgeschlossen war und ich nicht mehr lange leben würde. Cannabis kreuzte schon kurz nach der Diagnose meinen Weg, ich nahm es in Form von Cannabisöl ein. Dank Cannabis und dank meines Gemütszustands hat mein Krankheitsverlauf eine wunderbare Wendung genommen. Ich habe die ganze Zeit über eine positive Einstellung zu meinem Krebs gehabt und war offen für all das Gute, das der Krebs mir brachte. Den Zeitraum von anderthalb Jahren, den ich in diesem Buch beschreibe, würde ich nicht noch einmal durchleben wollen, weil er so heftig und schwer war. Andererseits war es eine Zeit, die ich um keinen Preis hätte missen wollen, denn sie hat mir so viel Schönes gebracht. Mein Krebs war ein Geschenk, in diesem Buch lesen Sie warum.

Ich hoffe, dass Ärzte und Onkologen dieses Buch lesen und danach eine andere Einstellung beim Verschreiben einer Chemotherapie für unheilbar kranke Patienten haben werden und dass sie verstehen, wie fragwürdig die Haltung der pharmazeutischen Industrie ist. Der Kampf gegen Krebs, der schon vierzig Jahre währt, hat nur kleine Schritte nach vorn gemacht. Noch immer sieht es für die meisten Patienten mit gestreutem Krebs düster aus. Wenn wir als Gesellschaft im Kampf gegen Krebs größere Schritte machen wollen, dann werden Forscher und Onkologen zwei wesentliche Punkte beachten müssen:

Krebs ganzheitlich behandeln

und nicht auf ein lokales Problem reduzieren,

offen sein für das Gute, das die alternative

Gesundheitswelt zu bieten hat.

Mein Hauptgrund, dieses Buch zu schreiben, besteht darin, meinen Leidensgenossen eine Stütze zu sein. Allen, die genau wie ich von den Ärzten hören mussten, dass Heilung nicht möglich und der Tod nahe sei. Diese Leute möchte ich wissen lassen, dass es vielleicht doch noch Möglichkeiten und Chancen gibt. Hoffnung ist so wichtig in einer aussichtslosen Lage; ich weiß das sehr gut. Zum Veranschaulichen die Mail, die ich von Arina (gestreuter Darmkrebs) erhielt. Ich habe mit Arina seit jener Zeit Mailkontakt, in der ich eine Webseite über Cannabis und Krebs hatte. Ich informierte sie, während ich an diesem Buch schrieb; im Folgenden ihre Reaktion darauf:

Ach, Monique,

du müsstest mich hier mal heulen sehen, so froh bin ich. Dass es dir so gut geht und natürlich auch aus eigenem Interesse! Ich bin doch immer wieder auf der Suche nach Bestätigung im Internet. Nach Geschichten von Menschen, die es auch geschafft haben, und dann denke ich: Das erfinden die doch nicht einfach. Und nun bekomme ich von dir, meinem großen Vorbild, diese gute Nachricht.

Und wie gut, dass du das aufschreibst. Wir haben im vergangenen Jahr doch viel Schlimmes erlebt. Für dich war es noch etwas länger, meine ich. Wenn ich einen Beitrag liefern kann, gerne. Ich versuche es auch zu verbreiten, merke aber, dass Leute große Angst davor haben, die Kontrolle zu verlieren, und deshalb nicht zum Cannabisöl greifen.

Durch dein Interview habe ich mit dem Cannabisöl angefangen. Ich will nicht behaupten, dass dies mein Leben gerettet hat (also denke ich es eben im Stillen). Doch solltest du durch das Schreiben des Buches nur einem Menschen das Leben erträglicher machen, dann hätte es sich schon gelohnt. Aber ich bin davon überzeugt, dass du damit vielen Menschen helfen wirst.

Mein Onkologe äußert sich sehr verächtlich über Cannabisöl und anschließend fragt er, ob ich noch Schmerzmittel, Oxazepam oder ein anderes Gift, brauche. Das finde ich sehr schade. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Buch und ein gutes Leben.

Liebe Grüße, Arina

WORTE VON WILLEM

Den Tag der Diagnose habe ich noch klar vor Augen. Am Ende des Tages hatten wir einen Termin, um die schlechte Nachricht zu hören. Der Satz des Onkologen „Wir werden schon was tun“ schwirrt mir in den folgenden Tagen ständig im Kopf herum. Was werden sie denn in Gottes Namen tun? Ja, palliative Chemo! Das ist das Einzige, was der Onkologe zu bieten hat. Ich klammere mich daran fest, jedenfalls als ich erfahre, dass der Onkologe einen Patienten hat, der damit schon sieben Jahre lang einigermaßen gut zurechtkommt. Der Schock sitzt so tief, dass ich alles glaube, was der Arzt sagt. Vor allem, als er sagt, dass die meisten Menschen die Chemo gut vertragen würden. „Piece of cake“ könnte man sagen.

Am Himmelfahrtstag ist es so weit, die erste Chemo ist fällig. Als ich nach einigen Stunden mal eben mit meiner Tochter einkaufen gehe und danach Monique wiedersehe, erschrecke ich mich fürchterlich. Sie sieht gelb aus, weiß, gerade noch nicht fluoreszierend. Was haben sie mit ihr gemacht? In den nächsten Tagen geht es ihr noch schlechter, sie nimmt pro Tag ein Kilo ab, ist depressiv, Neuropathie. Ich sehe, dass sie Mühe hat, die Chemotabletten einzunehmen. Ich wache über sie wie ein Wachhund. Ich will sie nicht verlieren, also müssen die Tabletten rein, koste es, was es wolle. Sie verspricht mir, sie einzunehmen. Ich sehe, dass sie das nicht lange durchhält. In meinem Kopf spielt sich nach einer Weile etwas Sonderbares ab. Durch das ganze Elend hindurch kommt in mir irgendwie ein Bewusstsein und eine Klarheit auf, dass die Lebensqualität für mich mehr zählt als die Zeit, in der sie hier noch herumläuft.

Die Lebensqualität kam, als das Cannabis seinen Einzug hielt. Nicht dass der Cannabisweg immer einfach ist. Ich bin nicht unbedingt ein Anhänger von Cannabis, ich möchte nur sagen, dass es einen riesengroßen Unterschied gibt, so wie ich die beiden Medikamente erlebt habe. Und dann natürlich auch die besonders guten Resultate, die mit Cannabis erreicht worden sind. In Moniques Fall hätten wir das nie mit einer Chemotherapie erreichen können!

Wir stießen auf viel Unglauben, und es gab Ärzte, die uns vor allem behüten wollten, was im Internet zu finden war. Trotz der guten Ergebnisse war die Neugier auf diese guten Resultate gering. Erst viel später treffen wir auf Leute, Ärzte, Wissenschaftler, die gemeinsam mit uns nachdenken und auch wissen, dass Cannabis etwas bewirken kann.

Ich habe eine enorme Bewunderung für die Art und Weise, wie meine Frau Monique mit ihrer Krankheit umgeht. Ihr außergewöhnlich analytisches Vermögen hilft ihr dabei sehr. Cannabis ist für sie die Medizin, aus dem einfachen Grund, weil wir sehen, dass sie wirkt! In unserem Fall sahen wir, wie Moniques Metastasen durch das Cannabis verschwanden wie Schnee in der Sonne. Was soll man dazu noch sagen?

RENGER WITKAMP

Professor für Ernährung und Pharmakologie

Die meisten Krebspatienten, die momentan Cannabis einnehmen, tun das in Kombination mit einer regulären Therapie: um besser zu essen und zu schlafen, wegen der Schmerzen oder um ruhig zu werden. Nach dem Motto „Nützt es nicht, so schadet es auch nicht“ hat die medizinische Welt dies einigermaßen akzeptiert. Es wird schon schwieriger bei der Antwort auf die Frage, ob Cannabis die Wirkung einer Chemotherapie verstärken könnte. Dafür gibt es zwar einige Anzeichen, aber gut kontrollierbare Studien wurden nur mit Tieren oder mit Zellen im Reagenzglas durchgeführt.

Monique wählt offenkundig einen anderen Weg. Nach zwei schweren Chemozyklen, an denen sie beinahe körperlich und geistig zerbricht, beschließt sie, ausschließlich mit Cannabis weiterzumachen. Entgegen aller Ratschläge ihrer Ärzte. Denn trotz Verständnis für ihr Leiden gibt es nach deren Meinung nur eine richtige Option, und die heißt: Auf zum folgenden Zyklus. Monique entscheidet sich für einen alternativen Weg, weil sie, wie sie selbst schreibt, nichts zu verlieren hat. Die nüchternen Statistiken geben ihr Recht. Von den Personen, bei denen eine Form von gestreutem Dickdarmkrebs diagnostiziert wird wie bei ihr, leben nach zwei Jahren nur noch 30% oder sogar weniger. Die gebräuchlichen Behandlungen sind ungeheuer schwer und nur auf eine Lebensverlängerung ausgerichtet. Während ich dies schreibe, liegt Moniques zweiter abgebrochener Chemozyklus schon beinahe ein Jahr zurück. Die Metastasen in Leber, Lymphknoten und Lunge sind nicht mehr zu sehen. Was mit Monique passiert, ist zumindest sehr beachtenswert, darin sind sich alle einig. Klar ist auch, dass Monique inzwischen zu den weniger als 30% zählt. Aber genauso wichtig ist es, wie Monique ihre eigene Krankheit erlebt. Wenn Chemo die Hölle ist, dann ist Cannabis für sie der Himmel: Zugegeben, die recht hohe Dosis Cannabis, die sie einnimmt, hat auch reichlich Nebenwirkungen, aber Monique kann einigermaßen funktionieren und fühlt sich bestimmt nicht wie eine Krebspatientin. In einer ihrer E-Mails schreibt sie mir: „Auch wenn ich es nicht schaffen sollte, so ist der Tod mit Cannabis unendlich viel besser als der mit Chemotherapie.“

Was nun? Können wir die Remission der Metastasen dem Cannabis zuschreiben? Monique beantwortet diese Frage in ihrem Buch mit einem klaren Ja. Im Internet findet man zahllose Berichte von Menschen, die das bestätigen. Demgegenüber werden zweifellos unzählige Mediziner sagen, sie habe einfach Glück gehabt oder es handle sich um eine langanhaltende positive Wirkung der zwei Chemozyklen, die sie damals doch immerhin gehabt habe. Auch die Interpretation der Pharmaindustrie lässt sich erraten. Chemotherapie ist „big business“ und die Kassen klingeln mit jedem Monat, den die Patienten länger leben. Cannabis kostet beinahe nichts und kann nicht patentiert werden.

Als Wissenschaftler beobachte ich weiterhin mit Faszination, was mit Monique passiert. Und auch mit großer Bewunderung für ihre Durchsetzungskraft und die ihres Partners Willem. Aber ich muss auch kritisch bleiben und weiterhin Fragen stellen. Sicher, Cannabis wird schon Tausende von Jahren als Medizin verwendet. Die Pflanze besitzt zahllose Aktivstoffe, von denen erst eine geringe Anzahl erforscht wurde. Diese Wirkstoffe haben die Wissenschaft auf die Spur unseres eigenen Endocannabinoid-Systems gebracht. Dieses System scheint an allerlei Prozessen in unserem Körper beteiligt zu sein und spielt eine Rolle bei verschiedenen Krankheiten, möglicherweise auch bei Krebs. Nun ja, wir wissen auch, dass Studien von Krebszellen im Reagenzglas durchaus nicht immer vorhersehbare Ergebnisse in Bezug auf den Menschen liefern. Das Gleiche gilt für die Forschung an Versuchstieren mit „ausgeschalteten“ Genen oder an Mäusen, denen schnellwachsende Tumore eingepflanzt oder eingespritzt werden, weil bei ihnen das Warten auf spontan auftretenden Krebs praktisch nicht möglich ist. Wenn es um den Gebrauch von Cannabis als Medizin geht: Welche Sorte oder welches Cannabisöl müssen wir eigentlich haben? Wirkt es auch bei anderen Patienten? Es bleiben noch viele Fragen offen. Nüchtern betrachtet, scheint Cannabis jedoch nicht schlechter zu wirken als die Chemotherapie, die sonst angewendet würde. Betrachtet man alle Laborresultate und Fallberichte wie die von Monique, so meine ich, dass man wesentlich mehr am Menschen geforscht hätte, ließe sich Cannabis patentieren. Vielleicht liegt es auch daran: Eines der größten Probleme von Cannabis ist, dass es zu preiswert ist.

COEN VAN VEENENDAAL

Direktor Inspire & Live Begründer von Alpe d`HuZes

Als ich vor knapp einem Jahr die Geschichte von Moniques erstaunlicher Heilung hörte, war ich fasziniert und wollte wissen, was dahintersteckte. Bei meiner jahrelangen Suche nach der Lösung für die Pandemie, wie man Krebs wohl nennen darf, treffe ich auf viele wundersame Geschichten. Bei näherer Betrachtung stellen sie sich meist als nicht so wunderbar heraus, wie sie präsentiert werden; folglich bin ich nicht mehr so schnell zu begeistern. Immerhin spricht man schnell von „revolutionären Durchbrüchen“, und das ist im Licht einer Krankheit, an der jährlich schätzungsweise 10 Millionen Menschen sterben, nicht gerade respektvoll. Als ich Monique zu Hause besuchte, traf ich eine sehr rationale und selbstbewusste Dame an, die – fern von vagen Geschichten – ganz klar und gut begründet über ihren Krankheitsverlauf berichtete sowie über ihre Suche, Enttäuschungen und Hoffnung. An jenem Nachmittag erzählte sie mir persönlich in knapper Form die Geschichte, so wie sie im Buch klar und offenherzig beschrieben wird.

Monique ist sozusagen die Verkörperung einer modernen, mündigen, intelligenten Patientin, die in ihre Behandlung eingebunden sein will und Mitsprache haben möchte. Monique übernimmt dabei die volle Verantwortung für ihren eigenen Heilungsprozess und lässt sich nicht von der Meinung der Schulmedizin bestimmen. Als „Patientin-Wissenschaftlerin“ geht sie von ihrer eigenen Situation aus, um nach der Behandlungsmethode zu suchen, die bei ihr wirkt. Sie gibt bei Enttäuschungen nicht schnell auf, hört aber immer auf ihren Körper, vertraut auf ihre Intuition und sucht zur Überprüfung unablässig den Dialog mit ihren behandelnden Ärzten. Krebs ist eine sehr komplexe Krankheit und offensichtlich muss die Behandlung immer mehr auf das jeweilige Individuum abgestimmt werden. Aus wissenschaftlicher Sicht wissen wir immer mehr darüber, aber es erfordert auch eine kritische Haltung des Patienten. Der Patient muss selbst die Regie übernehmen wollen und die vorhandene Kenntnis nutzen, um gemeinsam mit den behandelnden Ärzten danach zu suchen, was wirkt.

Durch Fallen und Aufstehen hat Monique ihren individuellen Weg gefunden. Im Cannabis hat sie eine sehr potente Medizin, was ihr viel gebracht hat. Sie hat außerdem noch einen wichtigen Schritt mit dem Schreiben dieses Buches getan. Sie zeigt, wie man als Patient die Regie über den eigenen Genesungsprozess übernehmen kann, und damit ist sie ein großes Vorbild für all jene, die die Diagnose Krebs bekommen oder bereits bekommen haben. Zudem bricht sie eine Lanze für eine jahrelang verteufelte Pflanze, die zu Recht gerade ein Revival erlebt, vor allem seit man nun mehr über den Wirkungsmechanismus der Inhaltsstoffe von Cannabis weiß. Für mich ist Monique die Heldin dieser Geschichte, und die müsste eigentlich heißen: „Monique und Krebs“.

KAPITEL 1

MEINE DIAGNOSE

DER HAUSARZT „Nehmen Sie kurz Platz, der Doktor wird Sie gleich holen“, sagt die Assistentin an der Anmeldung zu mir. Ich habe heute einen Termin bei meinem Hausarzt Dr. Schaafsma, einem meiner beiden Hausärzte. Am vergangenen Wochenende entdeckte ich einen großen Knubbel in meiner Leiste, ich erschrak darüber. Ich begriff sofort, dass dies ein Signal war, mein Körper schlug Alarm. Ich habe seit langer Zeit ein Burn-out, fühlte mich aber nicht in der Lage, auch nur etwas kürzerzutreten bei meiner Arbeit. Nun ja, diese Getriebenheit, unter der ich schon mein ganzes Leben leide, kann eine tiefe Fallgrube sein. Nein, bei meiner Arbeit muss alles weiterlaufen, im Gegensatz dazu geht zu Hause durchaus manches schief, das Burn-out sucht sich ein Ventil. Ich trinke zu viel, ich treibe keinen Sport mehr, ich vermeide soziale Kontakte, ich fühle mich schwach, leer und down. In der letzten Zeit taucht immer öfter der Gedanke in mir auf, dass ich einen Herzinfarkt oder eine Gehirnblutung bekommen werde, wenn ich so weitermache; schnell verdränge ich diese Art von Gedanken, sobald sie in mir hochkommen. Und ich gelobe Willem und meinen Kindern immer wieder, dass es nicht mehr lange so weitergeht, dass ich wirklich weniger arbeiten werde, bestimmt nicht mehr jeden Abend, und dass ich dieses Jahr auf jeden Fall Urlaub machen werde. Sie glauben mir schon geraume Zeit nicht mehr. Mein Körper glaubt mir auch nicht mehr, der Knoten ist ein heftiges Alarmsignal, ich weiß es einfach.

„Frau Posthumus, es ist Ihr Lymphknoten, der ist geschwollen. Es ist wahrscheinlich nichts Ernstes, das kann von einer Entzündung kommen oder einer kleinen Wunde.“ Der Hausarzt besieht meine Beine und Füße genau, ob er etwas entdecken kann.

„Ich glaube, der Knoten wird von selbst verschwinden. Er fühlt sich nicht schlecht an. Wenn er bösartig wäre, dann fühlt sich das meistens anders an. Ich kann Ihren Knoten bewegen, das ist ein gutes Zeichen. Und auch, dass es nicht schmerzt, wenn ich darauf drücke, ist ein gutes Zeichen.“ Als ich mich wieder angezogen habe, schlägt Dr. Schaafsma vor, sich die Sache in vierzehn Tagen noch einmal anzuschauen.

„Wenn der Knoten dann noch nicht weg ist, überweise ich Sie an einen Internisten.“

„Und wie lange dauert es, bis ich einen Termin beim Internisten bekomme?“, frage ich.

„Ein oder zwei Wochen“, sagt Dr. Schaafsma.

„Dann mache ich lieber jetzt schon einen Termin beim Internisten aus“, sage ich. „Ich kann ihn immer noch absagen, sollte der Knoten dann weg sein.“

Ich sage nicht ohne Grund, dass ich sofort einen Termin beim Internisten vereinbaren möchte, ich mache mir Sorgen. Ich habe schon ein paar Monate lang jeden Tag Bauchschmerzen. Die ganze Zeit über dachte ich, dass es Beschwerden der Wechseljahre sind, aber jetzt mit dem Knoten traue ich der Sache nicht mehr. Dr. Schaafsma gibt mir eine Überweisung für den Internisten.

Das Wort „Krebs“ ist im Sprechzimmer von Dr. Schaafsma nicht gefallen. Es ging mir wohl durch den Kopf, schon vor dem Besuch beim Hausarzt. Mann, so ein großer Knoten, ich bin nicht auf den Kopf gefallen. Krebs ist beängstigend, ich habe lieber keinen Krebs. Ich denke daran, was mein Hausarzt über den geschwollenen Lymphknoten sagte: Es kann von einer kleinen Wunde oder einer Entzündung kommen. Ich betrachte meine Beine und Füße selbst noch einmal gründlich. Und auf einmal weiß ich es, es ist mein Zeh! Schnell mache ich den Nagellack von meinem großen Zeh ab. Fast der ganze Nagel ist schwarz, noch immer. Meine Schwägerin hatte im vergangenen Jahr auch einen seltsamen Fleck auf ihrem Zeh, er stellte sich als Melanom heraus. Schnell google ich Bilder von Melanomen unter Nägeln, einige Bilder sind meinem verdammt ähnlich. Ich bin erleichtert, ich habe höchstwahrscheinlich ein Melanom unter meinem Nagel. Erfreut erzähle ich es Willem, als er nach Hause kommt. Ja, ich bin froh, denn ein Melanom am Zeh ist zu ertragen. Okay, das kostet mich einen Zeh, und ich muss wieder neu laufen lernen, aber damit kann ich doch wenigstens alt werden.

Am nächsten Morgen rufe ich in der Hausarztpraxis an und frage die Assistentin, ob ich vorbeikommen kann, um dem Arzt meinen Zeh zu zeigen. „Ich frage mal, ob der Doktor Sie gleich zurückrufen kann“, sagt die Assistentin. In der Zwischenzeit gehe ich zu einem Arbeitstreffen, ich habe ein Gespräch mit einem Bewerber, Harry. Es ist strahlendes Wetter, wir sind auf einer Terrasse bei mir in der Nähe verabredet. Es wird eine eigenartige Begegnung. Harry erzählt, dass er nicht so ganz bei der Sache sei, weil bei ihm vor Kurzem ein Knoten festgestellt wurde, möglicherweise bösartig. Bizarr. Ich erzähle Harry von meinem Knoten und dem Melanom, das die Ursache dafür ist. Und dann ein Anruf auf meinem Handy, es ist der Hausarzt, ich darf vorbeikommen, um meinen Zeh zu zeigen. Ich beende das unkonventionelle Bewerbungsgespräch, und wir wünschen einander viel Glück mit unseren Knoten.

„Nein, Frau Posthumus, das ist kein Melanom. Sie sind mit Ihrem Zeh heftig irgendwo gegengestoßen“, sagt Dr. Schaafsma, während er meinen Zeh untersucht.

„Aber davon habe ich wirklich überhaupt nichts gemerkt“, protestiere ich. Ich bin enttäuscht, wäre es nur ein Melanom. Und gleichzeitig denke ich: Was weiß ein Hausarzt schon von Melanomen, ich werde den Zeh dem Internisten zeigen.

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Ich habe (hatte) viele Charakterzüge, die mich für ein Burn-out empfänglich machen. Von den nachfolgenden fünfundzwanzig Fragen muss ich zwanzig mit Ja beantworten.

• Können Sie schlecht Nein sagen?

• Sind Sie jemandem lange böse?

• Fühlen Sie sich oft schuldig?

• Stehen Sie oft unter Zeitdruck?

• Überfordern Sie sich?

• Sind Sie sozial unsicher?

• Haben Sie regelmäßig Versagensängste?

• Neigen Sie zum Perfektionismus?

• Sind Sie ein Kontrollfreak?

• Leiden Sie unter unverarbeiteten Gefühlen?

• Nehmen Sie Antidepressiva?

• Sind Sie ein pessimistischer Typ?

• Sind Sie sehr umtriebig?

• Haben Sie ein großes (übertriebenes) Verantwortungsgefühl?

• Können Sie schlecht delegieren?

• Gehen Sie Konflikten aus dem Weg?

• Fordern Sie immer viel von sich selbst?

• Sind Sie unsicher in Bezug auf Ihre Arbeit?

• Sind Sie ein ängstlicher Typ?

• Können Sie sich nicht richtig durchsetzen?

• Gibt es Konflikte in Ihrem Arbeitsumfeld?

• Sind Sie physisch gesund?

• Wissen Sie, was von Ihnen erwartet wird?

• Haben Sie viele Doppelrollen, zu Hause mit eingerechnet?

• Sind Sie im Konflikt mit Ihren moralischen Normen/Werten?

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DER INTERNIST Zwei Wochen nach meinem Besuch bei Dr. Schaafsma bin ich beim Internisten, eine junge Frau, die noch in der Ausbildung ist. Ich erzähle ihr von dem Knoten in meiner Leiste und frage, ob sie zuerst nach meinem Zeh schauen will.

„Nein, das ist kein Melanom, das ist, wie Ihr Hausarzt sagt, ein blauer Fleck, Sie müssen sich irgendwo gestoßen haben.“ Dass es kein Melanom ist, finde ich nicht schlimm, ich hatte selbst diese Hoffnung schon mehr oder weniger aufgegeben. Anschließend bittet mich die Internistin, mich auf die Untersuchungsliege zu legen, dann betrachtet und befühlt sie den Knoten in meiner Leiste.

„Haben Sie zu Hause eine Katze?“

„Ja“, sage ich, „wir haben im Haus eine Katze und auch einen Hund, wieso?“

„Eine junge Katze?“

„Nein, keine junge Katze, etwa sechs Jahre alt“, antworte ich.

„Ich ziehe mal eben eine Kollegin hinzu“, sagt sie. Kurz darauf kommt sie mit ihrer Kollegin zurück. Auch diese Internistin schaut sich das an, fühlt und fragt: „Haben Sie vielleicht junge Katzen im Haus?“

Wiederum entgegne ich: „Nein, ich habe keine jungen Katzen.“ Die zweite Internistin erklärt mir, dass vergrößerte Lymphknoten das Symptom einer Krankheit sind, die junge Katzen auf Menschen übertragen können. Den Namen der Krankheit habe ich vergessen.

„Wir überlegen mal eben.“

Ein paar Minuten später kommt die junge Internistin zurück. „Normalerweise würden wir nun eine Punktion vornehmen. Mit einer Nadel ein bisschen Material aus dem Knoten entnehmen und zur Untersuchung in die Pathologie schicken. Aber aus Erfahrung wissen wir, dass eine Punktion nicht immer ausreichend Material liefert, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. In diesem Fall wäre noch eine Punktion erforderlich, und das bedeutet Zeitverlust. Meine Kollegin und ich finden es besser, den Lymphknoten sofort zu entfernen, dann gibt es bestimmt genug Untersuchungsmaterial für den Pathologen. Das ist keine große Sache, die Entfernung des Lymphknotens, das kann der Chirurg unter örtlicher Betäubung machen. Ich sehe sofort mal nach, wann Sie einen Termin beim Chirurgen bekommen können.“ Als sie zurückkommt, sagt sie: „Es geht schon übermorgen.“

DER CHIRURG Ich warte in einem Behandlungszimmer auf den Chirurgen. Es ist eine nette junge Frau.

„Soll ich mich hier ausziehen?“, frage ich sie.

„Wieso ausziehen?“

„Sie werden doch den Lymphknoten wegnehmen.“ Die Chirurgin bricht in Lachen aus. „Nein, so geht das nicht. Das ist hier doch kein OP, ich kann Sie hier nicht operieren.“

Ich geniere mich und sage: „Ich hatte verstanden, dass der Lymphknoten unter örtlicher Betäubung wegoperiert werden soll, dass es ein ganz kleiner Eingriff sei und dass er hier vor Ort vorgenommen werden soll.“ Ich sehe ihr an, dass sie die Nase gestrichen voll hat, und ziemlich irritiert entgegnet sie, dass sie nicht versteht, wieso ihre Kollegin so etwas sagen konnte. Der Lymphknoten sei zu groß und müsse operativ entfernt werden. Danach ist sie wieder die Freundlichkeit selbst, und als sie auf den Bildschirm blickt, sagt sie, dass ich schon in zwei Tagen operiert werden könne. Sie regelt alles mit dem Anästhesisten, ich kann sofort zu ihm. Das gehört zu einer Operation, wie klein auch immer, zuerst ein Gespräch mit dem Anästhesisten.

Die Operation zwei Tage später macht nicht viel her. Wenige Stunden später darf ich schon nach Hause. Als ich in der darauffolgenden Woche mit Willem zu der Internistin zurückkomme, hat sie schlechte Neuigkeiten für uns.

„Es ist Krebs, der Lymphknoten, den die Chirurgin entfernt hat, ist bösartig.“ Sie schaut mich voller Mitleid an. Und dann sagt sie: „Es ist kein Lymphdrüsenkrebs, woran wir dachten, als Sie das vorige Mal hier waren. Wir wissen nicht, um was für einen Krebs es sich handelt. Der Pathologe, der Ihr Gewebe untersucht hat, glaubt, dass es ein Organkrebs ist, er vermutet Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich finde das sehr schlimm für Sie und Ihren Mann.“ Danach erklärt sie, wie es weitergeht, noch in dieser Woche ein CT-Scan, und der nächste Termin wird beim Onkologen sein.

So fühlt es sich also an, wenn man zu hören bekommt, dass man Krebs hat und die Welt zusammenbricht. Wir halten einander gut fest, Willem und ich, und versuchen beide unsere Tränen so gut wie möglich zurückzuhalten. Pfff, sie glauben, es ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich kenne mich mit Krebs nicht aus, ich weiß aber, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs eine der schlimmsten Arten ist. An diesem Krebs ist meine Schwiegermutter vor zwanzig Jahren gestorben. Und das ging ganz schnell, innerhalb von drei Monaten. Zu Hause google ich „Bauchspeicheldrüsenkrebs“, ich sehe dabei eine Werbung, die ich nie vergessen werde, so eindringlich ist sie. Es handelt sich um ein Foto einer jungen Frau mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich halte sie für um die zwanzig, ihr Kopf ist kahl und voller Beulen. Es ist der Text, der so vielsagend ist: „I wish I had breastcancer.“

Bei meiner Arbeit melde ich mich krank. Mein Timing ist nicht gut, mein Stellvertreter ist gerade für einen Monat in Ferien gefahren, und es ist schrecklich viel zu tun bei der Arbeit. Aber so ist es nun einmal, da sind auch andere, die meine Arbeit übernehmen können, zumindest teilweise. Ich werde in der Zwischenzeit von zu Hause aus die Mailbox überwachen. Für den Fall, dass es sich um sehr dringende Angelegenheiten handelt, werde ich mich darum kümmern. Ich beginne auch gleich damit, eine Übergabe vorzubereiten für die Zeit, wenn mein Stellvertreter wieder zurück ist. Nur mit größter Mühe kann ich mich darauf konzentrieren. Ich muss immer daran denken, dass ich Krebs habe. Irgendwie kann ich es nicht glauben, es fühlt sich so an, als stimme etwas nicht. Aber ich bin mir bewusst, dass die Internistin keinen Scherz gemacht hat, es stimmt, ich habe Krebs, und es scheint sehr ernst zu sein.

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CT-SCAN

Mit einem CT lässt sich mit Hilfe von Röntgenstrahlen ein detaillierter Querschnitt vom Körper anfertigen. Manchmal ist ein Kontrastmittel nötig, um bestimmtes Gewebe von Organen zu unterscheiden. Um ein CT zu machen, muss man in einer geschlossenen Röhre liegen. Ein CT ist für die Diagnose vieler verschiedener Krebsarten geeignet: von Knochenkrebs bis zum Gehirntumor und von Lungenkrebs bis zum Magenkrebs.

MRT-SCAN

Das MRT erstellt ein genaues Bild von Knochen, Gelenken und umliegendem Gewebe wie Muskeln, Sehnen und Knorpel. Es handelt sich um eine Scantechnik, bei der elektromagnetische Wellen verwendet werden. Ein MRT ist, ebenso wie ein CT, dazu geeignet, viele Krebsarten festzustellen, wird aber häufig bei vermutetem Prostatakrebs und Darmkrebs eingesetzt.

PET-SCAN

Typisch für Krebszellen ist, dass sie einen höheren Stoffwechsel als gesunde Zellen haben. Dabei verbrauchen sie viel Zucker. Indem man Zuckermolekülen einen radioaktiven Stoff anhängt, wird mit Hilfe des PET geschaut, wo sich diese radioaktiven Stoffe im Körper anhäufen. Das weist auf die Anwesenheit eines Tumors oder auf Metastasen hin. Im Prinzip kann dieses Verfahren zur Diagnose der meisten Krebsarten gebraucht werden. Allerdings macht ein Arzt diese Art der Untersuchung meistens erst, wenn ein CT oder MRT keinen Aufschluss gibt und es ernsthafte Anzeichen einer Krebserkrankung gibt.

Quelle: KWF Kankerbestrijding [dt.: Krebsbekämpfung]

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DER ONKOLOGE Es ist der 13. Mai, der Geburtstag meiner Mutter. Ich weiß seit einer Woche, dass ich Krebs habe. Vor ein paar Tagen habe ich das CT gehabt, und jetzt warten wir auf den Onkologen. Dr. Müller ist ein wenig jünger als wir, ich glaube, Anfang vierzig. Er ist freundlich, aber zurückhaltend.

„Frau Posthumus, wir haben Ihr CT angeschaut und wir mussten feststellen, dass Sie höchstwahrscheinlich Dickdarmkrebs haben. Leider sieht es schlecht aus, der Krebs hat gehörig gestreut, aber das wussten wir bereits durch den infizierten Lymphknoten in Ihrer Leiste, das ist normalerweise ein sehr schlechtes Zeichen. Der Radiologe hat auf dem CT gesehen, dass es Metastasen in Ihrer Leber, Milz und Lunge gibt.“ Dr. Müller zeigt uns alles auf dem Computerbildschirm. Tränen springen mir in die Augen, ich sehe es auch bei Willem.

„Wir sehen auf dem CT einen großen Tumor in Ihrem Darm. Wir können aber nicht erkennen, ob der Tumor sich wirklich im Darm oder daneben befindet. Deshalb ist noch eine weitere Untersuchung notwendig, eine Endoskopie, dabei wird mit einer kleinen Kamera in Ihren Darm geschaut. Wenn wir sicher sind, dass es Darmkrebs ist, wissen wir auch, welche Chemotherapie wir Ihnen verordnen müssen. Das Ergebnis der Endoskopie wird nichts an der Tatsache ändern, dass Sie unheilbar krank sind.“

„Unheilbar krank, das heißt, ich sterbe“, sage ich. „Wie ist denn meine Lebenserwartung?“

„Mal davon ausgehend, dass es sich um Darmkrebs handelt, ist Ihre Lebenserwartung zwei Jahre, das ist der Durchschnitt. Und das nur, wenn Sie eine Chemotherapie bekommen, eine Behandlung ohne Chemo kommt in Ihrem Fall nicht infrage, denn dann wird alles viel schneller gehen.“ Danach beruhigt uns Dr. Müller noch: „Die heutigen Chemotherapien sind bei weitem nicht mehr so schlimm wie früher. Das gilt sicher für die CAPOX-Therapie, die meisten Menschen vertragen sie gut. Und wenn Sie und Ihr Mann erst noch Ferien machen wollen, so ist das in Ordnung. Ein paar Wochen später damit zu beginnen, macht nicht so viel aus.“ Danach erklärt Dr. Müller, was eine CAPOX-Therapie beinhaltet. Acht Zyklen von drei Wochen, davon am ersten Tag eine Chemo-Infusion, dann vierzehn Tage Chemo-Tabletten und dann eine Woche Ruhepause. Nach den ersten drei Zyklen folgt ein CT-Scan, um festzustellen, ob die Therapie anschlägt. Er nennt es eine „palliative Chemotherapie“, die nicht auf Heilung ausgerichtet ist, sondern auf Lebensverlängerung.

Draußen auf dem Parkplatz des Krankenhauses brechen wir in Tränen aus. Ich werde sterben, und bis dahin gibt es keinen Weg zurück ins Leben, so wie ich es kenne. Meine Zukunft ist eine Zukunft mit Chemo, solange ich es aushalte, darauf wird es hinauslaufen. Pff, das sind die Neuigkeiten, die ich meinen Kindern erzählen muss. Wie mach ich das bloß? „Einen Vorteil hat es“, sage ich zu Willem, „ich brauche später nicht in ein Pflegeheim.“ Ich meine es auch noch so. Im Auto ruft Willem schon Laura an, sie hat ein Zimmer in Nimwegen, sie kommt nach Hause. Auf dem Heimweg fahren wir bei meinen Eltern vorbei, ich möchte es ihnen persönlich erzählen. Mein Vater, sechsundachtzig Jahre alt, nimmt das alles sehr schlecht auf.

„Wenn es bloß kein aggressiver Krebs ist“, sagt meine Mutter mit Tränen in den Augen. Ich verstehe sie, keine Eltern wollen ihr Kind überleben. Ich fühle mich schuldig, ich will anderen kein Leid antun. Als auch mein Sohn nach Hause kommt, lassen wir vier die Tränen fließen. Ich selbst versuche, sie möglichst zu unterdrücken, ich möchte es ihnen nicht schwerer machen. Aber als Jelle schluchzend sagt, er könne mich noch nicht missen, breche auch ich zusammen. Später kommt meine Schwester Maaike und fällt mir weinend in die Arme.

Als am Abend Freunde kommen, versuche ich, mit so viel Leichtigkeit wie möglich darüber zu sprechen. „Glücklicherweise ist es kein Lungenkrebs. Wenn ich etwas noch Schlimmeres gefunden hätte, was ich den Kindern hätte sagen müssen, dann wäre es das gewesen.“ Und ich mache darüber Scherze, dass ich mit vierzehn schon wusste, dass ich nicht alt werden würde, ich zeige ihnen die kurzen Lebenslinien meiner linken Hand. In dieser Nacht schlafe ich zwischen Laura und Jelle ein. Aus dem Schlaf wird nicht viel, ich halte die ganze Nacht über ihre Hände fest.

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Vor meiner Diagnose war ich der Meinung, dass Krebspatienten eine Chemotherapie bekommen mit dem Ziel einer Heilung. Inzwischen weiß ich es besser. Eine Chemo kann nur einige Krebsarten heilen. Die häufig vorkommenden Krebsarten wie Brustkrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs werden nicht durch eine Chemotherapie geheilt. Pflegekräfte und ehemalige Krebspatienten aus meinem Freundeskreis dachten auch, dass eine Chemotherapie heilen kann. Offensichtlich ist eine klare Kenntnis darüber nicht weit verbreitet, wodurch Verwirrung entstehen kann.

Chemotherapie kann eingesetzt werden als:

Kurative Behandlung: Ziel ist die Genesung, das ist bei einigen Krebsarten möglich.

Palliative Behandlung: Heilung ist nicht möglich, Ziel ist, die Krankheit aufzuhalten oder Beschwerden zu verringern.

Adjuvante Behandlung: Behandlung zur Vorsorge nach einer Operation mit dem Ziel, eventuell noch vorhandene Krebszellen abzutöten.

Neo-adjuvante Behandlung: Behandlung vor einer Operation, um zum Beispiel den Tumor zu verkleinern.

Auf den ersten Blick ähneln viele palliative Behandlungen den kurativen, denn in beiden Fällen können beispielsweise Chemotherapie, Bestrahlung und eine Operation eingesetzt werden. Dadurch kann Verwirrung entstehen. Weil ein Patient nicht immer den Unterschied kennt, kann er den behandelnden Spezialisten falsch verstehen. Wenn der Spezialist zum Beispiel sagt, dass die Behandlung „gut anschlägt“, meint dieser damit, dass die Krankheit günstig auf die Behandlung reagiert, weil zum Beispiel die Metastasen schrumpfen. Der Spezialist meint damit nicht, dass der Patient dennoch geheilt wird. Für die Angehörigen des Patienten ist der Unterschied zwischen einer palliativen und einer kurativen Behandlung häufig gar nicht verständlich.

Quelle: KWF Kankerbestrijding (www.kwf.nl)

Ergänzung: Im Internet wird oft vor einer Chemotherapie gewarnt, vor allem, weil sie krebserregend sein könnte. Als Grund dafür wird angegeben, es komme oft vor, dass ehemalige Krebspatienten etliche Jahre nach ihrer Heilung auf einmal wieder Krebs bekommen. Ob das wahr ist oder nicht, weiß ich nicht. Ich habe diese Warnungen manchmal auch aus dem Mund von Ärzten vernommen.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die zu der adjuvanten Chemotherapie wegen der Risiken bewusst Nein sagen, und ich habe auch mit Menschen gesprochen, die wegen anderer Risiken bewusst Ja sagen. Aber die meisten beschäftigen sich nicht damit, sondern tun, was der Arzt sagt.

Leser, sollte Ihnen je zu einer Chemo geraten werden, vertiefen Sie Ihr Wissen darüber, suchen Sie nach Informationen, bitten Sie um Information, sodass Sie eine Grundlage haben, auf der Sie Ihre Entscheidung fällen können.

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LEBEN MIT KREBS